9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Eingescannt und digitalisiert

22.07.2025. Trump wundert sich über Putin, aber Putin nicht über Trump. Er macht einfach weiter, bis er die Ukraine zerstört hat, vermutet die FAZ. Ob die EU in den Krieg hineingezogen wird, hängt davon ab, ob die EU die Ukraine verlieren lässt, meint Politologe Nils Bormann ebendort. Das BSW wird demnächst mit der AfD paktieren, prognostiziert der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne in der SZ. Im Iran wächst der politische Widerstand gegen das Regime, beobachtet der Khamenei-Biograf Journalist Ali Sadrzadeh in der taz.  

Wieder bereit für Deals

21.07.2025. Nord Stream 2 ist nicht tot, nur im Standby, und einige prominente Ex-Politiker scheinen laut FAS segensreich darauf hingewirkt zu haben. Man muss Frantz Fanon in seinen Widersprüchen sehen, meint Thomas Schmid in der Welt. In der FR bezweifelt Wolf Iro, dass es Maxim Biller um Menschlichkeit geht. Nach der FAS bringt nun auch die taz ein Porträt über Zohran Mamdani. Auch in Deutschland gibt es hübsche Politiker, hat unterdessen die Zeit herausgefunden.

Feind meines Feindes

19.07.2025. In der FAS macht sich die Schriftstellerin Maryam Aras Gedanken über die israelischen Bombardierungen im Iran: Ist der Feind meines Feindes automatisch mein Freund? Außerdem geht der Blick nach Syrien: Die neuesten Ausschreitungen gegen die drusische Minderheit beweisen der FAS einmal mehr, dass die neue Regierung kaum als "gemäßigt" gelten kann. Die NZZ erklärt, warum die Drusen die toleranteste Form des Islam ausüben. Die SZ sieht den Streit um Frauke Brosius-Gersdorf vor allem als "misogynen Backlash". 

Der Graben mitten durch die Mitte

18.07.2025. Wird Frauke Brosius-Gersdorf den Streit um ihren Nominierung  überstehen und doch als Verfassungsrichterin noch installiert? Und was ist mit der Koalition: Wird sie den Streit überstehen? Immer mehr CDU-Granden machen klar, dass sie FBG nicht wollen, denn sie mögen nicht einen Millimeter von  ihrer Position zu Abtreibung abrücken. Horst Dreier, der einst auch als Kandidat fürs BVG gekippt wurde, versucht in Zeit online klar zu machen, dass "man ja nicht mit einer politischen Agenda da hin" geht. Außerdem: Säkulare Organisationen plädieren bei hpd.de für eine Erhaltung des Berliner Neutralitätsgesetzes. NZZ und taz klären über die Lage der Drusen in Syrien auf.

Grundlegender Bruch mit dem Status quo

17.07.2025. In der taz hofft der Aktivist Njuki Githethwa auf ein gerechteres Kenia, wenn seine Kenya Left Alliance was zu sagen hat. In der Zeit hofft der belarusische Regimekritiker Sergej Tichanowski, genügend Mitstreiter zu finden, um endlich Lukaschenkos Gewaltregime zu beenden. In der FAZ bezweifelt Bülent Mumay, dass Erdogan mit den Kurden Frieden schließen will. Selbst die Russen werden langsam kriegsmüde, meint in der NZZ der russische Soziologe Lew Gudkow. In der Washington Post erklären die Antisemitismusforscher Norman J.W. Goda und Jeffrey Herf am Beispiel der Hamas, was ein Genozid ist.

Die Stimmung im Gefängnis

16.07.2025. In der FR erzählt die Aktivistin Loveness Mudzuru, wie sie im christlich geprägten Simbabwe ein Verbot der Zwangsheirat erwirkt hat. In der SZ fragt sich der ukrainische Autor Sergey Maidukov, wie sich nach dem Krieg Kämpfer und Verweigerer in die Augen sehen werden. Hpd berichtet von einem weltweiten Trend zur Säkularisierung, selbst in muslimischen Ländern. Es gibt bessere Wege, mit der AfD umzugehen, als sie zu verbieten, erklären in der FAZ die Wissenschaftler Mattias Kumm und Michael Zürn und machen konkrete Vorschläge.

Gespickte Kampagnen

15.07.2025. Die Debatte um Frauke Brosius-Gersdorf tobt immer gewaltiger. Sie meldet sich jetzt erstmals in einem Statement selbst zu Wort, berichtet das ZDF - und das klingt ziemlich zornig. Die taz erzählt, wie Organisationen von Abtreibungsgegnern seit Anfang Juli massiv gegen die Richterin agitierten und vor allem Druck auf die CDU ausübten.  In der NZZ erklärt die  Historikerin Botakoz Kassymbekova, wie die Russen die Gewalt im Krieg gegen die Ukraine ideologisch rechtfertigen. In der FAZ schreibt Viktor Jerofejew über  die immer obszönere Stalin-Rehabilitation in Russland.

Richtiger politischer Nahkampf

14.07.2025. Die Debatte um Frauke Brosius-Gersdorf reißt nicht ab - es wird nicht nur über ihre Positionen zu Abtreibung diskutiert. Die Zeitungen fragen sich vor allem, ob die CDU dem Druck der AfD standhalten wird. Und dem der LinkenZeit online diskutiert mit Sönke Neitzel, ob der Friede jetzt vorbei ist.  Die FAZ schildert Donald Trumps Kulturkampf in den Kulturinstitutionen und die bisher nicht ganz klare Reaktion derselben - und das alles vor dem Hintergrund des "Semiquincentennial".

Vom Intelligenzfluch verfolgt

12.07.2025. Auch heute erscheinen wichtige Texte über Srebrenica: Das  Thema hat Aktualität, denn bis heute werden serbische Verbrechen relativiert und geleugnet, merken etwa Erich Rathfelder in der taz, Monty Ott in der FAZ oder Richard Herzinger in seinem Blog an. In der FAZ kommt die Literaturwissenschaflerin Susanne Klingenstein auf die antisemitischen Ausschreitungen in Harvard zurück, die für sie in einer mindestens fünfzigjährigen Tradition stehen.  In der taz staunt Nicholas Potter über Holger Friedrich und die Potentaten. Im Spiegel annonciert Daniel Kokotajlo: Die KI schafft uns ab.

Eine Art Leere

11.07.2025. Heute jährt sich zum dreißigsten Mal der Völkermord von Srebrenica. Die FAZ zeigt, wie sich die serbische Rhetorik geändert hat: Versöhnende Worte gab es von der serbischen Politik nur so lange, wie eine Beitrittsperspektive zur EU bestand. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić genießt trotzdem die Protektion der konservativen Parteien in der EU, kritisiert der Historiker Dragan Popović in der SZ. Die Debatte um die Rechtsprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf, die Verfassungsrichterin werden soll, geht weiter: Der Spiegel beleuchtet nochmal ihre Positionen. In der NZZ spricht Francis Fukuyama über die Gefahren für die Demokratie.