Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Juni 2021

Auffällig viele Katzen

12.06.2021. Die FAZ blickt mit James Ensor in Mannheim hinter die Masken. Die FR fängt mit Norbert Biskys "Trollfarmer" in Leipzig digitale Farbfetzen. In der taz ärgert sich Dániel Kovács, Kurator des ungarischen Pavillons auf der Architekturbiennale in Venedig, über die "negativ konnotierte Identität" der Osteuropäer. Die NZZ porträtiert afrikanisches Theater zwischen Aufbruch, Postkolonialismus und Islamismus. In der SZ beerdigt Anke Stelling die Berlin-Träume der Neunziger. Und die taz steckt mit der Eboni Band berauscht knietief im spätrömischen Disco-Idiom der Achtziger.

Symbiose durch Konfrontation

11.06.2021.  Die taz würdigt die subtilen Störgeräusche und Broken Beats im japanischen Ambient der Achtziger. Die SZ empfiehlt den Berlinalefilm "Courage" des belarussichen Regisseurs Aliaksei Paluyan und seiner furchtlosen Kamerafrau Tanya Haurylchyk. Der Tagesspiegel staunt über den Bilderteppich des Outsider-Künstlers Robert Fischer. Und: Die Architekturkritiker trauern um Gottfried Böhm.

Das Zeitgenössische als Alibi

10.06.2021. Die Zeit fragt, warum das Wachstumsdenken ausgerechnet in der Kunst überlebt. Die FAZ sucht das Zukunftsversprechen in einer Ausstellung über "Vision und Schrecken der Moderne". Ebenfalls in der FAZ beschreibt Bernd Stegemann die Angst des Trapezkünstlers vor dem Betriebsrat. Van fragt, warum dem WDR bei Neuer Musik nur Klischees einfallen. In der SZ diagnostiziert Eva Menasse mit dem Abflachen der Pandemiekurve hierzulande einen eklatanten Zuwachs von Menschenfreundlichkeit. Der Tagesspiegel hätte seine Berlinale gern auch künftig im Sommer.

Superschnell, superkopflos, dabei immer superpräzise

09.06.2021. Der Tagesspiegel feiert die heute in Berlin beginnende Publikumsberlinale. Die NZZ beobachtet die große Kräftverschiebung im Blockbuster-Kino von den USA nach China. Die FAZ erlebt in der Moskauer Garage, wie Putins Glorie sanft in Süßlichkeit ertränkt wird. In der FR möchte Schauspiel-Intendant Anselm Weber beim nächsten Vertrag gern weniger Macht haben.

Die Produktion läuft ganz normal

08.06.2021. Der DlfKultur blickt auf die Not der Textilarbeiterinnen in der Türkei. Die taz erkundet Familienbilder in der Fotografie. Die Welt erlebt mit Andras Schiff einen Brahms ohne Bart und Bauch. Die NZZ sieht das Ende von Personen- und Geniekult am Theater nahen. Der Tagesspiegel begrüßt die neue Doppelspitze an der Berliner dffb. Und in der SZ gönnt sich Lutz Seiler etwas Kellerfreizeit.

Die Schweine tanzen die Krankheit

07.06.2021. Mit klingelnden Ohren kommen Nachtkritik und Standard aus Elfriede Jelineks Pandemiestück "Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!" Die FAZ sieht Moskaus Kunstszene innerlich emigrieren. Oder feiert sie ein Pestgelage?  In 54books erklärt Barbara Vinken die Mode zum Protest gegen eine Politik des gesunden Menschenverstands. In der SZ spürt der Historiker Carlo Gentile den NS-Verbrechen von Documenta-Mitbegründer Werner Haftmann nach. In der taz beteuert Stefan Dettl, dass die Musik von LaBrassBanda auch zur Yoga-Meditation passt.

Bewohnerin der Schrift

05.06.2021. Die Feuilletons trauern um die Dichterin Friederike Mayröcker, deren musikalische Form der Grenzenlosigkeit sie würdigen. Die Architektur der Zukunft wird nicht gebaut, sondern überbaut, lernt Zeit online von dem australischen Architekten Liam Young. Tagesspiegel und Dlf Kultur staunen über die Provokationen der israelischen Videokünstlerin Yael Bartana. Die Berliner Zeitung ist auch nach dreißig Jahren noch fasziniert von Rebecca Horn. Die Musikkritiker feiern den pianistischen Furor der Marta Argerich, die heute achtzig Jahre alt wird.

Abstand ist die Seele des Schönen

04.06.2021. In der SZ weiß Friedrich Ani nicht, ob er nach der Pandemie überhaupt wieder raus will. Im Interview mit Van erzählt der belarussische Dirigent Vitali Alekseenok, warum er gerade auf keinen Fall Schostakowitsch dirigieren will. Hyperallergic stellt uns die prächtig bemalten Lastwagen in Indien vor. Artechock fürchtet einen Kollaps der kommenden Kinosaison. Der Tagesspiegel informiert über das atemberaubende Programm von Cannes.

Ein gewisses Augen-Make-up als Standard

03.06.2021. Der Observer bewundert frustiert die Formen der Bildhauerin Barbara Hepworth. Die Zeit unterhält sich mit Kara Walker über politische Kunst. Und Clemens J. Setz erzählt vom spannendsten intellektuellen Slapstickmoment seines bisherigen Lebens. Die Welt feiert Barry Jenkins' Serie "Underground Railroad". Die taz bewundert die rüstungshafte Schönheit Angelina Jolies als Feuerwehrfrau. Im Standard versetzt Rene Pollesch ein Brecht-Stück in ein Hollywoodmusical von 1938.

Hedonistisch ausufernde Kunst-Happenings

02.06.2021. Die taz stöbert in den kenianischen Beständen des Rautenstrauch-Joest-Museums. Außerdem meldet sie die Freilassung des kubanischen Künstlers Luis Manuel Otero. Die SZ lernt im Vitra-Designmuseum, wie nah sich die Avantgarden von DDR und BRD waren. Die NZZ schwärmt von der HBO-Miniserie "Mare of Easttown", in der Kate Winslett wie auch die amerikanischen Provinz ihre schroffe Schönheit offenbaren dürfen. Die Jungle World beobachtet, wie die BDS-Bewegung jetzt auch einen Fuß in die Technoszene bekommt.

Kollektive Krachmacher-Traditionen

01.06.2021. Die SZ reist nach Mali zu DJ Diaki, um die Zukunft elektronischer Musik zu erhaschen. Die taz lernt von Marc Brandenburg, die Umdrehung der Schwerz-Weiß-Perspektive nicht zu deuten. In der FAZ traut sich Linus Reichlin nicht mehr an Frauenfiguren heran Die Welt ermisst, welch gewaltiger Umbau auf die Städte nach der Pandemie zukommt. Und die taz entziffert die Drapiersprache des Modedesigners Halston.