Efeu - Die Kulturrundschau

Auf Viagra und Valium

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22.05.2015. In der Alten Nationalgalerie in Berlin erleben die Kritiker die Versöhnung der beiden Pressionismen. Rocko Schamoni fordert im Freitag eine Quote für schräge Songs im Radio. Beim Konzert der norwegischen Band Lemen erhoffen sich die New Yorker ihre Verwandlung in Literatur, berichtet die SZ. Lydia Davis erläutert in der NZZ ihr literarisches Programm. Gaspar Noe liefert in Cannes den diesjährigen Skandalfilm. Und die taz möchte Hou Hsiao-Hsien für "The Assassin" die Goldene Palme für Eleganz verleihen.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2015 finden Sie hier

Kunst


Einträchtig beieinander: Chez le père Lathuille, Edouard Manet (1897). Bild: Collection du Musée des Beaux-Arts de la Ville de Tournai, Belgien.

Die von Angelika Wesenberg und Philipp Demandt kuratierte Ausstellung "ImEx" lädt in der Alten Nationalgalerie in Berlin dazu ein, ein tradiertes Narrativ der Kunstgeschichte - den Gegensatz zwischen Im- und Expressionismus - einmal aufzuweichen und stattdessen die Gemeinsamkeiten beider Strömungen zu erkunden. Damit sei den Kuratoren ein "einträchtiges Beieinander der Bilder" geglückt, freut sich Nicola Kuhn im Tagesspiegel. Für gelungen hält Niklas Maak (FAZ) die motivische statt chronologische Ausrichtung der Ausstellung. Und er freut sich darüber, dass einmal nicht die üblichen Klassiker gezeigt werden: "Gerade die weniger bekannten Werke lassen Umrisse einer Kunstgeschichte jenseits der linearen Heldengeschichte der Blockbuster-Schauen erkennen und neue Phänomene entdecken: Sichtbar wird in der Berliner Neusortierung etwa der Hang einiger Künstler beider Stilrichtungen zum Bizarren, zu Vorformen des Surrealen." Für einen guten kuratorischen Einfall hält Marcus Woeller (Welt) die vielen Bilder mit Tiermotiven: "Denn das vermeintlich zweitrangige Sujet offenbart die gemeinsamen Impulse von Impressionismus und Expressionismus, wenn man sie psychologisch zusammenfügt, nicht in Stilgeschichten separiert." Das eigentliche Anliegen der Ausstellung gehe laut Jens Bisky (SZ) zwar nicht vollends auf. Doch als "Schule des Sehens" tauge sie sehr wohl: "Sie verführt zum Vergleichen, nicht der Programme und kritischen Kampfvokabeln, sondern der künstlerischen Lösungen" und biete viele "aufregende Leihgaben".

Besprochen werden die Ausstellungen "Fichte" des Bildhauers Erwin Wurm im Kunstmuseum Wolfsburg (taz) sowie "Künstler und Propheten" in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt (NZZ).
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Musik

Für den Freitag plaudert Christine Käppeler mit Rocko Schamoni über die Risiken von Crowdfunding - stets die Portokosten fürs Goodies-Verschicken mitbedenken! - und darüber, wie unzulänglich das Radio ist: "Die deutsche Radiolandschaft ist extrem feige. ...Man sollte eine Qualitätsquote einführen. Einmal pro Stunde einen sonderbaren, schrägen, zerbrochenen, strangen Song - das muss der Radiohörer ertragen können. Warum wird den Leuten nicht etwas Interessantes in die Hirne gepflanzt, damit sie aufwachen und sich freuen, dass es diese sonderbare, anregende Kunst gibt. Dieses permanente Einseifen mit Glattheit ist ein Verbrechen."

Außerdem: Michael Struck-Schloen berichtet in der SZ von seinem Treffen mit Krzysztof Penderecki. Kurier, Presse und Standard glühen vor Vorfreude auf den Eurovision Song Contest. Besprochen werden Holly Herndons "Platform" (Pitchfork), neue Bücher über Punk (taz), ein Debussy-Konzert von Ya-Fei Chuang und Robert Levin ("Chapeau", freut sich Tomasz Kurianowicz im Tagesspiegel), Waxahatchees "Ivy Tripp" (taz), ein Klavierkonzert von Maurizio Pollini (Tagesspiegel) und ein Konzert von Yasmine Hamdan (FAZ).
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