Die Stadt München hat einer Veranstaltung von
Israelboykotteuren des BDS keinen Saal geben wollen. Aber Städte dürfen solche Verbote nicht aussprechen, hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden,
berichtet Christian Rath in der
taz: "Eingriffe in die
Meinungsfreiheit seien laut Grundgesetz nur durch und auf Grundlage von '
allgemeinen Gesetzen' möglich, sagte die Vorsitzende Richterin Ulla Held-Daab. Diese Anforderung verfehle das Münchener Raumverbot jedoch gleich dreifach, so das BVerwG. Erstens sei ein Stadtratsbeschluss
kein Gesetz. Zweitens sei der Münchener Beschluss
nicht meinungsneutral. Und drittens sei er auch nicht zum Schutz allgemeiner Rechtsgüter erforderlich. (...) Zukünftig dürfen Städte also nur dann kommunale Räume für BDS-Veranstaltungen verweigern, wenn eine ernsthafte Gefahr von Straftaten droht, etwa
Volksverhetzung und Beleidigungen."
FAZ-Korrespondent Gerhard Gnauck resümiert einige Äußerungen ukrainischer Intellektueller wie
Oksana Sabuschko und
Jurij Andruchowytsch zur knieweichen deutschen Position gegenüber
Russland: "Deutschland gilt in der Ukraine wie auch in manchen ihrer Nachbarländer vielen als
unsicherer Kantonist im westlichen Lager, einigen auch als Spießgeselle Russlands. Dass ausländische Politiker sich über die Lage im Osten Europas immer wieder '
zutiefst besorgt' zeigen, ist zum geflügelten Wort geworden. Die Besorgnis soll Untätigkeit verdecken, glaubt nicht nur der Journalist
Iwan Jakowyna, der für das Portal nv.ua schreibt, das seit dieser Woche neben einer ukrainischen und russischen Version auch
eine englischsprachige anbietet. Jakowyna spöttelt, Bundeskanzler Olaf Scholz habe sich 'wieder super-puper besorgt geäußert'. Gnauck verweist auch auf
einen Artikel des britischen Verteidigungsministers
Ben Wallace auf der Website der britischen Regierung, auf den in der Ukraine Bezug genommen wird.
Auch Matthew Karnitschnig, Korrespondent von
politico.eu attackiert die schwache deutsche Antwort auf die russischen Provokationen und attackiert nebenbei die Autorin
Annika Brockschmidt, deren
Bestseller "Amerikas Gotteskrieger" für ihn eine antiamerikanische Wende in der deutsche Debatte repräsentiert. Er wirft Brockchmidt auch
nachlässige Recherche vor, die auf Verifikation vor Ort verzichtet habe: "In amerikanischen Augen ist Brockschmidts Arbeit eine
offensichtliche Karikatur. Daten, die ihrer Darstellung einer schleichenden radikalen christlichen Übernahme der USA widersprechen, wurden einfach ignoriert. So zitiert Brockschmidt beispielsweise 34 Mal Ergebnisse des Pew Research Center zu Religion und anderen Bereichen. Auffällig ist, dass in ihrem Bericht eine im letzten Jahr von Pew veröffentlichte Studie fehlt, aus der hervorgeht, dass die Zahl der Amerikaner in beiden Parteien, die die christliche Religion für wichtig halten, um 'wirklich amerikanisch' zu sein,
rapide abnimmt."
Roberta Metsola aus Malta ist nach Simone Veil und Nicole Fontaine neulich zur dritten weiblichen Präsidentin des Europaparlaments gewählt worden. Dass sie eine
strikte Abtreibungsgegnerin ist, spielte in der Berichterstattung kaum eine Rolle,
notiert Inge Hüsgen bei
hpd.de: "So stimmte sie für
keine einzige Resolution des EU-Parlaments, die das Recht von Frauen auf Abtreibung stärkt. 2015 hatte sie gemeinsam mit zwei ParteikollegInnen gegen den Tarabella-Report votiert, der einen Zugang zu Verhütung und Schwangerschaftsabbruch fordert... Das
erzkatholische Malta ist der einzige EU-Staat, in dem Abtreibungen
komplett verboten sind - selbst nach einer Vergewaltigung, wenn das Kind schwerbehindert oder nicht lebensfähig ist oder die Schwangerschaft das Leben der Frau bedroht."
Der Vater von Dänemarks Integrationsminister
Mattias Tesfaye kam aus Äthiopien. Er selbst war erst Maurer und Aktivist einer kommunistischen Splitterpartei, bevor er 2012 zu den Sozialdemokraten wechselte, wo er seit 2019 eine Flüchtlingspolitik betreibt, die der Linken inzwischen als abschreckendes Beispiel dient. "Wenn Sie den historischen Hintergrund betrachten, ist es
völlig normal für linke Politiker wie mich, nicht gegen Migration zu sein, aber darauf zu bestehen, dass sie unter Kontrolle ist", erklärt Tesfaye im
Interview mit der
NZZ. "Falls sie das nicht ist - und sie war es nicht ab den 1980er Jahren -, zahlen Schlechtverdiener und schlecht gebildete Leute den höchsten Preis für eine Integration, die nicht funktioniert. Es sind
nicht die reichen Quartiere, die am meisten Kinder integrieren müssen. Vielmehr müssen Gebiete, in denen die klassischen sozialdemokratischen Wähler und Gewerkschafter leben, mit den größten Problemen umgehen." Er ist dafür, die Ansprüche von Flüchtlingen und Asylbewerbern in dem Land zu überprüfen, aus dem sie kommen: "Es muss eine
richtige Zusammenarbeit geben mit unserem Partnerland. Migration betrifft diese Länder auch, weil sie
viele junge Männer verlieren, und die Industrie der Menschenschmuggler ist ein Problem. Das müssen wir berücksichtigen. Zum Beispiel, indem unser Partnerland ein Asylzentrum betreibt, während wir es jungen Leuten erlauben, in Dänemark zu studieren."