
Nach 28 Jahren und 2251 Seiten ist Norman Sherrys Biografie
Graham Greenes (
mehr auf Englisch und
mehr auf Deutsch) endlich komplett. Der Schriftsteller
Paul Theroux kniet nieder in Bewunderung, sowohl vor Greene als auch vor Sherry. "Wer immer sich für Graham Greenes Leben und Werk interessiert, dem wird diese
dreibändige Biografie unvergleichlich erscheinen; als intellektuelle und politische Geschichte des 20. Jahrhunderts ist sie unbezahlbar; als literarische Reise, und auch als Reise durch die Welt ist sie meisterhaft; als Quellenbuch und als
Galerie der Schurken ist sie faszinierend."
Der kommende Prozess gegen
Saddam Hussein veranlasst Michael Massing dazu, wieder über
Hannah Arendts Prozessreport über
Adolf Eichmann nachzudenken. Interessanter als Massings recht banale Gedanken zur Banalität des Bösen ist jedoch die
Originalbesprechung aus dem Jahr 1963 und vor allem der Verweis auf
Jean Hatzfelds Bericht "Une Saison de Machettes", das bei uns schon
erschienen ist. Hatzfeld lässt Vollstrecker des
Genozids in Ruanda zu Wort kommen, die erschütternd kühl über ihre Taten berichten.
Weitere Artikel:
Seymour Hershs "Chain of Command" (
"Die Befehlskette") ist wahrscheinlich das beste Buch, wenn es darum geht zu erklären, wie die
Menschenrechte, "die wir im Irak eigentlich wiederherstellen wollten, schließlich von uns selbst verletzt wurden",
schreibt Michael Ignatieff über die Zusammenstellung der ursprünglich im
New Yorker erschienenen Reportagen zu
Abu Ghraib (
erstes Kapitel). Julia Reed
stellt die
Flugbibliothek vor, Anthologien, die speziell für lange Interkontinentalflüge zusammengestellt wurden. Judith Shulevitz zeigt sich
erschüttert von
Robert Alters "bemerkenswerter" Neuübersetzung der
fünf Bücher Mose. Michael Agger ist heilfroh, dass
Stephen King seine voluminöse Dark Tower-Reihe nun mit dem siebten Band (
erstes Kapitel) abgeschlossen hat und kann sie höchstens Fans
empfehlen.
Scott Anderson ist für das
New York Times Magazine in den
Sudan gereist und hat
versucht, die Gründe für die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart zu verstehen. Zu Beginn seiner großen Reportage trifft er einen ehemaligen
Janjaweed, jene Reiter, die sich selbst Ritter nennen und die Provinz
Darfur in Schrecken versetzt haben. "'Wir ritten nachts, um sehr früh am Morgen vor den Dörfern unserer Feinde zu sein', erzählte er. 'Üblicherweise reihten wir uns am Rand des Dorfes entlang auf - wir wollten
keine Schlacht, wir wollten, dass sie fliehen - dann gab unser Führer das Signal und wir griffen an." Als Anderson ihn fragt, was sie dann getan haben, antwortet der Janjaweed ihm nicht. "Stattdessen bedachte er mich mit seinem verstörenden Lächeln und seine Stimme, schon ein Flüstern, wurde noch leiser. 'Alles was Du dir vorstellen kannst.
Vielleicht auch ein paar Dinge mehr.'"
Zur Einführung in die kulinarischen Extraseiten dieser Ausgabe
denunziert Michael Pollan seine Landsleute als
ängstliche Esser und nennt einige skurrile Irrwege der Nahrungsaufnahme, etwa "die
Nur-Trauben-Diät, die Dr. John Harvey Kellogs den Patienten seines legendär schrägen Sanatoriums in Battle Creek (
mehr) verschrieb oder die Mode des 'Fletcherizing' - jeder Bissen wird
bis zu hundertmal gekaut -, von Horace Fletcher (auch bekannt als das
Große Mahlwerk) gegen Ende des vorvergangenen Jahrhunderts eingeführt."
Weitere Artikel: Im Aufmacher
inspiziert Ron Suskind die Methode, mit der George Bush das Land führt:
"glaubensbasiertes Regieren". Bush wirkt so sicher, weil er die komplexen Fakten ignoriert, mit Suskind. "Dem offenen Dialog, auf Fakten gestützt, wird kein innerer Wert beigemessen. Es könnten ja
Zweifel aufkommen, die
den Glauben unterminieren würde." Jimmy Carter habe ihm imponiert,
erzählt der polnische
Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz im Interview mit Deborah Solomon. Ein einziges Mal lässt der sonst so diplomatische Politiker indirekt Kritik an den Amerikanern durchdringen. "Es stimmt, viele
polnische Unternehmen haben erwartet, in den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Irak einbezogen zu werden, und das ist nicht geschehen." Michael Kimmelmann
stellt einen Künstler vor, über den man in New York zu reden beginnt.
Lamar Peterson (
mehr) malt idyllische Vorstadtszenen mit
netten grausamen Details.