Efeu - Die Kulturrundschau
Safe Space für Ästhetik
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
24.04.2026. Die FR bewundert in Frankfurt die Werke von Fritz Scholder, der schon in den Sechzigern mit seinen Bilder von Indigenen aneckte. Wer zum Boykott von Literatur aufruft, schadet in allererster Linie der Kunst, ruft Etgar Keret in der SZ. Löst die Trennung von E- und U-Musik auf, rät der Filmkomponist Anselm Kreuzer auf Backstage Classical. Die NZZ ist genervt vom immer gleichen Haltungstheater gegen rechts, der Guardian von einer Turnerpreis-Liste mit den immer gleichen Positionen. Und die FAZ findet es geschmacklos, Frida-Kahlo-Wellness-Wohneinheiten für 1,6 Millionen Dollar anzubieten.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
24.04.2026
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Kunst

Von "Euphorie und Schwermut" wird Lisa Berlins (FR) im Frankfurter MMK Tower gepackt: Dem amerikanischen Künstler Fritz Scholder, der seine indigene Identität nie klar benannte, wird hier seine erste Retrospektive außerhalb Nordeuropas gewidmet. Indigene bestimmten dennoch sein farbintensives Werk, das damals Anstoß erregte, weil diskutiert wurde, ob man Indigene so darstellen darf: "Scholder spielt mit den Bildern, die man von Indigenen im Kopf hat, mit einem Pathos, das von Hollywood ständig reproduziert wird. Ein 'Sioux Warrior' von 1971 mit opulentem Federschmuck vor rotem Hintergrund - sein Gesicht und sein Körper sind ins Groteske verzerrt und verwischt. Er wirkt so flüchtig gemalt, dass er fast ein Graffiti sein könnte. Scholder überzieht und überhöht mit Kalkül, zieht die Erwartungen des Betrachters, der Betrachterin, ins Lächerliche. Und er malt die traurigen Seiten: Indigene, die, komplett deplatziert wirkend, in einer Bahn zu einer Verhandlung mit Weißen fahren - mal wieder. Indigene, die dem Alkoholismus verfallen sind."
Die Nominierten für den diesjährigen Turner-Preis sind bekannt gegeben worden und im Guardian ist Eddy Frankel genervt. Wie wär's denn endlich mal wieder mit einer bisschen provokativer Ästhetik, fragt er. Stattdessen gibt es "kulturkriegsschürende, superidentitäre" Werke, auch wenn sie nicht schlecht sind: "Marguerite Humeaus seltsam organische biomorphe Science-Fiction-Skulpturen stellen sich eine Zukunft vor, in der Menschen überleben, indem sie gemeinsam arbeiten und ihre Gesellschaft an denen von Ameisen und Bienen modellieren - es ist Öko-Überleben durch den Kommunismus. Ihre Skulpturen sind mit Gitter-ähnlichen Strukturen und Wabenformen gefüllt und mit einem Gefühl der Hoffnung durchtränkt, dass wir, wenn wir zusammenkommen, einfach aus diesem Schlamassel herauskommen können, in dem wir uns befinden." Nur: "Es ist eine weitere Turner-Preis-Shortlist, die von Kuratoren erstellt wurde, die Jahr für Jahr die gleichen Künstler an denselben Institutionen und Biennalen sehen, in Ausstellungen, die von ihren Freunden kuratiert, von ihren Kumpels finanziert und von ihren Kumpels besucht werden."
Weitere Artikel: Nach 100 Jahren wird das Wiener Denkmal des antisemitischen Bürgermeisters Karl Lueger, geschaffen von dem späteren Nationalsozialisten Josef Müllner, restauriert - und wichtiger noch: "künstlerisch umgestaltet und damit kontextualisiert", weiß Patrick Guyton in der taz. Nun wird er von dem Künstler Klemens Wihlidal in Schieflage gesetzt. Die Eröffnung des neuen Kunstmuseums Berlin Modern wird sich aufgrund von Schimmel offenbar auf Mitte 2030 verzögern, meldet der Tagesspiegel mit dpa. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Tirailleurs - Von Kanonenfutter zu Avantgarde" im Berliner Haus der Kulturen der Welt (taz, mehr hier).
Literatur
Anh Trans Dlf-Recherche zur Mängelliste-Causa (unser Resümee), die aufgedeckt hat, dass Frank Witzel seinerzeit Ingo Schulzes Anmerkungen zu Charlotte Gneuß' "Gittersee" an die Jury des Deutschen Buchpreises durchgestochen hat, bringt Alexander Cammann (ZeitOnline) nicht gerade aus der Fassung: "Vermutlich kam hier vieles zusammen, nicht zuletzt Hybris: Der Wessi Witzel hat auf die Ostkompetenz seines Freundes Schulze allzu blind vertraut, während der selbstsichere Ossi Schulze sich seiner Erfahrung und Erinnerung zu gewiss war. Ob hinter diesem Agieren auch die ewige Männerbündelei gegen eine Autorin steckt, wie das Feature meint, erscheint hingegen eher fraglich." Bedrückend findet Cammann allerdings doch, wie es Gneuß bei der damaligen Debatte als Debütautorin ging: Das war "eine Feuertaufe im Literaturbetrieb, die man niemandem wünschen kann".
"Inwiefern es sich bei der Listenerstellung Schulzes um einen 'übergriffigen und paternalistischen Akt' handelt, wie der Dlf in den Raum stellt, darüber darf man streiten", kommentiert Julia Hubernagel in der taz. "Allerdings ebenso darüber, ob die Kosten-Nutzen- beziehungsweise Schadenanalyse bei Debatten dieser Art bei männlichen und weiblichen Autor:innen zu ähnlichen Ergebnissen kommt. Das Beispiel 'Stella' und dessen sehr erfolgreichen Autor Takis Würger lässt vermuten: eher nicht." Doch "was im Beitrag des Dlf etwas zu kurz kommt: Die Entscheidung ist weder gottgegeben noch objektiv, es gewinnt nicht einfach der beste Roman. Über die Auswahl entscheiden sieben Jurymitglieder mit verschiedensten Vorlieben und Agenden."
Wer zum Boykott von Literatur aufruft, schadet in allererster Linie der Kunst und danach sich selbst, aber allenfalls nur unter Umständen dem boykottierten Autor, meint der Schriftsteller Etgar Keret in der SZ. "Das Kunstwerk wird zu einem gewöhnlichen Konsumgut, wie jedes andere im Supermarkt des Lebens. Aus Sicht des Boykottierenden liefert ein Künstler Waren. ... Wäre ich in der puristischen, selbstgerechten Welt der Boykotte aufgewachsen, hätte ich wahrscheinlich nie T. S. Eliot, Louis-Ferdinand Céline oder Ezra Pound lesen können - drei bekennende Antisemiten, durch deren Werke ich weit mehr über mich selbst und die Welt gelernt habe als aus unzähligen anderen, deren Autoren womöglich bessere Menschen waren, die mich aber viel weniger tief berührten. Und hätte ich diese horizonterweiternden Werke aus denselben moralistischen Gründen gemieden, die kulturellen Boykotten zugrunde liegen, wem hätte das dann geschadet? Hätte ich damit die Kunst bestraft? Oder einfach nur mich selbst?"
Außerdem: Im SZ-Gespräch erklärt die Schriftstellerin Virginie Despentes, warum auch sie Grasset verlassen hat (unser Resümee in unserer Debattenrundschaut). Lars von Törne wirft für den Tagesspiegel einen Blick auf die Lage des so renommierten wie zuletzt krisengeschüttelten Comicfestivals in Angoulême, dessen frühere Organisatoren die neuen Organisatoren verklagen. Nikolai Ott berichtet in der FAZ vom Münchner Literaturfest. Beatrice von Matt erinnert in der NZZ an ihren vor einem Jahr gestorbenen Ehemann, den Literaturwissenschaftler Peter von Matt.
Besprochen werden unter anderem Markus Orths' "Die Enthusiasten" (FR), Michal Tallos' Prosaband "Alles in Ordnung, Liebe überall" (Standard), Norbert Gstreins "Im ersten Licht" (Intellectures), Daniel Siemens' Biografie des Fotografen Fred Stein (FAZ) und Elena Ferrantes Essayband "An den Rändern" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
"Inwiefern es sich bei der Listenerstellung Schulzes um einen 'übergriffigen und paternalistischen Akt' handelt, wie der Dlf in den Raum stellt, darüber darf man streiten", kommentiert Julia Hubernagel in der taz. "Allerdings ebenso darüber, ob die Kosten-Nutzen- beziehungsweise Schadenanalyse bei Debatten dieser Art bei männlichen und weiblichen Autor:innen zu ähnlichen Ergebnissen kommt. Das Beispiel 'Stella' und dessen sehr erfolgreichen Autor Takis Würger lässt vermuten: eher nicht." Doch "was im Beitrag des Dlf etwas zu kurz kommt: Die Entscheidung ist weder gottgegeben noch objektiv, es gewinnt nicht einfach der beste Roman. Über die Auswahl entscheiden sieben Jurymitglieder mit verschiedensten Vorlieben und Agenden."
Wer zum Boykott von Literatur aufruft, schadet in allererster Linie der Kunst und danach sich selbst, aber allenfalls nur unter Umständen dem boykottierten Autor, meint der Schriftsteller Etgar Keret in der SZ. "Das Kunstwerk wird zu einem gewöhnlichen Konsumgut, wie jedes andere im Supermarkt des Lebens. Aus Sicht des Boykottierenden liefert ein Künstler Waren. ... Wäre ich in der puristischen, selbstgerechten Welt der Boykotte aufgewachsen, hätte ich wahrscheinlich nie T. S. Eliot, Louis-Ferdinand Céline oder Ezra Pound lesen können - drei bekennende Antisemiten, durch deren Werke ich weit mehr über mich selbst und die Welt gelernt habe als aus unzähligen anderen, deren Autoren womöglich bessere Menschen waren, die mich aber viel weniger tief berührten. Und hätte ich diese horizonterweiternden Werke aus denselben moralistischen Gründen gemieden, die kulturellen Boykotten zugrunde liegen, wem hätte das dann geschadet? Hätte ich damit die Kunst bestraft? Oder einfach nur mich selbst?"
Außerdem: Im SZ-Gespräch erklärt die Schriftstellerin Virginie Despentes, warum auch sie Grasset verlassen hat (unser Resümee in unserer Debattenrundschaut). Lars von Törne wirft für den Tagesspiegel einen Blick auf die Lage des so renommierten wie zuletzt krisengeschüttelten Comicfestivals in Angoulême, dessen frühere Organisatoren die neuen Organisatoren verklagen. Nikolai Ott berichtet in der FAZ vom Münchner Literaturfest. Beatrice von Matt erinnert in der NZZ an ihren vor einem Jahr gestorbenen Ehemann, den Literaturwissenschaftler Peter von Matt.
Besprochen werden unter anderem Markus Orths' "Die Enthusiasten" (FR), Michal Tallos' Prosaband "Alles in Ordnung, Liebe überall" (Standard), Norbert Gstreins "Im ersten Licht" (Intellectures), Daniel Siemens' Biografie des Fotografen Fred Stein (FAZ) und Elena Ferrantes Essayband "An den Rändern" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Bühne

Nachtkritikerin Esther Slevogt zieht eine nicht zufriedene Bilanz des diesjährigen FIND-Festivals an der Berliner Schaubühne, das sich "Unruheherden in Familien, auf Schulhöfen und in postkolonialistischen Kulturen" widmete. Besonders eindrücklich erscheint ihr das Stück "Stabat Mater" der brasilianischen Theatermacherin Janina Leite, das "die von Unterdrückung und Gewalt geprägte Schieflage zwischen Männern und Frauen untersucht. Sie bittet männliche Pornodarsteller zu einem Casting, und stellt ihnen die Frage, ob sie bereit wären, mit ihr eine Sexszene unter der Regie ihrer Mutter zu drehen. Reaktionen und Ergebnisse werden an diesem Abend in aller Drastik präsentiert, wie auch die Mutter der Theatermacherin, Amalia Fontes Leite, leibhaftig in Erscheinung tritt. (…) Auf der Bühne steht den ganzen Abend, be- oder eben nicht bekleidet, wie wir's hierzulande aus Performances von Florentina Holzinger kennen, Janaina Leite und führt mal theoretisch, mal praktisch durch eine Kulturgeschichte der Gewalt gegen Frauen, die sie hier nun sozusagen am eigenen Leib oder besser mit diesem Leib zu exorzieren versucht."

Rico Brandle ist in der NZZ müde vom immer gleichen Haltungstheater gegen rechts, das nur die eigene politische Meinung bestätigt. Jüngster Fall: Patricija Katica Bronićs Inszenierung von Fatima Moumounis und Laurin Busers Stück "Die weiße Madonna von Einsiedeln" am Theater Basel, basierend auf dem wahren Fall um einen Migranten, der 2024 in der Klosterkirche von Einsiedeln die Schwarze Madonna entkleidete, ihr die Krone und das Zepter wegriss und sich selbst aufsetzte. Im Stück wohnt im selben Ort Alice Weidel, die Dorfbewohner teilen ihre Ideologie, wollen sie aber aufgrund ihrer Homosexualität per Volksentscheid abschieben, resümiert Brandle: "Die Figuren, auch der Abt und die Mönche, sind allesamt bloße Karikaturen von zurückgebliebenen Hinterwäldlern. Das Schweizer Dorfleben und das System der direkten Demokratie erscheinen als ein großer Witz, über den man herzhaft lachen könnte, wäre nicht alles von einer fremdenfeindlichen Ideologie durchtränkt. Nur eine Person ist vollauf vernünftig und gänzlich unbescholten: der Muslim Tarik Berger, der pflichtbewusst das christliche Heiligtum rettet - und wegen seiner Religion und Herkunft trotzdem in Not gerät."
Film
Einen "Safe Space für Ästhetik" und "einen freien Spielraum für Filmemacher" wünscht sich Rüdiger Suchsland (Artechock) für die Filmkunst anlässlich des Kongresses "Zukunft Deutscher Film", der kommende Woche in Frankfurt stattfindet. "Für alles gibt es Listen zum Abhaken und Vorschriften in der deutschen Filmbürokratie: Greenshooting, Gleichstellung und Diversität. Aber von Ästhetik redet fast niemand. Denn sie ist am schwersten zu fassen und lässt sich nicht in Listen und Regularien objektiv festhalten. ... In einer Zeit, in der auf den ersten Blick der Kunst alles erlaubt zu sein scheint, müssen wir fragen, ob und wo im Kino die Radikalität und Provokationskraft eines Fassbinder oder Schlingensief überhaupt noch möglich ist. Oder sind ihr die Gegner ausgegangen? Zu debattieren ist auch, was Kunst heute im Kino überhaupt heißt. Vielleicht kann man die wilden Gesten der Vergangenheit ja nicht endlos weiterführen; vielleicht liegt Radikalität heute im Bewahren und sanfter Zivilität."
Weiteres: Michael Steingruber spricht für den Standard mit Jodie Foster, die aktuell in "Paris Murder Mystery" (hier besprochen im Standard) im Kino zu sehen ist. Marcus Hladek blickt für die FR ins Programm des GoEast-Filmfestivals in Frankfurt und Wiesbaden. Die Zürcher Filmemacherin Jacqueline Zünd führt mit ihren Filmen "Don't Let the Sun" und "Heat" an "Orte, an denen Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius den Alltag der Menschen bereits vollständig transformiert haben", berichtet Silvia Posavec in der NZZ. Und keine gute Nachricht: Die Anteilseigner von Warner haben laut Agenturmeldung der Fusion mit Paramount zugestimmt.
Besprochen werden Thierry Klifas "Die reichste Frau der Welt" mit Isabelle Huppert (Tsp-Kritiker Andreas Busche erblickt "ein treffendes Zeitbild über eine Klasse, in der Geld jegliche Moral ausgehöhlt hat"), Karim Aïnouz' "Rosebush Pruning" (Welt, Artechock, unsere Kritik), Saïd Hamich Benlarbis "Zwischen uns das Meer" (Artechock), Joscha Bongards "Babystar" (Artechock), Suzannah Mirghanis "Cotton Queen" (Artechock) und Sonja Maria Kröners "Pferd am Stiel" (Artechock).
Weiteres: Michael Steingruber spricht für den Standard mit Jodie Foster, die aktuell in "Paris Murder Mystery" (hier besprochen im Standard) im Kino zu sehen ist. Marcus Hladek blickt für die FR ins Programm des GoEast-Filmfestivals in Frankfurt und Wiesbaden. Die Zürcher Filmemacherin Jacqueline Zünd führt mit ihren Filmen "Don't Let the Sun" und "Heat" an "Orte, an denen Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius den Alltag der Menschen bereits vollständig transformiert haben", berichtet Silvia Posavec in der NZZ. Und keine gute Nachricht: Die Anteilseigner von Warner haben laut Agenturmeldung der Fusion mit Paramount zugestimmt.
Besprochen werden Thierry Klifas "Die reichste Frau der Welt" mit Isabelle Huppert (Tsp-Kritiker Andreas Busche erblickt "ein treffendes Zeitbild über eine Klasse, in der Geld jegliche Moral ausgehöhlt hat"), Karim Aïnouz' "Rosebush Pruning" (Welt, Artechock, unsere Kritik), Saïd Hamich Benlarbis "Zwischen uns das Meer" (Artechock), Joscha Bongards "Babystar" (Artechock), Suzannah Mirghanis "Cotton Queen" (Artechock) und Sonja Maria Kröners "Pferd am Stiel" (Artechock).
Musik
In der Debatte um einen Reformvorschlag für die GEMA sind sich fast immer fast alle einig: Dessen Umsetzung würde der E-Musik erheblichen Schaden zufügen und ihren Fortbestand aufs Spiel setzen. Der Filmkomponist Anselm Kreuzer vertritt auf Backstage Classical eine andere Position: Die Trennung von E- und U-Musik "wirkt heute wie ein Relikt. Die Musiklandschaft hat sich längst verändert: Sie ist vielfältiger, hybrider, diverser, weniger binär. Die Folgen sind gravierend. Während die Zahl der E-Werke sinkt - viele klassische Werke fallen aus der Schutzfrist - bleibt das Fördervolumen konstant. Das führt dazu, dass immer weniger Berechtigte immer größere Anteile aus den sogenannten Wertungsgeldern erhalten. Gleichzeitig bleiben andere künstlerisch anspruchsvolle Bereiche systematisch ausgeschlossen. Die Förderung driftet auseinander - und verliert zusehends ihre Legitimation. ... Der Reformansatz bricht mit der alten Dichotomie und zielt auf eine offenere, gerechtere Förderung. Mehr Genres sollen berücksichtigt werden, mehr junge Urheber:innen, mehr tatsächlich aktive Kreative. Förderung soll nicht länger an historischen Kategorien hängen, sondern an künstlerischer Relevanz und aktueller Praxis."
Für die Idee, das bei Hamburg gelegene Haus der vor einem Jahr verstorbenen Komponistin Sofia Gubaidulina von den Erben abzukaufen und daraus mittels einer Stiftung einen Ort für Stipendiaten zu machen, können sich zwar viele erwärmen - allein, es kommt nichts so recht in Gang, berichtet Jan Brachmann in der FAZ. Ein Mäzen trat zurück, die Kühne-Stiftung hat andere Baustellen und die Politik bewegt sich nur in Zeitlupe. Bei den Enkeln, "die nun schon ein Jahr lang den Unterhalt des Hauses finanzieren" reißt langsam die Geduld. "Sie würden die Immobilie, deren Marktwert auf 400.000 bis 500.000 Euro geschätzt wird, gern verkaufen. Damit wäre das Stiftungsziel aber gescheitert. Laut einem Konzept des Enkels Alexander Alexandrov wäre etwa eine Million Euro nötig für den Kauf von Haus und Instrumenten, die Gründung einer Stiftung und den geringfügigen Umbau zum Wohn- und Arbeitsort für Stipendiaten." Für den Unterhalt "veranschlagt Alexandrov eine weitere Million Euro. ... Private Geldgeber mit Herz für die Musik sind wieder einmal dringend gesucht."
Weiteres: Auf ihrem neuen Album will die deutsche Popmusikerin Christin Nichols wirklich nur das Gute, aber gerade bei dieser Eindeutigkeit packt ZeitOnline-Rezensentin Juliane Liebert einfach nur das kalte Grausen: Alles klingt hier so, "als sei der Therapiesprech ihre einzige verfügbare Wahrheit." Helmut Mauró schreibt in der SZ zum Tod des Dirigenten Michael Tilson Thomas. Die neue Pro7-Show "Staying Alive - Stars singen mit Legenden", bei der Kandidaten mit per KI wiederbelebten Stars auf der Bühne um die Wette singen, ist ein "Sendung gewordener Moralspagat", findet Johanna Schmidt in der taz. Im zweigeteilten Reflektor-Podcast spricht Jan Müller von Tocotronic hier und dort mit Benjamin von Stuckrad-Barre über Udo Lindenberg.
Besprochen werden ein neues Album von Ringo Starr (Welt) und das Debütalbum des HipHop-Duos Tape Head & Noni, das tazler Konstantin Nowotny "hocherfrischend" findet.
Für die Idee, das bei Hamburg gelegene Haus der vor einem Jahr verstorbenen Komponistin Sofia Gubaidulina von den Erben abzukaufen und daraus mittels einer Stiftung einen Ort für Stipendiaten zu machen, können sich zwar viele erwärmen - allein, es kommt nichts so recht in Gang, berichtet Jan Brachmann in der FAZ. Ein Mäzen trat zurück, die Kühne-Stiftung hat andere Baustellen und die Politik bewegt sich nur in Zeitlupe. Bei den Enkeln, "die nun schon ein Jahr lang den Unterhalt des Hauses finanzieren" reißt langsam die Geduld. "Sie würden die Immobilie, deren Marktwert auf 400.000 bis 500.000 Euro geschätzt wird, gern verkaufen. Damit wäre das Stiftungsziel aber gescheitert. Laut einem Konzept des Enkels Alexander Alexandrov wäre etwa eine Million Euro nötig für den Kauf von Haus und Instrumenten, die Gründung einer Stiftung und den geringfügigen Umbau zum Wohn- und Arbeitsort für Stipendiaten." Für den Unterhalt "veranschlagt Alexandrov eine weitere Million Euro. ... Private Geldgeber mit Herz für die Musik sind wieder einmal dringend gesucht."
Weiteres: Auf ihrem neuen Album will die deutsche Popmusikerin Christin Nichols wirklich nur das Gute, aber gerade bei dieser Eindeutigkeit packt ZeitOnline-Rezensentin Juliane Liebert einfach nur das kalte Grausen: Alles klingt hier so, "als sei der Therapiesprech ihre einzige verfügbare Wahrheit." Helmut Mauró schreibt in der SZ zum Tod des Dirigenten Michael Tilson Thomas. Die neue Pro7-Show "Staying Alive - Stars singen mit Legenden", bei der Kandidaten mit per KI wiederbelebten Stars auf der Bühne um die Wette singen, ist ein "Sendung gewordener Moralspagat", findet Johanna Schmidt in der taz. Im zweigeteilten Reflektor-Podcast spricht Jan Müller von Tocotronic hier und dort mit Benjamin von Stuckrad-Barre über Udo Lindenberg.
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Architektur
Seit Anfang 2025 sind Frida Kahlos Werke gemeinfrei, nur die Rechte an ihrem Namen hält die Frida Kahlo Corporation, kurz FKC, an der unter anderem eine Nichte Frida Kahlos beteiligt ist. Eine Großnichte Kahlos und deren Tochter gingen gegen die FKC vor, als diese mit dem Spielwarenhersteller Mattel eine Frida-Barbie ohne Rollstuhl und zusammengewachsene Augenbrauen entwickelte, weiß Ursula Scheer in der FAZ. Die FKC macht allerdings munter weiter mit "höchst profitablen Kooperationen: etwa für Frida-Kahlo-Sneaker von Vans, Frida-Kahlo-Schminke von Ultra Beauty, Frida-Kahlo-Fast-Fashion von Shein und einen ganzen Krimskrams-Kosmos auf Amazon. Jüngster Coup ist der ... Immobilienkomplex 'Frida Kahlo Wynwood Residences' in Florida. Entworfen von dem Architekten Carlos Ott, soll er vorgeblich Frida Kahlos 'expressiven Geist' und 'ihre Stärke' vermitteln - in 244 möblierten Wohneinheiten zu Preisen von 490.000 bis 1,6 Millionen Dollar. 'Inspiriertes Leben, geformt von Kunst und Wellness', lautet der Slogan. Wellness ausgerechnet mit Frida Kahlo zu verbinden, die nach ihrem Unfall nie mehr schmerzfrei war, Stützkorsette tragen musste, ein Bein an Wundbrand verlor und mit 47 Jahren starb, ist schon frech."
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