Efeu - Die Kulturrundschau
Kopfüber von der Decke baumeln
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13.03.2025. Die Filmkritiker sind sich uneins über Walter Salles' "Für immer hier" über die brutalen Übergriffe in den Siebzigern der brasilianischen Diktatur auf die linksbürgerliche Paiva-Familie: Einen wirklich wichtigen Film sehen Perlentaucher und FAZ, die NZZ meint, hier werde nur das Leid von Privilegierten gezeigt. Die FAZ lässt sich in Düsseldorf alle Formen von Mutterschaft von Mama bis Merkel vorführen. Bei VAN erklärt die Geigerin Lisa Batiashvili, warum sie nicht mehr in Russland, aber immer noch in den USA auftritt. Und die nachtkritik zieht Bilanz nach 20 Jahren postmigrantischem Theater.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
13.03.2025
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Film

Bei den Oscars wurde Walter Salles' "Für immer hier" über die brutalen Übergriffe in den Siebzigern der brasilianischen Diktatur auf die linksbürgerliche Paiva-Familie als bester internationaler Film ausgezeichnet, jetzt kommt der Film hierzulande in die Kinos. Perlentaucherin Katrin Doerksen findet den Film vor allem "in seinen subtileren Strategien" überzeugend, "zum Beispiel inszeniert Salles die erste Filmhälfte als sukzessiven Rückzug des Lichts: Der Sonnenglanz des Strandes dringt nicht mehr ins Haus der Familie Paiva vor, nachdem sich dort die Entführer einnisten und alle Gardinen und Vorhänge schließen. Der Film wird zum Kammerspiel und findet seinen vorläufigen Höhepunkt, als sie Eunice ebenfalls eine schwarze Kapuze über den Kopf ziehen, sie in einem düsteren Verhörraum abladen." Allerdings ist dies auch ein Film jener Art, "in der auf keiner Ebene je etwas Unerwartetes passiert. ... Statt in die Kategorie der wirklich großen gehört er in die der wirklich wichtigen Filme." Auch für FAZ-Kritiker Bert Rebhandl ist dies "der große Film der Vergangenheitsbewältigung in Brasilien.
Patrick Holzapfel indessen ärgert sich in der NZZ sehr über diesen Film, der sich vor allem damit zufrieden gibt, das Leid von Privilegierten zu zeigen. "Armut und jene Gesellschaftsschichten, die am schlimmsten unter dieser von 1964 bis 1985 regierenden Diktatur gelitten haben, bleiben durchgehend unsichtbar. Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil sich Eunice Paiva in ihrem Aktivismus für die indigene Bevölkerung einsetzte. Ebenso unsichtbar bleiben die Verstrickungen der Oberklasse mit dem Regime. ... Salles bemüht stattdessen die billigsten Tricks, um möglichst sentimental Identifikation mit der Musterfamilie Paiva zu schaffen. ... Dazu gibt es die bekannten Kinogesten einer betonten Tragik samt passendem Musikeinsatz und der Nahaufnahme im richtigen Augenblick. Alles ist so geglättet, man fühlt sich fast wohl, wenn man den eigentlich grauenvollen Ereignissen beiwohnt." Marlene Knobloch porträtiert für die Zeit die Schauspielerin Fernanda Torres.
Außerdem: "Krank, schockierend", findet es Regisseur Todd Komarnicki im FR-Gespräch mit Daniel Kothenschulte, dass sein Film "Bonhoeffer" über den gleichnamigen Nazigegner in den USA von MAGA nahestehenden, evangelikalen Christen vereinnahmt wird: "Es ist ein antifaschistischer Film über die Liebe und über Opfer." Thomas Kramar wirft für die Presse einen Blick ins Jüdische Filmfestival Wien.
Besprochen werden Benjamin Heisenbergs Kinderfilm "Der Prank" (Perlentaucher, Artechock, FD), Iko Fluks "Köln 75" über Keith Jarretts "Köln Concert" (Freitag, FR, Welt, mehr dazu hier), Jonathan Millets "Die Schattenjäger" (Artechock, taz), Alain Gagnols und Jean-Loup Feliciolis Animationsfilm "Nina und das Geheimnis des Igels" (Artechock), Todd Komarnickis "Bonhoeffer" (Artechock, Zeit) und die DVD-Ausgabe von Audrey Diwans "Emmanuelle" (taz). Außerdem werfen Tagesspiegel und Filmdienst einen Blick auf die wichtigsten Kinostarts der Woche.
Kunst

Mutterschaft, so viel lernt Hubert Spiegel in der FAZ in der Ausstellung "Mama. Von Maria bis Merkel" im Düsseldorfer Kunstpalast, wird seit eher "verklärt, verkannt, entstellt, benutzt und instrumentalisiert". In 120 Gemälden, Skulpturen, Fotografien und Objekten vom vierzehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart begegnet der Kritiker den zahlreichen Ansprüchen und Erwartungen an Mütter: "Die Ausstellung zeigt Mütter, wie sie sich selber sehen ... Schönstes Beispiel: Ein Foto des Künstlers Aldo Giannotti, der seiner Mutter ein Plakat mit der Aufschrift 'MOM' in die Hand gedrückt hat, um ihr dann ein Seil um die Füße zu schlingen und sie kopfüber von der Decke baumeln zu lassen. Natürlich steht nun auch das Plakat auf dem Kopf. Seine Aufschrift lautet nun: 'WOW'. Manches ist lustig, anderes beklemmend, und manches, wie eine frühe elektrische Brustpumpe aus den Fünfzigerjahren oder Annoncen für Johnson's Babypuder mit riesigen Säuglingen und däumlingskleinen Müttern, ist beides zugleich."

Gleich zwei wichtige Würdigungen entdeckt Marcus Woeller (Welt) in der SK Stiftung Kultur in Köln. Zum einen widmet das Haus der Becher-Schülerin Tata Ronkholz eine längst überfällige Retrospektive - zum anderen wird hier die zum regionalen Kulturerbe erhobene "Trinkhallenkultur im Ruhrgebiet" gewürdigt, die Ronkholz auf ihren "Wimmelbildern" bis 1985 festhielt: "Lange, bevor die Politik das soziale Wesen der Kioske (wie Büdchen/Trinkhalle andernorts unzureichend genannt werden) erkannte, hatte die Fotografin Tata Ronkholz Büdchen und Trinkhalle bereits ein Denkmal gesetzt. Sie erkannte, dass diese Orte eine eigene Ästhetik artikulieren - in der Architektur und der Gestaltung der Auslage. (…) Besonders liebenswert ist die Trinkhalle in Düsseldorf-Gerresheim, die sich zwischen ein Wohnhaus und eine Garage klemmt. Wahrscheinlich keine zwei Meter breit, hat sie doch alles, was ein Büdchen ausmacht. Manche sind tatsächlich nichts weiter als Buden, etwa der kleine Schuppen, der sich im bergischen Odenthal an ein Fachwerkhaus schmiegt. Andere scheinen unter dem Budenzauber aus Bierwerbung fast zusammenzubrechen."
"Der Kanon der bildenden Kunst ist verwestlicht", sagt die Polin Alicja Knast, Direktorin der Nationalgalerie Prag im Gespräch mit Tomasz Kurianowicz (Berliner Zeitung), in dem sie ihr Ziel für die Nationalgalerie formuliert: "Menschen kennen die Namen von Picasso und Van Gogh. Aber sie kennen nicht die Namen von Kubišta und Zrzavý. Diese Werke haben es aufgrund der Sprachen, in denen diese Künstler beschrieben wurden, nicht in den Kanon geschafft. Die Ausweitung des Kanons ist eines unserer wichtigsten Ziele."
Weitere Artikel: Hilke Dirks besucht den montenegrinischen Künstler Dante Buu für die taz in seinem Atelier. Der Vorsitzende der Hilma-af-Klint-Stiftung und Großneffe der Künstlerin, Erik af Klint, forderte in der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter ein Museumsverbot für die Werke der Malerin, meldet Tobias Timm in der Zeit: "In Zukunft sollen af Klints Bilder nach seinem Willen nur noch in einem Tempel für eine ausgewählte Gruppe 'spirituell Suchender' gezeigt werden." Drei große Ausstellungen eröffnet der Künstler Wolfgang Tillmans dieses Jahr, im Haus Cleff in seinem Heimatort Remscheid, im Pariser Centre Pompidou und im Dresdner Albertinum. Im SZ-Porträt von Peter Richter erzählt er, dass er zudem in Charkiw ausstellen wird und weshalb das Schauen auch politisch ist.
Besprochen wird die Ausstellung "Gläsern - forms of uncontrolled control" im Schloss Biesdorf (Tsp).
Bühne
Nachtkritikerin Sarah Heppekausen zieht nach zwanzig Jahren "postmigrantischem Theater" eine Zwischenbilanz. Richtungsweisend scheinen ihr inzwischen vor allem jene Häuser "unter der Leitung von Menschen mit internationaler Familiengeschichte" zu sein, "die diese nun eben nicht mehr deutlich markieren, sondern als gegeben voraussetzen, als Teil gesellschaftlicher Realität und Baustein kultureller Identität", etwa das Schauspiel Essen unter der Leitung von Selen Kara und Christina Zintl: "Das Sichtbarmachen von Menschen, Geschichten und Verhältnissen ist seit jeher Prinzip des Theaters. Neu ist, dass die Perspektiven hierzulande längst mehr und vielfältiger geworden sind. Da lohnt sich dann eben auch mal ein genauerer Blick auf Ophelia - wie ihn Selen Kara in ihrer 'Hamlet/Ophelia'-Inszenierung unternimmt. Auch wenn diesem Unterfangen, Ophelia als Handlungstreibende zu etablieren, das permanente Ringen um Konsistenz und Kausalität durchaus anzumerken ist, so stellt es doch die unbedingt zumutbare Frage: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn die Frau nicht als das Andere definiert würde (wie Simone de Beauvoir im Programmheft zitiert wird)? Was wäre, wenn wir die Zuschreibung des Andersseins endlich wieder verlernten?"
Weitere Artikel: Für die Zeit trifft sich Peter Kümmel mit Cate Blanchett und Thomas Ostermeier, die derzeit gemeinsam Tschechows "Die Möwe" auf die Bühne des Londoner Barbican Theaters bringen: "Man müsse, sagt sie …, Tschechows Figuren in ihrer Fülle spielen - der Dramatiker sei roh und grausam, aber er liebe seine Figuren." Für den Tagesspiegel spricht Claudia Reinhard mit Verena Usemann und Teresa Monfared, die sich für den Verein Bühnenmütter* für eine bessere Vereinbarkeit von der Arbeit am Theater und Mutterschaft einsetzen. Indes wird das Berliner Ensemble die Inszenierung "#Motherfuckinghood" nach dem Spiegel-Bericht über mutmaßliche Missstände am BE auf Wunsch der Schauspielerin Claude De Demo und der Regisseurin Jorinde Dröse vorerst nicht mehr spielen, meldet Peter Laudenbach in der SZ. Intendant Christian Spuck hat seine Pläne für die Spielzeit 2025/26 am Berliner Staatsballett vorgestellt, meldet Sandra Luzina im Tagesspiegel: Unter anderem werden Kirill Serebrennikov und der Choreograf Yuri Possokhov die Produktion "Nurejew" erstmals außerhalb Russlands erarbeiten.
Weitere Artikel: Für die Zeit trifft sich Peter Kümmel mit Cate Blanchett und Thomas Ostermeier, die derzeit gemeinsam Tschechows "Die Möwe" auf die Bühne des Londoner Barbican Theaters bringen: "Man müsse, sagt sie …, Tschechows Figuren in ihrer Fülle spielen - der Dramatiker sei roh und grausam, aber er liebe seine Figuren." Für den Tagesspiegel spricht Claudia Reinhard mit Verena Usemann und Teresa Monfared, die sich für den Verein Bühnenmütter* für eine bessere Vereinbarkeit von der Arbeit am Theater und Mutterschaft einsetzen. Indes wird das Berliner Ensemble die Inszenierung "#Motherfuckinghood" nach dem Spiegel-Bericht über mutmaßliche Missstände am BE auf Wunsch der Schauspielerin Claude De Demo und der Regisseurin Jorinde Dröse vorerst nicht mehr spielen, meldet Peter Laudenbach in der SZ. Intendant Christian Spuck hat seine Pläne für die Spielzeit 2025/26 am Berliner Staatsballett vorgestellt, meldet Sandra Luzina im Tagesspiegel: Unter anderem werden Kirill Serebrennikov und der Choreograf Yuri Possokhov die Produktion "Nurejew" erstmals außerhalb Russlands erarbeiten.
Literatur

Besprochen werden unter anderem eine Ausstellung von Primo Levis Briefen im Museum Palazzo Madama in Turin (FAZ), Christian Krachts "Air" (taz, FAZ), Igor Kordejs Comic "Texas Kid, mein Bruder" (FAZ.net), Chimamanda Ngozi Adichies "Dream Count" (Zeit) und Christoph Kramers "Das Leben fing im Sommer an" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Architektur
Georg Lasius, Schüler von Gottfried Semper, gilt als einer der bedeutendsten Zürcher Architekten, verantwortlich zeichnet er unter anderem für das Chemiegebäude der ETH Zürich. Sowohl sein eigenes 1876 errichtetes Wohnhaus "Auf der Hoeh" sowie das damit verbundene Nachbargebäude "Marienhöhe" sollen nun abgerissen werden, schreibt Hubertus Adam entsetzt in der NZZ: "Der Abriss der Zwillingshäuser wurde in Unkenntnis der Bedeutung dieser Bauten geplant. Es wäre beschämend, wenn es tatsächlich dazu käme. Damit ginge nicht nur ein Bauensemble eines der einflussreichsten Zürcher Architekten seiner Zeit verloren, sondern auch ein Prototyp energieeffizienten Bauens, der die Brücke schlägt vom technologischen Fortschritt des 19. Jahrhunderts zu den heute virulenten Fragen des haushälterischen Umgangs mit Energie und Ressourcen."
Musik
Hartmut Welscher hat für VAN das ungeheure Hin und Her recherchiert, das mit dem krachend gescheiterten RBB-Bauvorhaben eines Digitalen Medienhauses für das Deutsche Symphonieorchester einherging. Dessen Probeort musste dem neuen Gebäude nämlich weichen. Schlecht beraten war allerdings die vorschnelle Entscheidung, den Klangkörper für teures Geld ins seit Jahren leerstehende ICC Berlin zu verfrachten, wo es schlechterdings kaum Perspektive gab. "Statt eine mittlere einstellige Millionensumme in Umbau und Unterhalt eines Ausweichquartiers ohne Zukunft zu investieren, hätte man gleich einen Ort ertüchtigen können, der dem Orchester eine längerfristige Perspektive bietet. In das Sendezentrum konnte man auch nicht zurück: Der Bau des Medienhauses war zwar inzwischen gestoppt, der Fricsay-Saal aber bereits entkernt worden. Also musste ein Ausweichquartier vom Ausweichquartier her. ... Innerhalb von drei Jahren wurden somit für mindestens 2,6 Millionen Euro zwei Ausweichquartiere für das DSO ertüchtigt und mindestens dieselbe Summe für Miet- und Betriebskosten gezahlt - wegen eines Medienhauses, das nie gebaut wurde."
Die Geigerin Lisa Batiashvili verrät Hartmut Welscher im VAN-Gespräch ihre Gründe dafür, warum sie zwar seit vielen Jahren nicht mehr in Russland auftritt, aber - anders als etwa ihr Kollege Christian Tetzlaff (unser Resümee) - weiterhin in den USA spielen wird. "Ich bewundere jeden Menschen, der die Entscheidung trifft, für eine Idee auf seine Konzerte zu verzichten. Aber für mich persönlich ist ein Boykott keine Lösung. Ich würde auch gerne einen Unterschied machen zwischen Russland und den USA. Russland musste mehrere Kriege führen, bis einige Künstler sagten, dass sie dort nicht mehr auftreten. In den USA gibt es jetzt einen fatalen Politikwechsel, aber es gibt sehr viele Menschen, die dagegen protestieren, und sie haben immer noch das Recht dazu, anders als in Russland - wir wissen, was mit den Oppositionellen dort passiert. Ich möchte dieses Land auch deshalb nicht boykottieren, weil ich daran glaube, dass es sich wiederfinden kann. Ich bin der Meinung, dass man nicht alles aufgeben darf, weil man dadurch den Raum dem Extremismus überlässt. Es gilt jetzt, dranzubleiben."
Weitere Artikel: Backstage Classical meldet, dass die Salzburger Festspiele und Markus Hinterhäuser mit ihrer Klage gegen das Magazin gescheitert sind. Christian Wildhagen blickt für die NZZ aufs Programm der letzten Ausgabe des Lucerne Festivals unter dessen scheidenden Leiter Michael Haefliger. Michael Stallknecht porträtiert in der NZZ die Cellistin Estelle Revaz, die seit 2023 im Schweizer Nationalrat sitzt. Die Jungle World lässt weiter über Punk diskutieren: Für Tobias Brück bildet insbesondere die DIY-Subkultur der Bewegung quasi das Pendant zum neoliberalen Zeitgeist der Thatcher-Jahre. Lotte Thaler erinnert sich in VAN an Pierre Boulez in Baden-Baden. Arno Lücker vergleicht für VAN sechs Aufnahmen von Amy Beachs "Trio für Violine, Violoncello und Klavier a-Moll op. 150".
Besprochen werden ein Konzert zu Ehren von Pierre Boulez des WDR Sinfonieorchesters (VAN), ein von Tarmo Peltokoski dirigiertes Berliner Konzert des Orchestre National du Capitole de Toulouse (VAN), ein von Oscar Jockel dirigiertes Konzert in Wien der Camerata Salzburg mit dem Pianisten Mao Fujita (Standard), ein neues Album von Buntspecht (Standard) und Spelllings Album "Portrait of My Heart" (taz).
Die Geigerin Lisa Batiashvili verrät Hartmut Welscher im VAN-Gespräch ihre Gründe dafür, warum sie zwar seit vielen Jahren nicht mehr in Russland auftritt, aber - anders als etwa ihr Kollege Christian Tetzlaff (unser Resümee) - weiterhin in den USA spielen wird. "Ich bewundere jeden Menschen, der die Entscheidung trifft, für eine Idee auf seine Konzerte zu verzichten. Aber für mich persönlich ist ein Boykott keine Lösung. Ich würde auch gerne einen Unterschied machen zwischen Russland und den USA. Russland musste mehrere Kriege führen, bis einige Künstler sagten, dass sie dort nicht mehr auftreten. In den USA gibt es jetzt einen fatalen Politikwechsel, aber es gibt sehr viele Menschen, die dagegen protestieren, und sie haben immer noch das Recht dazu, anders als in Russland - wir wissen, was mit den Oppositionellen dort passiert. Ich möchte dieses Land auch deshalb nicht boykottieren, weil ich daran glaube, dass es sich wiederfinden kann. Ich bin der Meinung, dass man nicht alles aufgeben darf, weil man dadurch den Raum dem Extremismus überlässt. Es gilt jetzt, dranzubleiben."
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Besprochen werden ein Konzert zu Ehren von Pierre Boulez des WDR Sinfonieorchesters (VAN), ein von Tarmo Peltokoski dirigiertes Berliner Konzert des Orchestre National du Capitole de Toulouse (VAN), ein von Oscar Jockel dirigiertes Konzert in Wien der Camerata Salzburg mit dem Pianisten Mao Fujita (Standard), ein neues Album von Buntspecht (Standard) und Spelllings Album "Portrait of My Heart" (taz).
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