Dass alle Organisationen von
Alexej Nawalny als extremistisch eingestuft werden, ist seit zwei Tagen bekannt. Inna Hartwich
schildert in der
taz die Farce eines Prozesses, in der dieses Urteil zustandekam und was es
in der Praxis heißt: "Nawalnys Antikorruptionsstiftung (FBK), seine Stiftung zum Schutz der Bürgerrechte, die als Ersatz für die FBK gegründet worden war, sowie seine als 'Stäbe' bekannten Regionalvertretungen, müssen nun
überall als '
extremistisch' gekennzeichnet werden. Medien, die das nicht tun, drohen hohe Geldbußen, Internetnutzer*innen, die nicht darauf verweisen, machen sich ebenfalls strafbar. Selbst Spender*innen könnten
bis zu acht Jahre in die Strafkolonie kommen."
Wie die nun folgende Repression von Nawalny-Anhängern aussehen könnte, lässt sich womöglich an der Kampagne gegen die
Zeugen Jehovas ersehen, deren Gemeinden ebenfalls als "extremistisch" eingestuft werden, schreibt Friedrich Schmidt in der
FAZ: "Oft werden Gläubige festgenommen, teils gefoltert und zu Haftstrafen von bisher bis zu sechseinhalb Jahren verurteilt. Dabei sind die Zeugen Jehovas dezidiert unpolitisch und ihre
Anhängerzahl ist viel geringer als die Nawalnyjs."
In
Russland vergeht kein Tag mehr "
ohne ein neues repressives Gesetz, eine geschlossene Medienredaktion, einen geflohenen Oppositionellen", konstatiert Silke Bigalke in der
SZ: "Politisch aktiv kann in Russland praktisch nur noch sein, wer den Kreml unterstützt. Früher konnten unabhängige Oppositionelle zumindest arbeiten, wenn sie auch meist nicht kandidieren durften. Die Hürden dafür sind so absurd hoch, dass die Behörden Oppositionelle seit Jahren mit dem
Scheinargument von der Wahl ausschließen, sie hätten die
Auflagen nicht erfüllt. Dieser Schein hat zuletzt immer weniger Menschen geblendet, die Proteste wurden größer - die Gewalt, mit der die Behörden sie eindämmten, auch. Jetzt verzichtet der Kreml gleich ganz auf Täuschungsmanöver - und setzt auf
Gewalt."
Im Gespräch mit Markus Wehner von der
FAZ betont die belarussische Oppositionspolitikerin
Swetlana Tichanowskaja, wie wichtig nach dem Kidnapping des Bloogers
Roman Protassewitsch Sanktionen gegen Belarus sind: "Die Belarussen hoffen sehr auf die Hilfe der Europäischen Union und der USA. Und wir hoffen darauf, dass die Sanktionen ein starkes Druckmittel sein werden. Aber auch für die EU selbst sind die Sanktionen wichtig. Die Entführung des Passagierflugzeugs hat doch gezeigt, dass die Situation in Belarus auch die Demokratien in Europa betrifft. Das Ganze ist nun auch
ein Testfall für die EU. Wie weit kann das Regime Lukaschenko gehen? Was macht die große Europäische Union dagegen? Ich bin überzeugt: Die EU muss hier Stärke zeigen."

Durch die Farben sieht die Anzeige, mit der heute die
FAZ ganzseitig beglückt wurde (Kostenpunkt laut Mediadaten der
FAZ 78.000 Euro, sie wird ja keinen Rabatt gegeben haben) wie die verhunzte Satire auf eine
Telekom-Reklame aus. Annalena Baerbock wird da
als Moses gezeigt, in Gesetzestafeln hält sie aber keine Ge-, sondern Verbotstafeln: "Du darfst nicht fliegen, Du darfst nicht am Freihandel teilnehmen" und so weiter.
Hier das alles in groß. Geschaltet hat das die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", ein Lobbyverband der Arbeitgeber, der hier versucht zu erklären "warum wir keine Staatsreligion brauchen". Auch die
SZ profitierte vom Geldregen.
So ganz hat
Boris Johnson die Butter (den Brexit) und das Geld für die Butter (keine Grenze in der irischen See) offenbar doch noch nicht erhalten. Boris Johnson will wegen des
Problems mit Nordirland neu verhandeln, aber Emmanuel Macron hat ihn beim G7-Gipfel abschlägig beschieden,
berichtet der
Guardian. Das könne nicht ernst gemeint sein, sagte er: "'Wir haben ein Protokoll', fuhr er fort. 'Wenn Sie nach sechs Monaten sagen, wir können nicht respektieren, was ausgehandelt wurde, dann heißt das,
dass nichts respektiert werden kann. Ich glaube an das Gewicht eines Vertrages, ich glaube an einen ernsthaften Ansatz. Nichts ist verhandelbar. Alles ist anwendbar.'"