9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.12.2025. In der taz kann die Schriftstellerin Sofi Oksanen nicht verstehen, warum der Westen zu den Entführungen ukrainischer Kinder schweigt. Wir leben in einer Zeit des Übergangs, aber das Neue ist noch nicht in Sicht, meint in der FR der Historiker Christopher Clark. In der taz fordert die Politikwisschenschaftlerin Martyna Linartas, eine höhere Erbschaftssteuer - sonst geht's direkt zurück ins Kaiserreich. In der FAS diagnostiziert die Philosophin Seyla Benhabib Elemente' des Totalitarismus in den USA. In der SZ sieht die Schriftstellerin Karina Sainz Borgo, wie es Nacht wird in Venezuela.
05.12.2025. Die SZ veröffentlicht Ergebnisse aus dem "Damascus-Dossier", in dem in weltweiter Zusammenarbeit die Geheimdienst-Archive der Assad-Regierung ausgewertet werden: Es geht unter anderem um das syrische Militärkrankenhaus Harasta, in dem in großem Stil gefoltert und getötet wurde. Deniz Yücel sieht in der Welt die Pressefreiheit in Gefahr - nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande. Georgien erlässt nun Presse-Gesetze nach russischem Vorbild, berichtet die FAZ.
04.12.2025. Die Feuilletons diskutieren weiter über die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann: Die FAZ findet die Vorwürfe übertrieben, die SZ prangert Druck von Seiten der israelischen Regierung an. Der syrische Schriftsteller Yassin al-Haj Saleh blickt in der Zeit mit Hannah Arendt auf die Assad-Diktatur in Syrien. Der Soziologe Natan Sznaider fragt derweil in der SZ, was Arendt den Juden heute noch zu sagen hätte. Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge wundert sich, dass im "Armuts- und Reichtumsbericht" der Bundesregierung die Reichen gar nicht vorkommen.
03.12.2025. Die Europäer müssen resilienter werden, fordert die Politikwissenschaftlerin Claudia Major in der SZ. Die Gespräche zwischen den USA und Russland führten keinen Schritt weiter in Richtung Frieden, melden die Zeitungen. Die FAZ sehnt sich angesichts von "Raubtieren" wie Trump und Putin nach europäischen Politikern mit Format. Die FR begrüßt eine Statue Walter Lübckes in Sichtweite der CDU-Bundesgeschäftstelle.
02.12.2025. In der FAZ geht die Autorin und Filmemacherin Esther Schapira hart mit der Nahost-Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen ins Gericht: "tendenziös" und "verzerrt" lautet ihr Urteil. In der NZZ zeichnet die Politologin Kholood Khair nach, wie es zum Bürgerkrieg im Sudan kam. Außerdem interessiert sich die FAZ für die irritierenden Ansichten von Zhoran Mamdanis Vater Mahmood, etwa mit Blick auf islamistischen Terror. Im Perlentaucher untersucht der New Yorker Publizist Mitchell Cohen die Schwächen der amerikanischen Verfassung, die Trump zur Macht verhalfen.
01.12.2025. In Berlin treffen sich heute der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und Bundeskanzler Merz - die FAZ schildert den deprimierenden Stand der deutsch-polnischen Beziehungen. Die BBC erzählt, wie es dazu kam, dass ein Park in Dublin nicht umbenannt wurde. Die SZ wundert sich über Amazon Prime, wo recht gewagte Theorien über UFOs eins zu eins verbreitet werden. Die taz weiß, wann das Interesse an Raubdrucken in der deutschen Linken nachließ.
29.11.2025. Zwar ist Trumps "Friedensplan" für die Ukraine nicht das Münchner Abkommen von 1938, stellt der Osteuropa-Historiker Martin Schulze Wessel in der FAZ klar, Putins Propaganda ähnelt aber sehr der von Hitler. Die FAS trifft den Schriftsteller Ezzio Gavazzeni, dessen Enthüllungen über Menschenjagd-Tourismus während des Jugoslawienkrieges für Entsetzen sorgen. In der SZ fragt die Schriftstellerin Nava Ebrahimi, warum Frauen in Japan und Deutschland keine Kinder mehr bekommen wollen. In der FAZ erinnert die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel daran, wie Hannah Arendt aus der Flüchtlings-Perspektive Einsichten für die europäische Geschichte gewann.
28.11.2025. Die Deutschen haben keine positive Zukunftsvision mehr, sie wissen nur, was sie nicht wollen, meint die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub im Interview mit der Zeit. Im Interview mit der FR beschreibt der Osteuropahistoriker Martin Schulze Wessel das von Russland-Nostalgie geprägte Verhältnis Deutschlands zur Ukraine. Der Tagesspiegel überlegt, welche Folgen die Verurteilung des britischen Politikers Nathan Gill wegen Bestechlichkeit für die AfD-Mitglieder Peter Bystron und Maximilian Krah hat. Und eine gute Nachricht: Verschwörungstheorien sind in Deutschland längst nicht so populär wie in Ungarn, Polen oder den USA, meint in der SZ der Kulturwissenschaftler Michael Butter.
27.11.2025. Erbarmungslose Gewalt setzt sich durch, wenn es Russland am Ende mit Trumps Hilfe gelingt, der Ukraine Land zu rauben, kommentiert Reinhard Müller in der FAZ - dennoch hat man den Eindruck, dass sich viele Akteure mit einem Trumpschen "Friedensplan" arrangieren könnten, etwa der Soziologe Hartmut Rosa in der Zeit. Im Spiegel warnt der Historiker Andreas Wirsching die gegenüber Schurken stets knieweiche deutsche Wirtschaft vor einer Annäherung an die AfD. Der Hamburger Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel erklärt in der Jüdischen Allgemeinen, warum er hinschmeißt - kein Rückhalt in der Politik.
26.11.2025. Im Spiegel schildert die Uno-Mitarbeiterin Denise Brown die grausame Gewalt im Sudan. Der Tagesspiegel hört bei der Gründungsveranstaltung der "Bundesarbeitsgemeinschaft Shalom" haarsträubende Beispiele für linken Antisemitismus. Die taz geißelt die neu besetzte Taskforce Islamismusprävention als rechts, weil Islamkritiker wie Ahmad Mansour und Güner Balci beteiligt sind. Unterdessen steigt die Zahl der Selbstmorde im Iran, berichtet ebenfalls die taz. Die FAZ blickt auf das traurige Spektakel um die BBC.