"Nehmt uns zurück", fleht in der
SZ der schottische
Schriftsteller Misha Glenny, der nicht nur leise auf ein
zweites Unabhängigkeitsreferendum hofft, sondern auch mit prominenten "Autoren, Künstlern, Politikwissenschaftlern und Aktivisten aus ganz Europa, darunter
Daniel Kehlmann,
Ian McEwan,
Elena Ferrante,
Roberto Saviano and
Colm Tóibín, einen offenen Brief unterzeichnet (hat). Wir fordern die EU dazu auf,
Schottland ein
Schnellverfahren zur Wiederaufnahme anzubieten. Eine Kampagne wird folgen, die zeigen soll, dass der Brexit ein Ausnahmeereignis war und dass die Anziehungskraft der EU für uns noch immer die Hauptantriebsfeder für Fortschritt und Sicherheit darstellt. EU-Politiker, die behaupten, dass die Unterstützung Schottlands politisch unmöglich sei, sollten sich bitte zwei Dinge vergegenwärtigen: Schottland war bis vor Kurzem noch Mitglied, deshalb erfüllt es alle regulatorischen, rechtlichen und finanziellen Anforderungen für die Mitgliedschaft. Zweitens gibt es
Präzedenzfälle, zum Beispiel die
Aufnahme der DDR nicht nur in die Bundesrepublik, sondern auch in die EU."
Mehr zu den schottischen Wahlen in der
taz.
Danke, den
Parteistiftungen, die in Berlin in repräsentativen Bauten im Botschaftsviertel residieren, geht's prächtig. Friedrich-Ebert-Stiftung, Adenauer-Stiftung, Naumann-Stiftung, Böll-Stiftung und Luxemburg-Stiftung erhalten zusammen gut
580 Millionen Euro jährlich. Nun droht aber auch
die AfD mit ihrer
Desiderius-Erasmus-Stiftung in das von den anderen Parteien so prächtig bereitete Bett zu schlüpfen,
berichtet Hasso Suliak in der
Legal Tribune Online: "Verhindern will das nun die Initiative für ein '
Wehrhafte-Demokratie-Gesetz', das vor wenigen Tagen von der Bildungsstätte Anne Frank vorgestellt wurde. Bei dem Vorschlag, der vom ehemaligen Bundestagsabgeordneten und früheren Rechtspolitiker der Grünen,
Volker Beck, ausgearbeitet wurde, geht es nicht nur darum, die staatliche Finanzierung der Stiftungen nach den bisherigen Kriterien auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen. Gefordert wird vielmehr auch eine Art '
Demokratie-TÜV', den jede Stiftung zu durchlaufen hat."
Perfekt wie aus der Retorte verkörpert
Annalena Baerbock für
Zeit-Autor Thomas E. Schmidt einen neuen Typus
politisch-medialer Symbiose: "Mit Laschet als Kontrahent steht
die Dramaturgie fest: Die junge Frau wird sich jeden Tag dem Paternalismus des teddyhaften Unionisten entziehen, und jeden Tag wird Laschet dabei
ein bisschen älter aussehen. Sobald er die Grüne angreift, greift er eine Frau an. Die ist längst ein Muster des heutigen Feminismus und will es sein. Und nur als dieser Leitstern nützt sie auch den Medien. Medien werden
durch Konsens belohnt und vergrößern sich mithilfe der neuen Universalität der Grünen: Dort rast der Trend, den man entdeckt hat und verstärkt."
Im
FR-
Gespräch mit Peter Riesbeck attestiert der Politikwissenschaftler
Thomas Bierbricher dem christ-demokratischen
Konservatismus eine "inhaltliche
Erschöpfung": "Das letzte konservative Identifikationsmerkmal war die
schwarze Null. Die ist mit der Pandemie vorerst Geschichte." Konservative müssen neue Themen besetzen, meint er: "Der Umgang mit
Technologien wie Künstlicher Intelligenz wäre ein Feld, auf dem sich der Konservatismus bewähren könnte. Um der Zukunft zugewandt zu sein, braucht es eine Verwurzelung in der Vergangenheit. Das ist ein klassisches konservatives Motiv. Das Thema lässt sich aber nicht allzu einfach besetzen, wenn man an
kapitalistisch getriebenen Innovationen festhalten will. Denn um Wohlstand und Arbeitsplätze zu sichern, gibt es aus wirtschaftspolitischer Sicht eine große Affinität der Konservativen zu neuen Technologien."
Außerdem: Richard Herzinger
warnt in seinem Blog nach dem jüngsten Abzug von der ukrainischen Grenze, dass
Putin mit seiner Politik der Destabilisierung nicht aufhören wird - entgegen den frommen Wünschen der deutschen Außenpolitik.