Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Mai 2021

Zwischen Mad Max und Andrej Tarkowski

08.05.2021. "Goworit Moskwa" - Moskau spricht - singt die russische Elektropopgruppe Shortparis, da hört auch die FAZ zu. Die SZ liest sich durch neue digitale Lyrik. Der Standard blickt mit Valentyn Vasyanovychs Film "Atlantis" aus dem Jahr 2025 zurück auf die Ukraine, jetzt ein surreales Trümmerfeld. Die taz vermisst Corona im Film. Hyperallergic staunt über die Wandlungen der Malerin Deborah Remington. Die FR erklärt, was in den Siebzigern Beuys und Habermas mit jungen Köpfen anstellten.

Spielzeug eines verrückten Gottes?

07.05.2021. Die New York Times schlendert über die Kunstmesse Frieze und stellt sich vor, sie wäre nicht der Kopf einer Kuh. Während die staatlichen Bühnen ihren Mikroaggressionen nachspüren, gehen die privaten Theater pleite, meldet die SZ. 54books fragt, warum es in Kinderbüchern fast nie arme Kinder gibt. FAZ Quarterly stellt modernes Design aus China vor. Die Welt schreibt zum Tod von Nick Kamen, dessen Schönheit in den Achtzigern eine aufregende, wüste, exzessive Zukunft versprach.

In Facettenhäppchen

06.05.2021. In der Debatte über Rassismusvorwürfe an deutschen Theatern hört Bernd Stegemann (Zeit) nur noch moralische Empörung, keine Argumente mehr. Auch die nachtkritik fragt sich, ob es nun um Inhalte geht, oder nur die nächste Generation schreiender Rechthaber*innen ans Ruder will. Im Van Magazin erzählt die kroatische Komponistin Sara Glojnarić, wie sie ihre eigene internalisierte Misogynie überwinden musste. Die Welt führt durch die Verfilmungen des Lebens von Sophie Scholl, die vor hundert Jahren geboren wurde.

Werfe ich ihn raus?

05.05.2021. In der FAZ sprechen fünf Opern-IntendantInnen über Geniekult und Machtmissbrauch an den Bühnen. Außerdem besucht die FAZ die deutsch-russische Romantik-Schau in Moskau und erkennt ein "Ringen um Freiheit". Die NZZ ahnt, dass bei der Sanierung des Zürcher Schauspielhauses nicht Geld und Technik entscheidend sein werden, sondern die Vision. Der Tagesspiegel blickt auf die heikle Lage der Comiczeichner in Brasilien. Vor der Eröffnung des Dokfest München denkt die SZ über die Ästhetik der Gattung nach. Außerdem lernt sie: Gangsta-Rap macht frauenfeindlich und antisemitisch, aber nicht rassistisch.

Hart für den Verstand

04.05.2021. Der Observer feiert Überschwang und Lebensfreude in Jean Dubuffets Art Brut. Der DlfKultur berichtet von den Schikanen gegen kritische KünstlerInnen in Russland. Ohne Arbeit bleibt die Kunst ungefährlich, erkennt die SZ bei den Ruhrfestspielen. Dem CrimeMag bleibt Lee Daniels' Biopic über die große Billie Holiday zu lau. Als Soziologe des Gangstarap erklärt Martin Seeliger in der taz, was Haftbefehl zu irre geilem Punk macht. Und das ZeitMagazin lernt von Alexander McQueen: Leder ist die neue Seide.

Originell wie ein Paganini-Capriccio

03.05.2021. Die Nachtkritik studiert mit Yukio Mishima bei den Ruhrfestspielen die Verhaltenslehre der Kälte. Der Tagesspiegel möchte der Skandalreihe der Berliner Bühnen auch etwas Positives abgewinnen. Die FAZ lernt im Musée du Luxembourg, wie  französische Malerinnen die männliche Bastion der Pariser Akademie einnahmen. Auf Revolver huldigt der Filmhistoriker Christoph Draxtra der technischen Imperfektion. Standard und Jungle World reagieren mit verhaltener Begeisterung auf das neue Album von Ja, Panik.