"
Verstörend inhaltsleer"
nennt Joachim Käppner in der
SZ diesen Wahlkampf, der nur durch
Plagiatsaffären oder "törichtes
Gekicher" Aufmerksamkeit erregt: "Dabei bliebe so viel, worüber Streit lohnte, sogar sehr nötig wäre: Soll die Politik dem Kampf gegen die nahende Klimakatastrophe Priorität geben, wie es die Grünen gerade verlangen? Oder muss man zuerst an die Wirtschaft denken, wie es Unionskanzlerkandidat Armin Laschet mehr oder weniger offen ausspricht? Wie umgehen mit den USA unter Joe Biden, dem all die
warmen Worte aus Berlin nicht genügen, weil er die Bundesrepublik für seine Allianz der Demokratien gegen autoritäre Systeme und vor allem das
neototalitäre China in die Pflicht nehmen will? Wie sieht Verteidigungspolitik künftig aus? Was bedeuten die
Rentenpläne der Parteien praktisch? Wie will eine künftige Regierung den digitalen Wandel, die inneren und äußeren Herausforderungen der EU, die Probleme von
Rassismus und Integration, die Krise des Schulsystems meistern, wie die Verarmung der sozial Schwachen stoppen?"
"Konsequent hat das Regime die Nervenbahnen der Zivilgesellschaft zerschnitten", schreibt Kerstin Holm in der
FAZ über Gleichschaltungen im
belarussischen Kulturbetrieb und im Journalismus des Landes: "Die unabhängigen Medien sind zerschlagen, 27 Journalisten sitzen heute im Gefängnis, viele sind emigriert. Der ehemalige Vizevorsitzende der Assoziation belarussischer Journalisten
Boris Goretzki, heute im Exil lebend, erinnert sich daran, wie er vor zwei Jahren die Krim besuchte und sich wunderte, dass es vor Ort nur staatliche Medien gab, während diejenigen, die sich für die Belange der Bevölkerung interessierten,
aus dem Ausland arbeiteten. Leider, so Goretzki, sei Belarus heute in der gleichen traurigen Lage."
Vergangene Woche hatte der Soziologe
Wolfgang Streeck im
Welt-Interview der
EU vorgeworfen, sie sei keine Demokratie, sondern ein "
Imperium". Die einzige "politische Einheit, die demokratisierbar ist, ist ein souveräner, besser nicht zu großer
Nationalstaat", schrieb er. (
Unser Resümee). Dem widerspricht heute ebenfalls in der
Welt Alan Posener: "Wie es 'nicht zu großen' demokratischen Gebilden geht, wenn ihre Freiheiten dem bösen Nachbarn nicht gefallen, dafür liefert
Hongkong ein aktuelles Beispiel", meint Posener mit Blick auf autoritäre Staaten wie
Russland oder
China. Nicht klein sei auch die Wahrscheinlichkeit, "dass Russland Expeditionscorps (…) ausschickt, um kleinere Länder zu erobern.
Georgien wurde angegriffen und zergliedert, Die
Krim wurde annektiert, die
Ostukraine besetzt; die baltischen Staaten werden permanent bedroht. Nun mag man einwenden, dass es die Nato sei, die hier gefordert wäre, nicht die EU. Aber die EU, selbst wenn sie es nicht schafft, gemeinsame Streitkräfte aufzustellen, sorgt für den politischen Zusammenhalt der europäischen Nato-Mitglieder."
Vor bald fünfzig Jahren wurde der "
Radikalenerlass" benutzt, um linksextreme (sehr selten rechtsextreme) Bewerber für den öffentlichen Dienst auszusortieren. Heute fordern einige Opfer, die deshalb keine Beamtenkarriere machen konnten, Rehabilitierung,
schreibt Michael Csaszkóczy in der
taz (der noch 2004 wegen seiner Aktivität in "antifaschistischen Gruppen" Berufsverbot erhielt, wie es in der
taz heißt). Viele können sich heute nicht mehr vorstellen, was der Radikalenerlass einmal bedeutete, so Csaszkóczy: "Die Zeiten, in denen es nötig erschien, tausendfach Berufsverbote auszusprechen, scheinen vorbei zu sein. Wer heute in Erwägung zieht, eine Stelle im öffentlichen Dienst anzutreten, hat in aller Regel verinnerlicht, dass
eine allzu kritische politische Positionierung die Zerstörung der beruflichen Existenz zur Folge haben kann. Dazu ist es nicht einmal notwendig, die Praxis des Radikalenerlasses zu kennen."
"
700 Millionen Dollar wandten Stiftungen, Unternehmen, Verbände und Parteien zwischen 2009 und 2018 allein dafür auf, die
öffentliche Meinung in EU-Staaten
gegen Gender-
Themen zu drehen",
weiß Joane Studnik (
FR) durch eine Berechnung des European Parlamentary Forum für Sexual & Reproductive Rights: "Auffällig viele Organisationen aus
Russland und den
USA haben ein Interesse daran, die Öffentlichkeit
gegen LGBTI in Europa aufzubringen. Unter den Spitzen-Spendern finden sich klerikale US-Organisationen wie die Billy Graham Evangelistic Association und Alliance Defending Freedom (ADF), deren Zuwendungen dazu beitrugen, in mehreren US-Staaten diskriminierende und verfassungswidrige Gesetze etwa für den Ausschluss von Transjugendlichen am Sportunterricht durchzusetzen."