9punkt - Die Debattenrundschau
Die frei werdende Berlin-Fläche
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.01.2025. Wie der Austausch von 33 Geiseln gegen tausend Terroristen und andere Häftlinge in Israel einzuschätzen ist, wird aus den Medien nicht ganz klar. Aber immerhin ist die Hamas entscheidend geschwächt, notiert die Zeit, während Israel sich laut Jüdischer Allgemeiner mit Bangigkeit und Hoffnung auf die Rückkehr der ersten Geiseln vorbereitet. Die taz freut sich, dass die Ukraine und Polen die einstigen blutigen Konflikte in Wolhynien jetzt gemeinsam aufarbeiten. In der New York Times erklärt John McWhorter den Unterschied zwischen einer "Actress" und einem "Female Actor".
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
17.01.2025
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Politik
Zwischen Israel und der Hamas ist ein fragiler Waffenstillstand ausgehandelt worden, die Hoffnung in Israel wirkt eher zaghaft. Der Politikwissenschaftler Chuck Freilich, der lange als stellvertretender nationaler Sicherheitsberater tätig war, glaubt im Zeit-Online-Gespräch nicht, dass der Krieg nach dem Geisel-Abkommen mit der Hamas beendet ist: Aber "es wird zumindest zeitweise für Ruhe sorgen, während der Deal über Wochen hinweg umgesetzt wird. Danach besteht die Hoffnung auf eine zweite Phase, aber auch diese Verhandlungen könnten sich hinziehen. Die Hamas könnte daran interessiert sein, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen, als Teil ihres psychologischen Kriegs und als Garantie für die Sicherheit ihrer Führung. Was danach kommt, bleibt abzuwarten. Die Hamas bleibt eine Terror- und Guerillaorganisation. Sobald Israel sich zurückzieht, sind sie bereit, sich neu zu formieren. Aber Israel ist dieses Mal entschlossen, ihnen nicht die Möglichkeiten zum Wiederaufbau zu lassen wie beim letzten Mal." An die Zweistaatenlösung glaubt er nicht mehr, aber "eine jordanisch-palästinensische Konföderation, in der die palästinensische Komponente gut 90 Prozent des Westjordanlands ausmachen würde", hält er für machbar.
Auch der Historiker Amir Teicher sieht in der SZ wenig Grund zum Feiern: "Meine Zweifel liegen ... darin begründet, dass dieser 'Deal', und zwar genau dieser, schon vor einem Jahr hätte besiegelt werden können. Damit hätten viel Leid und Tod verhindert werden können."
Die Hamas ist nicht mehr in der Lage, Krieg zu führen, vermutet im Tagesspiegel-Gespräch Hans-Jakob Schindler, Senior Director des internationalen Counter Extremism Project: "Ihre Infrastruktur ist zerstört, viele Kommandeure sind tot. Sie werden wohl noch kleinere Anschläge auf das israelische Militär im Gazastreifen verüben können. Aber die Tage, in denen die Islamisten koordinierte und komplexe Operationen wie das Massaker vom 7. Oktober 2023 durchführen können, sind vorbei." Dennoch warnt er: "Das Führungspersonal ist längst außerhalb der palästinensischen Gebiete, genauso wie das Geld."
Auf Zeit Online zieht Jörg Lau Bilanz: Die Hamas "hat Israel in die Position gebracht, die Hisbollah und den Iran existenziell zu schwächen. Selbst der Fall des Assad-Regimes geht mittelbar auf die Hybris der Hamas-Führung zurück. Denn die Gelegenheit für die HTS-Rebellen, nahezu ungehindert auf Damaskus zu marschieren, entstand durch die Schwächung der Hisbollah und des Irans unter israelischen Pager-Attacken und Bomben. Die Fehlkalkulation der Hamas hat eine Neuordnung der Region angestoßen, die erst in den Anfängen steckt." Aber auch die israelische Bilanz fällt düster aus: "Israel wird gefürchtet, ist aber auch weltweit verhasst wie noch nie. Jüdisches Leben überall außerhalb von Israel ist gefährdet und bedrängt wie lange nicht mehr - eine deprimierende Bilanz nach diesen 15 Monaten, die mit dem antisemitischen Pogrom der Hamas begannen."
"Propalästinensische" Aktivisten behaupten zwar, kein Leben sei mehr wert als ein anderes, aber nun kommen nur 33 israelische Geiseln frei, während die Palästinenser sich auf die Rückkehr von tausend Häftlingen, darunter natürlich auch eine Menge Terroristen, freuen können. Und im Gazastreifen feiert man, obwohl diese Proportion so demütigend ist. In Israel ist inzwischen die Sorge über den Gesundheitszustand der Geiseln groß, schreibt Sabine Brandes in der Jüdischen Allgemeinen: "Es ist nicht bekannt, wie und ob die kranken und verletzten Menschen in über einem Jahr der Gefangenschaft behandelt wurden. Das Rote Kreuz hat sie nie besucht, nach Gaza gelieferte Medikamente kamen wahrscheinlich nicht bei ihnen an. Zu den Gekidnappten gehören junge Menschen mit chronischen Krankheiten." Auch "bewegt das Schicksal der einzigen beiden Kinder, die noch immer Geiseln sind, die gesamte Nation. Es ist nicht bekannt, ob die kleinen Jungen Ariel und Kfir Bibas und ihre Mutter Shiri noch am Leben sind. Angehörige bestätigten mehrfach, dass sie 'während der ganzen Zeit kein einziges Lebenszeichen von ihnen erhalten haben'."
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Ziemlich abenteuerlich klingt, was Matthias Rüb auf der Medienseite der FAZ aus Artikeln der New York Times und italienischer Zeitungen kompiliert: Die im Iran festgenommene italienische Journalistin Cecilia Sala wurde freigelassen, nachdem Elon Musk einen Deal mit den Mullahs ausgehandelt hat und erreichte, dass der in Italien festgenommene Iraner Mohammad Abedini freigelassen wurde, so die Geschichte. Und das obwohl die aktuelle Biden-Regierung Abedinis Auslieferung nach Amerika betrieb, weil er für den Tod von drei amerikanischen Soldaten verantwortlich sei. "Außenminister Antony Blinken habe bei seinem Besuch in Rom vom 9. und 10. Januar heftig gegen eine Freilassung Abedinis im Gegenzug für die Rückkehr Salas nach Italien protestiert, der Deal zwischen Rom und Teheran sei zu diesem Zeitpunkt aber schon beschlossen gewesen. Nach der Ausreise des Iraners zeigte sich das US-Justizministerium 'enttäuscht über die Entscheidung, die Verhaftung von Mohammad Abedini aufzuheben'." Das mit KI generierte Foto eines Spaghetti essenden Musk sei lanciert worden um zu zeigen, wie er seinen Triumph auskostet, so Rüb.
Auch der Historiker Amir Teicher sieht in der SZ wenig Grund zum Feiern: "Meine Zweifel liegen ... darin begründet, dass dieser 'Deal', und zwar genau dieser, schon vor einem Jahr hätte besiegelt werden können. Damit hätten viel Leid und Tod verhindert werden können."
Die Hamas ist nicht mehr in der Lage, Krieg zu führen, vermutet im Tagesspiegel-Gespräch Hans-Jakob Schindler, Senior Director des internationalen Counter Extremism Project: "Ihre Infrastruktur ist zerstört, viele Kommandeure sind tot. Sie werden wohl noch kleinere Anschläge auf das israelische Militär im Gazastreifen verüben können. Aber die Tage, in denen die Islamisten koordinierte und komplexe Operationen wie das Massaker vom 7. Oktober 2023 durchführen können, sind vorbei." Dennoch warnt er: "Das Führungspersonal ist längst außerhalb der palästinensischen Gebiete, genauso wie das Geld."
Auf Zeit Online zieht Jörg Lau Bilanz: Die Hamas "hat Israel in die Position gebracht, die Hisbollah und den Iran existenziell zu schwächen. Selbst der Fall des Assad-Regimes geht mittelbar auf die Hybris der Hamas-Führung zurück. Denn die Gelegenheit für die HTS-Rebellen, nahezu ungehindert auf Damaskus zu marschieren, entstand durch die Schwächung der Hisbollah und des Irans unter israelischen Pager-Attacken und Bomben. Die Fehlkalkulation der Hamas hat eine Neuordnung der Region angestoßen, die erst in den Anfängen steckt." Aber auch die israelische Bilanz fällt düster aus: "Israel wird gefürchtet, ist aber auch weltweit verhasst wie noch nie. Jüdisches Leben überall außerhalb von Israel ist gefährdet und bedrängt wie lange nicht mehr - eine deprimierende Bilanz nach diesen 15 Monaten, die mit dem antisemitischen Pogrom der Hamas begannen."
"Propalästinensische" Aktivisten behaupten zwar, kein Leben sei mehr wert als ein anderes, aber nun kommen nur 33 israelische Geiseln frei, während die Palästinenser sich auf die Rückkehr von tausend Häftlingen, darunter natürlich auch eine Menge Terroristen, freuen können. Und im Gazastreifen feiert man, obwohl diese Proportion so demütigend ist. In Israel ist inzwischen die Sorge über den Gesundheitszustand der Geiseln groß, schreibt Sabine Brandes in der Jüdischen Allgemeinen: "Es ist nicht bekannt, wie und ob die kranken und verletzten Menschen in über einem Jahr der Gefangenschaft behandelt wurden. Das Rote Kreuz hat sie nie besucht, nach Gaza gelieferte Medikamente kamen wahrscheinlich nicht bei ihnen an. Zu den Gekidnappten gehören junge Menschen mit chronischen Krankheiten." Auch "bewegt das Schicksal der einzigen beiden Kinder, die noch immer Geiseln sind, die gesamte Nation. Es ist nicht bekannt, ob die kleinen Jungen Ariel und Kfir Bibas und ihre Mutter Shiri noch am Leben sind. Angehörige bestätigten mehrfach, dass sie 'während der ganzen Zeit kein einziges Lebenszeichen von ihnen erhalten haben'."
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Ziemlich abenteuerlich klingt, was Matthias Rüb auf der Medienseite der FAZ aus Artikeln der New York Times und italienischer Zeitungen kompiliert: Die im Iran festgenommene italienische Journalistin Cecilia Sala wurde freigelassen, nachdem Elon Musk einen Deal mit den Mullahs ausgehandelt hat und erreichte, dass der in Italien festgenommene Iraner Mohammad Abedini freigelassen wurde, so die Geschichte. Und das obwohl die aktuelle Biden-Regierung Abedinis Auslieferung nach Amerika betrieb, weil er für den Tod von drei amerikanischen Soldaten verantwortlich sei. "Außenminister Antony Blinken habe bei seinem Besuch in Rom vom 9. und 10. Januar heftig gegen eine Freilassung Abedinis im Gegenzug für die Rückkehr Salas nach Italien protestiert, der Deal zwischen Rom und Teheran sei zu diesem Zeitpunkt aber schon beschlossen gewesen. Nach der Ausreise des Iraners zeigte sich das US-Justizministerium 'enttäuscht über die Entscheidung, die Verhaftung von Mohammad Abedini aufzuheben'." Das mit KI generierte Foto eines Spaghetti essenden Musk sei lanciert worden um zu zeigen, wie er seinen Triumph auskostet, so Rüb.
Musk mangia un piatto di spaghetti. Il tycoon festeggia su X la liberazione di Sala https://t.co/n5p7uwS1uK
- Repubblica (@repubblica) January 9, 2025
Europa
Selbst zwischen befreundeten Nationen verbessern sich die Beziehungen, wenn man die Leichen im Keller nicht einfach beschweigt. Der ukrainische Präsident Wolodomir Selenski war neulich in Polen, und man einigte sich, dass man die einstigen Konflikte in Wolhynien offen thematisiert und dass etwa die Ukraine die Exhumierung polnischer Leichen zulassen werden, eine "Sensation", schreibt Juri Konkewitsch in der taz. Aber Klärungsbedarf besteht durchaus: "Während Historiker in der Ukraine die Ereignisse als 'wolhynische Tragödie' bezeichnen, sprechen einige ihrer polnischen Kollegen vom 'Wolhynien-Massaker' und führten 2018 die strafrechtliche Verantwortlichkeit für die Leugnung der 'Verbrechen ukrainischer Nationalisten' ein. Im Jahr 1943 war es in Galizien, Wolhynien und den Gebieten westlich der Flüsse Bug und San zu ethnischen Konflikten gekommen, in deren Folge Zehntausende Polen und Ukrainer ums Leben kamen. Historiker beider Länder streiten seitdem über die Anzahl der Toten, sprechen von 35.000 bis 100.000 polnischen und 15.000 bis 25.000 ukrainischen Opfern." Nun tauschen "Warschau und Kyjiw Listen mit Orten aus, an denen ab April im Gebiet Ternopil nach den sterblichen Überresten der Opfer gesucht werden soll." Besonders Rechtsextreme in Polen hatten das Thema instrumentalisiert.
In einem von The Hill übernommenen Artikel in der Welt fragt sich der Politologe Alexander J. Motyl, ob Putin eigentlich tatsächlich an Gott glaubt: "Nein, Putin glaubt mit ziemlicher Sicherheit nicht an Gott, und Gott ist mit ziemlicher Sicherheit nicht 'mit' ihm und seinen Völkermördern. Aber was ist, wenn Putin glaubt, er sei Gott oder zumindest gottähnlich? Blasphemie ist für einen alten KGB-Hasen kein Problem, und Wahnvorstellungen liegen einem Tyrannen, der seit 25 Jahren an der Macht ist, sehr nahe. Alte Kaiser glaubten regelmäßig an ihre eigene Göttlichkeit, warum also nicht Putin? Die Frage mag uns auf den ersten Blick seltsam erscheinen, aber nur auf den ersten Blick. Putin stilisiert sich selbst zum Retter Russlands und der Welt. Er liegt nie falsch. Er hat eine Clique von Aposteln. Die Russen verehren ihn. Und wenn er Russland davon abhält, den Ukraine-Krieg zu verlieren, wird er ein Wunder vollbracht haben. Alles, was dann noch fehlt, ist eine Kreuzigung."
In der NZZ befürchtet der Rechtswissenschaftler Armin Steinbach, dass der Widerspruch zwischen Präsidialsystem und parlamentarischem Regierungssystem die Krise in Frankreich immer weiter vertieft, auch verschärft durch die soziale Spaltung des Landes: "Stehen das Staatsoberhaupt und die ihn tragende Mitte stellvertretend für eine gutsituierte und sich selbst reproduzierende Elite, steckt das Parlament inzwischen im Klammergriff zweier Extreme, die aus ihrer Abscheu für 'die da oben' kein Hehl machen." Er macht daher zwei Vorschläge: "Entweder wird das Parlament gestärkt, was bedeuten würde: zurück zum System der Vierten Republik, als der Präsident aus der Mitte des Parlaments gewählt wurde. Mit einem Verhältniswahlrecht, das die Zersplitterung der Gesellschaft abbildet, einem starken Premierminister und einem Präsidenten, der sich auf eine Schiedsrichterfunktion beschränkt. Oder aber es wird mehr Houellebecq gewagt: den Premierministerposten abschaffen, um den Präsidenten noch weiter zu stärken."
In einem von The Hill übernommenen Artikel in der Welt fragt sich der Politologe Alexander J. Motyl, ob Putin eigentlich tatsächlich an Gott glaubt: "Nein, Putin glaubt mit ziemlicher Sicherheit nicht an Gott, und Gott ist mit ziemlicher Sicherheit nicht 'mit' ihm und seinen Völkermördern. Aber was ist, wenn Putin glaubt, er sei Gott oder zumindest gottähnlich? Blasphemie ist für einen alten KGB-Hasen kein Problem, und Wahnvorstellungen liegen einem Tyrannen, der seit 25 Jahren an der Macht ist, sehr nahe. Alte Kaiser glaubten regelmäßig an ihre eigene Göttlichkeit, warum also nicht Putin? Die Frage mag uns auf den ersten Blick seltsam erscheinen, aber nur auf den ersten Blick. Putin stilisiert sich selbst zum Retter Russlands und der Welt. Er liegt nie falsch. Er hat eine Clique von Aposteln. Die Russen verehren ihn. Und wenn er Russland davon abhält, den Ukraine-Krieg zu verlieren, wird er ein Wunder vollbracht haben. Alles, was dann noch fehlt, ist eine Kreuzigung."
In der NZZ befürchtet der Rechtswissenschaftler Armin Steinbach, dass der Widerspruch zwischen Präsidialsystem und parlamentarischem Regierungssystem die Krise in Frankreich immer weiter vertieft, auch verschärft durch die soziale Spaltung des Landes: "Stehen das Staatsoberhaupt und die ihn tragende Mitte stellvertretend für eine gutsituierte und sich selbst reproduzierende Elite, steckt das Parlament inzwischen im Klammergriff zweier Extreme, die aus ihrer Abscheu für 'die da oben' kein Hehl machen." Er macht daher zwei Vorschläge: "Entweder wird das Parlament gestärkt, was bedeuten würde: zurück zum System der Vierten Republik, als der Präsident aus der Mitte des Parlaments gewählt wurde. Mit einem Verhältniswahlrecht, das die Zersplitterung der Gesellschaft abbildet, einem starken Premierminister und einem Präsidenten, der sich auf eine Schiedsrichterfunktion beschränkt. Oder aber es wird mehr Houellebecq gewagt: den Premierministerposten abschaffen, um den Präsidenten noch weiter zu stärken."
Kulturpolitik
Im Tagesspiegel resümiert Patrick Wildermann die Diskussion "Krisen, Kürzungen, Konsequenzen" im Deutschen Theater, bei der unter anderem Monika Grütters und der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda, nicht aber Joe Chialo oder Claudia Roth über die Budgetkürzungen der Berliner Kultur sprachen. Wer die Schuld am Drei-Milliarden-Loch im Berliner Haushalt trägt, wurde nicht beantwortet, soviel wurde aber deutlich: "Kultursenator Joe Chialo hat nicht viele Fans. Sein Kamikaze-Kürzungskurs wird von niemandem auch nur ansatzweise in Schutz genommen, nicht mal von der CDU-Kollegin Monika Grütters." In der Welt schreibt Jakob Hayner.
Ebenfalls im Tagesspiegel findet Klaus-Dieter Lehmann, ehemaliger Generaldirektor der Deutschen Bibliothek, ehemaliger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Goethe-Instituts, die Idee der Ampelkoalition, dass sich Berlin komplett aus dem Humboldt Forum, wo es mit dem Stadtmuseum vertreten ist, zurückziehen solle, gar nicht so verkehrt: "So könnte die frei werdende Berlin-Fläche zum Forum all derer werden, die auf einem attraktiven, auf vielfältige Weise bespielbaren 'Markt der Künste' zu den Themenkomplexen des Humboldt Forums etwas beizutragen haben. Die Räume bieten ohne lange Vorankündigung und bei freiem Eintritt einen ideenreichen Zugang, von der wissenschaftlichen Diskussionsrunde bis zur Dichterlesung, von der Theaterszene bis zur filmischen Darstellung."
Nur in einer Meldung der FAZ erfährt man, dass das Moskauer Gulag-Museum dem Stadtmuseum unterstellt und womöglich liquidiert wird. "Zugleich wurde bekannt, dass der vorige Direktor des Gulag-Museums, Roman Romanow, entlassen wurde, weil er sich Ende vergangenen Jahres geweigert hatte, in einer von seinem Haus erarbeiteten Sonderschau über das Leben Moskaus unter der Sowjetmacht den Teil über die politischen Repressionen zu entfernen, wie es Beamte des Kulturministeriums von ihm gefordert hatten."
Außerdem: Christoph Schmälzle berichtet in der FAZ, dass die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle dringende Bauvorhaben zur Sicherung ihrer Archivbestände aufschieben muss.
Ebenfalls im Tagesspiegel findet Klaus-Dieter Lehmann, ehemaliger Generaldirektor der Deutschen Bibliothek, ehemaliger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Goethe-Instituts, die Idee der Ampelkoalition, dass sich Berlin komplett aus dem Humboldt Forum, wo es mit dem Stadtmuseum vertreten ist, zurückziehen solle, gar nicht so verkehrt: "So könnte die frei werdende Berlin-Fläche zum Forum all derer werden, die auf einem attraktiven, auf vielfältige Weise bespielbaren 'Markt der Künste' zu den Themenkomplexen des Humboldt Forums etwas beizutragen haben. Die Räume bieten ohne lange Vorankündigung und bei freiem Eintritt einen ideenreichen Zugang, von der wissenschaftlichen Diskussionsrunde bis zur Dichterlesung, von der Theaterszene bis zur filmischen Darstellung."
Nur in einer Meldung der FAZ erfährt man, dass das Moskauer Gulag-Museum dem Stadtmuseum unterstellt und womöglich liquidiert wird. "Zugleich wurde bekannt, dass der vorige Direktor des Gulag-Museums, Roman Romanow, entlassen wurde, weil er sich Ende vergangenen Jahres geweigert hatte, in einer von seinem Haus erarbeiteten Sonderschau über das Leben Moskaus unter der Sowjetmacht den Teil über die politischen Repressionen zu entfernen, wie es Beamte des Kulturministeriums von ihm gefordert hatten."
Außerdem: Christoph Schmälzle berichtet in der FAZ, dass die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle dringende Bauvorhaben zur Sicherung ihrer Archivbestände aufschieben muss.
Gesellschaft
John McWhorter denkt in seiner New-York-Times-Kolumne über den jüngsten Sprachtrend in Amerika nach, der deutschen "Sensitivity Readern und Readerinnen einiges Kopfzerbrechen machen wird: "De-gendering". Man sprach etwa bei den Golden Globes nicht mehr über den Preis für den besten Schauspieler und die beste Schauspielerin, sondern für den besten "Actor" und den besten "female actor" - statt actress. Ähnliche Verschiebungen beobachtet McWhorter bei Wörtern wie "goddess", "waitress" and "chairwoman". "Solche Begriffe können den Eindruck erwecken, dass die Frauen, die diese Rollen innehaben, sich in irgendeiner Weise wesentlich von den Männern unterscheiden, die diese Rollen innehaben - und dass sie vielleicht weniger wert sind. Durch das Anhängen einer weiblichen Endung wird die männliche Version als Standard festgelegt und das weibliche Wort zu einer bloßen Version oder Variation davon. Die Forderung, 'Actor', 'Hero', 'God' und 'Chair' sowohl für Frauen als auch für Männer zu verwenden, entspringt der Überzeugung, dass die von uns verwendeten Wörter unsere Gedanken formen können." McWhorter hat gegen das De-gendering übrigens keine Einwände.
Weitere Artikel: Im NZZ-Gespräch mit Claudia Schwartz kann Springer-Herausgeber Ulf Poschardt einfach nicht verstehen, weshalb der zu Klampen-Verlag sein Buch "Shitbürgertum" nun doch nicht herausgeben möchte.
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