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02.06.2025. Die Romanistin Sigrid Brinkmann weist für tachles.ch auf antisemitische Beweggründe für Boualem Sansals Verhaftung hin. Marlene Streeruwitz bedauert im Standard, dass das New York der Siebziger Jahre als "Genius loci" endgültig passé ist. Der Schauspieler Charly Hübner führt am Theater Magdeburg zum ersten Mal Regie: SZ, taz und FAZ sind begeistert, wie in seiner Fassung von "Krieg und Frieden" menschlich und miteinander gegen den Krieg gerappt wird.
Die Journalistin und Romanistin Sigrid Brinkmann verweist in tachles.ch auf die antisemitischen Aspekte der Inhaftierung Boualem Sansals durch das algerische Regime. Sansal wurde es in Algerien sehr übel genommen, dass er nach Israel gereist war und sich dort mit Schriftstellern wie David Grossman traf, die das Gespräch mit palästinensischen Intellektuellen suchten. Sansal hat auch in seinem Roman "Das Dorf des Deutschen" von 2008 auf jene islamistisch-faschistischen Kontinuitäten hingewiesen, die bis heute mit aller Kraf verdrängt werden. "Bei den Recherchen für seinen Roman fand er heraus, dass muslimisch-arabische Bataillone an der Seite der Nationalsozialisten gekämpft hatten und sich auch nach der Kapitulation Deutschlands keinesfalls von der menschenverachtenden, rassistischen Ideologie lossagten. Das mit der Ausschleusung ehemaliger SS-Angehöriger aus Europa beauftragte Fluchthilfe-Netzwerk Odessa wurde, so Sansal, nicht nur von Südamerikanern, sondern auch von Ägyptern und Syrern kontaktiert, die Führungskader zum Aufbau ihrer Armeen brauchten. Radikaler Islamismus und Nationalsozialismus bilden für Sansal auch in der Gegenwart ein Brüderpaar."
Bestellen Sie bei eichendorff21!"Dieser Roman ist ein Abschied", sagtMarlene Streeruwitz über ihren New-York-Roman "Auflösungen" in einem ziemlich epischen Standard-Gespräch gegenüber Mia Eidlhuber. Denn das nur noch zu bizarren Preisen bewohnbare New York ist nicht mehr, was es war. Das Buch "beschreibt, wie Manhattan als Zuhause nicht mehr funktioniert. Auch für mich nicht mehr. Ich habe ich mich immer für die Zukunft interessiert - und die hat selten in Wien stattgefunden. Seit den Siebzigern war New York für mich die schönere Welt der Kultur als Wien. Wien war immer ausschließender, in New York war es egalitärer." Auch eine spezifische New Yorker Flanierkultur ist abhanden gekommen: "Das viele Gehen, das immer wieder Stillhalten und das viele Überlegen. Aber dieser Genius Loci, der ist jetzt zerstört. ... Früher war das mitreißendeEnergie auf der Straße, aber die gibt es nicht mehr. Es ist nicht mehr das New York, das mich inspiriert hat. Und deshalb die Frank-O'Hara-Zitate. Die kommen aus dem Aufbruch in den Sechzigerjahren in New York, und es ist dieses kulturell führende New York, das nun in einen Immobilienstandort der Superklasse verwandelt ist."
Weitere Artikel: Der Standarddokumentiert die Rede, mit der der BüchnerpreisträgerOswaldEgger am 3. Juni das in Wien stattfindendeInternationalePoesiefestivalErichFried eröffnen wird. Roman Bucheli erinnert in der NZZ (online vom Samstag nachgereicht) daran, wie ThomasMann sich 1936 - eben in der NZZ - öffentlich gegen die Nazis bekannte. Außerdem durchleuchtet Mann-Forscher Dieter Borchmeyer in der NZZ (ebenfalls online nachgereicht) Manns "Doktor Faustus". Roger Abrahams erinnert in den "Actionszenen der Weltliteratur" an eine Nacht, die nicht im Sinne Casanovas verlief. NZZ und Welt präsentieren ihre bestenSachbücherdesMonats, der Standard gibt Sachbuch-Tipps.
Besprochen werden unter anderem RieQudans japanischer Science-Fiction-Roman "Tokyo Sympathy Tower" (NZZ), SebastianHaffners "Abschied" (FR), RaoulSchrotts "Atlas der Sternenbilder" (FR), RobertMacfarlanes Essay "Sind Flüsse Lebewesen?" (Welt), DanielClowes' Comic "Monica" (JungleWorld), MartinSuters "Wut und Liebe" (Standard), TorUlvens "Grabbeigaben" (NZZ) und neue Kriminalromane, darunter JoeThomas' "White Riot" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
"Krieg und Frieden" am Theater Magdeburg. Bild: Kerstin Schomburg.
FAZ-Kritikerin Irene Bazinger nimmtCharly Hübners Regiedebüt am Theater Magdeburg, Tolstois "Krieg und Frieden" in einer Fassung von Roland Schimmelpfennig, freudig zur Kenntnis. Die Geschichte um die Sinnlosigkeit des Krieges wird ins Magdeburg unserer Zeit versetzt: "Hübner verlässt sich nicht auf erwartbare Aktualisierungen, sondern horcht lieber in die Figuren hinein, die in dieses Geschehen gezogen werden oder es bestimmen, ob es um Hochzeiten oder finanzielle Probleme, Ideen oder Pläne geht. Es wird getanzt und gesoffen, fröhlich intrigiert und amüsant auf dem trockenen Boden Schlittschuh gelaufen." Das Ende überrascht: "Die letzte Szene mündet in das Familienfest des Anfangs, wo inzwischen im Garten gegrillt und gechillt wird. Die Enkel rappen munter los, und schließlich johlt das ganze Ensemble mit, bis 'Krieg und Frieden' zum überschwänglich versöhnlichen Mehrgenerationenprojekt wird: 'Gewinner Versager /lass alles los'. Das kommt angesichts der Vorgeschichte etwas unvermutet, entspricht aber Charly Hübners Regiedevise: Menschen sind wir alle. Und Menschen sind eben so."
Auch Egbert Tholl ist in der SZ mit der "krachenden Theaterexplosion für den Frieden" glücklich: Hübner habe "das Ensemble im Raum verortet, Platz genug ist vorhanden, es steht nicht viel Ausstattung herum. Und dann schuf er offenbar Freiheit. Die Freiheit eines grandiosen Miteinanders. Das zehnköpfige Ensemble spielt 34 Rollen, spielt wie Paris Saint-Germain im Finale der Champions League, es gibt also nur Stars oder gar keine, die Empfindung tendiert eher zu nur Stars." Eine weitere Besprechung findet sich in der taz.
Weiteres: Der Preis der 50. Mülheimer Theatertage geht an Maria Milisavljević, die am Schauspielhaus Zürich das Stück "Staubfrau" inszeniert, melden FAZ und Nachtkritik.Backstage ClassicalinterviewtTobias Kratzer, den designierten Intendanten der Staatsoper Hamburg, zu seinen Plänen für seine erste Spielzeit.
Im Landesmuseum Hannoverkann Christiane Meixner für den Tagesspiegel eine besondere Ausstellung bestaunen, denn in "FrauenBilder" treten Julia Krahns Fotografien in einen Dialog mit der übrigen Kunst des Museums: "Ihre Arrangements vor monochromen Hintergründen spiegeln die Atmosphäre der gemalten Pendants im Museum so perfekt, dass manchmal unklar ist, bei welchem von beiden es sich um das neue und das historische Bild handelt. Bis man genauer hinschaut: Krahn tischt längst nicht so opulent wie die flämischen Maler auf, ihre Materialien sind arm und sparsam. Die Ähnlichkeit basiert auf dem ästhetischen Konzept, nach dem sie Pflanzen, Samen und persönliche Objekte in den Bildern anordnet." Wenn eine Fotografie, die die Themen Schwangerschaft oder Körper aufgreift, etwa einer Bronze von Auguste Rodin oder gar einem antiken Kunstwerk gegenübersteht, wird Meixner eines klar: "Die existenziellen Situationen von heute sind exakt dieselben wie vor tausend Jahren."
Weiteres: Der Standardmacht sich Gedanken darüber, inwiefern das Wiener Belvedere die Rolle des Klimt-Sammlers Gustav Ucicky in der NS-Zeit verdrängt und verschweigt. Patrick Bahners würdigt in der FAZ den Bristoler Künstler Richard Long, der heute 80 Jahre alt wird. Die FAZ interviewt Axel Rüger, der der Leiter der New Yorker Frick Collection ist, die Ende April wiedereröffnet wurde.
Besprochen wird die Ausstellung "Huis in de Storm. Het Mauritshuis in Oorlogstijd", die sich mit der Geschichte des Mauritshuises während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg beschäftigt (FAZ).
Katharina Rustler porträtiert für den Standard den Kurator JasperSharp, der die Originalgemälde besorgte, die die Sets von Wes Andersons aktuellem Film "Der phönizische Machtstreich" (unsere Kritik) zieren. Lena Karger plaudert für die Welt mit AaronAltaras, der in "Rave On" einen Techno-DJ in einer eskalierendenClubnacht spielt. Der Regisseur ChristophHochhäuslergibt in seinem Blog Einblick in jüngste Filmentdeckungen. Besprochen werden JonathanEntwistles "Karate Kid: Legends" mit Jackie Chan (Zeit Online) und AljoschaPauses persönlicher Dokumentarfilm "Fritz Litzmann, mein Vater und ich" (FAZ).
Celina Plag (Zeit Online) und Jakob Biazza (SZ) berichten, dass TaylorSwift es nach vielen Jahren und taktischen Manövern - unter anderem hatte sie ihre ersten Alben komplett neu aufgenommen - nun doch gelungen ist, die ihr zuvor unter schemenhaften Deals abhanden gekommenen Master-Rechte an ihrem frühen Backkatalog zu erwerben. Heißt: "Ihr gehört einfach wieder, was sie geschaffen hat", schreibt Plag. "Ein Umstand, der in der Musikindustrie selbst unter den größten Popstars alles andere als üblich ist." Für einen feministischen Triumph hält Plag dies allerdings nicht vorbehaltslos: "Man sollte sich nichts vormachen: Taylor Swifts Traum nützt vor allem Taylor Swift selbst. Seine Erfüllung wird eine reiche und mächtige Frau noch reicher und mächtiger machen, während die häufig ungerechten Strukturen der Musikindustrie davon unberührt bleiben. ... Man würde sich wünschen, dass sie mit den restlichen Erlösen aus der Eras-Tour etwas macht, das die Welt verändert." Doch "warum sollte sie? Komisch zu glauben, aus dem Einstehen für sich selbst ergäbe sich für einen Popstar die moralische Pflicht, unsere Träume von einer besseren Welt zu finanzieren."
Außerdem: Thomas Hahn schafft in der SZ einen Überblick über aktuelle Tendenzen und Aufreger im milliardenschweren K-Pop. Karl Fluch freut sich im Standard auf das Konzert von TheThrowingMuses heute in Wien. Oliver Hochkeppel wünscht sich in der SZ, dass nach Joachim Kühn und Michael Wollny auch ChrisGall als deutscher Jazzpianist international berühmt wird. Vor kurzem ist sein Album "Impressionists Improvised" erschienen, daraus ein Auszug:
Besprochen werden die Memoiren des Musikmanagers StefanRedelsteiner (Standard) und ein neues Album von PressClub (FR).
Im Tagesspiegelgratuliert Bernhard Schulz dem Architekten Norman Foster, der unter anderem für die Reichstagskuppel verantwortlich zeichnet, zum 90. Geburtstag.
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