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13.06.2026. Der Maler David Hockney ist gestorben: Die FAZ bewundert seine Abstraktionen, die sich doch nie ganz von der Realität entkoppeln. Er hat nie eintrostloses Bild gemalt, wundert sich die Welt. Die FAS besucht die Kyiv Biennale in Berlin. Die NZZ lernt aus "Finnegans Wake" von James Joyce, was Sprache alsWiderstand leisten kann. Die Musikkritiker feiern den Dreampop von Olivia Rodrigo.
David Hockney, "Peter getting out of Nick's Pool", 1966 David Hockney ging es immer darum, "wie man die Welt malerisch zu fassen bekommt und wie auf der anderen Seite das Sehen funktioniert", egal ob er mit dem Pinsel, dem ipad oder einer Polaroidkamera arbeitete, schreibt Niklas Maak in der FAZ in seinem Nachruf auf den britischen Maler, der 1966 nach Kalifornien gezogen war, weil in England Homosexualität immer noch eine Straftat war. In Kalifornien begann er auch seine Pool-Bilder zu malen: "Er stellt das glitzernde Wasser als blaue Fläche aus, über die weiße Schlangenlinien huschen, er malt einen modernen grünen Campingstuhl, das große Fenster der Wohnanlage, tropische Pflanzen, davor den nackten jungen Mann, und während die Darstellung der Flächen des modernen Baus und des Wassers auch als abstraktes Gemälde durchginge, bricht mit dem nackten Körper im Wortsinne die klassische Figurationin die Abstraktion hinein. 'Peter getting out of Nick's Pool' ist eines der wichtigsten Gemälde des 20. Jahrhunderts."
David Hockney hat "nie ein trostloses Bild gemalt", schreibt in der Welt Hans-Joachim Müller, auch wenn er sich nicht ganz sicher ist. "1967: Sechstagekrieg zwischen Israel und seinen Nachbarn, Militärputsch in Griechenland, Demonstrationen gegen den Schah-Besuch in Berlin, Rassenunruhen in den USA. Müssten es nicht doch ironische Reflexe sein, die sich da im chlorblauen Wasser brechen? Ist so viel offensichtliche Zustimmung zum Genussleben nicht doch ein Verrat an der moralischen Verantwortung, die die Malerei auch in ihren heitersten Fluchten nicht verliert? Aber wer meinte, Palmen, blauen Himmel, Bungalow, Sprungbrett und Platsch doch irgendwie zum Spottvers auf die bürgerlichen Sehnsüchte in der Kalten-Kriegs-Ära reimen zu können, dem hat der Maler artig vom besonderen Reiz erzählt, 'bewegtes Wasser in einer sehr langsamen und sorgfältigen Manier zu malen'. Und man stand etwas ungläubig da und kam sich ziemlich verloren vor mit all den spritzigen Way-of-life-Geschichten, die einem im Kopf umgingen." Weitere Nachrufe von Marion Löhndorf in der NZZ, Alexander Menden in der SZ, Lisa Berins in der FR, Birgit Rieger im Tagesspiegel.
Lesia Vasylchenko, Night Without Shadows and Light Without Rippling of Waves, 2025. Courtesy the artist. Installation view. Die Kyiv Biennale findet wegen des Kriegs seit Jahren in Städten außerhalb der Ukraine statt, in diesem Jahr im Berliner Ausstellungshaus KW, berichtet Laura Helena Wurth in der FAS. Neben der Kunst selbst geht es dabei auch um die Frage, wie Kunst "auf Krieg reagieren kann, ohne aktivistisch vereinnahmt zu werden, aber auch ohne in reine Ästhetisierung zu verfallen? ... Zentral ist die Arbeit der in Oslo lebenden Ukrainerin Lesia Vasylchenko. In der groß projizierten Videoarbeit ist in der oberen Hälfte ein Sonnenaufgang zu sehen, der erst hellrosa aufsteigt und im Verlauf satt orangerot untergeht. Im unteren Teil läuft Archivmaterial des ukrainischen Himmels aus Filmen von 1918 bis 2025. Man sieht, wie der Blick sich veränderte. Heute schaut man nicht mehr nach oben, um Sternschnuppen zu zählen, sondern um den Luftraum nach möglichen Gefahren durch Drohnen oder Raketen abzusuchen." Mehr in der taz.
Weitere Artikel: Andreas Kilb (FAZ) und Julia Encke (FAS) besuchen die Ausstellung im Schloss Bellevue, mit der die sanierungsbedingte Schließung zwei Wochen lang gefeiert wird: Man muss sich für einen Besuch anmelden, aber dann ist der Eintritt frei. Freddy Langer schreibt in der FAZ zum Tod des Fotografen Duane Michals.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung der Altmeister-Sammlung des Kiewer Khanenko-Nationalmuseums im Christian-Schad-Museum in Aschaffenburg (SZ) und "Horizontal. Das Krankenbett und die Welt im Liegen" im Medizinhistorischen Museum Berlin (taz).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Mit Romanen kann JoachimSartorius eigentlich kaum mehr etwas anfangen, gesteht der Lyriker in seiner in "Bilder und Zeiten" der FAZ dokumentierten Laudatio auf Katerina Poladjan, die mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis ausgezeichnet wurde. Für die Romane der so Geehrten macht er allerdings jederzeit eine Ausnahme: Ihre Sprache "kommt aus unserer Zeit und geht direkt in sie hinein. Die Motivmenge, die Fülle an Nuancen, die Abfolge der Sätze, das Auf- und Abblitzen der Bilder, ein rhythmisches Herauf- und Hinunterströmen persönlicher und fremder Gegebenheiten - das ist etwas Eigenes, Großartiges. ... Gerade weil die Romane von Katerina Poladjan das Erinnern nicht einfach machen, erzählen sie uns europäische und osteuropäische Geschichte mit so vielen Nuancen, so vielen Neben- und Zwischentönen, wie man sie in den Geschichtsbüchern nicht erfahren kann. Sie erzählen uns vom Sehnen, aber auch von verloren geglaubten Erinnerungen wie von einem reichen, funkelnden, mitunter auch unheimlichen und Schrecken einjagenden Gewebe."
Bestellen Sie bei eichendorff21!"Finnegans Wake" von JamesJoyce "passt wie kaum ein zweites in unsere Zeit", schreibt Pascal Ihle in der NZZ, und damit "in eine Welt, die sich vor unseren Augen fragmentiert, atomisiert und uns ratlos macht." In "einer Zeit, in der Kommunikation zunehmend standardisiert, optimiert und automatisiert wird, erinnert Joyces Buch daran, dass auch Sprache Widerstand leisten kann - durch Spiel, Mehrdeutigkeit und Überforderung. 'Finnegans Wake' zeigt, dass das Spielen und Experimentieren mit Sprache ein Akt der Freiheit ist. Wer Mehrdeutigkeit zulässt und neue Begriffe ausprobiert, schafft einen Raum, den keine Maschine ganz kontrollieren kann."
Weitere Artikel: Sandra Kegel und Jürgen Kaube sprechen für die FAZ mit DenisScheck unter anderem über die Aufgabe des Literaturkritikers im Fernsehen und in erhitzten Diskurskulturen - vor letzterem "kann man sich durch Social-Media-Askese ganz gut schützen", sagt Scheck. Jan Brachmann erinnert im "Literarischen Leben" der FAZ an den Pfarrer und Schriftsteller GerhardDallmann, der vor hundert Jahren geboren wurde. Andrea Pollmeier berichtet in der FR vom Literaturm-Festival in Frankfurt.
Besprochen werden unter anderem PaulIngendaays "Entscheidung in Spanien. Der große Kampf der Literatur. 1936-1939" (online nachgereicht von der LitWelt), Hans Pleschinskis "Bildnis eines Unsichtbaren" (taz), Anna Felnhofers "Prosopon" (taz), Joey Goebels "Sunset Flip" (Presse) und neue Sachbücher, darunter OmerBartovs "Israel. What Went Wrong?" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der "Frankfurter Anthologie" schreibt Joachim Sartorius über Jaime Gil de Biedmas "De vita beata":
"In einem alten, schlecht regierten Land, etwa wie Spanien zwischen den Bürgerkriegen, in einem Dorf am Meer ..."
Mit Grausen berichtet Jakob Hayner in der Welt von Marta Górnickas Chor "Kassandra or Songs of the Canaries", mit dem Shermin Langhoff sich als Intendantin des Berliner Gorki Theaters verabschiedet: "Eine Stunde lang wird man als Zuschauer angeschrien, wie schlimm die deutsche Erinnerungskultur und die 'Staatsräson' seien, als handele es sich um die grausamsten Menschheitsverbrechen seit 1945." Zum Fremdschämen, findet Hayner, Agitprop mit dem Holzhammer, ein Beispiel für die schlechtesten Momente in Langhoffs Gorki-Zeit. Was schade ist, denn das Theater hatte auch großartige Momente, findet Hayner: "In den besten Momenten hielt das Gorki, was es versprach. Es war angesagt und cool. Als Begegnungsstätte zwischen Kreuzberger Straße und Hochkulturtempel bot das Gorki nicht nur Einblicke in andere Lebenswelten, sondern verhandelte sowohl den Blick der 'Anderen' auf Deutschland als auch den Blick der Deutschen auf die 'Anderen'. Und wo sonst konnte man ein Ensemble sehen, in dem sich die vielbeschworene Einwanderergesellschaft Deutschlands im 21. Jahrhundert abbildete?"
Weitere Artikel: In der SZ wünscht sich Christine Dössel etwas mehr Rücksicht im Zuschauerraum: Keine Babys in die Vorstellung mitnehmen, keine Handys an, kein lautes Mitsingen bitte. Lilo Weber porträtiert in der NZZ den ehemaligen Zürcher Ballettdirektor Christian Spuck, der derzeit in Berlin Erfolge feiert, u.a. mit dem Doppelabend "Fearful Symmetries" des Staatsballetts Berlin.
Besprochen werden Werner Schwabs "Präsidentinnen" in der Inszenierung von Claudia Bauer am Residenztheater München (nachtkritik), Murat Yeginers Adaption des Romans von Gün Tank "Die Optimistinnen" mit viel Musik an den Schauspielbühnen Stuttgart (nachtkritik), Armin Petras' Adaption von Tschingis Aitmatows Roman "Dshamilja" am Neuen Theater Halle (nachtkritik), Rébecca Chaillons Performance "La Parabole du Seum" bei den Wiener Festwochen (nachtkritik), Angélica Liddells dem japanischen Schriftsteller Yukio Mishima gewidmetes Stück "Seppuku" bei den Wiener Festwochen (nachtkritik), Katharina Groschs Stück "I wanna contact the living" am Münchner Volkstheater (nachtkritik) und ein Tanzabend in Amsterdam, unter anderem mit Alexei Ratmanskys Choreografie "Solitude" (FAZ).
In der tazlistet Barbara Schweizerhof als Nachklapp zur Debatte um Wenders' "Falsche Bewegung" Beispiele auf, wie in der Filmgeschichte mit jungen Darstellerinnen in inhaltlich moralisch ambivalenten Filmen anders umgegangen wurde - sodass sie auch heute noch positiv auf die Dreharbeiten zurückblicken, wenn auch im Einzelnen nicht immer positiv auf die Fanpost, die sie danach erreichte. Wolfgang Hamdorf spricht für den Filmdienst mit JacquelineJansen, die in ihrem, im übrigen ohne Filmförderung realisiertem Spielfilmdebüt "Sechswochenamt" den Tod ihrer Mutter verarbeitet. Christof Bock erinnert im Filmdienst an RomanPolanskis Horrorklassiker "Rosemarys Baby", dessen Titelfigur heute vor 60 Jahren geboren wurde.
Besprochen werden Michael Sarnoskis "The Death of Robin Hood" mit HughJackman (SZ), KaneParsons Horrorfilm "The Backrooms" (FAS) und die ARD-Dokuserie "Elf Helden - ein Albtraum" über die aus deutscher Perspektive vergeigte WM 1994 und die Gehässigkeiten, die damals über Trainer BertieVogts ausgegossen wurden (FR).
Entwurf von Sauerbruch Hutton Architekten für das Ausweichquartier des Bundespräsidenten in Berlin-Mitte, das später als Bürogebäude für Bundesbehörden genutzt werden soll. Quelle: Sauerbruch Hutton Architekten (Entwurf), Filippo Bolognese Images (Rendering) Derzeit wird das Bundeskanzleramt, eh schon der größte Regierungssitz der westlichen Welt, erweitert, Schloss Bellevue muss renoviert werden und der Bundespräsident braucht derweil ein neues Ausweichquartier, das neu gebaut wurde. Kostet alles in allem etwa eine Milliarde Euro. Muss das alles sein? Niklas Maak ist in der FAZ skeptisch. Vor allem das vom Architektenduo Sauerbruch Hutton entworfene riesige Interimsgebäude für den Bundespräsidenten beeindruckt ihn nicht die Bohne: "Es sieht mit seinen Schießschartenfenstern aus wie einer der vielen trostlosen Bürobauten von Berlin, den man im letzten Moment hektisch mit Buntstiften angemalt hat, damit die Passanten beim Anblick der Fassaden nicht in ein Depressionskoma fallen. ... Ein bisschen erinnert der Bau an den Volkswagen Polo Harlekin, an dem Türen, Kotflügel und Motorhaube jeweils in einer schrillen anderen Farbe gehalten waren, wie bei einem blechgewordenen Clown; beide, das Auto und das neue Präsidialamt, sind sehr deutsche Produkte in ihrer Mischung aus ultratrostlosem Funktionalismus und dem verzweifelten Bemühen, nicht grau und freudlos zu wirken."
In China wurden in den letzten Jahrzehnten ältere Bauten massenhaft umstandslos abgerissen. Das hat sich erst 2020 geändert, als die Immobilienblase platzte, erklärt die chinesische Architektin Xu Tiantian im Interview mit der NZZ. "Die großangelegten Bauprojekte haben auch kulturelle Zusammenhänge zerstört. Wir haben unsere Geschichte ausgelöscht. Das ist sehr traurig. Die Bedeutung dieser Zerstörung wird erst jetzt deutlich. Noch vor zehn Jahren hat das niemand ernst genommen."
Die Popkritik stürzt sich auf "You Seem Pretty Sad for a Girl So in Love", das neue, erneut mit dem Produzenten Dan Nigro entstandene Album der Popmusikerin OliviaRodrigo. "Den Pop-Punk der vorherigen Alben haben die beiden verworfen und sich von New Wave und Dream Pop der Achtzigerjahre inspirieren lassen", schreibt Inga Barthels im Tagesspiegel. Entstanden ist ein Konzeptalbum, auf dem sich alle Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung gemeinsam mit der Künstlerin durchleben lassen. Um die Liebe ging es bei Rodrigo auch früher schon, doch hier zeigt sich die Songwriterin gereift, bemerkt Berit Dießelkämper auf Zeit Online: "Das lyrische Ich erkennt die Wiederholungen und weiß mit ihnen umzugehen, wenngleich es noch immer schrecklich schmerzt."
Niemanden geringeren als RobertSmith von TheCure hat sich Rodrigo für einen gemeinsamen Song ins Studio geholt. "Vielleicht stehen da Vergangenheit und Zukunft der Rockmusik nebeneinander auf der Bühne", mutmaßt Elisabeth Fleschutz in der FAS. "Am interessantesten aber ist ihr Verschmelzen in einer gemeinsamen Gegenwart." Auch Jakob Biazza (SZ) findet dieses Aufeinandertreffen der Generationen reizvoll: "Rodrigos warmer, rehäugiger Flausch" sitze "perfekt über Smiths krisseligem Kikeriki", sodass es "eine riesige, herzquetschende Freude ist". Vor allem aber ist dieses Album eines, das man wirklich an einem Stück durchhören sollte: Danach "kann es sein, dass man plötzlich bibbernd und schlotternd den panischen Drang verspürt, einem geliebten Menschen zu sagen, vielleicht aber sogar zu zeigen, wie wichtig er ist".
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Tobias Rüther dröselt in der FAS zumindest ansatzweise das persönliche Netzwerk rund um den Produzenten JackAntonoff, die Schauspielerin und Autorin LenaDunham, TaylorSwift, die Band Bleachers und die Popsängerin Lorde auf, die aufgrund von Berufs- und Liebesbeziehungen sowie gemeinsam bewohnten WGs eng miteinander verflochten sind und denen allen gemein ist, dass sie ihr Leben zu Kunst transformieren und dabei auch vor Gossip über die anderen nicht halt machen (wie zuletzt Dunham in ihrem Memoir "Famesick"). Elmar Krekeler erzählt in der WamS von seiner Begegnung mit der Organistin IvetaApkalna. Thilo Komma-Pöllath spricht in der FAS mit der Dirigentin Anna Handler. Eberhard Spree, Musikwissenschaftler und langjähriger Musiker des Gewandhausorchesters Leipzig, überlegt in "Bilder und Zeiten" der FAZ, was Johann Ernst Hebenstreit Johann Sebastian Bach bei Begegnungen in Leipzig wohl von seinen Afrika-Reisen erzählt haben könnte - einen Einfluss auf Bachs Musik schließt er aber aus. Ebenfalls in "Bilder und Zeiten" schreibt Steffi Böttger über den Geiger und Komponisten TheodorUhlig, der mit einer Artikelserie Richard Wagner als Stichwortgeber für dessen antisemitisches Pamphlet "Das Judenthum in der Musik" diente. In der SZ freut sich Helmut Mauró, dass das einst kaputtrestaurierte Cello des Landschaftsmalers JohnConstable nach einer erneuten Restaurierung nun wieder spielbar ist.
Besprochen werden Madonnas neues Video "Confessions II - The Film" (FAZ, mehr dazu bereits hier), ein Konzert von VildeFrang mit dem HR-Sinfonieorchester (FR), ein Konzert von WalterSmithIII mit der HR-Bigband (FR) und Vince Staples' neues Album "Cry Baby", auf dem ZeitOnline-Kritiker Paul Buschnegg die RenaissancederE-Gitarre aus dem Hip-Hop erlebt.
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