
In der neuen
Ausgabe des
New Yorker untersucht Elisabeth Zerofsky
Viktor Orbans Pläne für Europa, die sich seit 2014 immer weiter ausdifferenzieren. Und sie lässt sich erklären, wie Orban immer wieder erst das ungarische Rechtssystem und die EU austrickst: "Im Jahr 2010 führte Orbán Fidesz wieder an die Macht. In den nächsten Jahren verabschiedete er
mehrere tausend Seiten Gesetze. Er erhob Steuern auf ausländische Unternehmen und beendete das hybride öffentlich-private Rentensystem Ungarns und verstaatlichte damit rund zwölf Milliarden Dollar an Vermögen. Er hat die Anzahl der M.P.s. fast halbiert, ein Zug, der von den meisten Ungarn unterstützt wurde - und dann ging er weiter", indem er die
Verfassung änderte und so auch das Verfassungsgerichts nach gusto neu besetzen konnte. 'Sie tun alles nach dem Gesetz - es wird
nie eine illegale Handlung geben, sagte mir [Princeton-Juristin] Kim Lane Scheppele. "Jedes einzelne Gesetz sieht für sich genommen nicht so schlimm aus, aber wenn man sie zusammenlegt, entsteht dieses Netz. Deshalb ist die EU nicht in der Lage, damit umzugehen. Sie schauen sich eine Sache nach der anderen an, aber Orbán ist ein
systemischer Denker.' Orbán schuf eine
Antiterroreinheit, die zunächst scheinbare verfassungsmäßige Einschränkungen ihrer Überwachungsbefugnisse hatte. Anschließend hat er diese Beschränkungen in mehreren Abschnitten, die in ein Gesetz über
Speicher und Wasserwerke eingefügt wurden, aufgehoben. Scheppele hat gezeigt, wie Fidesz die Bezirke manipulierte und Wahlgesetze einführte, die das
Verhältniswahlrecht verzerrten. Im Jahr 2014 erhielt die Partei weniger Stimmen als in den Jahren 2002 und 2006, als sie die Wahlen verloren hatte, aber am Ende hatte sie eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Scheppele benutzte den Begriff 'Verfassungscoup', um das Regime von Orbán zu beschreiben. 'Es ist absolut genial', sagte sie.""
Außerdem
geht Jake Halpern der Kunst des
Meisterdiebes Vjeran Tomic nach, der 2010 das Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris um einige seiner besten Stücke erleichterte: "Tomic versteckte sich hinter einem Tuch, das er wie einen Vorhang außen vor das Fenster hängte. Dann begann er mit seiner Arbeit. Zuerst legte er die Schrauben des Fensterrahmens
mit Säure frei. Dann beseitigte er den Rost, entfernte die Schrauben und füllte die Löcher mit Knete. Es dauerte
sechs Nächte. Kurz vor Sonnenaufgang kehrte er mit zwei Saugnäpfen zurück und zog das Fenster heraus. Mit Bolzenschneidern brach er das Schloss auf. Er betrat das Museum, navigierte um die Bewegungsmelder herum und zog sich zurück. Er wartete, um sicherzugehen, keinen stillen Alarm ausgelöst zu haben. Als er wieder hineinging, sah er das Léger-Gemälde, nahm es von der Wand und aus dem Rahmen. Im schwachen Licht und der Stille des Museums entdeckte er Matisses 'Pastoral'. 'Ich starrte auf eine
tiefe,
lebendige Landschaft', erinnert er sich. 'Und der kleine Teufel spielt seine Flöte wie ein Magier, als wäre er der Hüter der Umgebung.' Er nahm es von der Wand."
Weiteres: Jerome Groopman
empfiehlt Rose Georges Buch "Nine Pints" vor, eine Medizin- und Kulturgeschichte des
Bluts. James Wood
liest Guy Gunaratnes Debütroman "In Our Mad and Furious City", der "ungefähr pro Seite
ein neues Wort enthält", das britischen, indischen, pakistanischen und irischen Slang mixt. Und Anthony Lane
sah im Kino
Julian Landis' Verfilmung der "Aspern Papers" von Henry James.