Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
10.05.2025. Festivalpräsidentin Iris Knobloch setzt in Cannes auf Parität, aber nur in der Jury, nicht bei der Filmauswahl, erzählt sie in der WamS. Die SZ sieht in Yael Ronens Stück "Collateral Damage" am Schauspiel Köln einer Familie beim moralischen Verfall zu. Die FAS besucht den Künstler Heinz Mack, der einst die "Stunde Null" der Nachkriegskunst ausrief. Die israelische Regierung hat eine Reisewarnung für Basel während des ESC-Wettbewerbs ausgerufen, berichtet die NZZ.
09.05.2025. Die FAZ spürt im deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig die Hitze des Klimawandels am eigenen Leib. Die deutsch-algerische Autorin Naila Chikhi appelliert im Perlentaucher an die neue Bundesregierung, ein Zeichen für Boualem Sansal zu setzen. Die SZ schaut bei Francesco Filideis Vertonung von "Der Name der Rose" an der Mailänder Scala vergnügt zu, wie sich Mönche auf der Bühne prügeln. Die FR summt in einer Ausstellung in Wiesbaden mit der Biene durch die Kunstgeschichte.
08.05.2025. Die Filmkritiker denken mit Dag Johan Haugeruds Berlinale-Gewinnerfilm "Träume" über die Liebe und die Literatur nach. Die Zeit spürt in einer Ausstellung in der Collezione Marmotti mit Viviane Sassens Fotografien das "Entrückte im Gegenwärtigen" auf. Maxim Biller blättert ebenfalls in der Zeit fassungslos durch Jürgen Tellers Auschwitz-Fotoband. Iran will den unter Pseudonym schreibenden Dichter Peyman Farahavar hinrichten lassen, meldet die FAZ.
07.05.2025. Die FAZ wird in Wim Wenders Kurzfilm "Der Schlüssel zur Freiheit" über das Ende des Zweiten Weltkriegs von der Vergangenheit eingeholt. Endlich einmal eine Künstlerin, die weiß, was angesichts des politischen Rechtsdrifts zu tun ist, jubelt monopol in einer Monica-Bonvicini-Schau in Berlin. In Cord Meijerings Oper "Gramsci", die in Görlitz Premiere feierte, lernt die FR den Marxisten als coolen und klugen Typen kennen. Percival Everett hat den Pulitzer-Preis für seinen Roman "James" rundum verdient, findet die FAZ.
06.05.2025. Die Filmkritiker schütteln den Kopf über Donald Trumps Zölle auf ausländische Filmproduktionen. Die FAZ taucht in Hamburg ein ins Werk des niederländischen Künstlers Bas Jan Ader, der vor fünfzig Jahren auf dem Atlantik verschwand. Propalästinensische Aktivisten haben es sich unter dem Motto "Escalate for Palestine" zum Ziel gesetzt, die Nova-Überlebende Yuval Raphael aus dem ESC-Wettbewerb zu mobben, berichtet der Tages-Anzeiger. Die FAZ beschäftigt sich mit der subversiven politischen Kritik in der Lyrik des russischen Exil-Dichters Igor Guberman.
05.05.2025. FR und Nachtkritik erfreuen sich an Clemens Setz' Stück "Die Erfindung" am Schauspielhaus Stuttgart, das die "hedonistische Selbstzufriedenheit" unserer Zeit aufs Korn nimmt. Die Beton-brut-Ästhetik kommt den Kunstwerken im Neubau des Musee des Beaux-Arts vom Architekturbüro Titan in Rennes entgegen, wie die NZZ staunt. Dem Musiker Christoph Annen ist es in der FAZ ganz recht, wenn die GEMA das E-Musik-Privileg abschafft. Die SZ denkt mit der Schriftstellerin Teresa Präauer über den "Old Money"-Look als Ausdruck gesellschaftlicher Unsicherheiten nach.
03.05.2025. Ausstellungen, die Stadt und das Zeitgeschehen fließen für die Kunstkritiker beim Gallery Weekend in Berlin ineinander, während sie Champagnerkorken knallen hören und in die Zelle eines russischen Straflagers blicken. "Ich stehe nie auf der Seite der Autoritäten", versichert die Autorin Rachel Kushner in der NZZ. Milo Rau erklärt der Welt seine Republik der Liebe. Die Literarische Welt durchforstet Joan Didions Nachlass. Die taz fordert mehr Tantiemen für U-Musik.
02.05.2025. Die NZZ wird in einer Ausstellung in Rom an jene Jahre erinnert, als die Kirche Caravaggio noch feierte. Nach acht Jahren PiS-Regierung sind auch wieder Themen wie Feminismus, LGBTQ-Rechte, aber auch die Shoah in der polnischen Kunst möglich, atmet Monopol auf. Die chinesische Kritikerin Chen Tian erzählt in der nachtkritik, wie die unabhängige Theaterszene Chinas die Zensur umgeht. Die SZ lässt sich von Steve Wilsons neuem Album das Hirn zerfressen. Und die taz hält nicht viel von beige-farbenen Clean Girls.
30.04.2025. Die Feuilletons stürzen sich auf Michael Lockshins Stalinismus-Satire "Meister und Margarita", die in Russland inzwischen verfemt ist: So viel Avantgarde gab's selten im russischen Kino, staunt die FR. Aber wo bleibt die Relevanz für die Gegenwart, fragt die taz. Die SZ lernt von Ed Atkins in London, was Avatare nicht können: schwitzen und riechen. taz und nachtkritik blicken auf die jüngsten Proteste gegen die Umstrukturierung der Berliner Landesbühnen. Und die Welt resümiert eine Diskussion zwischen den Soziologen Heinz Bude und Michael Hutter zum Documenta-Skandal.
29.04.2025. Die taz erfährt von Frank Auerbach-Biografin Catherine Lampert, dass der jüdische Maler, der nun erstmals in Berlin zu sehen ist, von einem Einfluss des Holocaust auf seine Bilder nichts wissen wollte. Ein obszönes Spektakel erlebt die SZ, wenn Albert Serras in seinem Dokumentarfilm über den Stierkämpfer Andrés Roca Rey den Übergang vom Leben zum Tod eines Stiers einfängt. Backstage Classical tanzt mitten im Bible Belt beim Big Ears Festival zu Avantgarde-Postrock und Noise in Kirchen. Wer nachhaltig wohnen will, muss auf Keller verzichten, lernt die Welt in Berlin.