9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.08.2025. Die Zeit äußert sich erstmals zu Vorwürfen über das von ihr präsentierte Bild eines kranken Kinds aus Gaza. Es hungere tatsächlich, beharrt sie. Kinder mit seiner Krankheit magerten aber besonders stark ab. Die Hamas präsentiert unterdessen wie zum Hohn Bilder hungernder Geiseln in ihren Tunneln. In der FAZ fürchtet Jürgen Kaube, dass die Anerkennung eines Staates Palästina durch Frankreich und andere eine Luftnummer ist. Die SZ porträtiert Güner Yasemin Balci. Die FR lernt von dem Ökologen Bernhard Malkmus Tier- und Pflanzennamen.
01.08.2025. Die Diskussion über die Manipulation von und mit Bildern im Krieg geht weiter. Auch Kinder mit Krankheiten müssen nicht so abgemagert aussehen wie auf den bekannten Bildern, schreibt der bekannte Arzt Cihan Çelik in der FAZ. Bilder abgemagerter Menschen werden schon seit langem eingesetzt, um die Assoziation mit Auschwitz zu schaffen, schreibt Michael Miersch bei den Ruhrbaronen. Schwer erträglich sind die Bilder so oder so, schreibt der Historiker José Brunner in der SZ, der sich eine Sprache der Kritik wünscht, die weder proisraelisch noch propalästinenisch ist, sondern die Situation sehr nüchtern beschreibt.
31.07.2025. Zum ersten Mal in der Geschichte hat die gesamte Liga der arabischen Staaten die Hamas verurteilt und das Ende ihrer Herrschaft in Gaza gefordert, um einem demilitarisierten Staat Palästina den Weg zu ebnen, meldet die taz. Jetzt müssten sie nur noch alle das Existenzrecht Israels anerkennen, fordert die Welt. Die New York Times entschuldigt sich als bisher einzige Zeitung dafür, Bilder von einem kranken palästinensischen Kind als Beleg für den Hunger in Gaza veröffentlicht zu haben. Die falschen Bilder bedeuten allerdings nicht, dass es keine Hungersnot in Gaza gibt, warnt die NZZ. Hamas-Propaganda ließe sich vielleicht besser vermeiden, würden die Israelis Journalisten in Gaza zulassen, denkt sich die SZ.
30.07.2025. Der Historiker Karl Schlögel erhält den Friedenspreis. Völlig zurecht, jubeln die Feuilletons: Die FAZ attestiert ihm unerreichte Osteuropa-Expertise, die FR würdigt ihn für seine unerschrockene Kritik an Putin. Die EU droht, Israel von "Horizon Europe", einem der größten weltweiten Forschungsprogramme, auszuschließen, berichtet die FAZ. Der Hunger in der Welt nimmt ab, so die taz, nur nicht in Afrika. Im Zeit-Online-Interview untersucht der Historiker Wolfgang Kraushaar die politischen Extreme des verstorbenen Horst Mahlers, die immerhin einige Konstanten hatten, zum Beispiel seinen Antisemitismus.
29.07.2025. Aktualisiert um 10 Uhr: Karl Schlögel bekommt in diesem Jahr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Die Diskussion über den Einsatz gefälschter oder manipulativ eingesetzter Bilder aus dem Gaza-Streifen geht weiter. Zeit online geht auf die Vorwürfe nicht ein und führt unter einem fragwürdigen Bild ein Gespräch über Bildtheorie. In der FR verzweifelt der israelische Historiker Tom Segev an der irrationalen Realität in Gaza. Die FAZ lernt, warum dreihundert Quantenphysiker auf Helgoland mit der objektiven Realität hadern. Drusen werden derzeit auch in Deutschland von Islamisten bedroht, warnt die taz.
28.07.2025. Julian Nida-Rümelin und Jonas Schmidt-Chanasit fordern in der SZ eine klare Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen, die ihrer Meinung nach vor allem die Gewaltenteilung in Deutschland gefährdeten. Einige der Hungerbilder, die über Gaza zirkulieren und von den renommiertesten Medien benutzt wurden, sind extrem manipulativ eingesetzt worden, hat der Blogger David Collier herausgefunden. Wie stehen evangelische Funktionäre zu Israel, fragt die FAZ. Zeit und NZZ versuchen sich einen Reim auf Peter Thiels dunkel wabernde religiöse Fantasien zu machen.
26.07.2025. Die nächsten drei Jahre ist die Gefahr durch Russland am größten, warnt der Militärhistoriker Sönke Neitzel in der SZ. Heute wird Stalin in Russland nicht einmal mehr versteckt, weiß die FAS. In der NZZ setzt Sergej Lebedew leise Hoffnung darauf, dass Russlands Rohstoff-Ressourcen in Sibirien irgendwann zur Neige gehen. In der FR zeichnet der amerikanische Journalist Tim Weiner nach, wie Trump die amerikanischen Sicherheitsbehörden untergräbt. In der taz erinnert die Philosophin Jule Govrin daran, wie wichtig CSDs für den Kampf für universalistische Menschenrechte sind.
25.07.2025. Die jetzige Hungerkrise in Gaza ist keine Erfindung der Hamas-Propaganda, berichten die Medien mit vielen Belegen. Es gibt allerdings einen Streit darüber, wer dafür verantwortlich ist, den wir mit Links zu vielen Quellen dokumentieren. Emmanuel Macron will unterdessen Palästina als Staat anerkennen, und die palästinensische Autonomiebehörde stellt laut Jüdischer Allgemeiner sogar in Aussicht, erstmals seit 2006 wieder Wahlen abzuhalten. Anne Applebaum warnt die Österreicher und Europäer im Standard eindringlich vor Putin. Die Welt erinnert an Hans Mayers berühmten Essay "Außenseiter", der vor fünfzig Jahren erschienen ist.
24.07.2025. In der Ukraine finden Demonstrationen gegen die befürchtete Aufweichung der Korruptionsbekämpfung statt - Selenski scheint inzwischen einen Rückzieher zu machen, berichtet Meduza. In der Times of Israel antwortet Jeffrey Herf ein zweites Mal auf Omer Bartovs Genozidvorwurf gegen Israel. In der NZZ stellt Kacem El Ghazzali mit Blick auf Frantz Fanon eine Frage, die sehr aktuell wirkt: "'Können Menschen, die Unschuldige kaltblütig töten, Befreier genannt werden?"
23.07.2025. Die NZZ blickt hoffnungsvoll auf die Jugend in afrikanischen Ländern, die gegen die Alten aufbegehrt. In der FR denkt die Juristin Paula Macedo Weiß über demokratische Veranwortung in einem zapatistischen Pluriversum nach. In der Welt fragt Ahmad Mansour, warum kein Schwein sich über die Ermordung syrischer Drusen durch Djihadisten aufregte - bis Israel eingriff. In der FAZ plädieren die Militärhistoriker Sönke Neitzel und Christian E. Rieck dafür, die Zivilklauseln an deutschen Universitäten aufzuheben."