Der
buchreport bringt den dritten
Verlagskompass, der "durch den Dschungel der Verflechtungen und Verbindungen" führen soll. Ein Fazit: "Der Kaufrausch der großen Buchverlage ist vorerst gestoppt." Mittlerweile sei "eher Konzentration auf das eigene
Kerngeschäft als Wachstum durch Zukauf angesagt". Den Verlagskompass gibt es auch
online.
Außerdem hat das Blatt den Beweis angetreten, dass es von den
Diogenes-Inhabern Daniel Keel und Rudolf C. Bettschart mehr als nur ein Foto gibt. Neben dem Klassiker (der beide mit den Händen in der Tasche hinter einem Schreibtisch stehend zeigt) bringt das Blatt eine Auswahl von Bildern aus der Verlagsgeschichte. Und ein
Interview, in dem Bettschart über sich sagt: "Ich bin egoistisch, neidisch, eifersüchtig, eitel, intolerant, zynisch, arrogant, geizig, also
recht unausstehlich; warum man mich in der Toskana
'Rodolfo il magnifico' nennt, ist mir unerklärlich." Anlass des Doppel-Interviews (eine Frage, zwei Antworten) ist natürlich der 50. Geburtstag des Verlags.
Peggy Voigt porträtiert die
Leipziger Dependance des
Klett Verlages. Verleger
Michael Klett sei von der Aufbruchstimmung in Leipzig zunächst begeistert gewesen: "Leipzig erschien ihm dynamisch und in seinen wirtschaftlichen Potenzialen förmlich zu explodieren." Mittlerweile habe sich die Euphorie über das Wirtschaftswachstum in den neuen Bundesländern gelegt, "die
angespannte Stimmung macht vor Klett-Mitarbeitern nicht halt". Vor drei Jahren wurde daher eine Programmreform beschlossen. Heute produziert Klett in Leipzig die geisteswissenschaftlichen Schulbücher sowie Lehrwerke für die Grundschulen. Der Leiter der Grundschul-Abteilung,
Karl Slipek, sagt, Wachstum sei angesichts der Schülerzahlen nicht mehr über die Masse zu machen, sondern über die Qualität der Bücher. "Slipek setzt deshalb bei der Frage an, 'Was ist die Gesellschaft bereit auszugeben für die
Bildung ihrer Kinder?'. Eine Studie, so zitiert er, habe ergeben, dass die Summe, die Eltern und öffentliche Hand gemeinsam in die Bildung eines Kindes pro Jahr investieren, dem Wert entspricht, den 'eine
halbe Jeans' ausmacht. Slipek will vor allem die Eltern motivieren, mehr für die Bildung ihrer Kinder auszugeben, 'nur so können wir als Schulbuchverlag weiterhin erfolgreich sein'."
Maria Ebert schreibt über den Kunstverlag
Hatje Cantz, der bereits zum dritten Mal in Folge den
documenta-Katalog herausbringt. Der Verlag geht davon aus, dass jeder 20. documenta-Besucher das 55 Euro teure (und 3,5 Kilo schwere) Buch kaufen wird.
In den
USA läuft bereits seit drei Jahren eine
Buch-Werbekampagne unter dem Motto "Get Caught Reading". Das einzige der vier im buchreport abgebildeten Motive, das noch halbwegs witzig ist (
Robin Williams mit Buch auf dem Klo), findet sich leider nicht auf der
Website der Kampagne. Der New Yorker Bürgermeister
Michael Bloomberg dagegen ist entweder
sehr weitsichtig oder weiß nicht so recht, wozu Bücher eigentlich da sind. Die Idee zu der Kampagne hatte die Präsidentin der Association of American Publishers (AAP), Pat Schroeder. Als sie "auf Statistiken stieß, wonach
32 Prozent aller Buchkäufe von
über 55-jährigen US-Bürgern getätigt werden, während auf die
18- bis 35-Jährigen nur
20 Prozent des Umsatzes entfallen, sah sie 'dringenden Handlungsbedarf'", schreibt Anja Sieg. Sponsoren, Verlage und Teilnehmer der Kampagne sind begeistert: "Die Resonanz war und ist einfach überwältigend", wird Pat Schroeder zitiert. Ob sie auch erfolgreich war, erfahren wir leider nicht.
Taschenbücher werden
immer teurer, der Abstand zu Hardcovern wird immer geringer. Das war zwar schon bekannt, jetzt haben wir aber genaue Zahlen: "Was 1995 ein Taschenbuch-Roman im Schnitt noch fast 60 Prozent billiger als das Hardcover, waren es im Jahr 2000 nur noch knapp 56 Prozent, in diesem Jahr sogar nur noch 51,5 Prozent. Im Sachbuch sind die Preisunterschiede zwischen gebundener Ausgabe und Taschenbuch noch auffälliger", so der buchreport.
In der Rubrik "Bücher & Autoren" stellt Anja Sieg den
US-Bestseller "
Seabiscuit" vor, ein Buch über ein
Rennpferd, das in den dreißiger Jahren "eine lebende Legende war und 1938 mehr Zeitungskolumnen als Präsident Roosevelt, Hitler oder Mussolini füllte". In Deutschland erscheint das Buch unter dem Titel "Der Aufschlag des Siegers" bei
Econ. In einem weiteren Artikel geht es um die
Fortsetzung des Bestsellers
"The Bridges of Madison County" (1995 mit Meryl Streep und Clint Eastwood als "Die Brücken am Fluss" verfilmt).
Robert James Waller bot sein Buch "A Thousand Country Roads" zunächst seinem alten Verlag an, doch der lehnte ab, denn: Die Fortsetzung hat
kein Happy End. Waller und sein Agent klopften daraufhin "im texanischen Alpine bei Mike und Jean Hardy an, die dort zwei Buchhandlungen und ihren Kleinverlag John M. Hardy Publishing plus Imprint
Iron Mountain Press besitzen. Waller kennt die Hardys, weil er
um die Ecke wohnt und mehrfach in deren Buchhandlungen signiert hat". Das Ehepaar plante zunächst eine Startauflage von 25.000, "die höchste Startauflage ihres Lebens". Doch bereits vor Erscheinen des Buches ist die Resonanz von Medien und Buchhandel so groß, dass der Verlag schließlich mit 355.000 Exemplaren an den Start geht. Im November erscheint der Roman (der vermutlich weniger spannend ist als die Geschichte des Buches) bei Goldmann.
Bücher sind "eigentlich
Sondermüll", sagt
Lutz Kroth von Zweitausendeins. "Die Einbände enthalten Folien, Klebstoffe und andere Chemikalien, die als 'Störstoffe' die Qualität des Papiers beeinträchtigen, das daraus wieder gewonnen wird", so Andrea Czepek in ihrem Artikel über den
literarischen Abfall. Sie zitiert eine Schätzung des britischen Papierverwertungsspezialisten Paper Hub Recycling, derzufolge in Deutschland wöchentlich etwa
300.000 Bücher vernichtet werden.
Die
buchreport-webrolle testet eine
Science-Fiction-Fan-Seite, die gründlich renovierte
Internetpräsenz der Schulen des Deutschen Buchhandels und den neuen
Auftritt von Eichhborn.
Außerdem stellt Andrea Czepek den Schweizer
Lenos Verlag vor, der unter anderem auf
arabische Literatur spezialisiert ist. David Wengenroth hat sich mit
Berndt Oesterhelt, dem Geschäftsführer des
RWS-Fachverlags Boorberg, unterhalten. Weitere Themen sind unter anderem die Verlosung von
Schulbuch-Ausschreibungen; die Situation für
Buchhandlungen auf dem
amerikanischen Buchmarkt (seit 1994 wird in den USA mehr als die Hälfte aller Bücher außerhalb des stationären Buchhandels gekauft. Die unabhängigen Buchhandlungen konnten ihren Verlust von Marktanteilen 2001 allerdings stoppen); der Fitness-Selbstvermarkter
Dr. Ulrich Strunz; der Gesundheits-Fachverlag
Urban & Fischer (der sich dem Laienmarkt zuwendet); das
Deutsche Literaturinstitut der
Universität Leipzig, das seit April 2001 von
Josef Haslinger geleitet wird; und der neue Roman von
Thommie Bayer, "
Das Aquarium".
Schwerpunkt ist der Bereich
Fitness, Sport, Gesundheit.