9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Eine große, ängstliche Familie

18.10.2024. Mit der Idee, 3sat mit Arte zu fusionieren, als wäre Arte allein ihr Sender, könnten die Funktionäre der Öffentlich-Rechtlichen auch die Debatte über Arte in Frankreich anheizen - denn der Front national hasst Arte, lernen wir in der Welt. Im Tagesspiegel fordert die polnische Politologin Edit Zgut-Przybylska, dass die EU unabhängige Medien in Ungarn fördert. Wie wichtig ist "Demokratieförderung", wie fatal ist Kulturförderung, fragen taz und Berliner Zeitung. Fania Oz-Salzberger beschreibt in einem schlaglichthaften Tweet die Stimmung in Israel nach der Tötung des obersten Hamas-Schlächters Yahya Sinwar.

Das dritte Projekt der Moderne

17.10.2024. In seiner Rede zur Verleihung des Thomas-Mann-Preises, erzählt Navid Kermani in der Zeit davon, wie er ein Jahr vor der Iranischen Revolution, Ajatollah Chomeini in Paris begegnete. In der NZZ zeichnet der Politikwissenschaftler Michael Borchard die schwierige Beziehung zwischen der UNO und Israel seit 1947 nach. Es gab nicht nur europäische Aufklärer, erinnert die Kulturwissenschaftlerin Liliane Weissberg anlässlich einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Der Generalmusikdirektor der Staatsoper Christian Thielemann warnt in der SZ eindringlich vor den geplanten Einschnitten im Kulturetat.

Das Recht auf zitternde Knie

16.10.2024. Die SZ sondiert die Lage vor den Wahlen in der Republik Moldau, die mit russischer Propaganda geflutet wird. In der Türkei gibt es immer mehr Gewalt gegen Frauen, hält die FAZ fest, Erdogan hetzt derweil gegen Israel. Die Welt nimmt Chinas Inszenierung als Friedensvermittler in der Ukraine und im Nahen Osten genauer unter die Lupe. Französische Juden dürfen sich nicht aus der Linken vertreiben lassen, glaubt der Philosoph Bruno Karsenti in der Jungleworld.  In der taz geben Rana Salman und Eszter Koranyi von der "NGO Combatants for Peace" die Hoffnung auf eine Zweistaatenlösung nicht auf.

Klar hätte jeder gerne Frieden

15.10.2024. Die SZ druckt die Rede von Eva Illouz zur Verleihung des Aby-Warburg-Preises, in der sie die Blindheit vieler Intellektueller in Bezug auf Nahost anprangert. In der taz erklärt die queere und schwarze Aktivistin Michaela Dudley, warum bei vielen Schwarzen die Solidarität mit den "propalästinensischen" Studenten schwindet. Wenn man anti-aufklärerische Tendenzen aufspüren will, sollte man sich zuerst einmal in seinem eigenen Milieu umschauen, meint der Philosoph Wolfram Eilenberger in der Zeit. Im Zeit Online-Interview graut dem Regisseur Leander Haußmann vor dem Führerinnen-Kult des BSW: Nicht mal die KPDSU habe sich in "Stalin-Partei" umbenennen lassen.

Umgang mit Negativereignissen

14.10.2024. Die taz erinnert an Joseph Wulf,  Pionier der Holocaustforschung, der sich vor fünfzig Jahren das Leben nahm. Im Spiegel spricht Andreas Reckwitz offen über Verluste. Die FAZ stellt Befunde des Soziologen Lev Gudkov über die russische Gesellschaft vor: Man ist sich einig in der Anbetung von Brutalität. In Le Point schildert ein Funktionär des französischen Bildungsministeriums die Angst unter Lehrern vor Islamismus - und die mangelnde Solidarität der Behörden. Le Point erzählt auch, warum Kamel Daoud seinen neuen Roman nicht in Algerien präsentieren darf.

Zwei Körper in einem Raum

12.10.2024. In der taz schildert Irina Scherbakowa von Memorial ihre Enttäuschung über die russische Öffentlichkeit und den Westen nach dem Einmarsch Putins in der Ukraine. In der Welt bezweifelt Anne Applebaum, dass es Netanjahu und Khamenei zu einem richtigen Krieg kommen lassen, beide seien zu sehr an ihrer persönlichen Macht interessiert. Tagesspiegel und taz recherchieren zu internationalen Netzwerken, die hinter "propalästinensischen" Aktivisten in Berlin stecken, Russland mischt auch mit. Und auch die Suhrkamp-Krise beschäftigt die Zeitungen weiter.

Byzantinisch verwinkelte Einrichtung

11.10.2024. Russland stuft westliche Organisationen wie die "Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde" wegen einer Nummer der Zeitschrift Osteuropa als "extremistisch" ein - die FAZ zeigt auf, welche Folgen das hat, bis hin zu gehackten E-Mails. Der Falter beleuchtet die Abgeordneten der FPÖ, die demnächst ins österreichische Parlament einziehen, ein Sammelsurium, das Karl Kraus grimmige Freude gemacht hätte. Auf Twitter zirkuliert ein Video, in dem Ta-Nehisi Coates sein Verständnis für die Gewalt der Hamas bekundet.

Das Virus des Absurden

10.10.2024. Die Schriftstellerin Nino Haratischwili fordert im taz-Interview die Unterstützung der georgischen Opposition durch Europa. Der Historiker Jörg Baberowski erklärt im Zeit-Interview, warum er seine Geschichte Russlands von "oben" und nicht aus Sicht des Volkes geschrieben hat. Die FAZ liest die Autobiografie Boris Johnsons und erinnert sich, wie dieser die Ära des Absurden in der Politik einläutete. Saudi-Arabien könnte einen größeren Konflikt im Nahen Osten verhindern, hält der Tagesspiegel fest.

Ursuppe der Grenzenlosigkeit

09.10.2024. Kamala Harris macht das Rennen, prognostiziert auf Zeit Online der Historiker Allan Lichtman, der bisher bei neun von zehn Präsidentschaftswahlen richtig lag. Die SZ blickt mit den Journalisten Russ Buettner und Susanne Craig indes hinter die Kulissen des Fake-Imperiums von Donald Trump. Im Zeit-Gespräch geht Anne Applebaum mit Merkels Russland-Politik ins Gericht. Gläubige Patrioten müssen nicht rechnen können, entnimmt die taz dem neuen Lehrplan in der Türkei. Und in der FAZ kann Suhrkamps neuer Eigentümer Dirk Möhrle über 270.000 Euro Miese nur schmunzeln.

Massive Überfüllungskrise

08.10.2024. Auch heute dominiert noch der Jahrestag der Hamas-Pogrome in den Medien. Es gibt viel Kritik an der israelischen Regierung, auch aus der Sicht der Geiselangehörigen. Netanjahu hat den "ganzen Staat als Geisel" genommen, schreibt in der Welt Zeruya Shalev. In der FAZ schildert Orna von Fürstenberg  die Ausgrenzung jüdischer Wissenschaftler an den Universitäten. Auch die Suhrkamp-Krise beschäftigt die Zeitungen weiter.