Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
15.02.2025. Die Jüdische Allgemeine registriert entsetzt den Hass auf Israel in der Filmbranche, der sich im Applaus für Tilda Swintons Kritik am "Kolonisator" Israel und dem Schweigen zu den israelischen Opfern ausdrückte. Die taz ist beeindruckt von der unideologischen Bildsprache in Tom Shovals Doku "A Letter to David" über den von der Hamas entführten Schauspieler David Cunio. Die FAS nähert sich dem Thema "Angst" in einer Ausstellung des Jüdischen Museums in Wien. Wie man Sprachlosigkeit lösen kann, lernt die beeindruckte FAZ bei einem Gedenkkonzert der Dresdner Philharmonie zur Bombardierung Dresdens mit Benjamin Brittens "War Requiem".
14.02.2025. Die Berlinale wurde gestern abend mit Tom Tykwers "Das Licht" eröffnet. Die Filmkritiker sind verstört: Kann man heute "vor allem aus dem gestörten Komfort der Prenzlaueria heraus erzählen", fragt entsetzt die Welt. Wassily Kandinsky hat die Farbe von den Zwängen der Realität befreit, lernt der Tagesspiegel im Museum Barberini. Der NZZ imponiert die Verknüpfung von Weltgeschichte und Werkgenese in Claus Guths Inszenierung der Strauss-Oper "Die Liebe der Danae". Melancholie kommt bei der SZ auf, die in das neue Tocotronic-Album reinhört.
13.02.2025. Heute beginnt die Berlinale unter der neuen Leiterin Tricia Tuttle. So richtig viel Aufbruchsfreude kommt bei den Kritikern nicht auf: Die taz muss Veränderungen mit der Lupe suchen, die FR findet das Programm vielversprechend, die SZ durchwachsen. Der FAZ schwant Übles bei der Gala, angesichts der windelweichen Äußerungen zum Antisemitismusskandal im letzten Jahr. Der Galerist Johann König verklagt den Autor Christoph Peters, in dessen Roman "Innerstädtischer Tod" er sich wiederzuerkennen glaubt. Ja, wie soll man denn noch einen gegenwartsgeladenen Roman schreiben, fragt die Zeit.
12.02.2025. Die Feuilletons begeistern sich für die Carl-Friedrich-Mylius-Ausstellung im Städel: Da ist nichts retuschiert an seinen Frankfurt-Fotos, jubelt die FR, man könnte meinen, sie lügen nicht. critic.de ärgert sich darüber, dass es auf der Berlinale-Retrospektive zum Genrekino der 1970er arg bürgerlich zugeht. Der Tagesspiegel bewundert die muskulösen Relieffiguren auf der Baustelle des Pergamonmuseums. Noch mehr als ums Theater muss man sich angesichts der Berliner Sparpläne um die Pop-Kultur sorgen machen, ruft Zeit Online.
11.02.2025. Die SZ überwindet am Wiener Volkstheater mit "Fräulein Else" sowohl das Patriarchat als auch die Scham vor der Nacktheit. Justin Kurzels Thriller "The Order" führt ebenfalls die SZ an die Ursprünge des Wahnsinns der Trump-Wähler. Die taz nähert sich in einer Krefelder Ausstellung zwei Visionären des Raumdenkens, dem Architekten Friedrich Kiesler und dem Künstler Walter Pichler. Die FAZ bewundert die Eleganz des Pinselstrichs von Comiczeichner Albert Uderzo in einer Ausstellung in Berlin.
10.02.2025. SZ und taz rollen mit einer Inszenierung von Roberto Ciulli am Theater an der Ruhr den Mordfall Pier Paolo Pasolini neu auf. Die taz findet es außerdem schlimm, dass die Transschauspielerin Karla Sofía Gascón wegen zehn Jahrer alter Tweets von aller Welt fallen gelassen wird. Der Tagesspiegel gibt sich in der Kunsthalle Hamburg malerischen Illusionen hin. Die FAZ lauscht Rolf Kühns letzter, kurz vor seinem Tod im Jahr 2022 entstandenen Studioaufnahme "Fearless".
08.02.2025. Die Feuilletons reißen sich um Tom Tykwer, dessen neuer Film "Das Licht" die Berlinale eröffnet. Die FAS sieht in der Instagram-Kunst von Sam Youkilis das Werk eines scharf beobachtenden Chronisten des Alltags. Die taz lernt die syrische Architekturmoderne kennen. Die FAZ findet es absurd, dass der Berliner Galerist Johann König gegen den Autor Christoph Peters klagt - weil er sich in einer seiner Figuren wiederzuerkennen meint. Und: Matthias Lilienthal übernimmt die Intendanz der Volksbühne - die Kritiker sind zwiegespalten.
07.02.2025. Der amerikanische Künstler Fareed Armaly lehnt den Käthe Kollwitz-Preis ab, weil Stimmen, die für die Rechte der Palästinenser eintreten, angeblich zensiert werden, meldet die Berliner Zeitung. Die Verwicklungen von Jazz, Imperialismus und Geopolitik verfolgen die überwiegend begeisterten Kritiker in Johan Grimoprez' Film "Soundtrack to a Coup d'État" nach. "Applaus-Rowdies" verderben Backstage Classical den Spaß am klassischen Konzert. Heute wird die Entscheidung über die neue Volksbühnen-Intendanz bekannt gegeben, die Berliner Zeitung rekapituliert, was bisher falsch lief.
06.02.2025. Der Guardian lässt sich in der Tate St. Yves von den knubbeligen Würsten der britischen Surrealistin Ithell Colquhoun hypnotisieren. Die Zeit erlebt die Granden der österreichischen Literatur im Schockzustand. Für die nachtkritik wirft die ukrainische Kulturjournalistin Olena Myashko einen Blick auf das ukrainische Theater zwischen Weltflucht und Kriegsfolgen. Der Perlentaucher feiert mit Arne Körner die vielen Leben des Dieter Kuhlbrodt. Und die NZZ zieht sich mit FKA Twigs in die Kapsel des eigenen Körpers zurück.
05.02.2025. Die FAZ fragt: Was ist der Code of Conduct der Documenta wert, wenn er für die künstlerische Leitung nicht bindend ist? Außerdem ärgert sie sich darüber, dass Hessen seine Tanzensembles kaputtspart. Die FR dagegen erfreut sich in Kassel an Eyal Dadons huschendem, gebeugtem Tanzstück "Shaker Loop". Der Tagesspiegel stellt die ukrainische Designerin Svitlana Volkova vor, die Mode für Kriegsversehrte entwirft. Klaus Walter denkt in der FR darüber nach, warum Solokünstler besser zu unserer Welt der Zeitverträge und des Home Office passen als Bands. Die taz ist entzückt von den Hybriden zwischen Mensch und Tier, die die ukrainische Malerin Kateryna Lysovenko in Hannover ausstellt.