Die Bilder von der
belarussisch-polnischen Grenze schaffen Alexander Lukaschenko die erwünschte Ablenkung, schreibt Felix Ackermann in der
FAZ. Unterdessen verschärft er die
Repression nach innen noch, wertet Bilder von Demos mit Gesichtserkennungssoftware aus und verhängt drakonische Strafen: "Jetzt werden vermehrt Einzelurteile in Höhe von
fünf oder zwölf Jahren Haft etwa wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung oder wegen Landesverrats gefällt. So wurde der anarchistische Aktivist
Mikola Dziadok am 10. November zu fünf Jahren Haft verurteilt, nachdem er in Untersuchungshaft systematisch gefoltert worden war."
Den Flüchtlingen werden von belarussischen Beamten
Drahtscheren in die Hand gegeben, und dann wird ihnen gesagt, sich selbst einen Weg zu bahnen,
schreibt Anne Applebaum in einer
Atlantic-Reportage: "An diesem Punkt haben sie keinen Ausweg mehr. Sie dürfen nicht zu den offiziellen Grenzkontrollstellen gehen, um Asyl zu beantragen, obwohl einige danach verlangen. Sie dürfen
nicht nach Minsk zurückkehren, selbst wenn sie darum betteln, nach Hause zurückkehren zu dürfen. Die belarussischen Grenzbeamten halten ihnen
Pistolen ins Gesicht, schlagen sie und sagen ihnen, dass sie keine andere Wahl haben. Und so machen sie sich zu Fuß auf den Weg nach Westen."
Lukaschenkos Erpressungsmanöver würde nicht funktionieren, glaubt Moritz Baumstieger in der
SZ, wenn die EU-Mitgliedsstaaten sich endlich auf eine
gemeinsame Einwanderungspolitik einigen könnten, "die humanitären Notlagen genauso gerecht wird wie der zu erwartenden Überalterung Europas. Mit klaren Zielen, klaren Regeln, klarem Prozedere. Dass der Klimawandel in sehr naher Zukunft
viel mehr Menschen an Europas Grenzen führen wird, als es Lukaschenkos Air Belavia je vermag, wäre allein schon ein ziemlich guter Grund. Ein anderer ist: Noch erbärmlicher als ein Diktator, der immer wieder denselben Erpressungstrick hervorkramt, ist eigentlich nur der, der sich immer wieder mit derselben Masche vorführen lässt." Warum Baumstieger glaubt, die Abgelehnten würden nicht dennoch kommen, sagt er nicht.
Im
Standard appelliert der
Schriftsteller Martin Pollack an die EU, die Flüchtlinge an der belarussischen-polnischen Grenze
aufzunehmen und zitiert die Filmemacherin
Agnieszka Holland: "Wenn wir akzeptieren, was an den EU-Außengrenzen passiert, so die polnische Filmemacherin, dann erklären wir uns 'in der Folge damit einverstanden, dass Menschen, die vor dem Tod, dem Hunger, vor Kriegen ums Wasser flüchten, massenhaft getötet werden.
Getötet von uns. Von den europäischen Regierungen. (...) Es stellt sich die Frage, welchen Platz wir als Zivilisation, als Menschheit, als Europäer einnehmen, wenn es dazu kommt.'"
Neulich fiel der Europarat mit einer
Werbekampagne für das Kopftuch auf, einer der Werbesprüche: "Bringt Freude, akzeptiert den Hidschab" (unser
Resümee). Der Europarat hat die Werbung nach Protesten der französischen Regierung zurückgezogen. Jean-Loup Adenor und Hadrien Brachet
haben für
Marianne nach den Urhebern der Kampagne recherchiert und sind auf die Organisation "
FEMYSO" gestoßen, das "Forum of European Muslim Youth and Student Organizations", das den Muslimbrüdern nahezustehen scheint: "Es ist kein Zufall, dass FEMYSO seine Büros
in Brüssel eingerichtet hat. Im September 2003 war FEMYSO Mitorganisator einer Veranstaltung im Europäischen Parlament zum interreligiösen Dialog. Ein Beweis dafür, dass die Zusammenarbeit bis heute anhält: Am 17. November wird die
EU-Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, eine Delegation des Vereins empfangen."