Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Dem Preußischen gegenüber skeptisch

24.09.2024. Die taz begreift in Wiesbaden die Literatur in den Werken der Fluxus-Künstlerin Alison Knowles. Die SZ erfährt von der israelischen Hip-Hop-Sängerin Noga Erez, wie der Krieg in ihrer Musik alles Verspielte zersplittert. Auf Backstage Classical ruft die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv ihrem Land zu: Tschaikowsky kann nichts für Putins Gewaltorgien. Und in Frankfurt versucht Jens-Daniel Herzog einen wenig martialischen Kleist auf die Bühne zu bringen, freut sich die FR.

Malende Seeigel und fliegende Sardinen

23.09.2024. In Calixto Bieitos Inszenierung von Carl Orffs szenischer Kantate "Trionfi" an der Hamburger Staatsoper werden Schwäne gebraten und viel gesoffen - ein Skandal ist das aber nicht, findet die SZ. In der FAZ widerspricht der Literaturagent Matthias Landwehr dem Klett-Cotta-Verleger Tom Kraushaar: Die Buchbranche ist ganz und gar nicht gesund! Außerdem amüsiert sich die FAZ beim Pariser Festival für ungewöhnliche Filme. Die taz besucht die 84-jährige Jazzmusikerin Rosemarie Förster.

Um des Vergnügens willen

21.09.2024. Die NZZ hebt ab bei Bayreuth Baroque: Countertenortriller mit nacktem Unterleib und unerhört reich kolorierten Gefühlsausbrüchen. Da kann Jan-Christoph Gockels Frankfurter "Faust"-Inszenierung nicht ganz mithalten. Die FR schwingt die Hufe zur comichaften Tanzmusik von Los Bitchos. Die Filmkritiker begutachten Francis Ford Coppolas selbstfinanziertes Alterswerk "Megalopolis" - für die Welt ein Meisterwerk des Scheiterns. Die taz besucht das das Literaturfestival Meridian Czernowitz. Die NZZ feiert mit Matisse das Glück des Lebens.

Fordernd, raumgreifend, selbstbewusst

20.09.2024. Tagesspiegel und taz applaudieren Stéphanie di Giusto, die so diskret vom Leben der bärtigen Französin "Rosalie" im 19. Jahrhundert erzählt. Die Berliner Zeitung lässt sich im Potsdamer Minsk Museum von Noah Davis' gemalten Alltagsszenen verstören. Die SZ erkundet mit Eva-Maria Bertschy am Zürcher Theater in präzisen Miniaturen die Kolonialgeschichte der Schweiz. Und die Welt erliegt der ganzen Wucht von Bob Dylan in 27 Alben mit Aufnahmen aus dem Jahr 1974.

Mit Klingelingeling-Faktor

19.09.2024. Die taz beobachtet im Museum Morbroich, wie Jef Verheyen und Johanna von Monkiewitsch versuchen, das Licht einzufangen. Die Zeit lernt in fünf bisher unbekannten Briefen Kleist als konspirativen Kriegsberichterstatter kennen. Außerdem sehnt sie sich zurück nach jener Zeit, als es sich die Kunst nicht rundum im Safe Space bequem machte. Die Filmkritiker freuen sich zwar, dass Ellen Kuras die Fotografin Lee Miller würdigt, aber musste es unbedingt ein Biopic sein? Der Standard kämpft mit Manu Chao auf Eierschneidern gegen Klimawandel und Neoliberalismus. 

So reflektiert im Exzess

18.09.2024. Der Perlentaucher lässt sich in den Wiener "Problembezirk" Favoriten entführen, wo Ruth Beckermann für ihren Dokumentarfilm über mehrere Jahre hinweg Schüler begleitet hat. Apropos Favoriten: Die Literaturkritiker schließen Wetten ab, wer das Rennen um den Deutschen Buchpreis macht. ZeitOnline fragt sich mit Albert Oehlen in Hamburg, wie der Computer unser Leben verändern wird. Die taz sehnt sich zurück nach den robusten Brücken der Römer. Und die SZ fiebert aufgeregt dem neuen Köchelverzeichnis entgegen.

Herrlicher Dschungel

17.09.2024. In der SZ erklärt die französische Schriftstellerin Neige Sinno, weshalb sie ihr Buch auch aus Sicht ihres Vergewaltigers geschrieben hat: Das Böse muss ausbuchstabiert werden. Der SZ fehlt außerdem Christoph Schlingensiefs "fröhliche Ideologiezerstörung", an die eine Ausstellung in Berlin erinnert. Der Tagesspiegel zieht den Hut vor Demi Moore, die in Coralie Fargeats Film "The Substance" waghalsige Jugendexperimente eingeht. Anastasia Trofimowas "Russians at War" zeigt der FAZ: Auch für russische Soldaten ist Putin der Feind. Aktualisierung: Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist da!

Mit schwingender Hüfte

16.09.2024. Die taz erlebt bei Frank Castorfs Inszenierung von Hans Falladas Roman "Kleiner Mann - was nun?" am Berliner Ensemble "zu Brillanz aufgepeitschte" Schauspieler. Die nachtkritik findet: zu viel Ideologiekritik und zu wenig Struktur. Die FAZ empfiehlt den Machern der neuen Mafia-Serie "Tulsa King" mit Sylvester Stallone, sich voll und ganz auf den Instinkt ihres Hauptdarstellers zu verlassen. Die Welt schwebt über die Flickenteppiche des Künstlers Mark Bradford im Hamburger Bahnhof.

In kreativer Hinsicht obsolet

14.09.2024. Die Musikkritiker beugen sich über das neue Album der Antilopen Gang, die versuchen "Adorno auf eine Rap-Platte zu pressen", wie die FAS meint. Von der Choreografin Joana Tisckau lernt die FAS außerdem, was mit "Hasszination" gemeint ist. Wenn Thomas Bernhards Schimpftiraden am Burgtheater auf die Bühne kommen, sitzt der Standard gerne im Saal. Wie war eigentlich das Literaturjahr 1974, fragt sich die taz. Die FAZ blickt auf afghanische Kunst in Frankfurt und bewundert gar nicht langweilige Randkritzeleien in Bremen.

Zeremonienmeister des Surrealismus

13.09.2024. Jahrmarktstimmung kommt für die FAZ in der großen Surrealismus-Ausstellung im Centre Pompidou auf. Der Standard bringt Machtmissbrauch am Theater in der Josefstadt ans Licht. Backstage Classical fragt sich, wieso der Dirigent John Eliot Gardiner trotz Skandalen so gut vernetzt ist. 54books entdeckt ostdeutsche Literatur, die sich der Ostalgie widersetzt. Die SZ gruselt sich angenehm beim Lauschen des apokalyptischen Die Nerven-Albums.