9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

In diesem Paradox wird man meschugge

11.10.2025. taz und Zeit mäkeln über den Friedensnobelpreis für María Corina Machado, denn die Dame ist bürgerlich, ja, liberal. In gewisser Hinsicht hätte der skrupellose Trump den Preis verdient gehabt, findet Michael Wolffsohn in der FAZ. Die Welschen sind gekränkt, das Frühfranzösisch verkümmert, fürchtet die NZZ. "Frankreich ist ein ängstliches Land geworden", sagt Daniel Cohn-Bendit in der Zeit. Die taz bringt eine Hommage Gerd Koenens auf Karl Schlögel.

Kannst du mir gefährlich werden?

10.10.2025. Die Waffenruhe im Gaza-Krieg scheint zustande zukommen. Nach der Hamas hat auch die israelische Regierung zugestimmt, die Geiseln werden freikommen. Natürlich bleibt die Lage heikel. Wie heikel sie im Alltag ist, erzählt die israelische Psychologin Ayelet Gundar-Goshen im Gespräch mit der NZZ. In Europa wird unterdessen über den Antisemitismus der Linken diskutiert. Und über das Schwanken der Demokratien, das vor allem der Rechten angelastet wird.

Im Zweifel auf den eigenen Sieg verzichten

09.10.2025. Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Israel und Hamas habe sich auf eine erste Phase des US-Friedensplans geeinigt, melden die Zeitungen heute. Ein Zusammenleben von Israelis und Palästinensern muss die Friedlichkeit zum Prinzip erheben, dem alles untergeordnet wird, fordert in der Zeit der Historiker Tom Khaled Würdemann: die Selbstbestimmung der Palästinenser ebenso wie die Unverletzlichkeit eines jüdischen Staates. Die Welt fordert eine Abrechnung mit Angela Merkels Ostpolitik. In der SZ warnt Thomas Chatterton Williams: rechte Cancel Culture ist auch nicht besser als linke.

Dieses letzte bisschen schlechte Gewissen

08.10.2025. In Frankreich herrscht politisches Chaos. Es riecht nach einem unrühmlichen Ende für Macron. Und: Le ridicule tue. In Amerika baut sich zugleich ein Regime der Schamlosigkeit auf, dem der in Zeit online befragte Slavoj Zizek sogar die Heuchelei vorzieht. Ein Video der New York Times liefert eine unheimliche Bestätigung dieser Beobachtung. Nick Cohen im Spectator und Eva Illouz im Spiegel reflektieren unterdessen den schamlosen neuen Antisemitismus der westlichen Linken. 

Der Zusammenbruch unserer semantischen Kategorien

07.10.2025. Der 7. Oktober hat die Begriffe zerstört, schreibt Eva Illouz in der SZ. "Links, Rechts, Rassismus, Kolonialismus, Antisemitismus - all diese Begriffe haben ihre Bedeutung verloren." Viele Artikel versuchen heute das Datum zu reflektieren - viel Kritik an der israelischen Regierung ist dabei. Herfried Münkler erklärt - ebenfalls in der SZ - , wie der "asymmetrische Krieg" mit "bildgestützten Erzählmustern" funktioniert. Außerdem: Was ist los in Frankreich?

Bezüge zu Dschingis Khan

06.10.2025. Das Attentat von Manchester war vorhersehbar, und es geschah in einem gesellschaftlichen Umfeld, das den Täter nur ermutigen konnte, schreibt der Historiker Simon Sebag Montefiore im Jewish Chronicle. Auch in Deutschland kursieren Morddrohungen, warnt die taz. Der Spiegel erzählt, warum die mongolische Kultur in China jetzt nur als "Kultur der Nordgrenze" bezeichnet wird. In der SZ erklärt die Reporterin Natalie Amiri, warum sie auch Hoffnungen in Benjamin Netanjahu setzt. Welt-Autor Thomas Schmid sucht nach der eigentlichen Erklärung für den Erfolg der AfD

Vision von einem Land für alle

04.10.2025. "Wir befinden uns längst mitten in einem Kalten Cyberkrieg", behauptet im Interview mit der Zeit die amerikanerische Hackerin Chris Kubecka. In der FAZ erzählt der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš von der bedrückten Stimmung in Tschechien vor den Parlamentswahlen an diesem Wochenende. Die taz erinnert an die Geiseln der Hamas, fordert aber zugleich, den 7. Oktober nicht als Auslöser für den Gaza-Krieg sehen, sondern als Ergebnis eines israelischen Siedler-Kolonialismus. In der FAS erzählt die russische Investigativ-Journalistin Jelena Kostjutschenko vom schwierigen Verhältnis zu ihrer Putin ergebenen Mutter.

Ein Naher Osten ohne Hamas

02.10.2025. Am Wochenende wird in Tschechien gewählt und die Aussichten für die EU- und Nato-kritischen Rechtspopulisten um den Milliardär Andrej Babiš stehen gut, fürchtet die taz. Unterdessen ist Britannien trotz Labour-Regierung fest in der Hand von Nigel Farage, behautet A.L. Kennedy in der SZ. In der NZZ fühlt sich der Historiker Christian Osthold angesichts von Putins Krieg in der Ukraine an stalinistische Gewaltmuster erinnert. Deutschland blockiert sich selbst mit seiner Verklärung der alten Bundesrepublik, warnt der Historiker Frank Trentmann in der FR. In der taz erklärt der Ökonom Martin Gornig, wo in Deutschland das wirkliche wirtschaftliche Gefälle liegt: Nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen Stadt und Land.

Blockhüttenheimeligkeit

01.10.2025. Viel gibt's noch nicht zum neuen Friedensplan für Gaza. Für den Nahostexperten des BND Gerhard Conrad (Jüdische Allgemeine) steht allerdings fest: Die Hamas hat verloren. In der FAZ sehen Saba-Nur Cheema und Meron Mendel vor allem die Lücken im Plan. In der SZ hätte sich die deutsch-palästinensische Schriftstellerin Joana Osman einen nachhaltigeren Frieden mit mehr sozialer Gerechtigkeit gewünscht. Außerdem zeichnet der Historiker Alexey Tikhomirov in der FAZ ein rabenschwarzes Bild des russischen Überwachungsstaates. Bei Zeit online hofft Aleida Assmann auf eine Stärkung des kritischen Bewusstseins, um die Demokratie zu verteidigen.

Viele verunsicherte Männer

30.09.2025. Donald Trump und Benjamin Netanjahu haben einen Friedensplan für den Gaza-Krieg vorgestellt - wir verlinken auf ihn und bringen allererste Reaktionen.  Aus Moldawien kommen endlich mal gute Nachrichten, freut sich die FAZ nach dem proeuropäischen Ausgang der Wahlen.  In der SZ erklärt Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer , wie Rechtsextreme mit den Frustrationen junger Männer spielen. Und Holger Friedrich möchte zunächst mal die Zeitungen der DDR wiederbeleben, berichtet die Welt.