Maria Stöhr
interviewt für
Spiegel online die Juristin und Black-Lives-Matter-Aktivistin
Derecka Purnell, für die es keinen Ausweg aus dem
strukturellen Rassismus der amerikanischen Polizei gibt. Diese wurde schon als "Slave Patrol" gegründet, um die Schwarzen in Schach zu halten, erklärt sie. Eine Reform hält Purnell für unmöglich: "Wir wissen,
was nicht hilft: Body Cameras für Beamte haben nicht dazu beigetragen, Polizeigewalt zu reduzieren. Auch nicht, die Polizeistationen diverser zu machen, also mehr People of Color als Polizeibeamte anzustellen. Es hat nicht geholfen, spezielle Trainings gegen Rassismus anzubieten. Die Polizei kann Menschen
nur festnehmen oder töten. Für das eigentliche Problem, die Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß, ist sie die falsche Anlaufstelle, denn sie ist eben dazu gegründet worden, diese
Ungleichheit zu erhalten." Das einzige, was helfen würde, so Purnell, wäre eine Bekämpfung der Ungleichheit durch Investition in
Bildung und Gleichstellung.
"Die Liste wird
länger und länger", schreibt auch der Literaturwissenschaftler
William C. Donahue in der
FAZ. Und: "In den Vereinigten Staaten ist
Gewalt gegen Schwarze so weit verbreitet und dominiert derart den Diskurs, dass man unmöglich weiter der Erzählung von allmählich entstehender Rassengerechtigkeit glauben kann, mit der ich aufgewachsen bin."
In der
SZ redet sich der in New York lebende weiße Fotograf
Ken Schles angesichts des Todes von George Floyd und Donald Trumps Reaktion in Rage: "Der rein
gewinnorientierte,
krebszerfressene Staat schießt auf dich, stoppt dich auf der Straße, missbraucht dich, tötet dich wegen kleinster Verkehrsverstöße, der
bloße Verdacht wegen deiner Hautfarbe genügt, oder die Kleidung, die du trägst. Wenn Covid dich nicht tötet, dann gewiss die Tatsache, dass du ein Schwarzer bist. Diejenigen, die das Privileg genießen, nicht in einer Community leben zu müssen, in der das Virus wütet, die nicht von den Umständen bedrängt werden, fluchen über die strikten Öffnungsbedingungen, die von Epidemiologen festgelegt wurden."
Einige
zaghaft hoffnungsfroh stimmende Zahlen aus eine Umfrage präsentiert die Agentur
Reuters in einem
viel retweeteten Artikel: "
Mehr als 55 Prozent der Amerikaner sagen, dass sie Trumps Handhabung der Proteste missbilligen, darunter 40 Prozent, die sie 'stark' ablehnen, während nur ein Drittel sagt, dass sie zustimmen - diese Zahl ist niedriger als Trumps allgemeine Zustimmungsquote von 39 Prozent... Eine separate Reuters/Ipsos-Umfrage ergab, dass
Bidens Vorsprung vor Trump unter den registrierten Wählern auf 10 Prozentpunkte anstieg - der größte Vorsprung, seit der ehemalige Vizepräsident Anfang April von seiner Partei als Kandidat nominiert wurde."
Ausgangssperre wegen Corona auch in
Afghanistan,
erzählt der Schriftsteller
Taqi Akhlaqi in der
NZZ. Die Korruption der Regierung und Brutalität der Islamisten bleibt: "Das Virus verändert unseren Alltag, auch die ältesten Traditionen und Bräuche. Wir umarmen einander nicht mehr, küssen den Eltern die Hand nicht, empfangen keine Gäste, sitzen länger vor dem Fernseher, bleiben den Moscheen fern. Sogar die
Taliban haben ihre Strategie der neuen Situation angepasst. In dem Wissen, dass die Leute daheim bleiben müssen und mehr denn je auf Elektrizität angewiesen sind, sabotieren sie nun mit Vorliebe
das Stromnetz, um die Regierung unter Druck zu setzen. Natürlich hat die Corona-Krise unsere früheren Probleme nicht abgelöst, sie verschärft sie nur noch."
Was passiert, wenn
Benjamin Netanjahu es ernst meint und tatsächlich
Gebiete im Westjordanland annektiert? Richard C. Schneider, einst
ARD-Korrespondent in Israel,
zählt bei
libmod.de auf gesellschaftliche Widerstände in Israel und der Diaspora: "Für Juden ist die
Wahrung von Liberalismus und Demokratie etwas fundamental Wichtiges. Ohne sie könnten sie nicht in Frieden und Sicherheit leben. Das wissen sie nur zu gut. Und so ist es kein Wunder, dass etwa in den USA die jüdische Gemeinschaft
zu 70 Prozent demokratisch wählt, dass man sich für andere Minderheiten einsetzt und gegen Donald Trump kämpft, der - laut Netanjahu - doch der beste Präsident sei, den es je für Israel gegeben habe. Doch das interessiert die amerikanischen Juden in der Mehrheit nicht. Sie können sich schon lange nicht mehr mit den antidemokratischen, nationalistischen und tribalen Entwicklungen im jüdischen Staat identifizieren. Ihr Judentum definieren sie
diametral anders."