9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
16.06.2026. Trumps "Deal" mit dem Iran ist eine Katastrophe, und zwar für Trump, Israel, den Iran und Europa, resümieren die Zeitungen. Wenn Nabobs versagen, bauen sie sich Denkmäler, schreibt Tina Brown in ihrem Blog mit Blick auf Trump und, äh, Obamas Mausoleum der begrabenen Hoffnungen. Was an Israel gehasst wird, ist seine Komplexität, lernt Welt-Autor Marko Martin bei der "Gay Pride" in Tel Aviv. Die Tech-Konzerne sind schrecklich, aber KI hat Punkaspekte, freut sich Douglas Rushkoff in der NZZ. KI, na und? Ghostwriter gab's schon immer, stellt Gustav Seibt in der SZ fest.
15.06.2026. In der taz ist sich der Aktivist Arne Semsrott sicher - nur die Zivilgesellschaft kann gegen die AfD obsiegen. In der FAZ erzählt der Historiker Jochen Staadt die Geschichte des Antisemitismus in der DDR. "Es war nie wichtiger als heute, am Ideal der Gleichheit festzuhalten", betont die Philosophin Elizabeth Anderson im Zeit-Online-Interview mit Blick auf 250-Jahr-Feier der USA. Und eine knifflige Frage: Sind die Kommentare zu KI im Journalismus selbstgeschrieben?
13.06.2026. Nur die NZZ hat es gemerkt: Putins Krieg gegen die Ukraine dauert jetzt so lange wie der Erste Weltkrieg - und er verändert so viel wie dieser. Ist das Journalismus, oder kann das weg? Der Tagesspiegel schmeißt seinen "Editor of Large" raus, weil er Artikel mit KI schrieb. Springer-Tycoon Mathias Döpfner macht sich über die FAZ lustig, weil sie einen Artikel von Mario Voigt löschte, der mit KI verfasst war. Und die FAZ spottet mit mutmaßlich echt spitzer Feder über Döpfner. In der taz warnt Seyla Benhabib vor Verschärfungen der Flüchtlingspolitik.
12.06.2026. Die Schweiz leidet unter "Dichtestress". Alle Zeitungen machen sich große Sorgen: Werden die Schweizer sich auf zehn Millionen Menschen beschränken wollen? Und auch die EU will Migration begrenzen. In den USA konzentrieren sich unterdessen die größten Unternehmen - zumindest dem Wert nach. Elon Musks SpaceX soll demnächst 1,75 Billionen Dollar wert sein. In der FAZ hat Wirtschaftssoziologe Jens Beckert die Erklärung dafür gefunden: Es liegt an der Fiktionsfähigkeit des Kapitalismus. Die FAZ beleuchtet auch die Moskauer Sympathien der britischen Rechtsextremen.
11.06.2026. Im Perlentaucher prangert Eva Illouz die Annäherung eines wichtigen Teils des Linken an den Faschismus an. In der SZ erzählt die Dokumentarfilmerin Lena Karbe von den inneren Emigranten in Russland. Unsere Nachbarn sähen die Aufrüstung Deutschlands mit mehr Wohlgefallen, wäre sie nicht vom Aufstieg der AfD begleitet, konstatiert die FAZ. In der FR erklärt die Autorin Veronika Kracher, wie Antifeminismus und Antisemitismus zusammenhängen. In der NZZ erzählt Christian Brönimann, warum er seine ehemalige Transidentität als Nadja nicht auslöscht.
10.06.2026. Der Digital Services Act (DSA) ist wirkungslos, solange die großen Onlineplattformen ihre Transparenzpflichten unterlaufen, erklärt in der FAZ der Informatiker Simon Mayer. Wie der Ukrainekrieg das Wohlstandsgefälle in Russland verstärkt, berichtet die NZZ. Das neue Sicherheitspaket 2.0 ist das Aus für Anonymität im Netz, kritisieren in netzpolitik Sebastian Marg und Tom Jennissen von der Digitalen Gesellschaft. Volker Beck und Meron Mendel diskutieren die geplanten Yad-Vashem-Dependancen in Deutschland. Die Zeit empört sich über einen KI-Avatar der Holocaust-Überlebenden Jeanette Wolff, den die SPD hat erstellen lassen.
09.06.2026. Nicht nur die Ukraine, auch ihre europäischen Partner zeigen größeres Selbstbewusstsein gegenüber Putin, freuen sich die Zeitungen. Die deutschen Yad-Vashem-Dépendancen sind, anders als Meron Mendel unterstellt, keine Agenturen der israelischen Regierung, insistiert Deborah Hartmann im Spiegel. In der Politik haben sich längst viele Männer als schwul bekannt, warum nicht im Fußball, fragt die taz. Und was ist Niedersachsen, fragt die FAZ.
08.06.2026. Caroline Fetscher liest für die Frankfurter Hefte das kulturpolitische Programm der AfD für die Wahlen in Sachsen-Anhalt: Man fordert mehr Russisch. Die SZ fragt, bis wann eine Frau ein Mädchen ist. Die Stadt Düsseldorf kassiert ihren Plan für einen Opern-Neubau ein: So könnte es vielen Projekten ergehen, fürchtet die FAZ. Wenn es den Iranern gelingt, ihr islamistisches Regime abzuwerfen, wird eine weltpolitische Wende eintreten, meint der Historiker Kijan Espahangizi in der NZZ.
06.06.2026. In der FR fürchtet der belarusische Schriftsteller Alhierd Bacharevič den Dritten Weltkrieg und auch der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew schließt in der Welt nicht aus, dass Putin einen Atomkrieg einer Niederlage vorzieht. Dabei halten ihn selbst die ultranationalistischen Militärblogger für wahnsinnig, weiß der russische Journalist Iwan Filippow im Tagesspiegel. Europäische Regierungen hätten längst mit Russland verhandeln müssen, meint Angela Merkel indes in der FAS. KI wird keine Fachkraft ersetzen, nur mehr Arbeit machen, glaubt der Soziologe Florian Butollo in der SZ.
05.06.2026. Wer wird Frankreichs nächster Präsident? Jordan Bardella jedenfalls nicht, da ist sich der Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt im Welt-Interview ganz sicher. In der Türkei liegt die Nachfolgerin der CHP schon vor Erdogan, obwohl sie noch gar nicht gegründet wurde, berichtet Bülent Mumay in der FAZ. Ein Umzug der Zentralen Landesbibliothek an den Alexanderplatz könnte diesen verlorenen Ort vielleicht noch retten, ruft die taz. Und dass Deutschland seinen Platz im UN-Sicherheitsrat wegen seiner Israel-Solidarität verloren hat, ist keine Schande, findet die Welt.