Die USA haben einen "Lend-Lease Act" beschlossen, der es erlaubt, die Ukraine praktisch unbegrenzt
mit Waffen zu versorgen,
berichtet Dominic Johnson in der
taz: "Vorbild nicht nur dem Namen nach ist das
Lend-Lease-Gesetz vom 11. März 1941, das den Weg zu massiven Hilfslieferungen der USA an Großbritannien frei machte. Das Empire unter Winston Churchill wehrte sich damals noch allein gegen das zu dem Zeitpunkt noch mit der Sowjetunion verbündete Nazideutschland sowie Italien und Japan, während die USA offiziell Neutralität wahrten und
keine Waffen in Spannungsgebiete liefern durften." Auch die Sowjetunion hätte später ihren großen Sieg über Hitler nicht ohne das massive Lend-Lease-Programms errringen können, betont Johnson.
Die antisemitischen Äußerungen
Sergej Lawrows kommen nicht von ungefähr, sondern legen den Kern des Verschwörungswahns in der putinistischen Ideologie frei,
meint Richard Herzinger in seinem Blog: "Die eigene hasserfüllte Vernichtungswut wird projektiv diesem im Dunkeln operierenden Feind unterstellt, um dann die exzessive Anwendung jeglicher Form
entfesselter Gewalt als reine Verteidigungsmaßnahme zu rechtfertigen." An die "
Entschuldigung" Putins gegenüber Naftali Bennett will Herzinger übrigens nicht recht glauben. Der Burgfrieden, den Israel mit Russland geschlossen hat - Russland toleriert Attacken Iraels auf Stellungen der Hisbollah in Syrien - wird für Herzinger zunehmend brüchiger: "Während Moskau einerseits israelische Schläge gegen den Iran in Syrien toleriert, ist es zugleich der mächtigste strategische Verbündete und stärkste politische wie militärische Unterstützer des
islamistischen Regimes in Teheran, dessen offen proklamiertes Ziel die Vernichtung des jüdischen Staats ist."
Die
taz hat neulich eine Ausgabe der
Nowaja Gaseta beigelegt. Die Autorin
Julia Latynina behauptete dort, noch vor Hitler hätte Stalin Pläne für einen Weltkrieg gehabt (wir hatten nicht diesen Aspekt ihres Artikels zitiert, unser
Resümee). Das ist eine Geschichtsversion, die gern von
Rechtsextremisten verbreitet wird,
antwortet Stefan Reinecke in der taz. Reinecke fühlt sich an die Debatte um
Ernst Nolte erinnert, der Stalin ebenfalls als Vorläufer Hitlers gesehen hatte. "In diesem trüben Fahrwasser segelt Latynina, die eine gewisse Vorliebe für schrille Meinungen hat. Bei ihr erscheint Putin als Fusion von Hitler und Stalin. Analytisch trägt diese
hyperventilierende Rhetorik nichts zur Klärung bei."
An welchem Punkt kann man eigentlich sagen, dass Putin
den Krieg verloren hat, fragt Berthold Kohler in der
FAZ: "Wer nicht Kriegspartei sein will, tut sich schwer damit, Kriegsziele festzulegen. Allein Washington bekundete,
Russland so schwächen zu wollen, dass es keinen weiteren Überfall begehen kann. In Berlin dagegen reichen die meisten Äußerungen nur bis zum angestrebten Waffenstillstand. Danach beginnt die Zone der
Ratlosigkeit."
Hinter der Bezahlschranke von
Zeit online versucht der Pädagoge
Meron Mendel den Auftritt
Harald Welzers bei Anne Will zu verdauen. "Bleiben Sie beim Zuhören!" hatte Welzer dem ukrainischen Botschafter
Andrij Melnyk zugerufen, nachdem er ihn darüber aufgeklärt hatte, dass er, Welzer, als Deutscher mit Kriegserfahrungshintergrund spreche, wenn er vor einer Eskalation des Krieges in der Ukraine warne. So hat sich Mendel das Aufbrechen einer von Welzer oft beklagten "
versteinerten Erinnerungskultur" in Deutschland nicht vorgestellt: "Laut Welzers Darstellung hat der Krieg, den die Deutschen einst begonnen haben, sie nachhaltig traumatisiert. Trotz oder gerade wegen dieses an sich selbst verursachten Traumas hätten sie es jedoch geschafft, ihre Niederlage letztlich als
etwas Positives zu verstehen, daraus
moralische Größe zu gewinnen. Legt Welzer Melnyk nahe, die Ukraine solle sich ergeben, um Kriegstraumata zu vermeiden? Bietet er ihm an, in der Niederlage eine Befreiung zu sehen? Vergleicht er die überfallene Ukraine mit Nazideutschland? Implizit wird der Zivilisationsbruch von
Auschwitz zu einer Tugend, zu einer
Qualifikation der Deutschen umgedeutet, die durch ihre 'präsente Kriegserfahrung' nun die Ukrainer belehren können. Damit wäre eine neue Stufe der deutschen Erinnerungskultur erreicht."
Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk unterstützt das als rechtsextrem geltende
Asow-Regiment
schreibt Katja Thorwarth bei der
FR. Einer ihrer Hauptkritikpunkte an dem Regiment ist, dass es von der rechtsextremen
deutschen Kleinstpartei "Dritter Weg" unterstützt werde: "Ebenso als Asow-Unterstützer gilt laut eines Berichts des
Deutschlandfunks die rechtsextreme '
Identitäre Bewegung'. Und Botschafter Melnyk? Der legte am 20. März noch einmal nach.
Mariupol würde 'mutig verteidigt. Und zwar vom Asow-Regiment'. Der Kreml habe 'hässliche Propaganda verbreitet..., die auch in Deutschland gerne aufgegriffen' werde." Dass Putin der
Hauptsponsor des Rechtsextremismus in Europa ist und die meisten Rechtsextremen hierzulande Putin unterstützen, ist sicher Gegenstand eines zweiten Teils der Recherche. Lesenswert zum Asow-Regiment ist
dieser Twitter-Thread von
Alice Bota.
Ja,
Gerhard Schröder, Wladimir Putins Kumpel, war stets zugegen, wenn irgendwo in Deutschland eine neue
Gazprom-Pipeline eingeweiht wurde, schreibt Claudius Seidl in der
FAZ, aber "
meistens in der Gesellschaft höchster Würdenträger der Länder und des Bundes. Noch im August 2015, eineinhalb Jahre nach der Annexion der Krim, die Schröder zwar einen Bruch des Völkerrechts nannte, für den er seinen Freund Putin aber
nicht verurteilen wolle, schließlich habe er selbst im Kosovo-Krieg gegen das Völkerrecht verstoßen - im August 2015 also war es
Angela Merkel, die Kanzlerin, die gemeinsam mit Schröder das
Buch Gregor Schöllgens auf einer Pressekonferenz vorstellte."
Außerdem: Innerhalb von ein paar Wochen sind
sieben russische Oligarchen unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen,
berichtet Khaleda Rahman in
Newsweek. Der im Schweizer Exil lebende russische Autor
Michail Schischkin schickt in der
NZZ einen überschwänglichen
Brief an Europa: "Europa, in diesen schweren Tagen und Wochen bist du
du selbst geworden, ich sehe dich auf den Plätzen deiner Städte. Menschen, die gegen den Krieg protestieren und die Menschlichkeit verteidigen, haben wunderbare, schöne Gesichter."
========Sinn Fein errang bei den nordirischen Parlamentswahlen einen historischen Sieg, weil diesmal
selbst Protestanten für die Partei der Katholiken stimmten. Und das hatte vor allem einen Grund:
Brexit,
meint Fintan O'Toole im Guardian. "Diese Entwicklungen werfen zwei sehr wichtige Fragen auf - die Zukunft des
Nordirland-
Protokolls und ein vereinigtes Irland. Die erste Frage wird durch die Wahl geklärt. Einfach ausgedrückt: Wenn Johnson behauptet, die Menschen in Nordirland zu vertreten, indem er das Protokoll als Vorwand benutzt, um den Konflikt mit der EU wieder aufleben zu lassen, dann
lügt er. Die Parteien, die das Protokoll ablehnen - die DUP, die Ulster Unionists und die TUV - haben zusammen 40 Prozent der Stimmen erhalten. Die Befürworter des Protokolls - Sinn Féin, SDLP, Alliance und zwei kleine Parteien - kamen auf 55 Prozent. Wenn die Tories die gestrige Drohung von Dominic Raab wahr machen, 'alle notwendigen Maßnahmen' zu ergreifen, um das
Protokoll einseitig zu ändern und damit einen Handelskrieg mit der EU auszulösen, wird dies nicht den Wünschen der nordirischen Wähler entsprechen. Es wird ein vergeblicher Versuch sein, Johnsons Haut zu retten. Was ein
vereinigtes Irland angeht, so würde nur ein Narr glauben, dass es bald kommen wird - und nur ein noch größerer Narr würde glauben, dass es nicht in irgendeiner Form näher gerückt ist.