Als Gesamtgesellschaft können wir nicht auf jede "
subjektiv-
individuelle Befindlichkeit" Rücksicht nehmen, sagt im großen
Welt-Gespräch mit Mara Delius
Thea Dorn, noch einmal auf ihren
Zeit-
Essay - und die erwartbare Kritik daran - (
hier und
hier) Bezug nehmend, in dem sie vom permanenten,
milieuübergreifenden Beleidigtsein und den Grenzen von Toleranz sprach. (Unser
Resümee) "Der entscheidende Unterschied zwischen mir und den meisten, die sich über meinen Artikel ereifert haben, scheint mir darin zu liegen, dass ich das dringende Bedürfnis verspüre, unsere freiheitlich-liberale Gesellschaft zusammenzuhalten, dass ich versuche, zwischen den auseinanderdriftenden und sich zunehmend feindselig gegenüberstehenden politischen Lagern zu vermitteln - während diejenigen, die sich ereifern, für ihr Milieu sprechen und den
Beifall in ihrem Milieu suchen. Ich bin überzeugt, dass man als Intellektueller heute zwischen allen Stühlen sitzen muss - anstatt das Geschäft der
gesellschaftlichen Radikalisierung und Spaltung zu betreiben. Wenn Sie sich umschauen auf der Welt, stellen Sie fest, dass die offene, pluralistische Gesellschaft ein krasser Sonderfall ist. Und ich möchte ergänzen: ein
fragiler Sonderfall."
Heute
berichtet Katharina Cichosch in der
taz über die Frankfurter Ausstellung "Contemporary Muslim Fashion", und sie ist um
einiges ambivalenter als die Redakteurinnen von
FAZ,
SZ und
Zeit. Die Ausstellung wolle "ausdrücklich
muslimische Mode als globales Phänomen untersuchen. Gerade hier gerät das Konzept an die Grenzen der eigenen Perspektive. So werden die
real existierenden Machtverhältnisse in Ländern von Saudi-Arabien bis Iran, in denen der Islam Staatsreligion und die weibliche Verhüllung in unterschiedlichster Form und unter Androhung diverser Strafen Pflicht ist, zwar nicht verschwiegen, aber im Gesamtbild doch zur
Fußnote, zu einer Art Verhandlungsmasse des jeweiligen Individuums. Wäre dieser
Milliardenmarkt der muslimischen Mode, der insbesondere in Modezeitschriften immer wieder schwärmerisch vorgebracht wird, ohne diese Länder und ihre ganz handfeste
Bestimmungsgewalt über Frauen, immer noch ein solcher?" Cichosch lernt in der Ausstellung auch, dass in Deutschland "nur
28 Prozent der Muslimas fürs Kopftuch optieren. Dieser bemerkenswerte Umstand schwebt dann auch eher kontextlos im Raum."
Mehr zur Ausstellung: Alexander Jürgs
empfiehlt im
Freitag einen unvoreingenommenen Blick. Denn "mit den
Klischeebildern muslimischer Kleidung (die, niemand wird das bestreiten, immer auch einen
Teil der Wirklichkeit abbilden) haben die Entwürfe im Museum nichts gemein".
In der
FR greifen Katja Thorwarth und Ulrich Weih den
Verdacht des
Zentrums für Politische Schönheit auf, der ermittelnde Staatsanwalt stehe der
AfD nahe. Auch Politiker der
Linken teilen den Verdacht, wie Matthias Meisner im
Tagesspiegel zusammenträgt: "Die thüringische Linken-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss veröffentlichte auf ein Twitter einen Thread mit der Zusammenfassung, dass Zschächner seit seit mehreren Jahren 'insbesondere mit
Ermittlungen gegen linke Strukturen auffällt'. Er werde, wenn es gegen diese gehe, 'hyperaktiv'. Gegen Nazis gebe es im Vergleich wenig. 'Ich unterstelle mittlerweile eine politische Motivation bei den Ermittlungen des Herrn Zschächner', schrieb König-Preuss."
So weit geht Alex Rühle in der
SZ nicht, meint aber: "Zumindest merkwürdig ist, dass der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Gera,
Martin Zschächner, der am Mittwoch den meisten Medienvertretern, so auch der SZ, beschied, die Staatsanwaltschaft könne keine Auskünfte erteilen, justament derselbe Staatsanwalt ist, der gegen das ZPS ermittelt. Er hätte diese
Doppelfunktion zumindest erwähnen sollen. Zum anderen gab er wohl doch verschiedentlich Auskunft, während er den Anwälten des ZPS jede Akteneinsicht verwehrte. So erfuhr der
Spiegel, dass das Verfahren eingeleitet wurde wegen der Behauptung des ZPS, Höcke observiert zu haben."
Eine der größten ökologischen Katastrophen in Europa ist das
Verschwinden der Wiesen,
schreibt Michael Miersch bei den
Salonkolumnisten. Dieser Rückgang trage maßgeblich zum
Insektensterben bei. Die meisten Wiesen heutzutage seien
überdüngte Grünäcker, auf denen weniger Grassorten wachsen als auf einem Fußballfeld. Und dann gibt's da noch ein anderes Problem: "Zwischen 1990 und 2013 wurden
600.000 Hektar Grünland umgepflügt. Wichtigster Treiber dieser Entwicklung war die
Energiewende. Viele Landwirte errichteten subventionierte Biogasanlagen und wandelten ihr Grünland in
Maisäcker um. Heute wächst auf über 2,5 Millionen Hektar Fläche Mais. Die Landschaft ganzer Regionen wird von Mais geprägt. Im Mais fühlen sich Wildschweine wohl. Fast alle anderen Tiere leider nicht."
Im Interview mit Cornelia Geißler (
Berliner Zeitung)
spricht die
Schriftstellerin Jagoda Marinic über Frauenrechte und den
#vonhier, unter dem Kinder von Einwanderern fordern, den
Migrationshintergrund nicht mehr zu thematisieren: "Es ist gefährlich, die eigene Herkunft unsichtbar zu machen, als wäre sie ein
Stigma. So zu tun, als gäbe es keine sichtbare Differenz, wäre für mich vorauseilende Assimilation. Sehen Sie in die USA: Der
Bindestrich in der Identität war immer existenzieller Bestandteil des Narrativs, wie etwa Irish-American zu sein. Man erzählt von den Vorfahren, die mit ihren Schiffen auf Ellis Island ankamen und so weiter. In dem Moment, in dem ich nur 'von hier' bin, da ich nicht mehr gefragt werde, wie ich heiße und woher mein Name kommt, verstummen diese Geschichten."