9punkt - Die Debattenrundschau
Ein solches intellektuelles Erbe
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
16.03.2026. Jürgen Habermas ist tot. Aus der Überfülle der Texte wählen wir einige Highlights aus: Le Grand Continent bringt ein letztes Interview, in dem Habermas nochmal die Ideen der Aufklärung verteidigt. Michael Krüger veröffentlicht in der FAZ eine sehr persönliche und liebevolle Erinnerung. Viele erinnern wie Arno Widmann in der FR oder Thomas Schmid in der Welt an den Historikerstreit. Außerdem Statements von Eva Illouz, Herfried Münkler, Stefan Müller-Doohm und Seyla Benhabib. In Frankreich waren Kommunalwahlen: Laurent Joffrin fürchtet in Lejournal.info ein Schreckensszenario für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
16.03.2026
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Ideen

Le Grand Continent veröffentlicht ein letztes Gespräch auch aus Anlass seiner monumentalen Philosophiegeschichte. Seinem Gesprächspartner Daniel Steinmetz-Jenkins erklärt er, warum er Begriffe wie "Moderne" und "Aufklärung" nach wie vor verteidigt: "Was mich an diesem leichtfertigen Abtun einer ganzen Epoche am meisten befremdet, ist die Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass diese moderne Denkart von Anfang an selbstkritisch betrieben wurde. Ein solches intellektuelles Erbe, dessen Überlieferungsweise an sich schon eine Selbsttransformation beinhaltet, kann nicht einfach beiseitegeschoben, abgetan und vergessen werden wie eine vergangene Epoche der Menschheitsgeschichte. Aber es reicht heute ebenso wenig aus, einfach nur noch einmal auf eine Tradition zu pochen, die sich einst gegen alles behauptet hat, was reine Tradition war. Deshalb nehme ich die ehrgeizige Aufgabe in Angriff, durch eine Philosophie der Geschichte aufzuzeigen, dass unsere maßgeblichen Begriffe von Vernunft und Autonomie das Ergebnis langwieriger Lernprozesse sind. Wenn sich dies nachweisen lässt, dann besitzen diese Begriffe eine ganz andere Widerstandskraft."
Der ehemalige Hanser-Verleger Michael Krüger veröffentlicht in der FAZ eine sehr persönliche und liebevolle Erinnerung. Oft hatte er den Freund in seinem (übrigens sehr schicken) Starnberger Haus besucht. Bis zuletzt, schreibt er, war Habermas hellwach, aber auch getroffen vom Tod seiner Tochter Rebekka Habermas und seiner Frau Ute Habermas-Wesselhoeft und behindert von seiner Schwerhörigkeit. "Ich habe mich oft geärgert, dass nicht ein heimliches Mikrofon seine präzisen Erinnerungen an Freunde und Feinde aufgenommen hat: seine bis an Verehrung grenzende Achtung der Adornos und seine Freundschaft mit Herbert Marcuse oder den Mitscherlichs, seine süffisante Verwunderung über den taktierenden Horkheimer, ihrer beider Liebe zu Ernst Tugendhat, den Jürgen Habermas für den begabtesten Philosophen seiner Generation hielt."
Viele erinnern wie Arno Widmann an den "Historikerstreit", den Habermas 1986 lancierte und der sicher neben der "Holocaust"-Serie einige Jahre zuvor und Claude Lanzmanns etwas früherem "Shoah"-Film eine der wichtigsten Etappen in der deutschen Reflexion über die Verbrechen der Nazis war. Widmann memoriert ihn als "Handgemenge, in dem Habermas die Menschen in der Bundesrepublik zwang, sich über ihre NS-Vergangenheit und ihren Umgang damit auseinanderzusetzen. Ich schreibe 'auseinandersetzen'. In Wahrheit war es ein Sich-Zusammensetzen. Die Kontrahenten benutzten die führenden Printmedien der Bundesrepublik für einen sich ein Jahr lang hinziehenden Schlagabtausch. Habermas teilte aus, Ernst Nolte und die anderen schlugen zurück. Wir Leserinnen und Leser verfolgten das Ganze, riefen uns zu, was zum Beispiel Jürgen Kocka in der Frankfurter Rundschau oder Micha Brumlik in der taz geschrieben hatten. Habermas' Attacke in der Zeit vom 11. Juli 1986 hatte uns aufgerüttelt. Gab es eine 'Verschwörung' führender Historiker, die den Nationalsozialismus kleinreden wollten?" Die Zeit veröffentlicht Habermas' Text zum Historikerstreit neu, aber nur hinter Zahlschranke.
Eine bis heute fatale Kehrseite des Historikerstreits benennt Welt-Autor Thomas Schmid in seinem Nachruf auf Habermas: "Im Historikerstreit der achtziger Jahre, den es ohne ihn nicht gegeben hätte, wehrte er den Versuch ab, dem Holocaust mit Verweis auf den Gulag seine Singularität zu nehmen. Zugleich aber blieb auch er bei der damals in der Linken noch vorherrschenden Verharmlosung des Stalinismus." Schmid würdigt auch "den Mut, mit dem er den 68er-Phrasen widerstand", und ein weiteres Verdienst: "In Frankfurt wird Habermas in den sechziger Jahren schnell zum neuen Star der 'Frankfurter Schule'. Diese zeichnete sich durch einen in gepflegtem Ton vorgetragenen Geschichtspessimismus aus. Und wurde deswegen, so der Philosoph Georg Lukács, als 'Grand Hotel Abgrund' verspottet. Habermas rückte das Hotel ein gutes Stück vom Abgrund weg."
Habermas' inständiger Verortung der Bundesrepublik im "Westen" entsprach leider seine "Unmusikalität" für das Thema Osteuropa. Der Ukraine empfahl er ernstlich einen "Kompromiss" mit Russland einzugehen, das das Land überfallen hatte. Damit rief er den Zorn des antitotalitären Publizisten und Perlentaucher-Kolumnisten Richard Herzinger auf sich. In seinem Blog schrieb dieser: "Der als größter deutsche Sozialphilosoph der Gegenwart gefeierte Denker ist in anderen Worten also der Meinung, zwischen der Forderung eines Serienmörders, sein Opfer solle gefälligst stillhalten, wenn er ihm das Messer in die Kehle rammt, und der 'Forderung' des Opfers, am Leben bleiben zu dürfen, sei ein 'für beide Seiten gesichtswahrender Kompromiss' möglich!" Schon 1996, als er im Merkur die Denkniederlage deutscher Intellektueller in Srebrenica analysierte, hatte Herzinger Habermas vorgeworfen, sich um der Wahrung des Status quo willen aus der Geschichte heraushalten zu wollen. "Deshalb plädierte er dafür, sich aus allem so weit wie möglich herauszuhalten: Das zarte Pflänzchen deutscher Zivilkultur, deren Lebensfähigkeit er im Grunde zutiefst misstraut, hielt er noch nicht für reif, um aus dem Glashaus einer scheinbar befriedeten Nachkriegswelt entlassen und den Stürmen der Gegenwart ausgesetzt zu werden. Auch das: Eine Art von Besitzstandswahrung."
Wie's mit Habermas anfing, erzählt Oliver Weber in der FAZ, nämlich in "dieser Zeitung", die später eher nicht Habermas' Revier war: "Noch als Student betrat Habermas die Bühne der großen Öffentlichkeit. 1953, gerade einmal 24 Jahre alt, rezensierte er in diesem Feuilleton Martin Heideggers 'Einführung in die Metaphysik', eine wiederaufgelegte Vorlesung aus der Anfangszeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Doch was als Rezension daherkam, hatte die Wucht einer öffentlichen Intervention, die Wellen weit über diese Zeitung und die Frage nach der Verbindung von Politik und Philosophie hinaus schlug. Heidegger hatte das Wort von der 'inneren Wahrheit und Größe' der NS-Bewegung aus der veröffentlichten Version nicht gestrichen. Habermas nutzte diesen Umstand, um gegen die, aus seiner Sicht, 'fortgesetzte Rehabilitation' der NS-Diktatur in der deutschen Öffentlichkeit anzukämpfen."
An diesen Text erinnert auch ein Nachruf des verstorbenen Micha Brumlik, den dieser offenbar "auf Vorrat" für die taz geschrieben hatte. Der Text über Heidegger sei ein "Donnerschlag" gewesen: "Das war alleine deshalb so, weil es hier ein wahrlich junger Mann wagte, den trotz seines vorherigen NS-Engagements als Meisterdenker verehrten, vierundsechzigjährigen Martin Heidegger - wenn auch in der Sache solidarisch - zu kritisieren.
Alle Zeitungen sammeln außerdem Stimmen prominenter Autoren: In der FR erzählt die Philosophin Seyla Benhabib von ihrer Zeit als wissenschaftliche Assistentin an der Universität in Frankfurt und erklärt, was die Rolle als "öffentlicher Intellektueller" für Habermas bedeutete: "Für Habermas war die Verantwortung als öffentlicher Intellektueller philosophisch begründet. Er hatte ein besonderes Talent, Dinge schnell und präzise zu formulieren und im entscheidenden Moment öffentlich zu intervenieren. Man darf nicht vergessen, dass er ursprünglich Journalist werden wollte und auch journalistisch gearbeitet hat, bevor Adorno ihn ans Institut holte. Diese Fähigkeit, Theorie und öffentliche Intervention zu verbinden, hatte er in einer Weise, die wir in den nachfolgenden Generationen so nicht mehr erreicht haben."
Ziemlich mokant klingen Herfried Münklers Anmerkungen in der SZ: "Man wird es wohl als tragisch bezeichnen müssen, dass die 'entgegenkommenden Verhältnisse', auf denen der Geltungsanspruch von Habermas' Theorie beruht hat, in den letzten Jahren mehr und mehr erodiert sind." Eva Illouz schreibt ebendort: "Für mich war er der Philosoph, der früher und besser als jeder andere die Gefahren der irrationalen Philosophien erkannt hatte, die ab den 1970er-Jahren so in Mode gekommen waren… Es liegt in unserer Verantwortung, sein Vermächtnis fortzuführen und eine rationale und humanitäre Linke wiederaufzubauen." Rachel Salamander erzählt in der SZ, wie entsetzt Habermas über die "öffentliche Wiederkehr des Antisemitismus" war.
"Defaitismus war für Habermas keine Haltung", hält der Soziologe und Habermas-Biograf Stefan Müller-Doohm im FR-Interview fest. Stattdessen gibt es ein hoffnungsvolles Moment in seinen Ideen: "Habermas hat gerade in seinem Spätwerk immer wieder betont, dass die Philosophie durch ihre Beiträge zum Selbst- und Weltverständnis, durch ihre Deutungen das Wissen über die Welt Mut machen kann. Er war sich ganz realistisch darüber im Klaren, dass Philosophen die Welt nicht verändern können. Philosophen müssen heute bescheiden sein und aus dieser Haltung heraus einen Beitrag leisten zum öffentlichen Gebrauch der Vernunft."
Weitere Nachrufe von Dirk Knipphals (taz), Jörg Später (taz) Michael Hesse (FR), Peter Neumann (Zeit), Tobias Rapp (Spiegel), Willi Winkler (SZ), Eckhard Fuhr (Welt), Nicolas Weill (Le Monde), Gal Beckerman (New York Times), Stefan Müller-Doohm (NZZ).
Was bedeutet es heute, ein Intellektueller zu sein, fragt der Politikwissenschaftler Alexander Gallus auf der "Gegenwart"-Seite der FAZ. Der Artikel ist vor Habermas' Tod geschrieben, aber er geht auf ihn ein: "Habermas' Klage über den intellektuellen Positionsverlust ist nicht nur nostalgisch gefärbt, sondern wirkt demokratietheoretisch so begründet wie drängend. Die klassische Gestalt des Intellektuellen, der in einem Buch, in einer Zeitschrift, in einem Vortrag seine Gedanken ausformuliert, hat in einer digitalen wie populistisch angeheizten Öffentlichkeit an Kraft verloren. Doch dies bedeutet nicht, dass die Intellektuellen überflüssig geworden wären. Vielmehr müssen sie sich selbst befragen und am Ende womöglich von einem Präzeptorenstatus à la Grass, Habermas oder Enzensberger Abschied nehmen. Sie müssen lernen, in den neuen Medien zu kommunizieren, in Netzwerken zu arbeiten und insoweit kollektiv zu denken. Der 'vernetzte Intellektuelle' ist kein Gegensatz zum 'freischwebenden', sondern dessen Fortsetzung in einer neuen Ära."
Europa
In Frankreich waren Kommunalwahlen, die als wichtiger Stimmungstext für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr gelten. Trotz seiner antisemitischen Strategie hat das "Unbeugsame Frankreich" unter Jean-Luc Mélenchon in einigen Städten Gewinne einfahren können. In Roubaix wird LFI wohl den Bürgermeister stellen. Ebenso gewonnen hat das Rassemblement national, eher im Süden Frankreichs. Auch einige bürgerliche Kandidaten haben sich gut geschlagen, etwa Edouard Philippe in Le Havre, freut sich Laurent Joffrin in Lejournal.info: "Es ist also noch nicht alles verloren, doch ein Schreckensszenario rückt immer näher: Der Aufstieg des RN und von LFI lässt das Schreckgespenst einer Stichwahl zwischen Bardella und Mélenchon bei den Präsidentschaftswahlen Gestalt annehmen. Dem RN ist ein Platz in dieser Stichwahl bereits sicher. Was Mélenchon betrifft, so wird er keineswegs durch seine Exzesse gebremst, sondern von den Wählern ermutigt, einen radikalen Kurs fortzusetzen, der ihn nach einem seiner passionierten und einfallsreichen Wahlkämpfe, deren Geheimnisse nur er kennt, dazu bringen könnte, im zweiten Wahlgang zum Herausforderer des RN zu werden."
Auch in Deutschland zeigt die Linkspartei, wohin der Weg der sich als links Lesenden geht. Die Linkspartei Niedersachsen stimmte folgendem, in krudem Deutsch formulierten Entschließungsantrag zu (mehr hier): "Wir als Die Linke Niedersachsen stellen uns gegen die Ideologie des Zionismus aufgrund dessen politischer Realität welche folgende ideologische Praxis hervorbringt: 1. Leugnung und oder Verharmlosung der siedlerkolonialistischen Akte des Staates Israel, der sich damals wie heute durch sowohl der gewaltsamen Eroberung von Gebieten als auch Vertreibung von ihren Einwohner:innen zeigt. 2. Die Weigerung die Verbrechen des Staates Israel anzuerkennen, darunter die
herrschende Apartheid und den stattfindenden Genozid in Palästina." Andreas Büttner, bis vor kurzem Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter, verlässt die Linkspartei wegen dieses Beschlusses, meldet die Jüdische Allgemeine.
Auch in Deutschland zeigt die Linkspartei, wohin der Weg der sich als links Lesenden geht. Die Linkspartei Niedersachsen stimmte folgendem, in krudem Deutsch formulierten Entschließungsantrag zu (mehr hier): "Wir als Die Linke Niedersachsen stellen uns gegen die Ideologie des Zionismus aufgrund dessen politischer Realität welche folgende ideologische Praxis hervorbringt: 1. Leugnung und oder Verharmlosung der siedlerkolonialistischen Akte des Staates Israel, der sich damals wie heute durch sowohl der gewaltsamen Eroberung von Gebieten als auch Vertreibung von ihren Einwohner:innen zeigt. 2. Die Weigerung die Verbrechen des Staates Israel anzuerkennen, darunter die
herrschende Apartheid und den stattfindenden Genozid in Palästina." Andreas Büttner, bis vor kurzem Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter, verlässt die Linkspartei wegen dieses Beschlusses, meldet die Jüdische Allgemeine.
Politik
Der Irankrieg hat sich zu "einem Worst-Case-Szenario - humanitär, ökonomisch und geostrategisch" entwickelt und muss sofort beendet werden, konstatieren Andrea Böhm und Mark Schieritz bei Zeit Online. Unter den zahlreichen katastrophalen Folgen, die die Angriffe für die Region aber auch die gesamte Welt haben, nützt der Krieg außerdem vor "allem Wladimir Putin. Das klingt zunächst paradox, weil das Regime in Teheran zu Moskaus Verbündeten gehört. Ob und in welchem Ausmaß Putin das iranische Regime unterstützt, ist unklar. Aber er profitiert wie kein anderer von ihrer Strategie der asymmetrischen Ausweitung der Kampfzone. Der Irankrieg lenkt von den täglichen russischen Angriffen auf Kyjiw und Odessa ab; er verbraucht militärische Ressourcen auf Kosten der Ukraine; und er füllt Putins Kriegskasse wieder auf. Dank steigender Ölpreise. Und dank der USA. Um die Energiemärkte zu beruhigen, hat Washington vor wenigen Tagen Sanktionen gelockert, die es Staaten wie Indien wieder erlauben, russisches Öl einzukaufen. Nach Berechnungen der Financial Times fließen allein dadurch täglich 150 Millionen Dollar nach Moskau."
Der Libanon steuert währenddessen auf eine Katastrophe zu, warnt Ibrahim Naber in der Welt. Es gibt zwei mögliche Szenarien und beide bedeuten großes Leid für die Bevölkerung: "Wenn sich die libanesische Armee und andere Kräfte im Land gegen die Hisbollah stellen, droht ein Bürgerkrieg - und die Miliz wird um ihr Überleben kämpfen. Wenn der Staat weiter zögert, wird Israel den Krieg im Libanon ausweiten - und dabei deutlich mehr Infrastruktur zerstören als bisher. Diplomaten in Beirut bringen zwar eine dritte Möglichkeit ins Spiel. Im Rahmen eines möglichen Friedensabkommens zwischen dem israelisch-amerikanischen Bündnis und dem Iran könnte die Auflösung aller iranischen Stellvertreter-Organisationen vereinbart werden - und damit auch das Ende der finanziellen Unterstützung für die Hisbollah. Das würde die Miliz massiv schwächen, möglicherweise sogar ihr Ende einleiten. Doch von einem solchen Szenario ist die Region derzeit weit entfernt."
In der SZ schildert Bernd Dörries die verfahrene Lage im Libanon: Die Regierung in Beirut weiß nicht, wie sie die Hisbollah entwaffnen soll, währenddessen sprach der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich davon, "dass Teile der libanesischen Hauptstadt Beirut wie 'Chan Junis werden', die Stadt im Gazastreifen, die es nicht mehr gibt". Die libanesische Armee kann das Land "weder nach außen verteidigen noch nach innen. Sie hat den israelischen Angriffen nichts entgegenzusetzen und konnte bisher auch die Hisbollah nicht entwaffnen. Zu gefährlich, sagt der oberste Armeechef, es würde die Truppe zerreißen, die ja auch aus vielen Schiiten besteht."
Islamistische Gruppen sind in der Sahel-Zone so stark wie nie zuvor, berichtet Dominic Johnson in der taz. In allen drei Sahel-Binnenländern Westafrikas, Mali, Niger und Burkina Faso, sind Militärdiktaturen an der Macht, die von Russland unterstützt werden. Die Gewalt in ihren Ländern konnten sie aber nicht eindämmen: "Im Gegenteil: die bewaffneten islamistischen Gruppen erscheinen stärker denn je. Über 10.000 Tote bei Gewaltakten zählt die internationale Konfliktbeobachtungsstelle ACLED in Mali, Niger und Burkina Faso allein im Jahr 2025, laut UN jeweils zur Hälfte Zivilisten und Militärangehörige. Die größte islamistische Rebellengruppe JNIM (Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime) 'besetzt heute weite Gebiete im Norden, Zentrum, Süden und Westen Malis; ist auf einem erheblichen Teil des Staatsgebiets von Burkina präsent; und ist im Südwesten Nigers sehr aktiv', heißt es in einem neuen Bericht des Konflikt-Think-Tanks 'Crisis Group'."
Der Libanon steuert währenddessen auf eine Katastrophe zu, warnt Ibrahim Naber in der Welt. Es gibt zwei mögliche Szenarien und beide bedeuten großes Leid für die Bevölkerung: "Wenn sich die libanesische Armee und andere Kräfte im Land gegen die Hisbollah stellen, droht ein Bürgerkrieg - und die Miliz wird um ihr Überleben kämpfen. Wenn der Staat weiter zögert, wird Israel den Krieg im Libanon ausweiten - und dabei deutlich mehr Infrastruktur zerstören als bisher. Diplomaten in Beirut bringen zwar eine dritte Möglichkeit ins Spiel. Im Rahmen eines möglichen Friedensabkommens zwischen dem israelisch-amerikanischen Bündnis und dem Iran könnte die Auflösung aller iranischen Stellvertreter-Organisationen vereinbart werden - und damit auch das Ende der finanziellen Unterstützung für die Hisbollah. Das würde die Miliz massiv schwächen, möglicherweise sogar ihr Ende einleiten. Doch von einem solchen Szenario ist die Region derzeit weit entfernt."
In der SZ schildert Bernd Dörries die verfahrene Lage im Libanon: Die Regierung in Beirut weiß nicht, wie sie die Hisbollah entwaffnen soll, währenddessen sprach der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich davon, "dass Teile der libanesischen Hauptstadt Beirut wie 'Chan Junis werden', die Stadt im Gazastreifen, die es nicht mehr gibt". Die libanesische Armee kann das Land "weder nach außen verteidigen noch nach innen. Sie hat den israelischen Angriffen nichts entgegenzusetzen und konnte bisher auch die Hisbollah nicht entwaffnen. Zu gefährlich, sagt der oberste Armeechef, es würde die Truppe zerreißen, die ja auch aus vielen Schiiten besteht."
Islamistische Gruppen sind in der Sahel-Zone so stark wie nie zuvor, berichtet Dominic Johnson in der taz. In allen drei Sahel-Binnenländern Westafrikas, Mali, Niger und Burkina Faso, sind Militärdiktaturen an der Macht, die von Russland unterstützt werden. Die Gewalt in ihren Ländern konnten sie aber nicht eindämmen: "Im Gegenteil: die bewaffneten islamistischen Gruppen erscheinen stärker denn je. Über 10.000 Tote bei Gewaltakten zählt die internationale Konfliktbeobachtungsstelle ACLED in Mali, Niger und Burkina Faso allein im Jahr 2025, laut UN jeweils zur Hälfte Zivilisten und Militärangehörige. Die größte islamistische Rebellengruppe JNIM (Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime) 'besetzt heute weite Gebiete im Norden, Zentrum, Süden und Westen Malis; ist auf einem erheblichen Teil des Staatsgebiets von Burkina präsent; und ist im Südwesten Nigers sehr aktiv', heißt es in einem neuen Bericht des Konflikt-Think-Tanks 'Crisis Group'."
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