9punkt - Die Debattenrundschau
Heute ist davon nichts übrig geblieben
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.08.2026. In der NZZ erzählt der russische Journalist Andrei Kolesnikow, wie wenig Perspektiven jungen Russen inzwischen noch bleiben. Der Guardian beobachtet, wie sehr sich das polnisch-ukrainische Verhältnis schon wieder abgekühlt hat. In der Jüdischen Allgemeinen empfiehlt Götz Aly, alle Subventionen zu kürzen, um von oben nach unten umzuverteilen. Alle 30 Minuten stirbt ein Mensch im Osten der Demokratischen Republik Kongo an Ebola, berichtet die SZ. Das Russische Haus in Berlin steht im Verdacht, vom Kreml für Spionage genutzt zu werden: Der Tagesspiegel überlegt, welche Auswirkungen Sanktionen auf das Goethe-Institut in Moskau hätten.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
26.08.2026
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Europa
Der russische Journalist Andrei Kolesnikow blickt in der NZZ auf die junge Generation in Russland, der in Putins Diktatur wenig Perspektiven bleiben: "In den achtziger Jahren kamen die Punks an die Kasse. Die politisch aktiven Jugendlichen schlossen sich damals den 'neformaly' an - den informellen Bewegungen ausserhalb von KP und Komsomol. In den Jahren des Wohlstands nach der Jahrtausendwende zerfielen die Fronten zwischen den Generationen - Ältere und Jüngere trafen sich in hippen Cafés, wo man sich freimütig austauschte und das Dasein in Frieden genoss. Heute ist davon nichts übrig geblieben - die aufgeweckten jungen Leute sind entweder in den Westen abgewandert oder verkriechen sich zu Hause in ihren Küchen. Derweil sind die Verhaltensmuster der Ordnungskräfte von damals zurück, und genauso wie vor vielen Jahrzehnten ärgern sich die Behörden über lange Haare. Der Kreis der Geschichte schließt sich: Polizeiwagen stehen vor Jugendtreffs, besonders freitags, wenn das gemeinsame Trinken in Großstädten epidemisch wird."
Das polnisch-ukrainische Verhältnis hat sich schon wieder deutlich abgekühlt, entnimmt Mateusz Mazzini (Guardian) einer Meinungsumfrage von Polens größtem Meinungsforschungsinstitut CBOS: 52 Prozent der Polen sind inzwischen gegen eine Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge. Dazu trug unter anderem bei, dass Selenskyj eine Militäreinheit nach der ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) benannt hatte, durch die 1943 etwa 100.000 Polen massakriert wurden. Zudem habe Polen "nicht vollständig erkannt, dass die Ukrainer nicht nur hilflose Opfer von Wladimir Putin waren, sondern eigenständige Menschen mit Handlungsfähigkeit. Sobald es ihnen möglich war, zogen viele ukrainische Flüchtlinge aus den Wohnzimmern ihrer Gastgeber aus und mieteten oder kauften Wohnungen. Sie gründeten Unternehmen, von denen viele heute florieren, und schufen eine starke Gemeinschaft, die oft in direkten Wettbewerb mit der lokalen Bevölkerung trat. Sie weigerten sich, sich wie dankbare oder passive Empfänger polnischer Wohltätigkeit zu verhalten. Dies ist eine verständliche, ja sogar wünschenswerte Entwicklung, doch in der Folge verlor das Mitgefühl seine Bedeutung als Grundlage der Beziehung zwischen Polen und Ukrainern. Für Polen, ein Land, das seit der Nachkriegszeit fast vollständig ethnisch homogen ist, wurde es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, mit einer solchen Veränderung umzugehen."
In der FAZ überlegt Oliver Binz, Dozent für Rechnungswesen an der European School of Management and Technology in Berlin, wie ein zeitgemäßer deutscher Patriotismus gelingen könnte, der die Grenze zum Nationalismus streng einhält. Dieser "müsste sich auf Leistungen statt auf Abstammung gründen", etwa das Grundgesetz, die Wiedervereinigung, ein funktionierender Rechtsstaat, eine Wissenschaftslandschaft von Weltrang. "Zweitens müsste er als Ergänzung der europäischen Integration verstanden werden, nicht als ihr Gegensatz. Die Voraussetzungen dafür sind besser denn je: Eine junge Generation, die selbstverständlich Englisch spricht, in Erasmus-Netzwerken studiert und europäisch arbeitet, kann nationale Bindung und europäische Koordination als Komplemente leben. … Drittens braucht Patriotismus Orte und Rituale. Die neue verpflichtende Musterung könnte mehr sein als ein Verwaltungsakt, nämlich der Moment, in dem der Staat jedem jungen Menschen erklärt, was das Gemeinwesen für ihn tut und was es von ihm erwartet. Schulen könnten die Geschichte von 1848, 1949 und 1989 als das erzählen, was sie ist: eine Geschichte, auf die man stolz sein kann, ohne 1933 zu relativieren."
Eine "Volksfront" der demokratischen Parteien gegen die AfD sei "Insolvenzverschleppung", meint im Interview mit Michael Thaidigsmann von der Jüdischen Allgemeinen der Historiker Götz Aly. Stattdessen müsse das bürgerliche Lager endlich zu einer klaren Haltung finden: "Sie dürfen sich nicht ständig an Nebenkriegsschauplätzen aufhalten, sondern notwendige Reformen durchsetzen und deren Notwendigkeit beharrlich erklären. Man könnte zum Beispiel alle Subventionen um fünf Prozent kürzen - egal, ob es die Stahlindustrie, Lieblingsprojekte der Kultur, Agrardiesel oder Ökobauernhöfe trifft. Oder man nutzt den Bundeszuschuss im Rentensystem, um von oben nach unten umzuverteilen und so die Grundsicherung zu entlasten, anstatt auf Kosten künftiger Generationen nur Besitzstandswahrung zu betreiben. Leider traut sich bislang keiner, so etwas zu machen."
"Wir haben ein großes Unterwanderungsproblem", sagt der Journalist Sascha Adamek im Interview mit Ninve Ermagan (Jüdische Allgemeine): "Islamisten, insbesondere aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, nehmen gezielt Institutionen und Parteien ins Visier." Beim Halal-Siegel etwa nehme "der Druck auf türkische und arabische Händler zu, ein solches Siegel zu führen. Plakativ gesagt: Am Dönerstand gibt es dann irgendwann kein Bier mehr." Er fordert eine "Demokratieerklärung: Wer sich nicht klar zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt oder Verbindungen in dieses Milieu hat, bekommt kein Geld. Alle NGO-Förderungen gehören auf den Prüfstand - wer wirklich gegen Menschenfeindlichkeit arbeitet, wird weiter gefördert, wer Ideen des politischen Islam transportiert, nicht mehr."
Weitere Artikel: Stolz berichtet die deutsche Schriftstellerin Anne Weber in der FAZ von ihrer Einbürgerung in Frankreich, für die sie allerdings nach der Verschärfung der Gesetze in Frankreich allerhand Hürden überwinden musste: "Ich musste nachweisen, dass mein Mann und sogar meine Schwiegermutter in den letzten drei Jahren ihre Steuern ordentlich bezahlt haben." Im Welt-Kommentar gibt Ulf Poschardt der AfD Benimmtipps, damit es mit dem politischen Erfolg auch wirklich klappt.
Das polnisch-ukrainische Verhältnis hat sich schon wieder deutlich abgekühlt, entnimmt Mateusz Mazzini (Guardian) einer Meinungsumfrage von Polens größtem Meinungsforschungsinstitut CBOS: 52 Prozent der Polen sind inzwischen gegen eine Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge. Dazu trug unter anderem bei, dass Selenskyj eine Militäreinheit nach der ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) benannt hatte, durch die 1943 etwa 100.000 Polen massakriert wurden. Zudem habe Polen "nicht vollständig erkannt, dass die Ukrainer nicht nur hilflose Opfer von Wladimir Putin waren, sondern eigenständige Menschen mit Handlungsfähigkeit. Sobald es ihnen möglich war, zogen viele ukrainische Flüchtlinge aus den Wohnzimmern ihrer Gastgeber aus und mieteten oder kauften Wohnungen. Sie gründeten Unternehmen, von denen viele heute florieren, und schufen eine starke Gemeinschaft, die oft in direkten Wettbewerb mit der lokalen Bevölkerung trat. Sie weigerten sich, sich wie dankbare oder passive Empfänger polnischer Wohltätigkeit zu verhalten. Dies ist eine verständliche, ja sogar wünschenswerte Entwicklung, doch in der Folge verlor das Mitgefühl seine Bedeutung als Grundlage der Beziehung zwischen Polen und Ukrainern. Für Polen, ein Land, das seit der Nachkriegszeit fast vollständig ethnisch homogen ist, wurde es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, mit einer solchen Veränderung umzugehen."
In der FAZ überlegt Oliver Binz, Dozent für Rechnungswesen an der European School of Management and Technology in Berlin, wie ein zeitgemäßer deutscher Patriotismus gelingen könnte, der die Grenze zum Nationalismus streng einhält. Dieser "müsste sich auf Leistungen statt auf Abstammung gründen", etwa das Grundgesetz, die Wiedervereinigung, ein funktionierender Rechtsstaat, eine Wissenschaftslandschaft von Weltrang. "Zweitens müsste er als Ergänzung der europäischen Integration verstanden werden, nicht als ihr Gegensatz. Die Voraussetzungen dafür sind besser denn je: Eine junge Generation, die selbstverständlich Englisch spricht, in Erasmus-Netzwerken studiert und europäisch arbeitet, kann nationale Bindung und europäische Koordination als Komplemente leben. … Drittens braucht Patriotismus Orte und Rituale. Die neue verpflichtende Musterung könnte mehr sein als ein Verwaltungsakt, nämlich der Moment, in dem der Staat jedem jungen Menschen erklärt, was das Gemeinwesen für ihn tut und was es von ihm erwartet. Schulen könnten die Geschichte von 1848, 1949 und 1989 als das erzählen, was sie ist: eine Geschichte, auf die man stolz sein kann, ohne 1933 zu relativieren."
Eine "Volksfront" der demokratischen Parteien gegen die AfD sei "Insolvenzverschleppung", meint im Interview mit Michael Thaidigsmann von der Jüdischen Allgemeinen der Historiker Götz Aly. Stattdessen müsse das bürgerliche Lager endlich zu einer klaren Haltung finden: "Sie dürfen sich nicht ständig an Nebenkriegsschauplätzen aufhalten, sondern notwendige Reformen durchsetzen und deren Notwendigkeit beharrlich erklären. Man könnte zum Beispiel alle Subventionen um fünf Prozent kürzen - egal, ob es die Stahlindustrie, Lieblingsprojekte der Kultur, Agrardiesel oder Ökobauernhöfe trifft. Oder man nutzt den Bundeszuschuss im Rentensystem, um von oben nach unten umzuverteilen und so die Grundsicherung zu entlasten, anstatt auf Kosten künftiger Generationen nur Besitzstandswahrung zu betreiben. Leider traut sich bislang keiner, so etwas zu machen."
"Wir haben ein großes Unterwanderungsproblem", sagt der Journalist Sascha Adamek im Interview mit Ninve Ermagan (Jüdische Allgemeine): "Islamisten, insbesondere aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, nehmen gezielt Institutionen und Parteien ins Visier." Beim Halal-Siegel etwa nehme "der Druck auf türkische und arabische Händler zu, ein solches Siegel zu führen. Plakativ gesagt: Am Dönerstand gibt es dann irgendwann kein Bier mehr." Er fordert eine "Demokratieerklärung: Wer sich nicht klar zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt oder Verbindungen in dieses Milieu hat, bekommt kein Geld. Alle NGO-Förderungen gehören auf den Prüfstand - wer wirklich gegen Menschenfeindlichkeit arbeitet, wird weiter gefördert, wer Ideen des politischen Islam transportiert, nicht mehr."
Weitere Artikel: Stolz berichtet die deutsche Schriftstellerin Anne Weber in der FAZ von ihrer Einbürgerung in Frankreich, für die sie allerdings nach der Verschärfung der Gesetze in Frankreich allerhand Hürden überwinden musste: "Ich musste nachweisen, dass mein Mann und sogar meine Schwiegermutter in den letzten drei Jahren ihre Steuern ordentlich bezahlt haben." Im Welt-Kommentar gibt Ulf Poschardt der AfD Benimmtipps, damit es mit dem politischen Erfolg auch wirklich klappt.
Politik
Alle 30 Minuten stirbt ein Mensch im Osten der Demokratischen Republik Kongo an Ebola, berichtet Judith Raupp in der SZ. Die Lage ist katastrophal, auch deshalb, weil die Menschen kein Vertrauen mehr in Hilfsorganisationen und den korrupten Staat haben, Sanitäter werden angegriffen, Menschen widersetzen sich der Behandlung. So erzählt es Raupp der Arzt Moubarack Kano: "Hört man Kano und anderen einheimischen Ärzten zu, entsteht der Eindruck, dass der Kampf gegen Ebola zumindest in Teilen völlig chaotisch verläuft. Selbst das Personal, das sein Leben für die Patienten riskiert, wird nicht bezahlt. Und das, obwohl die internationale Gemeinschaft Kongo eine Milliarde Dollar zugesagt hat. Davon sind laut der Afrikanischen Union bereits 700 Millionen Dollar verfügbar. Kano und viele seiner Kollegen sind am Ende ihrer Geduld. Sie streiken immer wieder. Und sie überbrachten dem Gouverneur der Provinz ein Memo, in dem sie ihr Gehalt und Respekt einfordern. 'Kurz darauf wurde ich verhaftet. Ein Offizier des Geheimdienstes hat mich mit der Waffe bedroht', erzählt Kano. Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuß, muss sich aber vor Gericht verantworten. Er wird verdächtigt, der Nation nicht loyal zu dienen."
Die unter Pseudonym schreibende iranische Autorin Nona sendet der FAZ einen Brief aus dem Iran, in dem sie erzählt, wie Angst, Depression und Tod die Gesellschaft lähmen: "Eine junge Frau, mit der ich vor einigen Jahren eine Zeit lang befreundet war, hatte einen Herzstillstand. Aber ihr Hals sah in Wirklichkeit so aus, als wäre sie erhängt worden. Und um ihren Tod herrscht ein seltsames Schweigen. Jetzt beschäftigt mich die Frage, ob dieses Mädchen durch Alkohol und Tabletten eine Überdosis genommen hatte oder ob sie bei den Protesten festgenommen und hingerichtet worden war. Denn sie trank Alkohol und war zugleich politisch aktiv und protestierte."
Derweil berichtet Teseo La Marca in der taz von einem Gesetzesentwurf im Iran, der die Freiheit von Forschung, Kunst und Medien noch weiter einschränken soll: "Der Entwurf trägt den Titel 'Bekämpfung des Einflusses ausländischer Geheimdienste, Regierungen und Organisationen'. Eigentlich soll er die Infiltration des Landes durch ausländische Agenten abwehren. Tatsächlich stellt er Forschende, Studierende sowie Kunst- und Medienschaffende unter einen generellen Spionageverdacht. Konkret sieht der Entwurf vor, dass jede Form des Austauschs mit ausländischen Organisationen, besonders aus dem Westen, von der iranischen Regierung geprüft und genehmigt werden muss. Kurse und Veranstaltungen, die ausländische Staaten unterstützen, würden für die Veranstalter Haftstrafen und für die Teilnehmenden Bußgelder nach sich ziehen. Außerdem müssten Bildungseinrichtungen verpflichtende Kurse über 'feindliche Infiltration' in ihre Lehrpläne aufnehmen."
Die unter Pseudonym schreibende iranische Autorin Nona sendet der FAZ einen Brief aus dem Iran, in dem sie erzählt, wie Angst, Depression und Tod die Gesellschaft lähmen: "Eine junge Frau, mit der ich vor einigen Jahren eine Zeit lang befreundet war, hatte einen Herzstillstand. Aber ihr Hals sah in Wirklichkeit so aus, als wäre sie erhängt worden. Und um ihren Tod herrscht ein seltsames Schweigen. Jetzt beschäftigt mich die Frage, ob dieses Mädchen durch Alkohol und Tabletten eine Überdosis genommen hatte oder ob sie bei den Protesten festgenommen und hingerichtet worden war. Denn sie trank Alkohol und war zugleich politisch aktiv und protestierte."
Derweil berichtet Teseo La Marca in der taz von einem Gesetzesentwurf im Iran, der die Freiheit von Forschung, Kunst und Medien noch weiter einschränken soll: "Der Entwurf trägt den Titel 'Bekämpfung des Einflusses ausländischer Geheimdienste, Regierungen und Organisationen'. Eigentlich soll er die Infiltration des Landes durch ausländische Agenten abwehren. Tatsächlich stellt er Forschende, Studierende sowie Kunst- und Medienschaffende unter einen generellen Spionageverdacht. Konkret sieht der Entwurf vor, dass jede Form des Austauschs mit ausländischen Organisationen, besonders aus dem Westen, von der iranischen Regierung geprüft und genehmigt werden muss. Kurse und Veranstaltungen, die ausländische Staaten unterstützen, würden für die Veranstalter Haftstrafen und für die Teilnehmenden Bußgelder nach sich ziehen. Außerdem müssten Bildungseinrichtungen verpflichtende Kurse über 'feindliche Infiltration' in ihre Lehrpläne aufnehmen."
Kulturpolitik
In Berlin wird über Sanktionen gegen das Russische Haus diskutiert, berichtet Gerrit Bartels im Tagesspiegel. In einem Bericht des französischen Innenministeriums vor zwei Wochen (unter anderem SZ, WDR und Tagesspiegel berichteten) hieß es, dass das Haus von russischen Geheimdiensten genutzt werde und von dort womöglich Spionage betrieben werden würde. Eine Schließung hätte allerdings direkte Auswirkungen auf das Goethe-Institut in Moskau. Denn zwei Abkommen regeln den jeweiligen Umgang mit den Kulturinstitutionen: "Das eine hat eine Laufzeit von 99 Jahren und verpflichtet beide Staaten vertraglich, unter anderem die Grundsteuer für das jeweilige Gebäude des Partnerlandes zu übernehmen. Das andere wiederum, das 1993 in Kraft trat und die kulturelle Zusammenarbeit regelt, kann alle fünf Jahre gekündigt werden, so auch Ende dieses Jahres, was eine Schließung des Russischen Hauses spätestens im Sommer 2027 zur Folge haben könnte. Zum anderen aber ist man bei der Bundesregierung mutmaßlich auch deshalb zögerlich, weil der Kontakt zur russischen Zivilgesellschaft aufrechterhalten werden soll und man mit den Kulturprojekten des Goethe-Instituts vielleicht wirklich weiterhin 'zur Entwicklung demokratischer Strukturen in Russland beitragen' möchte, wie es auf der Website des Moskauer Goethe-Hauses heißt."
Kulturmarkt
Andreas Platthaus atmet in der FAZ auf. Eine aktuelle Studie im deutschsprachigen Raum hat ergeben: Mehr als siebzig Prozent der 6400 Befragten lesen regelmäßig mindestens eine Stunde die Woche. Am meisten lesen junge Menschen, erfahren wir. "Besonders interessant wird die Studie dadurch, dass auch die politische Selbstverortung der Teilnehmer erfragt wurde. Als extrem unterschiedlich erwiesen sich die Lesepräferenzen von Links und Rechts. Letztere Gruppe liest doppelt so viele historische Sachbücher, und ein ähnliches Verhältnis ergibt sich bei historischen Romanen und Ratgebern; umgekehrt verhält es sich bei literarischen Neuerscheinungen und politischen Sachbüchern. Einig sind sich die politischen Extreme in ihrer jeweils mehrheitlichen Meinung, dass KI eher schade als nutze."
Wissenschaft
In der SZ resümiert Jens-Christian Rabe die von Armin Nassehi angestoßene Diskussion, ob die Soziologie zu links sei (unser Resümee). Inhaltlich will sich Rabe kein Urteil erlauben, er fragt sich allerdings "ob es gerade wirklich der richtige Moment für Debatten dieser Art ist. Die Wissenschaft operiert ja nicht irgendwo jenseits der Gesellschaft. Und für den liberalen Rechtsstaat mit Prinzipien wie Menschenwürde und universellen Menschenrechten wenigstens scheint derzeit eine ideologisch etwas nach links tendierende (Geistes- und Sozial-)Wissenschaft eher nicht das zentrale Problem. Den rechten Kulturkämpfern wiederum passt das Thema allerbestens in den Plan. Ganz abgesehen davon, dass mit dem Vorwurf des Linksdralls in den USA die Trump-Regierung längst begonnen hat, politisch unliebsamen Universitäten und Forschenden Mittel und Zuschüsse zu entziehen."
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