9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
24.09.2024. Nach den Wahlen in Brandenburg herrscht bei vielen Autoren Katzenjammer. Daniel Schulz erzählt in der taz, wie dominerend die rechtsextreme Kultur in den Neuen Ländern jetzt schon ist: "Die AfD wird in keinem ostdeutschen Bundesland mitregieren. Aber die Angst vor ihr regiert bereits." In mehreren Texten wird geraten, sich nicht von der AfD treiben zu lassen, so auch von Svenja Flaßpöhler in der Welt. Im NDR rät der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk von Koalitionen mit dem BSW ab. In der Welt schildert Adam Krzeminski die polnische Angst vor Deutschlands Ukraine-Politik.
23.09.2024. Waffenlieferungen an die Ukraine sind weiterhin nötig, insistiert der Politikwissenschaftler Jonas Driedger im Tagesspiegel. Aber die FAS notiert auch, wie SPD und CDU vor Sahra Wagenknecht weiche Knie bekommen und lieber nicht über Taurus sprechen. Unterdessen bereitet China zusammen mit Brasilien einen "Friedensplan" vor, der so tut, als hätten Russland und die Ukraine gleichermaßen Anteil am Ausbruch des Kriegs, notiert Richard Herzinger in seinem Blog. Die taz begrüßt einen neuen Player in der deutschen Medienlandschaft: den Döpfner Verlag.
21.09.2024. In Malis Hauptstadt Bamako kamen am Dienstag bei zwei Angriffen einer Al-Qaida-Terrortruppe siebzig Menschen ums Leben - die NZZ fragt, ob die Sahelzone in Chaos versinkt. In den deutschen Medien wird über "Brandmauer" und "Ausschließeritis" diskutiert, was aber nicht dasselbe ist. Anders als Dirk Oschmann glaubt Lea Streisand in der taz nicht, dass der Westen den Osten erfunden hat - im Gegenteil, er will so wenig wie möglich mit ihm zu tun haben.
20.09.2024. In der Welt spricht der französische Philosoph Raphaël Enthoven über die Extreme in der französischen Politik. Der Guardian entblödet sich nicht, den BDS-Gründer Omar Barghouti eine UN-Resolution gegen Israel zu feiern zu lassen - er sieht sich als Opfer des israelischen Faschismus und kommt ganz ohne Erwähnung der Pogrome des 7. Oktober aus. In der FAZ warnt der Migrationsexperte Gerald Knaus: Wer irreguläre Migration nicht bekämpft, nützt Putin und seinen rechtsradikalen Sprachrohren in der EU.
19.09.2024. Im Spiegel verwahrt sich Joe Chialo gegen Rassismusvorwürfe, besteht auf der Antisemitismusklausel und fordert einen Gedenkort für die Verbrechen des Kolonialismus in Berlin. Die FAZ fragt: Warum bleibt die österreichische Kulturszene angesichts eines drohenden FPÖ-Kanzlers so merkwürdig stumm? In der NZZ erklärt der Politikberater Morten Lisborg, warum Asylbewerber seiner Meinung nach außerhalb der EU untergebracht werden sollten. Die israelische Pager-Attacke auf die Terroristen der Hisbollah widerspricht nicht dem Völkerrecht, meint die SZ.
18.09.2024. Die Detonation Hunderter Pager der Hisbollah war vielleicht eine strategische Meisterleistung im Detail, Frieden im Nahen Osten rückt damit nicht näher, fürchten FAZ und der Spiegel. In der NZZ erinnert der Schriftsteller Chaim Noll daran, wie Britannien versuchte, europäische Juden während des Holocausts an der Flucht nach Israel zu hindern. In der taz erklärt der Politologe Alexander Düben, warum er nach neun Jahren Forschung an einer chinesischen Universität des Landes verwiesen wurde. Übergriffig findet in der Welt der Politikwissenschaftler Michael Bröning die Vorschläge eines Bürgerrats zur Verhinderung von Fake-News.
17.09.2024. Putin wäre gern unsterblich, fürchtet Viktor Jerofejew in der FAZ - und er arbeitet dran. Die Debatte um die Migrationspolitik in Deutschland geht weiter. Die SZ und andere Medien werten russische Dokumente aus, die die Strategien der Desinfomation zeigen. Die taz erzählt, wie in der Westukraine, die seinerzeit zu Polen gehörte, an den Hitler-Stalin-Pakt erinnert wird, mit dem für diese Gebiete der Zweite Weltkrieg anfing.
16.09.2024. Überall wird über Migration diskutiert, aber vielleicht sollte man nach einer Spiegel-Recherche auch mal über die "Geschäftsgeheimnisse" reden, die sonst noch mit der Flüchtlingspolitik verbunden sind. Im Standard ruft der Schriftsteller Lukas Meschik dazu auf, die verständlichen und unverständlichen Gründe zu finden, aus denen Menschen die 'falschen' Parteien wählen. Der Staat fördert zu viel, meint der Spiegel, zu wenig, meint Soziologe Andreas Willisch in der taz, und auf jeden Fall falsch, meint der Caritas-Experte Georg Cremer in der FAZ.
14.09.2024. Die Zeitungen stellen sich heute überwiegend gegen die verschärfte deutsche Asylpolitik: Im Guardian warnt der Migrationsforscher Maurice Stierl vor einer Kettenreaktion in ganz Europa, die taz versammelt Stimmen von Künstlern und Intellektuellen, darunter Michel Friedman und Ilko-Sascha Kowalczuk, die für ein offenes Europa einstehen, während Spon und ZeitOnline auf die Probleme jenseits der Migration hinweisen. Im Tagesspiegel findet Sahra Wagenknecht, es sei an der Zeit, dass die Ukraine "Kompromisse schließt". In der FR hält Wolfram Eilenberger Jürgen Habermas für einen "Machtkarrieristen" - überhaupt haben wir seit den Achtzigern keine großen Figuren in der Philosophie mehr gesehen, meint er.
13.09.2024. In der SZ beklagt Mirjam Zadoff, Leiterin des Münchner NS-Dokumentationszentrums, es werde zu wenig darüber gesprochen, dass Rechtsextremismus und Islamismus "auf immer gefährlichere Weise" Hand in Hand gehen. Warum müssen wir darüber diskutieren, "ob Islamophobie virulenter ist als Antisemitismus", fragt die Philosophin Seyla Benhabib in ihrer Paulskirchen-Rede. Die SZ fordert, Björn Höcke mit einem politischen Aktionsverbot zu belegen. Zeit Online schaut eine Propagandasendung des Kremls, in der Sahra Wagenknecht dem Osten die "blühende DDR" zurückbringt.