Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.07.2025. Die FAZ widmet sich dem Thema Übersetzung und KI: Japanisch kann die Künstliche Intelligenz jedenfalls noch nicht so gut, stellt sie fest. Wird es in Russland bald verboten sein, Harry Potter zu streamen? Ein neues Gesetz könnte dafür sorgen, berichtet die FR. Der Guardian schwärmt in einer Ausstellung in Sydney von den "glühenden" Monden der Malerin Janet Dawson. Die Welt trauert derweil um den Deutschrap, der im Sterben liegt.
21.07.2025. Welt, nmz und FR genießen in der von Andrea Breth inszenierten Fauré-Oper "Pénélope" gediegene Langeweile und eine gefühlsintensive Partitur. Robert Prosser reist für den Standard in die Ukraine, um mit Schriftstellern zu sprechen, die auch Soldaten sind. Die FAZ bestaunt Mensch-Maschine-Überschneidungen im Werk von Rebecca Horn im Castello di Rivoli. FR und FAZ trauern um den Dirigenten Roger Norrington, der temperamentvoll die Freiräume der Musik offengelegt hat.
19.07.2025. Die FAZ blickt im Berliner Brücke-Museum auf die würdevollen Porträts der jüdisch-südafrikanischen Expressionistin Irma Stern. Der Standard wird in der Wiener Albertina derweil erleuchtet von den binären Codes aus Nullen der Lichtpoetin Brigitte Kowanz. Zeit Online verzweifelt darüber, wie sich britische Bands, die seit vielen Jahren den BDS und andere antiisraelische Kampagnen unterstützen, ihrerseits als Opfer darstellen. Die FAZ erzählt außerdem, wie sehr die Literatur dem Nation Building der Philippinen dient. Und in der SZ rufen Weggefährten Claus Peymann nach.
18.07.2025. Um Menschenrechte und Antisemitismus schert sich die Kunstwelt wenig, wenn es um Katar geht, weiß die Welt. Artechock blickt mit Vahid Vakilifars Film "K9" in die Finsternis eines hündischen Iran. Der Auftakt der Bregenzer Festspiel mit George Enescus einziger Oper "Œdipe" ist als europäisches Statement stark, als Inszenierung von Andreas Kriegenburg leider schwach, befinden taz und FAZ. Wenn die Organistin Anna Lapwood spielt, muss sogar die Polizei eingreifen, berichtet Backstage Classical.
17.07.2025. Eine Theater-Ära geht zu Ende: Claus Peymann ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Die SZ erinnert an den Theatermacher, der stets gegen "Lebenszwerge" stänkerte, die FAZ an den "luziferischen Messias", der doch so harmlos schien. Die Welt hat die Nase voll von mit Steuermillionen subventionierten Kunstvermeidungsausstellungen wie die jüngste Berlin-Biennale. Die FAZ dringt mit Judith Schalansky zur Ursuppe des Schreibens vor. Und in Repubblica fordert Julia Nawalnaja, dass ein in Italien geplantes Konzert unter der Leitung von Putin-Freund Valery Gergiev abgesagt wird.
16.07.2025. Die Feuilletons gratulieren Ursula Krechel zum verdienten Büchnerpreis - eine Meisterin der schillernden, kurzen, multiperspektivischen Genres, findet die taz. Die SZ erklärt, warum die Ngonnso, eine kamerunische Statue, die von Berlin an Kamerun zurückgegeben werden soll, immer noch in Deutschland ist. Die taz porträtiert den angesagten Dramatiker Roland Schimmelpfennig, der uns Menschen in unserer kosmischen Ausgesetztheit erfasst. Die FAZ versinkt in einer Ausstellung in Monaco begeistert in den Farben der Moderne.
15.07.2025. Aktualisiert: Der Georg-Büchner-Preis geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Ursula Krechel, melden die Agenturen. Die FAZ entdeckt im Franz-Marc-Museum in Kochel die künstlerische Faszination für Tiergärten und lässt sich von Oskar Kokoschkas "Tigerlöwe" anspringen. Die NZZ erklärt das Kino für tot, hofft aber auf eine Wiedergeburt. Die SZ feiert den Festivalsommer der großen Nostalgie mit Revivals und Abschieden von Oasis, Black Sabbath, ELO, AC/DC und den Sex Pistols. Und der Tagesspiegel zieht den Architekten Ossip Klarwein zurück ins Licht der Architekturgeschichte.
14.07.2025. Dass die Schlösser von Ludwig II. jetzt Weltkulturerbe sind, ist für die Welt Grund, über die "Rehabilitation des Historismus" zu jubeln. Die FAZ fragt sich allerdings, ob das wohl im Sinne des Erbauers war. Die FR langweilt sich ein wenig auf den Nibelungenfestspielen in Worms, das Rad wird auch von Roland Schimmelpfennig nicht neu erfunden, die SZ hingegen freut sich über die anspruchsvolle Inszenierung von Mina Salehpour. Justin Biebers neues Album kann weder Zeit noch NZZ überzeugen. Laut den Jazz-Musikern Terri Lyne Carrington und Christie Dashiell ist Jazz keine per se aktivistische Musikform.
12.07.2025. Die FAS sieht die Zukunft der Kunst zwischen neuen Steckdosen und alten Amphoren in einem Hamam in Prizren. Mit dem Abschied der Schriftkultur wird der Tanz tonangebend auf der Bühne, erkennt die Welt beim Festival in Avignon. In der Musik kann uns KI neue Perspektiven eröffnen, lernt die NZZ von dem Komponisten Ali Nikrang. Die taz erkennt im griechischen Herodeon, wie lang der Ruhm von Mäzenen andauern kann.
11.07.2025. Im Monopol-Gespräch verteidigt sich Kathleen Reinhardt, Direktorin des Berliner Kolbe-Museums, gegen den Vorwurf, sie verschleiere den Raubkunst-Hintergrund des Tänzerinnen-Brunnens. Die FAZ blickt in Cottbus in die kantigen Gesichter der legendären Ostfrauen. Die Welt glaubt noch nicht an Bauen mit Hilfe von KI. Geht ja auch gut von Hand für nur 700.000 Taler, lernt die FAZ im Alten Museum in Berlin. Die Jüdische Allgemeine blickt auf Antisemitismus in Hollywood. Und Van stellt fest: Nicht alles, was Franz Liszt komponierte, war erste Sahne.