9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
September 2026
04.09.2026. "Den Osten" gibt es nicht, hält der Ökonom Joachim Ragnitz im FAZ-Interview fest, es gibt nur starke und schwache Landkreise. Die Soziologin Karolina Wigura setzt im SZ-Gespräch auf die Macht der "moralischen Empörung" im Kampf gegen Populisten. Der Historiker Peter Techet warnt in der NZZ, dass Orbán vielleicht wieder an die Macht kommen könnte, wenn Peter Magyar das Land nicht wirtschaftlich stabilisiert. Im FR-Gespräch erklärt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, wie man richtig zuhört, nämlich mit dem "Du-Ohr nicht-egozentrischer Aufmerksamkeit".
03.09.2026. Die Hochschulen in Sachsen-Anhalt könnten unter einer AfD-Regierung sehr leiden, befürchtet der Jurist Christoph Möller im Tagesspiegel-Interview. Europa hat immer noch nicht begriffen, wie existenziell die Gefahr ist, die von Russland ausgeht, warnt der Politikwissenschaftler Franz-Stefan Gady in der NZZ. Die Zeit porträtiert die Linken-Politikerin Elif Eralp, die mit extremen Kräften in ihrer Partei zu kämpfen hat. Die NZZ reist nach Litauen ins Lost Shtetl Museum, wo an die Geschichte der von den Nazis ermordeten litauischen Juden erinnert wird.
02.09.2026. Für die Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig scheint Russland verantwortlich zu sein: Eine "Eskalationsstufe", wie es sie seit dem Kalten Krieg nicht gab, kommentiert Zeit Online. In der SZ fordert der Rechtsprofessor Tristan Barczak moderne Gesetze, um sich gegen hybride Angriffe wie diesen wehren zu können. Der Kommunikationswissenschaftler Johanns Hillje analysiert in der taz, wie sich die AfD zum "Sehnsuchtsort" für Ostdeutsche stilisiert hat. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt, befürchtet bei einer AfD-Regierung katastrophale Entwicklungen für die Unis. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide erinnert bei epd daran, wie nahe sich Judentum und Islam eigentlich stehen.
01.09.2026. Die ostdeutschen AfD-Wähler wollen dem Westen einen "übermächtigen Schlag" versetzen, glaubt der Soziologe Detlef Pollack in der FAZ. Eine AfD-Politik in Sachsen-Anhalt würde übrigens zu Einkommensverlusten in Höhe von durchschnittlich 1.600 Euro pro Person führen, rechnet der Ökonom Marcel Fratzscher in der taz vor. Wir sollten nicht von "Verdrängung", sondern von "Vergangenheitsabwehr" sprechen, sagt im SZ-Gespräch der Historiker Klaus-Dietmar Henke mit Blick auf die Nachkriegsgeschichte. Nicht viel Optimismus versprüht Adam Tooze bei den Berliner Festspielen während einer Diskussion über die Zukunft Europas, notiert Elke Schmitter im Perlentaucher.