9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Teil einer beunruhigenden Welle

17.06.2025. Das Massaker von Yelwata mit seinen 200 Toten ist das dritte in Nigeria in einem Monat. Der Papst schließt die Opfer in sein Gebet ein - alle Medien schweigen. Nicht dass Netanjahu die iranischen Atomanlagen attackiert, empört Eva Illouz in der Zeit, sondern sein skrupelloses Paktieren mit rechten und religiösen Kräften um der Macht willen. Die Iraner, notiert die taz, sind teils durchaus happy über die iraelischen Angriffe. Nein, die Verbrechen der Deutschen an den Polen lassen sich nicht einfach wegmoderieren, mahnt der Historiker Christhardt Henschel auf geschichtedergegenwart.ch. Und golem.de berichtet: Microsoft will alles tun, damit europäische Behörden weiter Office benutzen.

Verfügbar, kopierbar und skalierbar

16.06.2025. Die Zeitungen versuchen sich ein Bild von den jüngsten israelisch-iranischen Kämpfen zu machen. Wankt das Regime in Teheran? Dann könnte man Netanjahu dankbar sein, meinen die Ruhrbarone. Aber die SZ warnt: Israel "will die absolute Macht". In der FR glaubt Olivier Roy aber nicht an einen Flächenbrand. Die taz erinnert an die Ermordung Ken Saro-Wiwas vor dreißig Jahren. Und übrigens: Demnächst wird man sich entschuldigen müssen, wenn man sich als Mensch einen Reim machen will: Denn die AGI wird das besser können, warnt die FAZ.

Für den Taximarkt und die Parteikader

14.06.2025. Zwei Themen beherrschen die politische Debatte in den Zeitungen: Israels Schlag gegen die iranischen Atomanlagen und Führungskreise. Und Trumps Agieren in Los Angeles. In Zeit online kommt Steffen Mau mit Blick auf das Schengen-Abkommen auf die Paradoxa der Globalisierung zurück. In der FAZ denkt Francesca Melandri über die "selektive Empathie" der westlichen - und besonders der deutschen - Öffentlichkeit nach. In der taz erzählt Felix Lee, wie sein Vater Volkswagen nach China brachte.

Hinzu kommt historisches Unwissen

13.06.2025. Ein historischer Tag? In der Nacht hat Israel iranische Atomanlagen angegriffen - wir setzen einige Links. In Deutschland geht die Debatte um das Friedenspapier einiger Sozialdemokraten weiter. Hier artikuliert sich ein Rentnerclub mit Einfluss, meint der Historiker Jan C. Behrends im Spiegel. taz und Spiegel lesen den Bericht der Grünen zur Affäre Gelbhaar. Eines ist klar, so der Bericht: Den Hinterfrauen der Affäre ging es nicht um #MeToo. Le Point fragt, ob der Pariser Fußballverein PSG neben der Champions League  vielleicht auch noch die Pariser Bürgermeisterwahlen im nächsten Jahr entscheidet.

Ein schwacher starker Mann

12.06.2025. Das Friedensmanifest der SPD-Linken um Rolf Mützenich wird eher kritisch aufgenommen: Solange Putin das sowjetische Imperium zurückerobern will, kann es keine Entspannungspolitik geben, meint die SZ. Im Spiegel wünschte sich der Grüne Konstantin von Notz, deutsche Politiker würden die Bedrohung durch Russland endlich ernst nehmen. Die taz findet: Man kann ja wenigstens mal über Entspannung reden. Ohne Druck von außen wird Israel sich selbst zerstören, warnen in der Zeit der Historiker Omer Bartov und in der FAZ der Informatiker David Harel.

Enttäuscht zu sein, gehört zu ihrem Lebensgefühl

11.06.2025. Die Amerikaner begreifen gerade, dass eine Diktatur von der Anpassungsfähigkeit ihrer Bürger lebt, meint Daniel Kehlmann in der FAZ. Friedrich Hayek hätte Trumps Wirtschaftspolitik nichts angewinnen können, meint in der NZZ der kanadische Historiker Quinn Slobodian. Der Stern staunt über die nach wie vor sehr große russlandfreundliche Fraktion der SPD. Der syrische Ideenhistoriker M. Sami Alkayial plädiert in der FAZ für einen wahren demokratischen Säkularismus auch in der arabischen Welt.

Das Momentum im Spiel

10.06.2025. Getroffen von ukrainischen Drohnenangriffen auf Flugzeuge, antwortet Russland mit Drohnenangriffen auf die ukrainische Bevölkerung - Meduza bringt einige Bilder. Die Überfahrt eines Gaza-Soli-Segelboots löste sich in der Übergabe eines Sandwichs auf - die Aktivistinnen werden nach Europa zurückgeschickt, berichten die Medien. Der neue Kulturminister Wolfram Weimer wendet sich gegen einen Kulturkampf von links und rechts, aber er verkennt dabei, dass der Kulturkampf von links gut ist, antwortet ihm der Grünen-Abgeordnete Sven Lehmann in der SZ.

Er glaubt wirklich, dass Freiheit böse ist

07.06.2025. In der FAZ denkt der russische Autor Sergej Lebedew darüber nach, wie sehr der KGB die Welt geprägt hat, in der Putin lebt. Und der Philosoph Pascal Bruckner fragt, warum so viele europäische und amerikanische Intellektuelle den Wunsch nach einer Reform des Islam als "Islamophobie" auslegen. In der taz erzählen zwei israelische Aktivisten, wie man ganz unideologisch gegen den Krieg in Gaza demonstrieren kann. Le Point erklärt, warum der französisch-algerische Autor Kamel Daoud in Italien nicht sicher wäre.

Grauzone der unzuverlässigen Bücher

06.06.2025. Dass Donald Trump den Antisemitismus an Universitäten als Ausrede nutzt, diese gleichzuschalten, bedeutet leider ganz und gar nicht, dass und es ihn nicht gibt, schreibt Christoph David Piorkowski im Philomag. Mehrere Zeitungen befassen sich heute mit immer weiter verschärfter Repression im russischen Kulturbetrieb. Die Feuilletons sind unzufrieden mit Wolfram Weimer, der gestern in der SZ die Linke und die Rechte kritisierte, aber die Linke zu sehr. Sandra Hüller, Luisa Neubauer, Fatih Akin, Axel Prahl, Aleida Assmann, die Foroutans, Bjarne Mädel und Harald Welzer werfen Israel auf den Seiten von Amnesty Völkermord vor: schon seit dem 7.Oktober.

Korridore des Sagbaren

05.06.2025. Spiegel und Time stellen Googles KI-Modell für Text-to-Video Veo 3 vor, das jedem seine gewünschte Realität maßschneidern kann. Nicht gut für die Demokratie? Bequem leben kann man auch ohne, wie China zeigt (vorausgesetzt man gehört nicht zu den Hingerichteten), erzählt die Zeit. Die NZZ erinnert an die Begeisterung der Linken für die Roten Khmer vor 50 Jahren. In der SZ verspricht Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, die Freiheit der Kunst zu verteidigen. Ebenfalls in der SZ fordert die russische Schriftstellerin Natalja Kljutscharjowa die Freilassung von Nawalnys Fotograf Alexander Strukow, der schwer erkrankt im Gefängnis sitzt.