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Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Oktober 2018

Damit man nicht religiös wird

31.10.2018. Die taz erlebt auf der Athen-Biennale das posthumane Desaster ohne jeden Ausweg. Der Guardian spürt in der Nottingham Contemporary die ganze Wucht feministischer Kunst.  Die FAZ verteidigt die freimütige Oberflächlichkeit des Queen-Films "Bohemian Rhapsody". Im Tagesspiegel erklärt Annemarie Jaeggi, die Direktorin des Berliner Bauhaus-Archivs, was jede große Utopie braucht: konkretes Können.

Die Liebe zweier Lokomotiven

30.10.2018. Die taz blickt mit der Fotografien Margret Hoppe auf die unterbelichtete Moderne der DDR. Die NZZ entdeckt in der Amsterdamer Canova-Schau in Marmor gehauenen Körperkult. SZ und Berliner Zeitung begrüßen Nadin Deventer als neue Leiterin des Berliner Jazzfests. Der Tagesspiegel erlebt im Bukarester Muzeul de Arta Recenta, wie der libanesische Architekt Youssef Tohme den Geist eines stalinistischen Bunker bannte. Cargo berichtet vom Leipziger Dokfilmfestival. Und das Freddie-Mercury-Biopic "Bohemian Rhapsody" entlockt den Kritikern nur ein großes Gähnen.

So könntet ihr auch leben

29.10.2018. Am Samstag hat die Schriftstellerin Terézia Mora den Büchnerpreis erhalten. Und zwar als freier Mensch, nicht als Ausländerin und Frau, wie sie in ihrer Dankesrede anklingen lässt.  Die FAS fragt, wann eigentlich die große Bauhaus-Aktion zum Wohnen der Zukunft kommt. Die FR feiert die im MMk gezeigte amerikanische Bildhauerin Cady Noland als messerscharfe Analytikerin der Moderne. Die Nachtkritik erlebt Wahnwitz und Not in Yael Ronens Münchner Suche nach dem Ursprung "Genesis/A Starting Point".

Leuchtende Zerbrechlichkeit

27.10.2018. Die Welt ärgert sich über die Frauenfiguren in der Serie "4 Blocks": Hat mit der Realität von Frauen in Neuköllner Clans wenig zu tun, meint sie. Der Guardian porträtiert die japanische Fotografin Rinko Kawauchi. In der SZ spricht Barbara Mundel über ihre Pläne für die Münchner Kammerspiele. In der Literarischen Welt versichert Peter Sprengel: Mit "Weltpuff Berlin" lernen wir Rudolf Borchardt nochmal neu kennen.

Zigguraten, Zickzacke und gestufte Dreiecke

26.10.2018. Monopol freut sich auf den deutschen Beitrag zur Biennale 2019 in Venedig, von Natascha Süder Happelmann. Der Tagesspiegel feiert die völlig entfesselten Collagensequenzen des Kameramanns Wolf Wirth. Die SZ besucht die Jazz Kissaten in Tokio. Die Welt macht Party mit positivem Deutsch-Rap.

Die Gewalt der Oberfläche

25.10.2018. Die Filmkritiker sehen mit Tränen in den Augen "Ex Libris", Frederick Wisemans Doku über die New York Public Library: Hier kann man noch einmal das Bildungsideal der Gründerväter bewundern. Die Welt lernt in der Wilhelm-Kuhnert-Ausstellung "König der Tiere": Wer ein Zebra malen will, muss es schießen. Die Zeit amüsiert sich prächtig mit neuer Musik und altem Publikum in Donaueschingen, die FAZ konstatiert ebendort entsetzt mit Adorno eine "Verfransung" der Sphären.

Die Versicherung sah Klärungsbedarf

24.10.2018. Die SZ durchleuchtet die Geschäfte des hinter dem geplatzten DAU-Projekt stehenden Oligarchen Sergey Adoniev im Kokain-, Obst- und Holzhandel. Der Tagesspiegel erkennt mit Beatriz González in Orange, Lila und Grün die Farben Kolumbiens. In der taz überlegt Nancy Hünger​, ob im Bild des Autors das Schreiben sichtbar werden kann. Und die NZZ entdeckt bei den Donaueschinger Musiktagen zu wenig Schönheit und zu viel Kunsthandwerkerspaß.

Genuss und Welt

23.10.2018. Das Konfetti-Blog erkennt im japanischen Maler Nagasawa Rosetsu auch einen großen Meister der Montage. So unwohl wie in der Wohnung reicher Leute fühlt sich die SZ in Schwedens restauriertem Nationalmuseum in Stockholm. Endlich traut sich mal wieder jemand was, freut sich der Tagesspiegel über Sebastian Hartmanns Collage "Hunger. Peer Gynt". Die NZZ liest sich durch neues Robert-Walser-Material. Und die Jungle World erkennt im Brecht-Biografen Stephen Parker einen jener Familienväter, die ihre Töchter am liebsten vor dem aufmüpfigen Dichter in Sicherheit bringen würden.

Cool on the Kuhberg

22.10.2018. Die taz erobert mit der Fotografin Helen Levitt, der die Albertina eine große Retrospektive widmet, die Straßen New Yorks. Die NZZ erinnert an die coole Hochschule für Gestaltung in Ulm, die vor fünfzig Jahren schließen musste. Im Tagesspiegel spricht der syrische Schriftsteller Nather Henafe Alali über die bedrückend verbreitete Gattung der Gefängnisliteratur. Die FAZ hätte gern einen öffentlichen Zugang zur Himmels-Loggia von Seoul.

Alle Gravitas unter den Teppich

20.10.2018. Was muss geschehen, damit die Staatlichen Museen Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz endlich aus ihrem Beamten-Tiefschlaf aufwachen, fragt die Welt. Die nachtkritik sieht in Hamburg die Welt mit Karin Beyers "König Lear"-Inszenierung in Farbe untergehen. Die SZ streift mit dem Fotografen Martin Parr auf Motivsuche durch eine Kleingartenanlage bei Düsseldorf. taz und Zeit online werfen dem Bauhaus Dessau Einknicken vor den Rechtspopulisten vor, nachdem dort ein Konzert der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet abgesagt wurde.

Gebt mir die Volksbühne, den Bundestag, das Universum!

19.10.2018. FR und Critic.de finden in Frederick Wisemans Doku über die New York Public Library ihren Glauben an Menschheit und Demokratie wieder. Die SZ hört Bach pur, expressiv und kernig mit dem Cellisten Yo-Yo Ma. Die FAZ schildert ihre Extremerfahrungen in einer Fotoausstellung aus der Sammlung Olbricht. Die NZZ feiert die zum Niederknien komische Musikrevue "Drei Milliarden Schwestern" an der Volksbühne.

Und das Gedicht/ mit Fingernägeln in die Wand

18.10.2018. Der Schriftsteller Tom Schulz besucht für die NZZ die griechische Insel Leros, auf der die deutschen Besatzer fast dreißigtausend Partisanen sterben ließ oder selbst töteten. Der Tagesspiegel feiert den magischen Realismus in der italienischen Malerei. Der New Yorker ist hin und weg von Hilma af Klint. Die taz fragt anlässlich von Lukas Dhonts Debütfilm "Girl" ernsthaft, ob nicht-transgender Filmleute einen Film über eine Transgender-Person machen dürfen. Die SZ trauert mit dem 76-jährigen Soulsänger Swamp Dogg um dessen verlorene Virilität.

Wozu braucht die Frau einen Kopf?

17.10.2018. Die SZ berichtet vom heute beginnenden Moskauer Prozess gegen die Theatermacher Kirill Serebrennikow, Alexej Malobrodskij, Jurij Itin und Sofia Apfelbaum. Die taz bewundert in der Kunsthalle Mannheim die Ingenieure der schönen neuen Welt. Der Standard freut sich, dass Egon Schiele seinen nackten Frauenfiguren immerhin einen eigenen Blick ließ. Ebenfalls im Standard spricht Eva Sangiorgi über ihre Pläne für die Viennale. Und in der NZZ stellt sich Maxim Loskutoff seinem inneren Bären.

Die Gestaltung der schönen Widersprüchlichkeit

16.10.2018. Die NZZ lernt in Mailands Bibliothek der Bäume gesellschaftliche Auswüchse zu vermissen. Die Berliner Zeitung verehrt die sanfte Malerei Otto Müllers. Die Zeit folgt Annie Ernaux auf dem Weg zur Versöhnung mit sich selbst. Außerdem versucht das Musikfeuilleton die Meldung zu verkraften, dass die Spex, Zentralorgan der kritischen Pop-Theorie, zum Ende des Jahres dichtmacht.

Debüt, Skandalaufregung, Genieverdacht

15.10.2018. Die taz erkennt in ihrem Resümee der Buchmesse: Auf dem Buchmarkt sind schnelle Erfolge nicht mehr so leicht zu haben. Die Nachtkritik feiert mit Alice Birch am Berliner Ensemble  Punani Power, aber Marlene Streeruwitz muss draußen bleiben. Die NZZ horcht auf, wenn Paavo Järvi die Muskeln des Tonhalle-Orchesters spielen lässt. Die Welt blickt im Pariser Institut de Monde Arabe auf die gebrochenen Knochen Mossuls.

Wald ist schwer zu fotografieren

13.10.2018. Die NZZ freut sich, dass der neu ausgelobte alternative Literaturnobelpreis an die in Guadeloupe geborene Schriftstellerin Maryse Condé geht. Die SZ bemerkt in Frankfurt, dass AutorInnen aus Afrika noch immer an der Sorbonne oder in Oxford studiert haben müssen, um international erfolgreich zu sein. In Amsterdam lernt sie, die Maler Gauguin und Laval, nicht aber die Kolonialisten. In der Welt spricht Elena Ferrante über die Verfilmung ihrer "Genialen Freundin". Tagesspiegel und Nachtkritik genießen mit Simon Stones "Griechischer Tragödie" am Berliner Ensemble feministischen Antikensplatter.

Bitte alleine lesen

12.10.2018. Die Literaturkritiker schämen sich für Rowohlt bei der Vorstellung von Rudolf Borchardts vor 80 Jahren verfasstem pornografischen Nachlass-Roman "Weltpuff Berlin": Musste das so herrenabendartig ablaufen, fragt die SZ. In der Welt berichtet der georgische Dichter Zviad Ratiani von Polizeiübergriffen und Missständen in seinem Land. Die Musikkritiker streiten über die Teilnahme an der Red Bull Music Academy. Die SZ entdeckt italienische Malerei der Zwanziger.

Sklave der Taktstriche

11.10.2018. Der Guardian lernt im Londoner Barbican Centre,  moderne Kunst und Moderne Liebe gehen Hand in Hand. Die taz beobachtet in der NGBK, wie die Schönheit von Gesten in ökonomische Strategie überführt wird. Außerdem feiert der haitianische Jazzsaxofonist Jowee Omicil in der taz die kreolische Mischung. Und zur zweiten Staffel der Neuköllner Clan-Serie "4 Blocks" stellt sich die Frage: Ist der Stoff high end oder ist er gestreckt?

In schönster Eigensinnigkeit

10.10.2018. Und schon wird das neue Museum des 20. Jahrhundert in Berlin das Doppelte kosten, bemerkt die SZ zu den revidierten Plänen von Herzog und de Meuron, dafür bleibt die Platane stehen. Auf der Buchmesse lauscht sie gebannt Chimamanda Adichies Appell für mehr Frauenrechte. In der FR erklärt sich der Autor Davit Gabunia auch die Homophobie in Georgien mit einem Hass auf Frauen. Der Tagesspiegel bemerkt eine neue, geradezu luxuriöse Fülle in der Ausstattung von DDR- Filmen. Und der Guardian schwelgt in der Strenge und Sinnlichkeit von Anni Albers Webarbeiten.

Wachstum der Depotbestände

09.10.2018. Auftakt Frankfurter Buchmesse: Den Buchpreis für Inger-Maria Mahlke und ihren bei Rowohlt erscheinenden Teneriffa-Roman "Archipel" wertet der Tagesspiegel auch als Betriebspolitikum. Die FAZ fragt, warum deutsche AutorInnen eigentlich politisch so leise treten. Die SZ feiert eine große Pieter-Bruegel-Schau in Wien. Die NZZ plädiert für unsentimentale Entsorgung überflüssiger Kunstwerke. Der Guardian lernt von Peter Barber: Architektur kann lustig sein.

Ein Dasein in farbenfroher Traurigkeit

08.10.2018. Erschöpft, aber glücklich jubeln SZ und Nachtkritik nach Christopher Rüpings zehnstündigem Theatermarathon "Dionysos Stadt". Im Tagesspiegel beschreibt Jan Fabres früherer Assistent Felix Schnieder-Henniger ein wohl choreografiertes System aus Faszination und Übergriffigkeit. Die NZZ liest in den neuen Romanen  von einem sich zuspitzenden Kampf der Klassen um Ressourcen.  In der FAS beschreibt Leila Slimani, wie der Körper der Frau in der arabischen Welt zum Schlachtfeld wird. Und die Welt deklassiert Banksy zum Zeitgeistversteher.

Metaphysik ohne Jenseitsseligkeit

06.10.2018. Fünf Tage vor Beginn der Buchmesse stürzen sich die Feuilletons nun auf Georgien: In der taz erklärt Nana Ekvtimishvili, wie sich Georgien an den Hinterlassenschaften der Sowjetunion abarbeitet. Wojciech Smarzowskjs Film "Kler" über Macht- und Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche setzt polnische Rechte und Klerus ordentlich unter Druck, weiß die FR. Ebenfalls in der FR fordert Igor Levitt mehr als leere Floskeln gegen rechte Kräfte.Der Tagesspiegel träumt von einer neuen Berliner Altstadt. Und: Montserrat Caballe ist tot.

Bis ans Ende des Kaninchenbaus

05.10.2018. So lässt man sich von der AfD vorführen, schäumt die SZ angesichts von Olu Oguibes abgebautem Obelisken in Kassel. In der NZZ fragt die Dramaturgin Eva-Maria Voigtländer angesichts der Proteste gegen die Wiener Inszenierung von Bernard-Marie Koltès' "Der Kampf des Negers und der Hunde" mit Jean Genet: "Wer ist überhaupt ein Neger, und welche Farbe hat er?" In der Welt freut sich Intendant Peter Theiler über die Fans von Dynamo Dresden in der Semperoper. Die FAZ feiert die goyadunkle Musik von Cat Power.

Das Chaos des vielen

04.10.2018. Die Welt versinkt in dem dunkel Unerkannten der Bruegelschen Welt. Der Tagesspiegel verliebt sich in die signalhaften Farben von Lea Mysius' Debütfilm "Ava". In der NZZ fürchtet Daniel Kehlmann das Internet mehr als die KI. Außerdem möchte die NZZ lieber Musik als unterkomplexe politische Stellungnahmen von Musikern hören. Die Welt erinnert sich anlässlich Ruth Beckermanns Waldheim-Doku daran, dass Kurt Waldheim 1986 die erste erfolgreiche antisemitische Wahlkampagne der Nachkriegszeit führte.

Heiser, rau und nicht eben gefällig

02.10.2018. Sehr alt und ganz neu: Der New Yorker begeistert sich für die lauernd animierten Silhouetten des noch in die Sklaverei geborenen Bill Traylor. Die neue musikzeitung erlebt einen stürmischen, bildgewaltigen Prokofjew am Staatstheater Nürnberg. Die SZ rechnet mit der literarischen Kompetenz der Schwedischen Akademie ab. Die Musikwelt trauert um den unverzichtbaren, unverwechselbaren Charles Aznavour.

Retroland ist anerkannt

01.10.2018. Andres Veiel stößt mit seinem Schreckensszenario "Let them eat money" am Deutschen Theater auf ein geteiltes Echo: Die SZ hört zuviel Reden im Konjunktiv, die taz lernt, dass auch die Wohlmeinenden ein Debakel in Gang setzen können. Die FAZ erlebt auf dem Filmfestival in Gdynia eine Blüte des polnischen Films. Die Situationisten-Ausstellung im HKW zeigt ihr, wie aus Künstlern die Kreativszene wurde. Die FR tröstet sich über die neue Altstadt: Noch trifft sich Frankfurt nicht am Römerberg.