Magazinrundschau
Vor seinem erhabenen Profil
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
30.06.2026. Eurozine lernt aus einer Studie, dass die Iraner immer atheistischer werden. Dekoder erklärt, warum die postsowjetischen Völker oft so genervt von den Russen sind. Lidove noviny erinnert an die große tschechische Schriftstellerin Věra Linhartová. Brooklyn Rail interviewt den Fotografen Thomas Demand. La Regle du Jeu versucht sich hübsch boshaft, Dominique de Villepin als Staatspräsident vorzustellen.In Elet es Irodalom wünschte sich der Autor Miklós Vámos etwas Selbstkritik von den Ungarn. New Lines beobachtet die Flamingorevolution in Albanien.
Brooklyn Rail (USA), 29.06.2026
Der deutsche Fotograf Thomas Demand interessiert sich besonders für alles, was sich in einem Raum abspielt, bevor er ihn ablichtet, erzählt er Jurriaan Benschop im Interview für Brooklyn Rail. Das Reale und das Symbolische stehen für ihn gleichermaßen im Bild: "Bei 'Tunnel' (1999) faszinierte mich weniger der Tunnel, wie er tatsächlich aussah, als Prinzessin Diana dort ums Leben kam, als vielmehr die gemeinsamen Eindrücke, die wir sofort davon im Gedächtnis gespeichert hatten. Zum Zeitpunkt ihres Todes lebte ich in Paris, und in den Tagen danach sah man nur die ungeschicktesten Nachstellungen dessen, was sich im Tunnel zugetragen hatte. Man konnte ihn nicht betreten, da dort noch ermittelt wurde. Nach ein paar Tagen meldete sich ein Zeuge und sagte, er habe den Fahrer von Dianas Auto möglicherweise erschreckt, als er von rechts durch eine Einfahrt in den Tunnel einbog. Auch wenn sich herausstellte, dass dies nicht die Unfallursache war, veränderte sich plötzlich das Bild, das wir uns von dem Tunnel machten, auf einmal war eine zusätzliche Spur da, die von der Place de la Concorde kam." Ihm gehe es darum, diese Gefühle, diese Regungen auch in seinen Fotos zu zeigen, für die er ganze Kulissen und Räume baut: "Was ich in den größeren Fotografien, wie zum Beispiel 'Ballroom', erreichen möchte, ist das Gefühl, dass gerade jemand den Raum verlassen hat. Dann ist es still, und man kann hineinlinsen. Es ist kein überfüllter Raum; es ist immer ein leerer Raum, aber kein idealisierter. Es ist ein ganz bestimmter Moment und ein ganz bestimmter Ort. Diese Konkretheit ist wichtig, um einen Hinweis darauf zu geben, woher das Bild stammt - falls man daran interessiert ist, die Geschichte dahinter zu erfahren. Eine Ausstellung muss in den ersten dreißig Sekunden überzeugen, aber wenn es nur bei diesen dreißig Sekunden bleibt, reicht das nicht - sie muss zu etwas anderem führen. In meinem Fall liegt ein Teil davon darin, wie es gemacht ist - dass man erkennt, dass alles eine große Fälschung ist. Aber auch der Bezug zu etwas anderem bietet diesen Einstiegspunkt. Bei der Malerei sieht man den Pinselstrich - sie hat einen objektartigen Charakter. Die Fotografie hat das nicht. Sie hat eine industrielle Oberfläche. Wenn ich diesen Aspekt der Malerei haben möchte, muss ich ihn selbst erzeugen."Eurozine (Österreich), 30.06.2026
Saleem Vaillancourt beschäftigt sich mit einer Online-Umfrage der niederländischen Group for Analyzing and Measuring Attitudes in Iran, an der im Jahr 2020 mehr als 50 000 Iraner teilnahmen. Im Zentrum stand die Rolle der Religion im Leben der Befragten - tatsächlich bekannte sich lediglich ein knappes Drittel der Teilnehmer zum Shia-Islam, der offiziellen Staatsreligion. Fast die Hälfte der Befragten gab hingegen an, vom Glauben abgefallen zu sein. Vaillancourt gesteht zwar ein, dass derartige Online-Umfragen durchaus ihre Schwäche haben und nicht allzu zuverlässige Daten liefern. Dennoch weist einiges darauf hin, dass sich immer mehr Iraner nach einem Leben ohne Religion sehnen: "Die Gamaan-Umfrage ergab, dass inzwischen neun Prozent der Iranerinnen und Iraner Atheisten und sechs Prozent Agnostiker sind, wobei jüngere Befragte ein höheres Maß an Religionsferne aufweisen. Allerdings kann Atheismus 'mit dem Tod bestraft werden kann', so Arash Azizi, Dozent an der Yale University und Atheist. Dies habe 'offensichtlich Auswirkungen' darauf, wie Atheisten ihr Leben führen. ... Vor 1979 hätten zudem Hunderttausende Marxisten im Iran eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Atheismus gespielt, ergänzt Azizi. Nach der Revolution wurden marxistische Führungspersönlichkeiten verhaftet und gefoltert, und 1988 wurden Tausende wegen ihres Atheismus hingerichtet. Dennoch gebe es in der iranischen Gesellschaft bis heute 'ein Verlangen' nach Atheismus, sagt Azizi, 'und das schon seit geraumer Zeit. Die Menschen hassen die Islamische Republik und suchen nach Antworten', die viele in einer atheistischen und mitunter auch humanistischen Weltsicht gefunden hätten."Multikulti hat sich irgendwie doch nicht als großer Vereiniger erwiesen, stellt Arundhati Virmani fest und macht das an einem Film von Payal Kapadia von 2024 deutlich, "All We Imagine as Light", in dem eine hinduistische Krankenschwester ihren muslimischen Liebhaber nur treffen kann, wenn sie sich in einer Burka durch die Stadt bewegt. "Intimität kann hier kein natürlicher Zustand menschlicher Verbundenheit sein. Sie kann nur das Ergebnis eines komplexen, kräftezehrenden logistischen Manövers sein, das im Schatten einer pluralistischen Gesellschaft vollzogen werden muss. Dieses eindrucksvolle Bild strategischen Überlebens stellt die bequemen, klassisch-liberalen Ideale des 'globalen Dorfes' in Frage, die den heutigen Mainstream-Diskurs prägen." Jahrzehntelang propagierten die Bollywood-Blockbuster der 1990er und 2000er Jahre eine Welt, in der Musik, Tanz und Liebe alle Vorurteile überwinden könne. Im 21. Jahrhundert jedoch hat das "alternative Kino aufgehört, die Illusion einer harmonischen, geeinten Nation zu kuratieren. Stattdessen richtet es sein Augenmerk auf die Spaltungen, die, wenn sie unbeachtet bleiben, eine Gesellschaft letztendlich auseinanderreißen können. Viele dieser Filme spiegeln eine Welt wider, in der gewöhnliche Menschen Wege finden müssen, mit den Vorurteilen umzugehen, denen sie im Alltag begegnen." Und mit der alltäglichen Überwachung in einer misstrauisch die sozialen und religiösen Grenzen kontrollierenden Gesellschaft. Im Film drängt eine Kollegin Prabha, Anus Vorgesetzte und Mitbewohnerin, "Anu 'im Auge zu behalten', weil diese sich mit einem muslimischen Mann trifft und alle über sie tratschen. Als Prabha erklärt, das sei nicht ihre Sache, entgegnet die Kollegin: 'Aber sie ist deine Mitbewohnerin. Du solltest ein Auge auf sie haben.' Das Gespräch zeigt, wie soziale Missbilligung eher über alltägliche soziale Bindungen als über formelle Verbote zirkuliert. Gerade diese informelle Kontrolle entspricht am ehesten Goffmans Beobachtung, dass das soziale Leben oft vom Management des Scheins abhängt."
Und Carl Henrik Fredriksson schreibt einen Nachruf auf die kämpferische feministische kroatische Autorin Slavenka Drakulić, die 1992 ihre Heimat wegen ihrer Kritik am nationalistischen Kurs Franjo Tudjmans verlassen musste: Ihre "Integrität war unerschütterlich. Wenn sie einen Konflikt, eine Gesellschaft oder eine menschliche Notlage beschrieb, war sie nicht bloß eine maßgebliche Beobachterin, sondern ein moralischer Kompass. Der Einfluss der kroatischen Schriftstellerin auf Generationen von Leserinnen und Lesern, Autorinnen und Autoren, Journalistinnen und Journalisten, Feministinnen - auf Frauen und Männer auf der ganzen Welt - kann kaum überschätzt werden. Kommunismus und Postkommunismus, Krieg und Nachkriegszeit, Verbrechen und Gerechtigkeit, selbstlose Güte und banales Böses, Feminismus und Gegenreaktion, Liebe und sexuelle Gewalt, Gesundheit und Krankheit: Sie half uns, all das zu verstehen. Nicht durch eine großartige Erzählung oder eine allumfassende Analyse, sondern durch eine akribische und einfühlsame Konzentration auf die Details: auf Tampons oder Toilettenpapier, ein Designerarmband oder den harten, kalten Boden neben einem Bett auf der Covid-Station. Und auf die Menschen.
Dekoder (Deutschland), 24.06.2026
Viele Russen sind komplett apathisch, wenn es um Politik geht und treffen dabei vor allem bei Belarusen einen Nerv, meint Olga Loiko auf Plan B (deutsche Übersetzung bei Dekoder von Ruth Altenhofer). Denn genau dieses Ausblendung politischer Entwicklungen führe dazu, dass Russen nicht verstehen würden, warum Belarusen und Ukrainer (und andere Bürger postsowjetischer Staaten) sie so hassen. "Und unterdessen staunen die Guten: Woher kommt dieser Hass? Warum erzählt die ukrainische Mama ihren Kindern so scheußliche Dinge über Putin? Was soll die Schadenfreude über Benzinmangel auf der besetzten Krim? Und nennenswertes Mitleid für 'eure Jungs', die sich an der Front eine goldene Nase verdienen wollten, haben nicht mal die Belarusen, die ihr für eure kleinen Brüder haltet. Was sie in Rage bringt. Genau wie die belarusische Sprache und dass man euch permanent an die korrekte Bezeichnung des Landes erinnern muss: Belarus." Spannungen gibt es auch zwischen Belarusen und Ukrainern, wofür Loiko Folgendes empfiehlt: "Das Gespräch (meistens auf Englisch) mit dem 'Glaubensbekenntnis' jedes vernünftigen Menschen zu beginnen, ist ein Anfang: Die Krim ist ukrainisch. Putin hat einen blutigen Krieg in der Ukraine begonnen und muss dafür die Verantwortung tragen. Ich unterstütze diesen Krieg nicht und weiß genau, wer ihn vom Zaun gebrochen hat. Mir ist bewusst, dass ich als belarussische Staatsbürgerin für die Mitwirkung meines Landes an diesem Krieg Verantwortung trage. Und ich weiß, von wo aus die russischen Truppen am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert und sie mit Raketen beschossen haben. Dann können wir zu Russisch wechseln, wenn sich alle Gesprächsteilnehmende damit wohlfühlen. Wir können auch auf Englisch weitersprechen, auf Ukrainisch und Belarusisch, wie es uns beliebt. Wir stehen auf derselben Seite. Auf der, wo man nicht seine Nachbarn bedroht, wo man nicht mit Oreschnik-Raketen herumwedelt, wo man sich nicht herausnimmt, seinem Nachbarland vorzuschreiben, ob es Mitglied der EU oder der Eurasischen Wirtschaftsunion sein darf. Wo man fremde Sprachen und die freie Wahl respektiert."Lidove noviny (Tschechien), 28.06.2026
La regle du jeu (Frankreich), 27.06.2026
Dominique de Villepin, einst Premierminister unter Jacques Chirac, sieht ein bisschen aus wie einer, den der Asterix-Zeichner Albert Uderzo als Cäsar karikiert hätte. Er dichtet, er trägt teure Anzüge, er berät die Prinzen von Katar (Gehalt unbekannt), er kritisiert Israel, er ist insgesamt ein hochedler Mensch und möchte im nächsten Jahr gern französischer Präsident werden. Der Psychoanalytiker Michael Larivière nimmt sich in diesen Wochen die Kandidaten vor. Auf Villepins politische Ansichten geht er gar nicht ein, ihn interessiert nur der Habitus: "Er geht nicht, er teilt die Luft, sicher, dass die Luft vor seinem erhabenen Profil zurückweichen wird... Sein Programm ist kein Haufen Papier, sondern ein episches Poem. Wo andere Prozentzahlen und Wachstumskurven aneinanderreihen, beschwört er die 'Grandeur', die Souveränität und den 'großen Atem'. Er spricht nicht über Kaufkraft, sondern über 'wiedererlangte Würde'. Die Schuldenlast ist für ihn nur eine missglückte rhetorische Figur, die er mit einem Federstrich ausradieren wird. Seine Kabinettssitzungen muss man sich als Beratungen einer Akademie vorstellen, das Budget wird in ebenmäßigen Versen verabschiedet."Elet es Irodalom (Ungarn), 26.06.2026
Der Schriftsteller Miklós Vámos ist zwar immer noch ganz euphorisch nach diesen Wahlen, aber er beobachtet auch eine zunehmende Ungeduld, besonders in der Kultur, dass sich die Dinge schneller ändern mögen. Das ist nicht ganz fair, findet er: "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich das nun hinweggefegte, herrschsüchtige und ausbeuterische Regime nicht mochte. Besonders ärgerte es mich, dass man die Äußerlichkeiten, die Parolen, die Literatur und die Symbole der Horthy-Ära wiederbelebt hatte. Hand in Hand mit einer stupiden nationalen Überheblichkeit, wonach wir im Vergleich zu den Nachbarvölkern die Könige seien. Hinzu kamen ein gewisser versteckter oder zeitweise schamlos offener Rassismus sowie die Herabwürdigung der Frauen. (…) Ich hatte gehofft, dass es früher oder später ein Ende nehmen würde, so wie jedes autoritäre System, das zu einer Diktatur erstarrt. Nicht einmal in meinen schönsten Träumen hätte ich zu glauben gewagt, dass es gerade jetzt, bei den Wahlen im Frühjahr, passieren würde." Er sei immer noch euphorisch, bekennt Vamos. Doch "zurück in das Land namens Erde, in die Heimat der Ungarn. Ich genieße es, dass das viele dumme Geschwätz vorerst eine Pause einlegt. Ich bedaure jedoch, dass in intellektuellen Kreisen die Freude bereits bröckelt und die Euphorie allmählich von zunehmender Stichelei abgelöst wird. Warum kümmert sich die Regierung nicht sofort um die Lage der Schauspieler? Um die der bildenden Künstler? Um die der Wissenschaftler? Um die der Kulturzeitschriften? Warum bringt sie nicht unverzüglich das Gesundheitswesen, das Rentensystem, die Steuer und so weiter und so fort in Ordnung? (…) Die Ungeduld ist freilich nachvollziehbar. Aber warum haben wir Ungarn all das sechzehn lange Jahre lang ertragen, dessen Umgestaltung wir nun innerhalb weniger Tage oder Wochen von dieser Regierung erwarten?"HVG (Ungarn), 25.06.2026
Ähnlich sieht es Boróka Parászka: Die Ungarn sollten sich nicht mit dem Wahlerfolg Magyars zufrieden geben, sondern die Chance zu einer gesellschaftlichen Aufarbeitung der 16 Orbán-Jahre nutzen, fordert sie. Dazu gehöre auch die Frage, was man selbst dazu beigetragen habe: "In Rekordgeschwindigkeit haben durch verfassungsmäßige Verfahren gewählte Gesetzgeber im Herzen der Europäischen Union den ungarischen Staat vor den Augen der gesamten Gesellschaft in Gefangenschaft genommen - über einen langen Zeitraum hinweg, mit einer scheinbar demokratischen Unterstützung durch die Mehrheit sowie durch die Unterwerfung und Einbindung staatlicher Institutionen und Behörden. Millionen passiver Bürger sind Zeugen und auf die eine oder andere Weise an der Gefangennahme des Staates beteiligt gewesen. Jeder von ihnen war ein Komplize. Diese sehr ungarische Form der organisierten Kriminalität ist unsere gemeinsame Geschichte auf allen Ebenen der Gesellschaftsschichten und der Machthierarchie. Deshalb wird die Konfrontation, die Rechenschaftslegung unendlich schmerzhaft sein. So wie sich innerhalb der Europäischen Union eine ganz eigene Form der organisierten Kriminalität entwickelt hat, um an EU-Mittel zu gelangen und diese zu veruntreuen, so bedarf es einer ganz eigenen ungarischen Tugend, gesellschaftlichen Selbsterkenntnis und Arbeit, um diese zu beseitigen. Wenn wir Erfolg haben, kann nicht nur die ungarische Gesellschaft, sondern auch die europäische Gemeinschaft viel davon profitieren - das kann uns bei der vor uns liegenden, unvorhersehbar langwierigen Arbeit Trost spenden. Auf das tiefgreifende Scheitern nach dem Systemwechsel in Ungarn kann tatsächlich ein einzigartiges ungarisches Befreiungsprogramm folgen - diese Chance hat sich uns eröffnet."New Lines Magazine (USA), 30.06.2026
Jared Kushner und Ivanka Trump haben in Albanien eine rasch wachsende Protestbewegung ins Leben gerufen; allerdings unfreiwillig, berichtet Mauro Mondello, durch ihren Plan, eine viele Millionen Dollar teure Luxushotelanlage zu errichten. Entstehen soll sie im albanischen Naturschutzgebiet Vjosa-Narta, das diesen Namen nicht mehr verdient, seit die Regierung des Landes unter Premierminister Edi Rama ein Naturschutzgesetz aufgeweicht hat - um Investoren vom Schlage Kushner und Trump ins Land zu locken. Womit Rama und seine Mitstreiter nicht gerechnet haben: Die bislang, dank jahrzehntelanger autokratischer Unterdrückung im besonders bleiernen Staatssozialismus Albaniens, politisch apathische Bevölkerung hat die Nase voll: "Die Menschen, die sich jeden Abend in Tirana versammeln, fordern einen grundlegenden Wandel. Sie wünschen sich ein anderes Albanien - eines, in dem Emigration eine Entscheidung und keine Notwendigkeit mehr ist. Innerhalb dieser umfassenderen Vision sind die unmittelbaren Forderungen nach der Rücknahme der Änderungen des Gesetzes über Schutzgebiete und Stopp des Resortprojekts Vjosa-Narta zu einem starken Symbol geworden. Sie dienen als Sammelpunkt für eine Bewegung, die ablehnt, was viele Demonstranten als jahrzehntelanges Missmanagement öffentlicher Angelegenheiten durch das politische Establishment Albaniens betrachten. Deshalb richten sich die Sprechchöre, Parolen und Reden nicht nur gegen Rama, die Sozialistische Partei und die derzeitige Regierung. Sie richten sich auch gegen die oppositionelle Demokratische Partei und ihre bekannteste Persönlichkeit, Sali Berisha, der mehr als ein Jahrzehnt lang Ministerpräsident war. Dies sind die Politiker und Parteien, die die albanische Politik seit 1991 geprägt haben. Zunehmend werden sie von den Demonstranten zurückgewiesen, deren prägender Ruf lautet: 'Rama në burg, Berisha në burg' - 'Rama ins Gefängnis, Berisha ins Gefängnis.'"Außerdem: John Klopotowski erinnert an die Armenierin Vartuhi Kalantar, die 1915 in ein osmanisches Gefängnis geworfen worden war und 1918 freikam: Sie war die erste Frau im Nahen Osten, die ein Gefängnismemoir schrieb, so Klopotowski.
Hudson Review (USA), 29.06.2026

London Review of Books (UK), 09.07.2026

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