9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.01.2025. In der Zeit schildert die Ökonomin Shoshana Zuboff, wie Staatsmacht und Privatmacht in den sozialen Medien fusionieren - und wie sie Bluesky vor Manipulation schützen will. In der NZZ erzählt Irina Rastorgujewa, mit welchen falschen Versprechen die russische Regierung Ausländer nach Russland lockt. Hanser-Verleger Jo Lendle erklärt im Zeit-Gespräch, warum er jetzt englischsprachigen Verlagen Konkurrenz machen will. Und der Fall Gelbhaar ist weder für die Grünen, noch für den RBB ausgestanden.
22.01.2025. In FAZ und SZ rufen der amerikanische Ideenhistoriker Mark Lilla und die britische Schriftstellerin A.L. Kennedy die Demokraten aller Länder zum Kampf gegen Trump auf. Die Macht liegt aber ohnehin bei Elon Musk, fürchtet Timothy Snyder in der SZ. Israel könnte zum Verbündeten der Ukraine werden, überlegt Richard Herzinger im Perlentaucher. In der Welt legt der Politikwissenschaftler Minxin Pei dar, dass der chinesische Überwachungsstaat viel subtiler funktioniert als die Stasi. Die Antisemiten und Rassisten leben, meint Michel Friedman im Tagesspiegel mit Blick auf Musks Hitlergruß.
21.01.2025. Trump ist nicht Putin, das politische System Amerikas zeigt zwar Schwächen, aber es bietet ihm schon noch Widerstand, beruhigt der Politologe Stephan Bierling in FR und FAZ. Kamel Daoud erzählt in Le Point, wie sich die Atmosphäre der Angst, die in Algerien herrscht, zusehends auch nach Frankreich ausbreitet. taz und FAZ beleuchten den neusten Super-GAU im RBB und weisen in die Grundsätze der Verdachtsberichterstattung ein.
20.01.2025. Jubelszenen in Gaza: Die Hamas inszeniert die Übergabe der ersten Geiseln - aber es gibt unterschiedliche Perspektiven auf die Szene. Außerdem tritt heute "Trump 2.0" sein Amt an - Ivan Krastev erklärt in der Welt, warum er die Amerikaner besser versteht als diese sich selbst. Im Bundestagswahlkampf wird über die Angstthemen lieber nicht geredet, notiert die taz. Selbst Zeit und SZ fragen sich inzwischen, ob die Linke nicht in unguter Symmetrie zur Rechten steht. Im Matin d'Algérie prangert der Autor Kamel Bencheikh die Schließung der Editions Frantz Fanon durch das Regime an.
18.01.2025. Auf Bluesky präsentiert der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk einen Artikel der Prawda von 1981: Schon damals war Gerhard Schröder von der russischen Außenpolitik hellauf begeistert! Gilles Deleuze ware heute hundert geworden: Die Feuilletons überschlagen sich förmlich. Er war ein Vordenker in vielen Dingen, befinden sie und thematisieren sie, bis auf eins. Der RBB erzählt eine erstaunliche Geschichte über eine Frau, die wahrscheinlich nicht existiert.
17.01.2025. Wie der Austausch von 33 Geiseln gegen tausend Terroristen und andere Häftlinge in Israel einzuschätzen ist, wird aus den Medien nicht ganz klar. Aber immerhin ist die Hamas entscheidend geschwächt, notiert die Zeit, während Israel sich laut Jüdischer Allgemeiner mit Bangigkeit und Hoffnung auf die Rückkehr der ersten Geiseln vorbereitet. Die taz freut sich, dass die Ukraine und Polen die einstigen blutigen Konflikte in Wolhynien jetzt gemeinsam aufarbeiten. In der New York Times erklärt John McWhorter den Unterschied zwischen einer "Actress" und einem "Female Actor".
16.01.2025. Die Aufarbeitung der Assad-Diktatur muss so schnell wie möglich erfolgen, ruft der Historiker Hubertus Knabe in der Welt. Im Spon-Interview will die Historikerin Margit Reiter die FPÖ als das bezeichnet wissen, was sie ist: rechtsextrem. Die taz fragt, wie Elon Musks Aufwachsen im Südafrika der Apartheid seine spätere Weltsicht prägte. Marko Martin wundert sich bei libmod.de schon gar nicht mehr über die Fadenscheinigkeit der BSW-Friedensrhetorik. Die Zeit fragt, ob die Christen in Syrien die neuen Machthaber begrüßen dürfen oder fürchten müssen.
15.01.2025. Im Guardian rät Timothy Garton Ash den liberalen Demokratien, sich die Nase zuzuhalten und Geschäfte mit China zu machen. In der Welt will sich Slavoj Zizek an der Hoffnung festhalten, dass Russlands Bereitschaft zum Sterben eine Täuschung ist. Armin Nassehi zerlegt in der FAZ die "Pose der Disruption" der libertären Rechten. Die NZZ erklärt, weshalb die Regierung in Südkorea nie die Militärdiktatur aufgearbeitet hat.
14.01.2025. Nur ein autokratisches Regime kann auf die absurde Idee kommen, eine Regierung beauftrage Schriftsteller, um einen anderen Staat zu destabilisieren, schreibt Claus Leggewie mit Blick auf Algerien im Perlentaucher. Die FAZ befürchtet, dass der Krieg in der Ukraine eine territorialpolitische Lawine in Europa auslöst. Vergesst den Krieg im Sudan nicht, warnt der Guardian. Bei SpOn wirft die österreichische Schriftstellerin Raphaela Edelbauer einen Blick auf die Kulturpolitik unter der FPÖ. Und Mathias Döpfner kündigt an: In seiner Zeitung gibt es künftig noch mehr Meinungen.
13.01.2025. Zwei wichtige Artikel über das "unmenschliche, schreckliche und hoffnungslose Massaker", angerichtet von den Russen in der Ukraine. In der taz erzählt der Reporter Juri Larin , was es heißt, die Kleinstadt Wowtschansk zu besuchen. In der NZZ schreibt Sergej Gerassimow: "Abertausende von Artilleriegranaten pflügen das Land immer neu um und verwandeln die Wälder in eine Art riesige Haarbürste." In der SZ macht sich der ehemalige Obama-Berater Samuel Issacharoff keine allzu großen Sorgen um die amerikanische Demokratie unter Trump - allenfalls das Ausland müsse leiden. Und laut FAZ wird in der Alice-Salomon-Hochschule immer mal wieder etwas von den Wänden gerissen.