9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ein Grund, Verträge zu brechen

25.11.2025. FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube lässt kein gutes Haar an Kulturminister Wolfram Weimer. In der SZ stellt sich Claudius Seidl ebenfalls kulturpolitische Fragen: Sollte man die Subvention großer Häuser in Berlin nicht einfach reichen Leuten überlassen? Die taz zieht eine recht positive Bilanz des Kulturhauptstadtjahrs in Chemnitz. Die NZZ hat herausgefunden, warum es mit  den Tories und Labour parallel bergab geht. 

Die Realität hinter der Propaganda

24.11.2025. Der Witkoff-Dmitriev-Pakt steht in der Tradition des Hitler-Stalin-Pakts, notiert Anne Applebaum im Atlantic. Angesichts der "hybriden Kriegsführung" Russlands fordert Herfried Münkler im Tagesspiegel eine dezidiertere Gegenwehr. Im Spiegel empfiehlt sich der Politologe Daniel Marwecki als Abstiegsmanager für den Westen. Im Standard kritisiert Hanno Loewy linkes Identitätsdenken. Im Blog von Michael Miersch zieht Marko Martin eine Linie vom Antitotalitarismus zu den Dissidenten des Islam. Und die Erasmus-Uni Rotterdam entschuldigt sich bei Eva Illouz.

Zugang zu milliardenschweren Deals

22.11.2025. Die Ukraine muss entscheiden zwischen dem Verlust ihrer Würde oder dem Verlust ihres wichtigsten Alliierten, sagt Wolodimir Selenski in einer ersten Reaktion auf Trumps "Friedensplan", der eine notdürftig abgesicherte Kapitulation der Ukraine vorsieht. Kriegstreiber Putin wird von Trump belohnt, kommentieren Carlo Masala in Zeit online und Phillips Payson O'Brien im Atlantic. Die NZZ schildert die politische Macht der hindunationalistischen Bewegung RSS, die ihren hundertsten Geburtstag feiert.

Co-Autoren der Ordnung

21.11.2025. In der SZ sieht Jürgen Habermas schwarz für die Zukunft Europas. Vom Ukrainekrieg profitiert nur einer: Xi Jinping, meint Viktor Jerofejew in der FAZ. Xi ist allerdings von Paranoia geplagt, das lässt für China nichts Gutes erwarten, warnt in der NZZ der amerikanische Politikwissenschaftler Brahma Chellaney. Die Brandmauer muss bleiben, fordert in der SZ die Politikwissenschaftlerin Heike Klüver. Die nützt allerdings nichts mehr, wenn die AfD stärkste Partei wird. Die Zeit fragt: Wo sind eigentlich die anderen Parteien in Sachsen-Anhalt?

Eine neue Form von Widerstand

20.11.2025. Es sind Muslime, die ihre Kinder vor Islamisten schützen wollen, ruft Güner Balci Linken zu, die den Kampf gegen Islamisten rassistisch finden. In der FAZ schreibt Amir Hassan Cheheltan über die Selbstverbrennung des Studenten Ahmad Baldi im Iran, der nur eines wollte: leben. NZZ und taz erinnern an das Ende der Franco-Diktatur vor fünfzig Jahren: Die Vergangenheit wurde in Spanien bis heute nicht wirklich aufgearbeitet, kritisiert die NZZ. Immerhin gibt es heute eine Debatte, erklärt der Journalist Emilio Silva in der taz. In der Zeit erklärt George Packer, warum ein Roman heute die Welt realer macht als jeder politische Kommentar.

Gegen einige Zehntausend Euro

19.11.2025. Zeit online beleuchtet die frauenverachtenden Gesetze zu Vergewaltigung im Iran. In der FAZ erzählt die ehemalige Kulturkorresondentin Kerstin Holm, wie sie in Russland zur persona non grata wurde.  Die SZ fragt, warum die Kimabewegung den Klimawandel langweilig findet und sich lieber gegen Israel positioniert. Wolfram Weimers halbseidene "Summits" für Leistungsträger werden nun auch von den Qualitätsmedien unter die Lupe genommen. 

Die ganze Geschichte

18.11.2025. Die FAZ beschreibt Friedrich Merz' begründete Angst vor der AfD, die ihn auch vor der Versuchung einer Minderheitsregierung bewahren dürfte. FAZ und t-online.de untersuchen zugleich die herzlichen Beziehungen von AfD und BSW zu Putins Russland. In der FR vergleicht Aleida Assmann Vergleichen und Gleichsetzen. In der SZ feiert Jimmy Wales seine Wikipedia als Modell der Öffentlichkeit. Zeit online findet heraus, dass Trump nicht von Armen, sondern von Rassisten gewählt wurde.

King of Kotelett

17.11.2025. Bei der Debatte um die Benin-Bronzen handelt es sich keineswegs nur um einen Innernigerianischen Streit, bei dem die hiesige Öffentlichkeit gleichgültig abwinken sollte, meint Nikolaus Bernau im Tagesspiegel. Der Neubau der Hamburgischen Staatsoper, ein Geschenk des Steuerflüchtlings Klaus-Michael Kühne, wird die Stadt Hamburg so roundabout 700 Millionen Euro kosten, meint die FAZ. Nicht Jason Stanley war das Problem, sondern die deutsche Printpresse, meint die Jüdische Allgemeine. Und laut Historikerin Dagmar Herzog in der FR handeln Rechtspopulisten nach der Devise "Du darfst". 

Die bedeutendste Revolution

15.11.2025. Die Feuilletons klingen heute optimistisch: "Die neue Weltordnung wird die nachnationale Welt sein", ist sich der Schriftsteller Robert Menasse in der FAZ sicher. Der Soziologe Philipp Staab phrophezeit in der taz, dass sich rechte Klimawandel-Leugner nicht mehr lange vor der Realität verstecken können. Die FAS stellt derweil einen besonderen Unsympathen der Marke MAGA vor: Nick Fuentes, der die Bewegung mit seinem Antisemitismus spaltet. 

Tatvorwurf Falschparkieren

14.11.2025. Der Spiegel unternimmt einen Ausflug in die seltsame Welt der Öffentlich-Rechtlichen, wo es zu einem frechen Fernbleiben Daniel Günthers bei der Gala für den neuen NDR-Intendanten kam. Ein Gedenkstättenkonzept ohne Sichtbarmachung der Kolonialverbrechen hat heute keinen Sinn mehr, sagt der Historiker Jörg Ganzenmüller im Tagesspiegel. Jason Stanley wurde nicht zum Schweigen gebracht, er hat nur arg lang geredet, stellt Benjamin Graumann in der Jüdischen Allgemeinen klar.