Die Buchmacher - Archiv

buchreport.magazin

27 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 3

Die Buchmacher vom 02.09.2002 - buchreport.magazin

Im Interview mit David Wengenroth prophezeit Annet Aris, die für McKinsey Buchverlage und Medienunternehmen berät, dass sich die Buchbranche zwar bald von der gegenwärtigen extremen Schwäche erholen wird, aber auch auf längere Sicht der Markt stagnieren werde. "Das Wachstum der Vergangenheit wird sich nicht fortsetzen." Aris' Ansicht nach hat auch die gegenwärtige Titelflut zur Krise in der Buchbranche beigetragen: "Die Verlage sind in einen Teufelskreis geraten. Weil die Umsätze schmelzen, bringen sie mehr Titel heraus und hoffen, dass ein großer Knaller dabei ist. Tatsächlich kommt dann gar kein Buch vernünftig zum Zug, abgesehen von wenigen Bestsellern. Die bringen wiederum kein Geld, weil die Autorenhonorare zu hoch sind." Aris empfiehlt den Verlagen, sich von dieser "falschen Sicherheitsstrategie" zu verabschieden. " Insgesamt täten sich sowohl die Verlage als auch der Buchhandel einen Gefallen, wenn sie mehr Mut hätten, auf bestimmte Titel zu setzen und die auch vernünftig aufzubauen." Sorge um die Titelvielfalt müsse man sich im übrigen nicht machen: "Das Problem ist nicht irgendein Gedichtband, sondern es sind die "Me-too"-Produkte. Wenn ein Ratgeberthema oder ein literarisches Genre erfolgreich ist, springen viele Verlage rasend schnell auf den Zug auf, um auch ein Stück von dem Kuchen abzubekommen."

In ihrem Kommentar zur Hochwasserkatastrophe schreibt Peggy Voigt, dass die bisher bekundete Hilfbereitschaft nicht ausreichen wird, den betroffenen Buchhändlern aus ihrer Misere zu helfen. Angesichts der Situation sei der Börsenverein gefragt, nicht nur zu beraten oder Spendenkonten einzurichten, meint Voigt: "Die dritte Umlage zu beschließen und den Geschädigten für den Wiederaufbau zu überreichen, wäre ein denkbarer Weg."

Weitere Berichte widmen sich der Werbeleiterin des Rowohlt Verlags Kerstin Reitze de la Maza, die das neue Marketingkonzept für den Verlag durchgesetzt hat - seitdem werden die Titel mit jeweils einem kurzen und klaren Kernsatz beworben, von britischen Butlern dargeboten oder als Instant-Suppenterrine gereicht. Oder der Hysterie, in die die schreibgehemmte Joanne K. Rowling Großbritannien gestürzt hat - die Verlagen suchen verzweifelt nach einem Nachfolger für Harry Potter. Dem ehemaligen Kinderbuchlektor Jonathan Stroud sind bereits die Buch- und Filmrechte seiner geplanten Fantasy-Trilogie für zwei Millionen Pfund abgekauft worden - auf der Basis eines Exposes.

Neugierig macht der buchreport vor allem auf zwei Neuerscheinungen des Herbstes: Zadie Smith ("Zähne zeigen") hat ihr zweites Buch fertig, es heißt "The Autograph Man", ist zwar noch nicht erschienen, aber trotzdem in letzter Minute in die Vorauswahl zum Man Booker Prize aufgenommen worden. Vorgestellt wird auch die Autorin Jurga Ivanauskaite aus Litauen, dem Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Ihr Roman "Die Regenhexe" erscheint demnächst bei dtv, in Litauen selbst galt es als pornografisch und antichristlich, so der buchreport, und durfte deswegen nur in Erotikläden verkauft werden.

Sehr lesenswert ist natürlich der Artikel über die Buchmaschine des Internet- und Kulturmagazins Perlentaucher! Schließlich können Verlage noch viel lernen, was die Nutzung des Internets für das Marketing betrifft - zum Beispiel wie man bei 70.000 Neuerscheinungen pro Jahr ein einzelnes Buch zu einem Ereignis macht. Und wie der buchreport schreibt, zeigen die beiden vom Perlentaucher erstellten Seiten zu Nelly Arcan und V.S. Naipaul (und demnächst Reich-Ranickis "Kanon"), "dass trotz einfacher Struktur und leichter Navigation eine individuelle Gestaltung möglich ist".

Die Buchmacher vom 05.08.2002 - buchreport.magazin

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels gibt sich derzeit eine neue Struktur und sucht neue Aufgaben. "Bisher waren die Buchhändler im Vergleich zu anderen Branchen, die häufig nur einen Organisationsgrad von rund 30 Prozent haben, eine verschworene Gemeinschaft", schreibt David Wengenroth. "Wenn aber der wirtschaftliche Druck zunimmt, werden viele von ihnen hinterfragen, ob sich die Mitgliedschaft in dem Verband wirklich lohnt." Schließlich habe der Börsenverein nach der Einführung des Preisbindungsgesetze seine Aufgabe als "Hüter der Preisbindung" verloren. Das sieht Harald Heker, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, natürlich anders. "Auch ein Gesetz kann in Frage gestellt werden, insbesondere wenn es vom Markt nicht gelebt werden würde", meint Heker im Interview mit dem buchreport. Auf die Frage, ob der Verband angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage eine Führungsrolle in der Branche übernehmen sollte, sagt Heker: "Das wäre unmöglich für einen Verband, denn er kann natürlich nicht die Marktgesetze beeinflussen. Man würde ihn überfordern, wenn er aktuelle Marktentwicklungen mitgestalten sollte."

Hubertus Meyer-Burckhardt, im Springer-Vorstand zuständig für die Bereiche Elektronische Medien und Buch, nimmt den Chef der Springer-Buchverlage in Schutz: "Als Christian Strasser die Buchverlage - namentlich Ullstein - übernommen hat, waren sie in keinem guten Zustand. Was ist passiert? Christian Strasser hatte damals gar keine andere Wahl, als von Fall zu Fall auch strategische Honorare zu zahlen, denn nur so konnte er bestimmte Top-Autoren gewinnen." Das Plädoyer klingt irgendwie defensiv: "Natürlich hat er (Strasser) am Anfang Rechte erworben, für die man sich heute vielleicht nicht mehr entscheiden würde." Damit, und mit den "Übernahmen von großen Verlagsgruppen, wie zuletzt Heyne", erklärt Meyer-Burckhardt den Verlust von rund 45 Millionen Euro, den Ullstein Heyne List gemacht hat. Für die Zukunft steuere die Verlagsgruppe eine schwarze Null an. Meyer-Burckhardt konzediert: "Bücher sind kein klassischer Wachstumsmarkt." Er sei "kein großer Freund von Synergien. (...) Ich sage aber auch: Jeder Medienkonzern sollte die Chefredakteure der eigenen Blätter ein wenig für das eigene Buchportfolio zu sensibilisieren versuchen. Wenn ich z.B. den Tagesspiegel in Berlin lese, dann sehe ich darin nur selten Buchempfehlungen aus der Holtzbrinck-Gruppe, zu der sowohl der Tagesspiegel wie auch Rowohlt und Fischer gehören. Wenn ich den stern lese, dann entdecke ich recht selten Buchempfehlungen aus dem Hause Bertelsmann. Chefredakteure in unserem Haus möchte ich dafür sensibilisieren, dass sie nicht von vornherein die Auffassung vertreten, Bücher, die aus den eigenen Verlagen kommen, würden einer Besprechung im eigenen Blatt gar nicht bedürfen."

Zum 40. Geburtstag der Rolling Stones erscheinen im Herbst eine ganze Reihe von Büchern über die Gruppe. Zeit wurde es: "Gemessen an der Zahl der Bücher, die über sie geschrieben wurden, haben die Beatles den vermeintlichen Wettlauf (mit ihren angeblichen Rivalen, den Stones) gewonnen. Das VlB verzeichnet zum Beispiel 80 Einträge von Beatles-Büchern - und gerade mal magere 17 Werke über die Rolling Stones." David Wengenroth nennt neue Titel.

Weitere Beiträge widmen sich Coffeetable-Books zwischen 100 und 3.000 Euro, der Taschenbuchreihe "Mit Kindern leben", die im September in neuem Layout erscheint, der Buchkette Gondrom, die mit einer neuen "Wohlfühlbuchhandlung" in Pforzheim der Krise trotzt, dem Münchner E-Learning-Anbieter digital publishing und der Uni-Bibliothek in Göttingen, die vom Deutschen Bibliotheksverband und der Zeit-Stiftung zur "Bibliothek des Jahres" erkoren wurde. Im Schwerpunkt-Teil geht es um das Kinder- und Jugendbuch. Themen hier: die Heidelberger Kinderbuchhändlerin Gabriele Hoffmann (Leanders Leseladen), die Bedeutung des Deutschen Jugendliteraturpreises, der deutsche Kinderbuchmarkt für Bilderbücher aus dem Ausland, Sachbücher für Leseanfänger und der Ruf von Kinderbuchautoren in der Branche.

Und ein Artikel über die Schriftstellerin Cornelia Funke, die mit ihrem Roman "Herr der Diebe" auch in Großbritannien und den USA erfolgreich ist. Diesen Erfolg habe Funke selbst angestoßen, schreibt Anja Sieg. "Von Jugend an anglophil angehaucht, wollte sie den Roman unbedingt ins Englische übersetzt haben. Ihr Cousin und Literaturagent Oliver Latsch, der in England seinen Doktor gemacht hat, erbarmte sich schließlich. Den letzten und entscheidenden Kick gab ein 11-jähriges Mädchen in England: Kinderbuch-Verleger Barry Cunningham wurde von einem seiner Lektoren auf das in Deutschland populäre Buch aufmerksam gemacht, nachdem es die zweisprachig aufgewachsene Tochter eines Freundes begeistert gelesen hatte. Cunningham forschte nach, landete bei Dressler, der Rest ist Geschichte. Funke: 'Dass bereits eine sehr gute englische Übersetzung vorlag, hat der Sache natürlich geholfen'. Obwohl sich zu diesem Zeitpunkt auch Macmillan für den Roman interessierte, ging der Zuschlag für 'Herr der Diebe' und den Roman 'Drachenreiter' an Chicken House und seinen US-Partner Scholastic." Scholastic hat Großes mit "The Thief Lord" vor: "5.000 Leseexemplare wurden in den letzten Wochen unter amerikanischen Buchhändlern, Bibliothekaren und Journalisten gestreut. Zusammen mit Oliver Latsch war Cornelia Funke im Juni auf einer Kennenlern- (Meet and Greet-) Tour in den USA unterwegs und wurde dort herumgereicht, wo die Fäden gezogen werden." Eine typische Startauflage von Scholastic liege bei 10.000 Exemplaren, bei "Harry Potter und der Stein der Weisen" seien es 35.000 Exemplare gewesen. "The Thief Lord" wird mit 75.000 Exemplaren ins Rennen geschickt.

Peggy Voigt schließlich hat sich auf einem Seminar der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen umgehört, wie man Jugendliche in die Buchhandlungen locken kann. "Fazit des Seminars: Den 14- bis 18-Jährigen sollte eine eigene Abteilung gewidmet werden, in der ein vielfältiges Sortiment aus Kinder- und Jugendbuchverlagen, aber auch aus den Abteilungen Belletristik, Biografien, Nachschlagewerke, Freizeit und Sport und Nonbook angeboten wird, ergänzt durch einen PC mit Internetzugang und/oder eine Hörbuchstation."

Die Buchmacher vom 07.07.2002 - buchreport.magazin

Die ersten Bände der "Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe" der Schriften Thomas Manns sind im Juni erschienen: die "Buddenbrooks" sowie je ein Band mit frühen Briefen und Essays von 1893 bis 1914. Im Oktober folgen Essays II und "Der Zauberberg". "Insgesamt wird die 'GFKA', wie sie verlagsintern bereits abgekürzt wird, 20 Text- und 20 Kommentarbände, acht Briefbände sowie zehn Tagebuchbände umfassen und bis 2015 vollständig sein - die größte Werkausgabe in der Geschichte des S. Fischer Verlags", schreibt Andrea Czepek. Eigens für die GFKA wurde ein neuer Schrifttyp entwickelt: Sie heißt Trinite Roman Condensed 2 und wurde von dem Buchgestalter Jost Hochuli entworfen.

Anja Sieg porträtiert Michael Korda, "der in über 40 Jahren das Buchprogramm von Simon & Schuster ganz entscheidend mitgeprägt hat", ein "Urgestein, das noch mit legendären Verlegern wie Bennett Cerf (Random House) oder den Simon & Schuster-Gründervätern Max Schuster und Henry Simon zusammengearbeitet hat". "'Es hilft, wenn er oder sie gerne Bücher liest', ist Kordas Antwort auf die Frage, was einen guten Lektor ausmacht. Vorgetragen mit einem Lächeln, ist sie dennoch nicht im geringsten scherzhaft gemeint. Es irritiert ihn zunehmend, dass 'eine erstaunliche Zahl' von Mitarbeitern in Buchverlagen wenig oder gar nicht liest, 'darunter, man sollte es eigentlich nicht glauben, auch Lektoren'."

Der Pendo Verlag hat sich an eine 20-bändige Geschichte des 20. Jahrhunderts gewagt. Die ersten Bände erscheinen im Oktober ("Jahrhundertwende", "Kriegsausbruch" [1914], "Deutsche Teilung" und "1968"). Auf die Strahlkraft großer Namen könne Pendo-Verleger Ernst Piper nicht setzen, so David Wengenroth. "Der Pendo-Chef hat als Autoren keine renommierten Professoren verpflichtet, sondern Historiker aus dem akademischen Mittelbau. Grund: 'Die finanziellen Vorstellungen dieser Autoren sind nicht so ausufernd', erklärt der Verleger. Sechsstellige Vorschüsse, wie prominente Hochschullehrer sie verlangen, kann Pendo nicht zahlen."

Im Verlags-Teil schreibt Anja Sieg außerdem über die Perseus Books Group, Rainer Uebelhöde über Mittelalter- und Renaissance-Romane, über die Produktlinien um die Zeitschrift "National Geographic Deutschland", sowie über die Fantasy-Schiene, die Piper ab dem kommenden Herbst befahren wird und David Wengenroth über die Kooperation der Verlage vmi und Ueberreuter beim Label "Redline Wirtschaft". Maria Ebert berichtet schließlich, dass die Deutsche Nationalbibliographie ab dem kommenden Jahr mit dem Verzeichnis lieferbarer Bücher zusammenarbeiten wird.

Daniel Lenz hat sich in die zweite Reihe gewagt: Er besuchte die Übersetzerin des Romans "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen, Bettina Abarbanell. Franzens Buch hat ihr gefallen, "weil es nah an der Alltagswirklichkeit dran sei, andererseits mit seiner doppeldeutigen Sprache zur hohen Literatur gehöre". Ein Jahr habe Abarbanell an der Übersetzung der 781 Seiten gearbeitet. "Egal wie hoch die Rezensenten Franzen in den nächsten Wochen loben - Abarbanell wird es ergehen wie den meisten Übersetzern: Sie verbleibt in der zweiten Reihe. Kaum ein Leser wird in Zukunft mit dem Bestseller in spe auch ihren Namen assoziieren. 'Ich weiß, dass in der Branche nur wenige ermessen können, welche Leistungen ein Übersetzer erbringt', sagte Abarbanell, andererseits entspreche es der 'Übersetzer-Mentalität', nicht im Rampenlicht zu stehen."

Im Autoren-Teil schreibt Dorothee Rothfuß über Literaturagenten (sind noch immer auf dem Vormarsch, handeln hohe Vorschüsse aus und reden beim Marketing der Verlage mit), Andrea Czepek über den Motorradfahrer und Wüsten-Fotografierer Michael Martin.

Die US-Buchketten Barnes & Noble und Borders "wollen trotz schwächelnder US-Konjunktur im Vertrauen auf bessere Zeiten eine neue Expansionsrunde einläuten und dabei ganz nebenbei ihre nach den Terroranschlägen vom 11. September in den Hintergrund gerückte Dauerfehde um die Marktdominanz aufleben lassen", erfahren wir von Anja Sieg. Da die großen Städte bereits komplett mit Filialen versorgt sind, ziehe es beide Konzerne "in die tiefste Provinz".

David Wengenroth stellt ein paar Online-Buchhandlungen zu Spezialthemen vor: für Fantasyliteratur, für Pferdebücher, für Gartenliteratur, für Fetischisten-Titel und für Reiseliteratur.

Schließlich schreibt Daniel Lenz über einen Manager, der seine Mitarbeiter mit Hilfe des Management-Bestsellers "Die Mäuse-Strategie" für notwendige Reformen begeistern konnte. Der Schwerpunkt-Teil widmet sich dem Hörbuch, "nach wie vor ein Wachstumsmarkt".

Die Buchmacher vom 17.06.2002 - buchreport.magazin

Der buchreport bringt den dritten Verlagskompass, der "durch den Dschungel der Verflechtungen und Verbindungen" führen soll. Ein Fazit: "Der Kaufrausch der großen Buchverlage ist vorerst gestoppt." Mittlerweile sei "eher Konzentration auf das eigene Kerngeschäft als Wachstum durch Zukauf angesagt". Den Verlagskompass gibt es auch online.

Außerdem hat das Blatt den Beweis angetreten, dass es von den Diogenes-Inhabern Daniel Keel und Rudolf C. Bettschart mehr als nur ein Foto gibt. Neben dem Klassiker (der beide mit den Händen in der Tasche hinter einem Schreibtisch stehend zeigt) bringt das Blatt eine Auswahl von Bildern aus der Verlagsgeschichte. Und ein Interview, in dem Bettschart über sich sagt: "Ich bin egoistisch, neidisch, eifersüchtig, eitel, intolerant, zynisch, arrogant, geizig, also recht unausstehlich; warum man mich in der Toskana 'Rodolfo il magnifico' nennt, ist mir unerklärlich." Anlass des Doppel-Interviews (eine Frage, zwei Antworten) ist natürlich der 50. Geburtstag des Verlags.

Peggy Voigt porträtiert die Leipziger Dependance des Klett Verlages. Verleger Michael Klett sei von der Aufbruchstimmung in Leipzig zunächst begeistert gewesen: "Leipzig erschien ihm dynamisch und in seinen wirtschaftlichen Potenzialen förmlich zu explodieren." Mittlerweile habe sich die Euphorie über das Wirtschaftswachstum in den neuen Bundesländern gelegt, "die angespannte Stimmung macht vor Klett-Mitarbeitern nicht halt". Vor drei Jahren wurde daher eine Programmreform beschlossen. Heute produziert Klett in Leipzig die geisteswissenschaftlichen Schulbücher sowie Lehrwerke für die Grundschulen. Der Leiter der Grundschul-Abteilung, Karl Slipek, sagt, Wachstum sei angesichts der Schülerzahlen nicht mehr über die Masse zu machen, sondern über die Qualität der Bücher. "Slipek setzt deshalb bei der Frage an, 'Was ist die Gesellschaft bereit auszugeben für die Bildung ihrer Kinder?'. Eine Studie, so zitiert er, habe ergeben, dass die Summe, die Eltern und öffentliche Hand gemeinsam in die Bildung eines Kindes pro Jahr investieren, dem Wert entspricht, den 'eine halbe Jeans' ausmacht. Slipek will vor allem die Eltern motivieren, mehr für die Bildung ihrer Kinder auszugeben, 'nur so können wir als Schulbuchverlag weiterhin erfolgreich sein'."

Maria Ebert schreibt über den Kunstverlag Hatje Cantz, der bereits zum dritten Mal in Folge den documenta-Katalog herausbringt. Der Verlag geht davon aus, dass jeder 20. documenta-Besucher das 55 Euro teure (und 3,5 Kilo schwere) Buch kaufen wird.

In den USA läuft bereits seit drei Jahren eine Buch-Werbekampagne unter dem Motto "Get Caught Reading". Das einzige der vier im buchreport abgebildeten Motive, das noch halbwegs witzig ist (Robin Williams mit Buch auf dem Klo), findet sich leider nicht auf der Website der Kampagne. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg dagegen ist entweder sehr weitsichtig oder weiß nicht so recht, wozu Bücher eigentlich da sind. Die Idee zu der Kampagne hatte die Präsidentin der Association of American Publishers (AAP), Pat Schroeder. Als sie "auf Statistiken stieß, wonach 32 Prozent aller Buchkäufe von über 55-jährigen US-Bürgern getätigt werden, während auf die 18- bis 35-Jährigen nur 20 Prozent des Umsatzes entfallen, sah sie 'dringenden Handlungsbedarf'", schreibt Anja Sieg. Sponsoren, Verlage und Teilnehmer der Kampagne sind begeistert: "Die Resonanz war und ist einfach überwältigend", wird Pat Schroeder zitiert. Ob sie auch erfolgreich war, erfahren wir leider nicht.

Taschenbücher werden immer teurer, der Abstand zu Hardcovern wird immer geringer. Das war zwar schon bekannt, jetzt haben wir aber genaue Zahlen: "Was 1995 ein Taschenbuch-Roman im Schnitt noch fast 60 Prozent billiger als das Hardcover, waren es im Jahr 2000 nur noch knapp 56 Prozent, in diesem Jahr sogar nur noch 51,5 Prozent. Im Sachbuch sind die Preisunterschiede zwischen gebundener Ausgabe und Taschenbuch noch auffälliger", so der buchreport.

In der Rubrik "Bücher & Autoren" stellt Anja Sieg den US-Bestseller "Seabiscuit" vor, ein Buch über ein Rennpferd, das in den dreißiger Jahren "eine lebende Legende war und 1938 mehr Zeitungskolumnen als Präsident Roosevelt, Hitler oder Mussolini füllte". In Deutschland erscheint das Buch unter dem Titel "Der Aufschlag des Siegers" bei Econ. In einem weiteren Artikel geht es um die Fortsetzung des Bestsellers "The Bridges of Madison County" (1995 mit Meryl Streep und Clint Eastwood als "Die Brücken am Fluss" verfilmt). Robert James Waller bot sein Buch "A Thousand Country Roads" zunächst seinem alten Verlag an, doch der lehnte ab, denn: Die Fortsetzung hat kein Happy End. Waller und sein Agent klopften daraufhin "im texanischen Alpine bei Mike und Jean Hardy an, die dort zwei Buchhandlungen und ihren Kleinverlag John M. Hardy Publishing plus Imprint Iron Mountain Press besitzen. Waller kennt die Hardys, weil er um die Ecke wohnt und mehrfach in deren Buchhandlungen signiert hat". Das Ehepaar plante zunächst eine Startauflage von 25.000, "die höchste Startauflage ihres Lebens". Doch bereits vor Erscheinen des Buches ist die Resonanz von Medien und Buchhandel so groß, dass der Verlag schließlich mit 355.000 Exemplaren an den Start geht. Im November erscheint der Roman (der vermutlich weniger spannend ist als die Geschichte des Buches) bei Goldmann.

Bücher sind "eigentlich Sondermüll", sagt Lutz Kroth von Zweitausendeins. "Die Einbände enthalten Folien, Klebstoffe und andere Chemikalien, die als 'Störstoffe' die Qualität des Papiers beeinträchtigen, das daraus wieder gewonnen wird", so Andrea Czepek in ihrem Artikel über den literarischen Abfall. Sie zitiert eine Schätzung des britischen Papierverwertungsspezialisten Paper Hub Recycling, derzufolge in Deutschland wöchentlich etwa 300.000 Bücher vernichtet werden.

Die buchreport-webrolle testet eine Science-Fiction-Fan-Seite, die gründlich renovierte Internetpräsenz der Schulen des Deutschen Buchhandels und den neuen Auftritt von Eichhborn.

Außerdem stellt Andrea Czepek den Schweizer Lenos Verlag vor, der unter anderem auf arabische Literatur spezialisiert ist. David Wengenroth hat sich mit Berndt Oesterhelt, dem Geschäftsführer des RWS-Fachverlags Boorberg, unterhalten. Weitere Themen sind unter anderem die Verlosung von Schulbuch-Ausschreibungen; die Situation für Buchhandlungen auf dem amerikanischen Buchmarkt (seit 1994 wird in den USA mehr als die Hälfte aller Bücher außerhalb des stationären Buchhandels gekauft. Die unabhängigen Buchhandlungen konnten ihren Verlust von Marktanteilen 2001 allerdings stoppen); der Fitness-Selbstvermarkter Dr. Ulrich Strunz; der Gesundheits-Fachverlag Urban & Fischer (der sich dem Laienmarkt zuwendet); das Deutsche Literaturinstitut der Universität Leipzig, das seit April 2001 von Josef Haslinger geleitet wird; und der neue Roman von Thommie Bayer, "Das Aquarium".

Schwerpunkt ist der Bereich Fitness, Sport, Gesundheit.

Die Buchmacher vom 06.05.2002 - buchreport.magazin

Bislang gibt es im deutschen Fernsehen keinen Nachfolger für das Literarische Quartett. Die existierenden Bücher-Sendungen haben ziemlich miese Quoten, schreibt Daniel Lenz. Von "Bücher, Bücher" über "Die Bestenliste" bis zu "Lese-Zeichen" oder auch "Willkommen im Club" - "keine der Sendungen kommt durchschnittlich über eine Quote von 100.000 Zuschauern; eine Null weniger ist keine Seltenheit." Marcel Reich-Ranicki erreichte mit seiner ersten "Solo"-Sendung immerhin 1,1 Millionen Zuschauer. Auch bei ihm fällt die Quote allerdings, zuletzt auf 720.000. Wie bringt man Bücher ins Fernsehen? Hubert Winkels ("Die Bestenliste") meint, das Gespräch sei "die attraktivste Form" von Literatur im Fernsehen. Wolfgang Herles ("aspekte") sagt dagegen: "Wir müssen Literatur in Bildern zeigen." Alles falsch. Vom "Quartett" lernen heißt, gute Quote erzielen. Das Erfolgsrezept lautet also: laut debattieren, wild streiten - und mindestens einmal pro Sendung "ficken" rufen.

Umfrage unter jungen deutschsprachigen Autoren und einer Autorin: Warum schreiben Sie? Arne Rautenberg meint, es gebe zwei Arten von Autoren. "Die, die schlauer sind als ihre Texte, und die, deren Texte schlauer sind als sie selbst. Zweifellos gehöre ich zur zweiten Sorte. Auch ich möchte mich von mir überraschen lassen. Und mit meinen Lesern dieses einmalige Lebensgefühl teilen." Matthias Göritz schreibt "in den Morgen hinein, an den Geräuschen der Vögel und manchmal an dem eines in der Ferne fahrenden Zuges vorbei." Marc Wortmann hat "eigentlich nicht groß die Wahl: Wenn ich einen Tag lang nichts aufschreibe, kriege ich Langeweile und trinke abends zuviel Bier." Und Chris Kraus sagt: "Das Herz kann man nicht mit Sat.1 waschen. Deshalb schreibe ich Romane."

Alljährlich stellt der buchreport "die deutschen Taschenbuchverlage vor den Röntgenschirm". In diesem Jahr sind 43 Einzelaufnahmen und ein knapper Überblick herausgekommen. Für die Taschenbuchverlage der Verlagsgruppe Random House diagnostiziert das Blatt mit 120 Millionen Euro Umsatz eine Alleinstellung auf dem Markt; allein die Random-House-Tochter Goldmann - der umsatzstärkste deutsche Taschenbuchverlag - setzte im vergangenen Jahr 74 Millionen Euro um.

"Hitler bleibt ein Thema", titelt der buchreport und listet Hitler-Bücher von zweifelloser und zweifelhafter Qualität auf, darunter "Hitlers Spionin", "Hitlers Frauen", "Hitlers Frauen und Marlene", "Hitlers langer Schatten" und "Hitlers Gesicht". Auch an Hitler-Romanen fehlt es nicht: "Wenn das der Führer wüsste" von Otto Basil oder "Siegfried" von Harry Mulisch sind nur zwei Beispiele.

Außerdem: Der buchreport listet ein paar Fantasy-Titel auf, die im Gefolge des "Herrn der Ringe" auf Erfolg hoffen. Eine weitere Liste bringt eine Auswahl von Institutionen, die Übersetzungen fördern. Dann gibt es einen Bericht darüber, wie Langenscheidt über die Teilnahme am Projekt "Zeitung in der Schule" zu kostenloser Werbung kam. Der S. Fischer Verlag bringt erstmals eine Neuerscheinung im Juni auf den Markt: den Roman "Desaster" von Bruno Richard. Peggy Voigt hat die Bestseller-Autorin Charlotte Link besucht, die sich über die ZDF-Verfilmung ihres Romans "Haus der Schwestern" geärgert hat. Maria Ebert schreibt über den Ramsch-Versand Jokers, eine Gemeinschaftsgründung von Weltbild und Hugendubel. Brit München hat sich Buchhandlungen in Urlaubsorten gewidmet und dabei erfahren, dass die Nordrhein-Westfalen, die in der Haupturlaubszeit auf die Nordseeinsel Juist kommen, oft sehr belesen sind und auch teure, gebundene Bücher kaufen. Das sagt jedenfalls ein Juister Buchhändler.

In der Rubrik "Verlage" porträtiert David Wengenroth den Verlag Wiley-VCH, der dieser Tage in Weinheim ein neues Domizil bezieht. Boris Langendorf schreibt über die Kooperation von C.H.Beck und dtv bei der Publikation von Gesetzessammlungen und juristischen Fachbüchern. Rainer Uebelhöde stellt den Wirtschaftsverlag Schäffer-Poeschel vor, dessen Poeschel-Teil am 1. September den 100. Geburtstag feiert. Und Anja Sieg widmet sich der Reed-Elsevier-Tochter Reed Exhibitions, dem größten Messeveranstalter der Welt. Reed Exhibitions richtet sechs internationale Buchmessen aus: Asia International Book Fair, BookExpo America, BookExpo Canada, London Book Fair, Salon du Livre, Tokio International Book Fair.

Und: Auf 58 Seiten listet der buchreport 500 Novitäten der kommenden Saison auf, darunter "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen (erscheint im Juni bei Rowohlt), "Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern" von Norman G. Finkelstein (im September bei Diederichs) oder auch "Nichts als die Wahrheit" von Dieter Bohlen (Oktober, Heyne).

Die Buchmacher vom 01.04.2002 - buchreport.magazin

Alljährlich nimmt der buchreport die 100 größten Verlage unter die Lupe. Fazit der diesjährigen Erhebung: Die "fetten Jahre" seien "erst einmal vorbei". Denn anders als in den Vorjahren sei der Gesamtumsatz der 100 Top-Verlage (BertelsmannSpringer, Süddeutscher Verlag Hüthi und die Klett-Gruppe an führender Position in der Liste; Ullstein Heyne List und Eichborn mit den größten Umsatzsteigerungen: 68 bzw. 33 Prozent) um 0,6 Prozent zurückgegangen; bei Publikumsverlagen sogar um 7,3 Prozent. buchreport-Herausgeber Bodo Harenberg liefert in einem Kommentar Erklärungen: "Viele Verlage haben sich von Wildwuchs befreit, haben ihre Struktur verändert und sich damit auf neue Gegebenheiten eingestellt. Das Motto: Rendite geht vor Umsatz, Konsolidierung kommt vor Wachstum."

C.H. Beck soll in Zukunft ein Familienunternehmen und möglichst unabhängig bleiben - das bekräftigt der Verleger Hans-Dieter Beck in einem Interview mit Boris Langendorf. Auch für das Schlachtfeld der Globalisierung sieht Beck den Verlag gerüstet: "Sind die Familiengesellschafter in gutem Einvernehmen, und ist das gemeinsame Verlagsunternehmen in guter Verfassung, so ist es auch widerstandsfähig gegenüber den Übernahmeversuchen kapitalkräftiger Großkonzerne."

Optimistisch in die Zukunft blickt auch Klaus Wagenbach, der seiner Ehefrau Susanne Schüssler in seinem Verlag den Vortritt überlassen hat. Mit Daniel Lenz hat sich der Berliner über seine Karriere vom Staatsfeind zum Bundesverdienstkreuzträger, seinen pädagogischen Impetus, "Monster-Unternehmungen", in denen das Scheckbuch das Sagen hat, und die Zukunft des Verlags unterhalten. Fazit: "Die Wichte aus unserem Gewerbe, die keine Bücher lesen, sollen verschwinden."

Weitere Artikel aus dem Ressort "Verlage": Andrea Czepek nimmt den Markt der zweisprachigen Wörterbücher unter die Lupe (Langenscheidt vor Pons), Kirsten von Hagen berichtet von der Intergration des Sauerländer Verlags unter dem Dach von Patmos - Konsolidierung sei derzeit Trumpf - und weiht in die Kunst der Neuübersetzung von Texten ein: interessant ihre Gegenüberstellung zweier Proust-Übersetzungen.

Von den Verlagen zu einzelnen Büchern und Autoren: Eine Bestsellerautorin, die mit ihren Urzeit-Romanen acht bis zehn Millionen Dollar pro Band verdient, stellt Anja Sieg vor: Jean M. Auel. Daniel Lenz porträtiert den Publizisten Michael Maar, der die Zaubertricks von Joanne K. Rowlings Büchern philologisch entziffert hat (Titel: "Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte"), und stellt das Jahrhundertunternehmen Grimmsches Wörterbuch vor: die Neuübersetzung des Abschnitts A-F wird noch bis etwa 2017 dauern. Peggy Voigt beschreibt die "Renaissance" eines Klassikers (John Steinbeck) und schreibt über die Firma 3 Billion Books des langjährigen Random-House-Director Jason Epstein: Weltweit will Epstein Print-on-Demand-Maschinen verkaufen, "um den gesamten Korpus der Literatur in jeglicher Sprache über das Internet zugänglich zu machen". Brit München will herausgefunden haben, dass herkömmliche Glas-Wasser-Mikro-Autorenlesungen ausgedient haben - je ungewöhnlicher, desto besser, sei das Motto.

Der Schwerpunkt des Hefts widmet sich dem Krimi: Brit München porträtiert Petra Hammesfahr, die 159 Versuche brauchte, um als bestsellertauglich entdeckt zu werden. Rainer Uebelhöde hat sich mit dem Grafit-Verleger Rutger Booß über das Genre unterhalten. Der meint etwa, dass nicht die Medien, sondern deutsche Sortimentsbuchhändler - dank einer ausgefeilten Verlagswerbung - Henning Mankell groß gemacht haben. Außerdem sei eine "ungewöhnliche Schieflage von Angebot und Nachfrage" für die Krimi-Branche kennzeichnend: neugierige Leser, schlechte Nachwuchsschreiber. Schließlich hat wiederum Uebelhöde in einem Mammutakt auf 18 Seiten (!) alle wichtigen Krimiautoren und deren Protagonisten versammelt.

Die Buchmacher vom 11.03.2002 - buchreport.magazin

Der buchreport hat seine Liste der 100 größten Buchhandlungen aktualisiert. Die Konzentrationswelle hält erwartungsgemäß an: Allein durch Fusionen wurden im Ranking sechs Plätze frei. Auch sind die 100 größten Buchhandlungen im Schnitt schneller gewachsen als die Branche insgesamt. Dabei legten die ersten 50 schneller zu als die übrigen Buchhandlungen des Rankings. Im Internet war die Liste bis Anfang des Monats leider noch immer nicht aktualisiert.

Die aktuelle Buchhandelserhebung kommentiert Boris Langendorf. Er kritisiert den Expansionsdrang der Großunternehmen: Ungeachtet der schwachen Konjunktur erweitern Buchhandlungen ihre Flächen oder öffnen Filialen in Städten, in denen der Markt bereits schwer umkämpft ist. "Eine Entwicklung, die so nicht weitergehen kann. Denn an der Konditionenschraube können selbst die größten Handelsunternehmen nicht ad infinitum drehen, und spätestens dann müssen die neuen Flächen und Mitarbeiter aus neuen Umsätzen bezahlt werden." Ein Verdrängungswettbewerb durch Vereinnahmung des Konkurrenten, so Langendorf, sei in vollem Gange.

Ein Beispiel für Verdrängungswettbewerb: In Erfurt konkurrieren drei Buchhandlungen - Peterknecht, Hugendubel und Habel. Der Erfurter Traditionsbuchhandlung Peterknecht ist der Umsatz merklich weggebrochen, seit nach Habel auch Hugendubel in die Stadt gezogen ist. Die Hugendubel-Filialleiterin Linde Stehr gibt zu, dass es in Erfurt langsam eng wird. Sollte ein vierter Buchhändler kommen "geht hier die Luft aus", sagt sie. Ziel der Hugendubel-Filiale ist die Marktführerschaft in der Stadt, schreibt Peggy Voigt. Dieses Ziel peilt auch Habel an: "Auf Dauer werden wir das Rennen machen", sagt Habel-Marketingleiter Gereon Janßen. Zunächst wird aber die Habel-Filiale an der Uni geschlossen.

Peggy Voigt schreibt auch über das Abholfach - ein überraschend spannendes Thema. Eine alte Buchhändlerweisheit besage: "Eine Buchhandlung ist so gut wie ihr Abholfach": "Fein säuberlich platzierte Bücher oder Unordnung, viele Bücher, womöglich von bekannten Autoren, oder nur wenige, spezielle Titel - all das lässt auf die Qualität des Sortiments und den Service der Buchhandlung schließen." Die kleinen Buchhandlungen ärgern sich, dass Bestellungen häufig an ihnen hängen bleibt. Sie haben wenig Lagerfläche, und zudem ist das Besorgungsgeschäft "eine selbstmörderische Serviceaufwendung", mit der kaum Geld zu machen ist.

Der Ratgeberverlag BLV reagiert auf die Enge des Marktes mit Konzentration: Der Marketing-Etat wird nur noch für Werbung ausgegeben, die sich an Buchhändler richtet. Und in jedem Halbjahr bewirbt der Verlag nur noch zwei Programmsegmente. "In diesem Frühjahr geht das gesamte Werbegeld für die Bereiche Garten und Natur drauf, im Herbst sind Pferde und Sport an der Reihe", schreibt David Wengenroth.

Der US-Verlag Regnery widmet sich der Jagd auf Linksliberale. Sein Buch "Bias" über die angebliche Linkslastigkeit der amerikanischen Medien, stand wochenlang auf Platz eins der Bestsellerlisten, nachdem Präsident Bush junior mit dem Buch unterm Arm fotografiert worden war. Geld gemacht hat der Verlag auch mit Büchern über den Bush-Vorgänger Bill Clinton und dessen Affären: "Kein Verlag hat so viele Bücher - zehn an der Zahl - über die Clinton-Ära herausgebracht", schreibt Anja Sieg. Verleger Alfred Regnery freut sich: "Clinton hat dem Verlag wirtschaftlich definitiv geholfen, dafür sollten wir ihm eigentlich dankbar sein." Als nächsten Demokraten hat der Verlag sich den Bürgerrechtler Jesse Jackson vorgeknöpft. Dessen (natürlich unautorisierte) Biografie startet im März.

Die christlich-populistischen "Left Behind"-Bücher stehen seit zwei Jahren regelmäßig ganz oben in den US-Bestsellerlisten. Über 50 Millionen Exemplare wurden bereits von den bisher neun Bänden verkauft. 2004 soll allerdings Schluss sein. Timothy LaHaye trennt sich von seinem Ko-Autor Jerry B. Jenkins ebenso wie von Verlag und Agent, "um künftig allein Kasse zu machen", so Anja Sieg. Die Random-House-Tochter Bantam Dell soll 45 Millionen Dollar für ein Paket von vier Romanen des schreibenden Kreuzfahrers gezahlt haben.

Weitere Beiträge: Rainer Uebelhöde schreibt über die eBuch e.G., die Call-Center-Dienste für Buchhandlungen anbietet. Brit München stellt die Aachener Frauenbuchhandlung "her's", Kirsten von Hagen den Kleinverlag Achilla Presse vor, der im März in Hamburg eine Buchhandlung eröffnet, in der nur Bücher von Kleinverlagen verkauft werden sollen.

Dann porträtiert Andrea Czepek Dieter Kühn, dessen Romanbiografie über Maria Sibylla Merian gerade erschienen ist. Kirsten von Hagen ist sehr begeistert von dem in Hamburg lebenden norwegischen Schriftsteller Ingvar Ambjörnsen. Anja Sieg schreibt über Philip Pullman, der für "Das Bernstein Teleskop" den Whitbread-Preis bekommen hat, in Großbritannien "Bestseller-Autor der allerersten Garnitur" ist, doch hierzulande noch auf seinen Durchbruch wartet. Und Rainer Uebelhöde freut sich auf die zweite lit.Cologne, die vom 13. bis zum 17. März stattfindet. Schließlich gibt es noch ein Interview mit betondummen Antworten von Herbert Rosendorfer ("Es gibt auch im Islam vernünftige Kräfte. Obwohl ich einer der wenigen bin, die sich mit dem Koran auseinander gesetzt haben und insgesamt glaube, dass der Islam eine böse Religion ist. (...) Aber man darf den Dialog trotzdem nicht abbrechen.").

Schwerpunkt des Heftes: Reisen