9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.05.2026. Die SZ fragt, nach den jüngsten Entwicklungen in der Türkei: "Wie Erdogan loswerden, wenn der keine demokratischen Mittel mehr zulässt?" Die taz fragt, warum die Stadt Hamburg bei der Aufarbeitung der NSU-Morde eine so blamable Rolle spielt. Auf Twitter attackiert die Exiliranerin Masih Alinedschad die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez, der es Spaß macht, sich mit Kopftuch zu zeigen. Nichts gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes, so die Welt, aber es kommt drauf an, wie.
28.05.2026. In der Zeit warnt der Militärforscher Frank Sauer vor einem Rüstungswettlauf mit autonomen Waffensystemen. KI ist nicht intelligent, sondern lernfähig, erklärt bei Zeit online die Soziologin Elena Esposito. Die SZ erkundet den Sweet Spot der Verlagsbranche. Die taz fragt sich, ob es noch lebende Anspruchssteller gegeben wird, wenn irgendwann ein Restitutionsgesetz verabschiedet wird. Das rechte Portal Nius mag rote Zahlen schreiben, politisch funktioniert es leider, bedauert die SZ. Die NZZ erklärt, warum Somaliland durch eine Mehrparteiendemokratie eher gefährdet als gefestigt wird.
27.05.2026. Recep Tayyip Erdogan schleift gerade die Reste der türkischen Demokratie - und kaum einen in Europa interessiert es, notieren Zeit und Augsburger Allgemeine. Ob uns ein neuer Faschismus droht, ist keine akademische, sondern eine existenzielle Frage, meinen in der FAZ die Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey und widersprechen damit Jan-Philipp Reemtsma. Der Verband Deutscher Historiker und Historikerinnen warnt in einer scharfen Eklärung vor einem Umbau der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. In der FR setzt sich der Philosoph Etienne Balibar dafür ein, das Existenzrecht Israels leugnen zu dürfen.
26.05.2026. Die KI ist in allen Zeitungen, nicht nur wegen der Enzyklika des Papstes unter dem Titel "Magnifica Humanitas", sondern auch in theoretischen Überlegungen der Sozialtheoretikerin Anna-Verena Nosthoff, die es - wie der Papst - in der Zeit ablehnt, den Menschen als "Fleischcomputer" zu betrachten. Unterdessen verliert laut FAZ vor allem eine Kategorie Mensch durch KI ihre Jobs: Frauen. Die SZ druckt Güner Balcis Plädoyer für einen humanistischen Patriotismus.
23.05.2026. In der taz erzählt die iranische Autorin Mina Khani, wie es sich anfühlt, noch im Exil von den iranischen Schergen bedroht zu werden. Auch die Drohungen gegen Josef Schuster und Volker Beck zeigen für die FAZ die Aktivitäten der Mullahs auf deutschem Boden. Was passiert, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt an die Regierung kommt, fragt die SZ. Die taz liest zur Beantwortung dieser Frage ein Buch des rechten Cheftheoretikers Benedikt Kaiser. In der FAS fordert Raphael Gross eine neue Vergangenheitsbewältigung.
22.05.2026. Die antiisraelische Obsession westlicher Öffentlichkeiten schadet vor allem diesen selbst, meint Bret Stephens in der New York Times. Was hat die FAZ da mit Thalia zu laufen und warum müssen die Buchverlage dafür 65.000 Euro bezahlen, fragt die SZ. Des Bedünkens der FAZ nach könnte der Duden obsolet sein. Und die Ruhrbarone träumen nach der "re:publica" von der Zukunft des Internets: "Bergdoktor" schauen auf einem öffentlich-rechtlichen Facebook.
21.05.2026. Italien hat seine faschistische Vergangenheit nie richtig aufgearbeitet, das hat Folgen, warnt in der FAZ der Autor Antonio Scurati. In der taz fragt der estnische Sicherheitsexperte Marek Kohv die Westeuropäer: Wollt ihr mit hohen Gehältern und guten Renten in einen Dritten Weltkrieg ziehen oder mit einer exzellenten Armee? Die FAZ stellt einen Plan zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes vor, der wie die buchstäblich eierlegende Wollmilchsau anmutet. 54books erklärt, warum die einen Autoren 160.000 Euro Vorschuss bekommen, die anderen nur 15.000.
20.05.2026. Der Guardian ist enttäuscht, dass die Labour-Hoffnung Andy Burnham eine Rücknahme des Brexit nicht diskutieren will. In der FR meint Richard Sennett: Die Briten wissen, dass er ein historischer Irrtum war, können aber nicht mehr zurück. Die SZ warnt vor einer "Antisemitismus-Epidemie" in Britannien, zu der auch die Green Party gehört. Die SZ dokumentiert Dan Diners Rede zur Ausstellungseröffnung des Archivs Salamander. Die FAZ skizziert Ideen, wie Urheberansprüche gegenüber dem Text-Mining der KI durchgesetzt werden können.
19.05.2026. In Frankreich geschieht etwas Unheimliches: eine Machtübernahme der extremen Rechten in der Kulturindustrie - wir zitieren Le Monde, die SZ und andere. Was ist, wenn das Mullah-Regime schon ganz schön zerpflückt ist, und keiner will es wahrhaben, fragt Bernard-Henri Lévy in Le Point. Swetlana Alexijewitsch sieht Belarus und Russland im NZZ-Interview auf dem Weg in den Faschismus: " Das ist nicht nur Putins Wille. Das ist tief in den Völkern drin." Die FAZ fragt: Ist Faschismus der angemessene Begriff für die jüngsten Entwicklungen? In der NZZ verzweifelt Alice Schwarzer über die Tech-Bros, die eine Welt ohne Frauen schaffen.
18.05.2026. "Und als all das vorbei war und diese Verbrecher immer noch nicht genug hatten, zerstörten sie den Frauen das Gesicht." Die Sunday Times resümiert nochmal den Bericht der "Civil Commission" zur sexuellen Gewalt am 7. Oktober. In der TU Berlin war Wasser im Keller und bedrohte die Elektrik. Hat wohl keiner gemerkt. Und die Herrentoiletten zwischen dem zweiten und dem achten Stock gingen auch nicht: Kein Wunder dass die TU jetzt geschlossen ist, so die SZ. Und der Deutschen Bahn geht's auch nicht besonders, diagnostiziert Andreas Maier in der FAZ. Die Piusbrüder werden immer mehr, so die FAZ. Ob Exkommunikation hilft?