Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.05.2025. Die SZ ist glücklich mit dem International Booker Prize für die indische Schriftstellerin Banu Mushtaq, die auch schon Zielscheibe einer Fatwa wurde. Die taz lernt in Jafar Panahis iranischem Cannes-Beitrag "Ein einfacher Unfall", was man als Zivilist mit Schergen des Regimes tut. Die FR wird indes in Kirill Serebrennikovs "Das Verschwinden des Josef Mengele" von der Angst vor der Gegenwart gepackt. Und die taz lässt sich in Athen aus den traurigen Augen von Mastschweinen anblicken.
21.05.2025. Die Feuilletons erinnern an Yuri Grigorovich, den nun verstorbenen langjährigen Leiter des Bolschoi-Balletts. Zu seinem Erbe, weiß die Welt, gehört nicht zuletzt das fragwürdige Frauenbild sowjetischer Tanzkunst. Der Künstler Leon Kahane fragt im SZ-Interview: Warum muss Gerhard Richter ausgerechnet in Auschwitz einen Götzen in Form eines Museumspavillons errichten? Jafar Panahi, dessen neuer Film "Ein einfaches Urteil" in Cannes uraufgeführt wird, sieht im Zeit-Gespräch das Ende des iranischen Regimes nahen. Die FR begeistert sich in Frankfurt für die zartfühlenden Pressefotos von Werner Bischof.
20.05.2025. Die Filmkritiker feiern Richard Linklaters Film über die Entstehung von Jean-Luc Godards "Außer Atem": Die FR schwebt hier auf einer Wolke aus "kreativer Energie", die Welt staunt über die detaillierte Recherchearbeit für das "Wunderwerk". Nachtkritik bekommt bei Milo Raus Inszenierung von Elfriede Jelineks Stück "Burgtheater" in Wien Atemnot, die FAZ hätte gerne mehr von den überragenden Schauspielern und weniger Moralpredigten gesehen. Jungle World erinnert an die feministische Schriftstellerin Caroline Muhr.
19.05.2025. Mit dem Countertenor JJ hat zum ersten Mal ein Opernsänger den Eurovision Song Contest gewonnen, die Zeitungen gratulieren. Die Nachtkritik verfolgt in Jette Steckels Inszenierung von Annie Ernauxs "Die Jahre" am Thalia Theater gebannt, wie eine Frau gegen gesellschaftliche Zwänge ankämpft. Sowohl Standard als auch taz sind reichlich erschöpft von den anspruchsvollen Filmen, die in Cannes auf dem Filmfestival laufen. Die NZZ bestaunt die wundersamen Pappmaché-Insekten von Monster Chetwynd im Kunsthaus Zürich. Und alle trauern um die Schauspielerin Elisabeth Orth.
17.05.2025. Die FAZ entdeckt mit Rashid Johnson im New Yorker Guggenheim zwischen Monstera und Palmen den schwarzen Beuys. Der Guardian erkennt dank Helen Chadwick im britischen Wakefield die Schönheit saftiger Würmer. Warum läuft Fatih Akins famoser Heimatfilm "Amrum" in Cannes eigentlich nicht im Wettbewerb, fragen sich FR und Welt. Die taz tauscht dank der Zürcher Designerin Bitten Stetter das hässliche Flügelhemd im Krankenhaus gegen einen frechen Turnarounder.
16.05.2025. Im Tagesspiegel erklärt die im Libanon geborene Schrifstellerin Hoda Barakat, wie sie weiblichen Stimmen Gehör verschafft, ohne Feministin zu sein. In der SZ erklärt Milo Rau, weshalb es an der Zeit ist, Elfriede Jelineks in Österreich geschmähtes Stück "Burgtheater" über die NS-Verstrickungen des Hörbiger-Clans genau jetzt aufzuführen. Die taz erkennt in Sergei Loznitsas Cannes-Beitrag "Zwei Staatsanwälte" einen Appell zum Erhalt der Demokratie. Und der Perlentaucher freut sich über seinen neuen Podcast "Bücherbrief live".
15.05.2025. Die Filmkritiker freuen sich, dass mit Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen" mal wieder ein deutscher Film in Cannes zu sehen ist, und dann noch eine solche "Sensation", wie die Zeit schwärmt. Die SZ huldigt in einer Kölner Ausstellung den Meistern der Street-Photography Garry Winogrand, Lee Friedlander und Joseph Rodríguez. Die Zeit fragt sich, warum der Goldene Löwe der klimagerechten Architekturbiennale in Venedig ausgerechnet an den Petrostaat Bahrain ging.
14.05.2025. Das gab es noch nie: Cannes eröffnet mit einem Debütfilm und zwar mit Amélie Bonnins "Partir un jour". Viel Gespür für die Irrungen und Wirrungen des Lebens macht die SZ in dem Film aus. Das Urteil gegen Gérard Depardieu markiert eine Zeitenwende in der französischen Filmbranche, sind sich die Kritiker einig. Die FAZ erklärt, warum die Münchner Alte Pinakothek zu Recht fünf Millionen Euro für ein Mariengemälde von Hans Baldung Grien bezahlt hat. Die GEMA muss ihre Verteilungsschlüssel ändern, und zwar zugunsten von Jazz und Chanson, meint Georg Oeller aus dem GEMA-Vorstand im SZ-Gespräch.
13.05.2025. Heute beginnen die Filmfestspiele in Cannes - und angesichts des "absurd star-gespickten" Programms kann die Berlinale mal wieder nicht mithalten, konstatiert die SZ. Die FAZ bewundert im Wiener Belvedere 21 "Kleine Ausschnitte von Frauen", gezeigt von der Künstlerin Maria Hahnenkamp. Die taz erlebt in Kathrin Mayrs Inszenierung von Tena Štivičićs Stück "Drei Winter" in Osnabrück die Geschichte Kroatiens als "emotionssattes" Familienepos.
12.05.2025. Die Theaterkritiker trauern um Carl Hegemann, den "führenden Kopf der Volksbühne", wie ihn die SZ nennt. Er war die "Instanz, die über das Verhältnis von Theater und Welt" Auskunft gab, meint die Welt. Der Tagesspiegel wartet in einer Ausstellung der Künstlerin Aneta Grzeszykowska nur darauf, dass ihre ledernen Puppen plötzlich lebendig werden. Im Gespräch mit der Jungle World erklärt der frühere Charlie-Hebdo-Redakteur Luz, warum sein neuer Comic über NS-Raubkunst mit jedem Tag aktueller wird.