Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.06.2025. Im Iran wurde Salman Rushdie gerade durch die Fatwa zu einer Legende, weiß Zeit Online. Die BlZ erfreut sich in einer Cottbuser Ausstellung zu DDR-Frauenbildern an sagenhaft gemalter Tristesse. Die nachtkritik nimmt in Ali Chahrouhrs Tanzstück "When I Saw the Sea" am Berliner HAU Anteil am Schicksal von Arbeitsmigranten im Libanon. In einer Münchner Ausstellung spürt die NZZ Susan Sontags Angst nach, das Leben zu versäumen. Der Perlentaucher blickt auf einen streitbaren Essay von Lars-Henrik Gass über das Gegenwartskino.
03.06.2025. Monopol spürt in Washington in einer von Trump geschmähten Ausstellung den Verbindungen von Skulptur und rassistischen Stereotypen nach. Die FAZ erfährt in der Berliner Tchoban Foundation, wovon Architekten in der DDR heimlich träumten. Von Florian Amort, dem neuen Leiter der Händel-Festspiele in Halle, will sie wissen, ob Händel ein Plagiator war. Die taz fürchtet, dass Milo Rau bei allem Widerstand die Form aus den Augen verliert. Kamel Daoud hat eine Reise nach Italien abgesagt, weil er eine Auslieferung durch Italien nach Algerien fürchtet, berichtet rupture-mag.fr.
02.06.2025. Die Romanistin Sigrid Brinkmann weist für tachles.ch auf antisemitische Beweggründe für Boualem Sansals Verhaftung hin. Marlene Streeruwitz bedauert im Standard, dass das New York der Siebziger Jahre als "Genius loci" endgültig passé ist. Der Schauspieler Charly Hübner führt am Theater Magdeburg zum ersten Mal Regie: SZ, taz und FAZ sind begeistert, wie in seiner Fassung von "Krieg und Frieden" menschlich und miteinander gegen den Krieg gerappt wird.
31.05.2025. Die Literaturkritiker freuen sich, dass Sebastian Haffners Roman "Abschied" nun zur Veröffentlichung freigegeben wurde. Die taz reist auf die Philippinen, die das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse werden. Die WamS erinnert anlässlich einer Ausstellung in Zürich an den schwarzen Maler Ed Clark, der sich vom Kunstbetrieb nie unterkriegen ließ. Und die FAS lernt in einer Ausstellung in Mailand, warum schmutzigere Architektur das Überleben der Menschheit sichern wird.
30.05.2025. Die Feuilletons trauern um den kenianischen Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong'o, der wie kaum ein anderer für einen radikalen Begriff von Emanzipation stand, wie die taz schreibt. Die Welt lernt bei den Wiener Festwochen dank des Künstlerduos Signa ihr "pflegebedürftiges Ich" kennen. Backstage Classical ärgert sich über Klassik-Kritiker, die sich erst auf Häppchen einladen lassen und dann distanzlose Texte abliefern. Die taz erlebt in Chemnitz ukrainische Gegenwartskunst auf der Suche nach Identität.
28.05.2025. Die Zeit porträtiert den neuen Shooting-Star des deutschen Kinos: die Regisseurin Mascha Schilinski, die gerade in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Die FR staunt in Chemnitz über ein Stück von Karin Breece, das Vergangenheitsbewältigung als höchst realistisches Figurentheater auf die Bühne bringt. Außerdem fragt sich die Zeit: Was hat es nur mit dem Wohlfühl-Hype in der Museumswelt auf sich? Die FAZ lässt sich in einer Wiener "Tannhäuser"-Aufführung von Malin Byströms glühendem Sopran betören.
27.05.2025. In der FAZ erinnert sich der iranische Cannes-Preisträger Jafar Panahi an sein Verhör im Evin-Gefängnis. Die Feuilletons trauern um den Dokumentarfilmer Marcel Ophuls, der ein Filmleben lang gegen die "feigen Neutralisten" ankämpfte. Die taz ärgert sich über die Ignoranz deutscher Verlage gegenüber ukrainischer Literatur. Die Welt versucht sich in Baden Baden nicht von der abweisenden Würde des abstrakten Expressionisten Richard Pousette-Dart abschrecken zu lassen. Und die FAZ rät in Zeiten des wachsenden Totalitarismus Schostakowitsch zu hören.
26.05.2025. Die Goldene Palme geht in Cannes dieses Jahr an den iranischen Regisseur Jafar Panahi - eine Auszeichnung, die sowohl aus künstlerischen als auch aus politischen Gründen überzeugt und einen starken Jahrgang abschließt, meinen die Zeitungen. Die FR blickt am Schauspiel Frankfurt in die psychologischen Abgründe von E.T.A. Hoffmanns "Sandmann". Die taz sieht den EU-Granden im Mannheimer Nationaltheater zu, wie sie in einer Robert-Menasse-Dramatisierung dahinsiechen.
24.05.2025. Die Welt lässt sich in der Neuen Nationalgalerie von den "Objetos relacionais" der brasilianischen Künstlerin Lygia Clark einwickeln. Die FAZ hört bei den Ruhrfestspielen den Minotaurus singen. Die NZZ beschuldigt den Thomas-Mann-Biografen Tilmann Lahme des Voyeurismus. Die FR feiert den schönsten Film in Cannes: Oliver Hermanus' "History of Sound" über die Anfänge des American Folk. Zeit online entdeckt ganze Popwelten im neuen Album von Stereolab.
23.05.2025. Artechock wünscht sich nach erzkonservativen Filmen in Cannes dringend eine Revolution des Gegenwartskinos. Die SZ hofft, dass die Ansprachen des Rock-Veteranen Bruce Springsteen gegen Trump einen Urknall auslösen. Die Kritiker lassen sich von Florentina Holzinger auch nicht mehr provozieren, wenn sie die Volksbühne mit Kot flutet. Im Perlentaucher führt Peter Truschner in die ätherischen Blumenbilder von Kathrin Linkersdorff ein, die in Berlin zu sehen sind.