9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Die Zeit der Ausreden ist vorbei

11.01.2025. In der FAS schildert Ronya Othmann nach einer Reise durch Syrien, was dem Land unter den neuen Machthabern blühen könnte. In der taz skizziert die Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl die faschistischen Obsessionen des Elon Musk, etwa im Hinblick auf Geburtenraten. Ebenfalls in der taz erinnert der Sozialwissenschaftler Timm Graßmann linke Russlandversteher an Marx' kritische Sicht auf das autokratische Russland. Der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecký rät jenen, die glauben, AfD oder FPÖ würden sich bei Regierungsbeteiligung selbst entzaubern, in der FAZ zu einem Blick in sein Heimatland. Und die SZ erklärt den Cyberlibertarismus.

Unsere Lust auf Ruhm

10.01.2025. Was bedeutet der Regierungsauftrag für die FPÖ für die AfD, fragt der Historiker Volker Weiß in der SZ und verweist auf die engen Beziehungen zwischen den Parteien. Die westliche Linke lässt laizistische Intellektuelle muslimischen Ursprungs wie Boualem Sansal allein, konstatiert Naïla Chikhi mit Bitterkeit im Perlentaucher. "Wer sich lebenslang als Opfer identifiziert, verleiht dem Täter eine Übermacht", sagt Caroline Fourest an die Adresse von #MeToo-Aktivistinnen in der Welt

Den Kakao, durch den man euch zieht

09.01.2025. Der in Syrien geborene Schriftsteller Rafik Schami fordert in der SZ das Geld des syrischen Volkes von seinen korrupten Eliten zurück - und hofft auf europäische Unterstützung. Der Politologe Thorsten Benner rät in der Zeit zu "widerständiger Gelassenheit" im Umgang mit Elon Musk. Der Postkolonialismus trat einmal gegen die "großen Erzählungen" an, nun ist er selbst zu solch einer geworden, halten die Historiker Robert Gerwarth und Stephan Malinowski in der Zeit fest. Es gibt schon ein Konzept, mit dem man der größten Krise unserer Zeit, dem Klimawandel, beikommen könnte, meinen der Politologe Karsten Fischer und der Soziologe Armin Nassehi in der FAZ: den Inkrementalismus.

Sobald wir ihm nur genug Äxte geben

08.01.2025. In der Welt erklärt Anne Applebaum die Anfälligkeit einiger Deutscher für russische Propaganda mit einem Misstrauen gegenüber dem Liberalismus. Ebenfalls in der Welt denkt Hubertus Knabe über eine Wahrheitskommission nach, um die Verbrechen des Assad-Regimes aufzuklären. In der FAZ analysiert Claus Leggewie den "Neopatrimonalismus" der radikalen Rechten. Keine rechte Partei entlarvt sich durch mehr Macht, hält der österreichische Schriftsteller Elias Hirschl in der SZ fest.

Die Antwort auf ein Buch ist ein Buch

07.01.2025. "Es ist viel klüger, im Osten der Ukraine Krieg mit Russland zu führen, als, sagen wir, im Osten Deutschlands", warnt der Schriftsteller Juri Andruchowytsch in der FAZ und mahnt den Westen, sich endlich wie ein echter Verbündeter zu verhalten. Die Zeitungen erinnern an den islamistischen Anschlag auf Charlie Hebdo vor zehn Jahren. Von der Solidarität kurz nach den Attentaten ist heute in Frankreich nicht mehr viel zu spüren, meint die SZ. Erstmals hat sich Emmanuel Macron zur Verhaftung Boualem Sansals geäußert, und übt deutliche Kritik an der algerischen Regierung, melden französische Medien.

Kein Fortschritt der Menschheit

06.01.2025. In Österreich scheint der Damm gegen die Rechten gebrochen, die taz macht die schwarz-grüne Coronapolitik dafür verantwortlich. Andere Kulturen können großartig, aber auch gefährlich sein. Muslimische Länder haben oft schon in der Erziehung ein Gewaltproblem, erzählt Ayaan Hirsi Ali in der Welt. Für Russen ist der Sieg das wichtigste, warnt Victor Jerofejew in der NZZ. Dass ein friedliches Zusammenleben von Kulturen und Religionen dennoch möglich ist, lernt die FAZ auf Madagaskar. Die FAZ erzählt außerdem, wie sehr Norwegen vom Ukrainekrieg profitiert hat, dafür steht die norwegische Linke stramm wie ein Mann gegen Israel und die winzige jüdische Gemeinde des Landes.

Wann begann der dritte Weltkrieg?

04.01.2025. Die taz begleitet "Weißhelme" bei der Öffnung von Massengräbern in Syrien: Die Bevölkerung soll nicht selber graben, raten sie, "es ist nicht gesund". Der Einfluss Elon Musks auf die deutsche und europäische Politik beschäftigt die Medien nach wie vor. In der SZ warnt der Politologe Aurel Croissant: Demokratien enden heute erst langsam, und dann mit einem Knall. Über den Knall denkt auch Arno Widmann in der FR nach. Nur die FAZ erinnert an den Anschlag auf Charlie Hebdo vor zehn Jahren.

Wir müssen draufhauen, siegen

03.01.2025. Der bevorstehende Amtsantritt Donald Trumps erzeugt bereits eine gewaltige Zugluft in den Medien - der Protagonist ist dabei allerdings Trumps Co-Joker Elon Musk. Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey beschreiben in der FAZ, wie er den Weg nach ganz rechts  ging und dabei Twitter in eine Kriegsmaschine umformte. Sie schlägt gerade in Britannien zu, wo die tatsächlich für alle Seiten äußerst peinlichen "Grooming Gang Scandals" neu thematisiert werden. Außerdem: Südkorea, Russland und die nachlassende Begeisterung für Geisteswissenschaften.

Die Erschütterung der Weltordnung

02.01.2025. Wikimedia feiert den Tag der Gemeinfreiheit, der unter anderem Werke von Frida Kahlo, Henri Matisse, Oscar Straus, Charles Ives, Colette, Robert Capa und Alan Turing von Abgabepflichten befreit. Die taz hofft, dass Deutschland im Umgang mit den syrischen Flüchtlingen nicht die Fehler von 1995 wiederholt. In der FAZ ärgert sich Welt-Chef Jan Philipp Burgard über eine Doppelmoral, die einen Musk-Kommentar in der Welt skandalisiert, einen Putin-Beitrag in der Zeit aber wegsteckt. In der SZ erklärt der Historiker Michael Brenner, warum Israel für Juden so wichtig ist: Es ist der einzige Staat in der Welt, in dem sie keine Minderheit sind.

Es ist Feuer am Dach

31.12.2024. In der SZ warnt der Historiker Quinn Slobodian vor den drei Säulen der neurechten Ideologie der jüngsten Marktradikalen: Gold, IQ und Rassismus. Wir steuern auf eine katastrophale Zukunft zu, aber Verharren in der Opferrolle bringt ja auch nichts, meint der Historiker Philipp Blom in der Welt. In der Zeit schildert der Menschenrechtsaktivist Maksym Butkevych die brutalen Haftbedingungen in Russland. Die Russen können durchaus wissen, was vor sich geht, denn so restriktiv ist der russische Buchmarkt keineswegs, bemerkt die NZZ.