Efeu - Die Kulturrundschau

Kirchentag ist anders

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26.09.2015. "Jedes Zitat ein Treffer", freuen sich Tagesspiegel und FR bei der Arno-Schmidt-Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste. Die SZ beschreibt, wie die CIA für Käsesandwiches und Tequila Geheimdienstinformationen an Hollywood verkaufte. Die Welt denkt bei der Düsseldorfer Ausstellung "The Problem of God" über die Gemeinsamkeiten von Kunst und Religion nach. Und alle amüsieren sich prächtig mit Sibylle Bergs neuem Stück "Und dann kam Mirna" am Maxim-Gorki-Theater.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.09.2015 finden Sie hier

Literatur

Rinjehaun: Autor nach der Auferstehung. Arno Schmidt, 1961 © Wilhelm Michels.



Die mit vielen Zitaten verzierte Arno-Schmidt-Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlin biete "dem Schmidt-Leser so viel wie dem Novizen", schreibt Gregor Dotzauer im Tagesspiegel: "Schon weil jedes Zitat ein Treffer ist." Das kann Sabine Vogel (FR) nur bestätigen: "Wenn ich tot bin, mir soll mal Einer mit Auferstehung oder so kommen: ich hau ihm Eine rein!", hat sie sich beim Durchgang von der Wand notiert. Der Besuch hat ihr Spaß gemacht: Die Ausstellung sei "ein höchst unterhaltsames Sammelsurium von Eindrücken in halbzufälliger Ordnung. Die biografischen Lebensabschnitte erschließen sich wie nebenbei."

Umberto Ecos neuer Roman "Nullnummer" handelt auch von Krise und Schicksal der Print-Zeitung, wie der Autor gegenüber Lothar Müller im SZ-Gespräch gesteht. Begonnen habe die Krise bereits mit der Durchsetzung des Fernsehens, das Internet tue sein übriges, sagt der Eco. Wo bleibt da die Ordnung des Diskurses? "Ich würde die Funktion der Zeitung für die moderne Öffentlichkeit gern verteidigen. Bei der Zeitung weiß ich, wer zu mir spricht. Ich weiß, wie ich zu interpretieren habe, was die Süddeutsche Zeitung mir sagt, was die Bild-Zeitung mir sagt. Im Internet weiß ich nie ganz genau, wer zu mir spricht. Und es fehlt im Internet die Funktion der Zeitung als Filter und Auswahl; es übt seinen großen Einfluss auf die öffentliche Meinung regellos und oft anonym aus, ohne Ordnung, unkontrollierbar." Dafür gibt es ja uns, Herr Professor.

Weitere Artikel: Eva-Christina Meier (taz) freut sich auf das Herbstprogramm der Kinderbuchverlage. In der Welt stellt Wolf Lepenies den in Frankreich erschienenen Roman "2048" von Boualem Sansal vor. In der Literarischen Welt unterhält sich Hannes Stein mit Richard Ford über dessen neuen Roman "Frank". In der NZZ versucht Marcel Lepper, Leiter des Forschungsreferats im Deutschen Literaturarchiv Marbach, die zerschlagenen und zerstreuten Exilsammlungen des Dichters und Sammlers Karl Wolfskehl zu rekonstruieren. Lena Bopp (FAZ) und Martin Scholz (Literarische Welt) sprechen mit Henning Mankell über die aktuelle Flüchtlingssituation. Tilman Spreckelsen (FAZ) spricht mit der Autorin Cornelia Funke über den von ihr gegründeten Verlag Breathing Books. Die FAZ dokumentiert die von Bestsellerautor Frank Schätzing in Köln gehaltene Rede zum 11. Nationalen Aktionstag für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts. Außerdem hat die FAZ den Auszug aus Tilmann Lahmes Buch über die Familie Mann aus ihrer gestrigen Ausgabe online gestellt.

Besprochen werden Jean Rhys" "Die weite Sargassosee" (taz), Tom Schulz" "Lichtveränderung" (taz), Peter Schusters "Geschichte des Tötens" (FR), Christoph Peters" "Der Arm des Kraken" (FR), Ulrich Weinzierls Biografie über Stefan Zweig (FAZ), Siegfried Lenz" "Das Wettangeln" (SZ) und Ingrid Nolls "Der Mittagstisch" (FAZ).
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Film

Für die taz sichtet Andreas Busche aktuelle Filme über die Auseinandersetzungen zwischen den USA und den mexikanischen Drogenlords. Seine Beobachtung in den immer grobschlächtigeren Bildern, die dabei zum Einsatz kommen: "Inspiriert von den drastischen Berichten in den US-Medien über die eskalierende Gewalt der Kartelle, hat Hollywood nach islamistischen Gotteskriegern ein neues Feindbild für sich entdeckt. ... Es scheint, als habe das Narco-Narrativ eine andere Gewalterzählung des Hollywoodkinos abgelöst: den HipHop-/Gangfilm der 1990er Jahre. Der Vergleich ist gar nicht so abwegig. Auch um die Folklore der Drogenbarone ist in den vergangenen zehn Jahren eine eigene Popkultur entstanden."

David Steinitz (SZ) staunt nach den Enthüllungen des Vice Magazines darüber, wie tief die CIA tatsächlich in die Produkion von Kathryn Bigelows Oscardrama "Zero Dark Thirty" verwickelt gewesen ist - und wie niedrig der Preis dafür war: "Trist an diesen neuen Erkenntnissen ist, dass CIA-Mitarbeiter überhaupt Gefälligkeiten annehmen. Und dass Geheimdienstinformationen anscheinend bereits für ein Käsesandwich und eine Flasche Tequila zu haben waren."

Besprochen werden Anton Corbijns Roadmovie "Life" (Welt, Standard), die französische Komödie "Der Vater meiner besten Freundin" (Welt) und Mathias Glasners Serie "Blochin" (ZeitOnline, FAZ, hier die erste Folge in der Mediathek).
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