Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.10.2024. Auf Zeit Online blickt die Schriftstellerin Dana Vowinckel zum Jahrestag des 7. Oktober zurück auf "das schlimmste Jahr meines Lebens". Die FAS porträtiert die Regisseurin Henrika Kull, deren komplexer Film "Südsee" über eine junge Deutsche in Israel kaum gegen die Einseitigkeit des Diskurses ankommt. Die taz verläuft sich in der "nomadischen Bibliothek" des samischen Künstlers Joar Nango. Die nachtkritik durchlebt bei Adrian Figueroas Düsseldorfer Inszenierung von Wolfgang Borcherts Kriegsheimkehrer-Drama "Draußen vor der Tür" die Schrecken auf dem Schlachtfeld immer neu.
05.10.2024. Die Literarische Welt lässt zum Jahrestag des 7. Oktober jüdische Stimmen aus der Literatur zu Wort kommen. Die Literaturhistoriker Gabriele Radecke und Robert Radecke-Rauh versuchen im Tagesspiegel herauszufinden, ob Theodor Fontane Antisemit war. Die FR gibt sich in einer Ausstellung in Frankfurt dem Farbrausch der bemalten Textilien Hamid Zénatis hin. Die SZ ist beeindruckt davon, wie Katharina Bach in einer Soloperformance von Michel Friedmans Text "Fremd" das Leiden eines jüdischen Kindes im Nachkriegsdeutschland greifbar macht.
04.10.2024. Viel Bling-Bling, wenig dahinter, urteilen die Kritiker über Emma Dantes Inszenierung von Verdis "Nabucco" an der Berliner Staatsoper. Über Viktor Kossakovskys Film "Architekton" sind die Meinungen immerhin geteilt: Einen epischen Film, der die ephemeren Phänomene aufschließt, sieht der Perlentaucher, genervt von allzu viel moralischem Rigorismus ist die Welt. Die taz lernt in einer Ausstellung zu ukrainischer Literaturgeschichte einiges über die Unterdrückungsmechanismen der Sowjetunion. Monopol lässt sich von Alex Müllers Kuriositätenkabinett verzaubern. Die SZ muss beim Siegerentwurf für das Leipziger Einheitsdenkmal an Spülmittelwerbung denken.
02.10.2024. Die Filmkritiker sind sich uneins über Todd Phillips Joker-Musical: Die FAZ staunt, wie schön Joaquin Phoenix tanzt, der Tagesspiegel wartet auf einen Lady-Gaga-Film, der losgelassen wird. In Monopol denkt Gabriele Stötzer über eine internationale "Politikverkehrsordnung" nach. Die Welt erinnert sich in Zürich mit Dea Loher und Jette Steckel an die Todesangst während der Pandemie. Die FAZ feiert die "Sprachkraft" der Instrumentalmusik in Venedig.
01.10.2024. Die Feuilletons trauern um Kris Kristofferson, den Erneuerer und Zerstörer, der wie nur wenige den Geist der amerikanischen Arbeiterklasse verkörperte. FAZ und Guardian lassen sich von Alessandro Michele für Valentino an neoromantischen Nasenringen führen. Lehrreich oder Befriedigung angstlüsterner Fantasien? Uneins sind sich die Kritiker, wenn Nicola Hümpel im Haus der Pressekonferenz mit Maximilan Steinbeis die Frage stellt: Was geschieht, wenn ein Rechtspopulist an die Macht kommt. Im Standard erzählt der ungarische Filmemacher Gábor Reisz, wie sich Filmemachen unter Orban verändert hat.
30.09.2024. Albert Serras Stierkampf-Doku "Tardes de Solidad" hat beim Filmfestival San Sebastiàn gewonnen: Die taz sieht hier sowohl den Heroismus des Torrero als auch das Leid des Stiers. Die FAZ taucht bei Eva-Maria Höckmayrs Dresdner Inszenierung der Faust-Oper "Mefistofele" ab in Arigo Boitos von "düsterer Glut" durchdrungene Musik. Die FAZ trauert in der Berliner Berkéwicz-Villa der einstigen Größe des Hauses Unseld nach. Und: Kris Kristofferson ist tot.
28.09.2024. In der FAZ denkt Maria Stepanova über ihren Versuch nach, die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zu rekonstruieren - und über Putin. Die FR bewundert die Arbeiten der Fotokünstlerin Akosua Viktoria Adu-Sanyah in Frankfurt. Der Tagesspiegel stellt die myanmarische Punkband The Rebel Riot vor. Kirill Serebrennikov inszeniert Verdis "Don Carlo" in Wien als protestgebeutelten Familienzwist, so die FAZ. Auch der Standard berichtet. Und: Maggie Smith ist gestorben. Erste Nachrufe auf eine Ikone, der nur die Queen das Wasser reichen konnte, in NZZ und Guardian.
27.09.2024. Die taz verheddert sich in den 300 Kilometern an blutroten Schnüren, die die Künstlerin Chiharu Shiota in den Stollen des KZs Ebensee aufgehängt hat. Mit Library Music von Peter Thomas begibt sich die taz auf eine Noise-Forschungsreise. Krieg wird weder besser, wenn Frauen ihn führen, noch, wenn er ästhetisiert wird, gibt die FAZ Jeanine Tesori mit auf den Weg, die mit ihrer Oper "Grounded" die Saison an der Met eröffnet hat. Standard und Zeit Online tänzeln bestens schlecht gelaunt mit The Cure durch den Herbstnebel.
26.09.2024. Zum Hundertsten von Siegfried Unseld erinnert sich Jürgen Habermas in der Zeit an einen Verleger und Freund, der wochenlang darüber nachdenken konnte, ob sich Max Frisch über einen kostbaren Teppich freuen würde. Ebenfalls in der Zeit erklärt der Lyriker Michael Lentz die Unverständlichkeit von Herbert Grönemeyers Texten: Es ist ein Morsecode. Monopol bewundert im dänischen Humblebaek Franz Gertschs monumentalen Pestwurz. Und die FR überlegt mit Alexandre Ajas Horror-Kammerspiel "Never let go", ob es die Monster im Wald wirklich gibt.
25.09.2024. Die FR erliegt in Potsdam dem farbkrachenden Frühwerk von Maurice Vlaminck. Der Tagesspiegel macht es sich derweil auf der Biennale in Lyon zwischen Gürteltieren mit Hundekopf gemütlich. Die Welt kann sich in Hamburg wieder mit Carl Orff anfreunden, wenn Calixto Bieito ihn als Tanztheater der Geschlechterkämpfe inszeniert. Im Tagesspiegel denkt Hengameh Yaghoobifarah über queere Literatur nach. Die Feuilletons gratulieren Michael Douglas, dem Trüffelschwein für Stoffe, zum Achtzigsten.