9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Angenommen, es gäbe einen Handelskonflikt

11.11.2024. Der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe zieht in der FAZ eine gnadenlose Bilanz deutscher Politik in den letzten Jahrzehnten. Ein Szenario werde denkbar, "wie es die späte DDR kennzeichnete". Im Spiegel warnt der Politologe Jan-Werner Müller mit Blick auf Trump und andere Autokraten: Beim zweiten Mal wird's immer noch schlimmer. FAZ und Zeit online kommen auf Marko Martins Rede im Schloss Bellevue zurück. Die New York Times und andere fragen: Was geschah in Amsterdam?

Nichts ist verborgen

09.11.2024. Heute ist also der 9. November. Vor 35 Jahren ist die Mauer gefallen. Marko Martin kommt in t-online.de auf seine Rede im Schloss Bellevue zurück, die Frank-Walter Steinmeier so erzürnte. Die Welt bringt die Rede im Wortlaut. In der taz streiten sich Katja Hoyer und Anne Rabe über die DDR. Aber es gibt auch viele andere Themen: Marci Shore, Jan Gerber, Peter Sloterdijk machen sich in verschiedenen Medien Gedanken über den Rechtspopulismus: Zieht der Faschismus-Vergleich? Auch vielleicht bei den Taliban, die laut Zeit neue Jungfrauentests entwickeln?

Niemand applaudiert

08.11.2024. Wie konnten die Demokraten in Amerika so gedemütigt werden? Sie sind selbst schuld, sie sind Akteure einer tiefen sozialen Spaltung, schreibt der New-York-Times-Kolumnist David Brooks. Nach dem Bruch der Ampel denkt Gustav Seibt inder SZ über das Problem des Liberalismus nach: Negative Freiheit, sagt er an die Adresse Christian Lindners, wird immer irgendwann zur Freiheit des Stärkeren. Für Simon Strauß in der FAZ leidet der starke Auftritt des Kanzlers an der Sichtbarkeit des Teleprompters. Und Marko Martin hat im Schloss Bellevue geredet - aber dem Hausherren dürfte es nicht sehr gefallen haben.

Kandidat der Neinsager

07.11.2024. Wohin die Reise für die Ukraine nach den US-Wahlen geht, macht Wladimir Putinin den letzten Stunden deutlich, als er Kiew mit Drohnenbeschuss überzog, Zehntausende drängeln sich in den U-Bahnhöfen. Währenddessen: Donald Trump hat bei allen dazugewonnen, Frauen, Latinos, Schwarzen, Weißen sowieso. Selbst in absoluten Zahlen hat er diesmal gewonnen. Wie konnte das geschehen? Die SZ diagnostiziert beim Wahlvolk: Angst vor den Zumutungen der Moderne. Die FAZ empfiehlt, diese Angst auch hierzulande nicht zu ignorieren. Die FR fürchtet sich derweil vor den alten Männern - Trump, Putin, Xi Jinping - die jetzt die Welt beherrschen und denen für Triebaufschübe die Zeit fehlt. Außerdem: Die Antisemitismusklausel sorgt immer noch für Diskussionen. Und ach ja, die Bundesregierung hat sich aufgelöst. Daran soll Trump aber nicht schuld sein.

Sind Sie ein guter Mensch oder nicht?

06.11.2024. Die Debatte um die Bundestagsresolution "Nie wieder ist jetzt" verschärft sich: Scharf ist der Widerstand von akademischer Seite, wo man sich mit israelbezogenem Antisemitismus nicht so befassen möchte. Frauen im Iran, die gegen das Kopftuch protestieren, schön und gut - aber in Deutschland ist Kritik am Kopftuch "rechts", findet Sonja Zekri in der SZ. Und Trump? Nun ja, der wird uns noch vier Jahre lang beschäftigen...

Teilweise Aussetzung der Demokratie

05.11.2024. Die amerikanischen Wahlen werfen ihren drohenden Schatten über die deutsche Öffentlichkeit. Aber hat Aufbleiben Sinn? Erst um 4 Uhr deutscher Zeit kommen morgen die letzten Ergebnisse der Swing States, warnt die taz. Über die Bundestagsresolution "Nie wieder ist jetzt" wird weiter gestritten: Schränkt sie die Freiheit von Antisemiten ein? Mehr als vier Jahre nach dem Mord am französischen Lehrer Samuel Paty beginnt heute der Prozess in Paris: Er wird nachzeichnen, wie Paty im Stich gelassen wurde, so die FAZ.

Dieses riesige Reservoir an Schamgefühlen

04.11.2024. Auch antiisraelischen Antisemitismus will die neue Bundestagsresolution "Nie wieder ist jetzt" bekämpfen - das sorgt in den Medien für viel schlechte Laune. Die FAZ fürchtet "grenzenlose Gesinnungsschnüffelei". Dahinter kann nur die, äh, "proisraelische" Lobby stecken, so der Deutschlandfunk. Bei den amerikanischen Wahlen kommt's auf die Frauen an, so die SZ. Und auf die Männer, so die Soziologin Arlie Russell Hochschild in Zeit online. Und er läuft und läuft und läuft eventuell bald nicht mehr, so Ulf Erdmann Ziegler in der NZZ zum Mythos VW.

Menschen glauben dem Körper

02.11.2024. Es ist die große Stunde der Prognosen: In der Welt fürchtet der Schriftsteller Jonathan Franzen eine jahrelange Periode des bewaffneten Widerstands nach einem Wahlsieg von Kamala Harris. In der FAS tippt der Soziologe Richard Sennett auf Trump: Amerika sei zwar eine Demokratie, aber keine sonderlich intelligente. In der FAZ skizziert der Amerikanist Johannes Völz die katholischen "Aristopopulisten" hinter Trump. Der Historiker Karl Schlögel beschwichtigt indes: Die Amerikaner haben die Fähigkeit des Durchwurstelns. Außerdem: Die Ampelkoalition und die Union haben sich auf einen Entwurf für die Resolution gegen Antisemitismus geeinigt, meldet Spon.

Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß

01.11.2024. Die nächste Woche könnte die Wiederkehr des Joker bringen. Fast alle Medien bringen Interviews mit besorgten Experten. Diesmal wird's noch schlimmer als in der ersten Amtszeit, fürchtet die amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Pavlina R. Tcherneva in der taz, denn Trump will die institutionellen Strukturen zerschlagen. Die Welt fordert dem iranischen Tiger endgültig die Zähne zu ziehen. In der FAZ sorgt sich der Literaturwissenschaftler Zaal Andronikaschwili derweil um die georgische Kultur unter dem russlandfreundlichen Milliardär Bidsina Iwanischwili.

Eine neue Friedenspfeife anzünden?

31.10.2024. Die nordkoreanischen Soldaten in der Ukraine zeigen der Sicherheitsexpertin Rachel Minyoung Lee vor allem eines, wie sie im Zeit-Interview betont: "Putin ist verzweifelt." Die Bundesregierung hätte den Tod Jamshid Sharmahds verhindern können, ruft uns Mariam Claren, Tochter der ebenfalls im Iran inhaftierten Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi, in der FR zu. In der Zeit sieht der Politologe Peter Neumann den "Aristopopulismus" auch in Europa auf dem Vormarsch. Zeit Online und FAZ blicken in die Türkei, wo es zu einem Friedensschluss zwischen der PKK und Erdogan kommen könnte.