Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
19.01.2024. Die Inszenierung der Correctiv-Recherche am Berliner Ensemble beherrscht die Feuilletons: taz und Tagesspiegel halten die Fahne des politischen Theaters hoch, die Welt befürchtet, dass die AfD von diesem "Akt des Kulturkampfs" profitiert, die SZ entdeckt die Komik der rechten Runde. Das neue Green Day-Album spaltet: Die Zeit schwelgt im High-School-Lebensgefühl, für den Standard ist die Band zu Normies geworden. Der Tagesspiegel erforscht die Geschichte des Stilllebens in der Dresdner Gemäldegalerie. Die FAZ lauscht dem Dialog der Eremiten Michail Pletnjow und Martha Argerich.
18.01.2024. "Strike Germany" unterstützen, aber ihre Romane dürfen gern weiter von deutschen Bühnen adaptiert werden - was ist bloß in Annie Ernaux gefahren, fragen sich die Feuilletons: Hat sie überhaupt begriffen, was sie da unterschrieben hat, möchte die Zeit wissen. Die Welt fragt sich derweil, ob die Sensation und die moralische Empörung, die die Correctiv-Recherche auf der Bühne des Berliner Ensembles auslöst, der Sache wirklich dienlich ist. In Paris erlebt sie noch einmal, wie Mike Kelley den amerikanischen Katholizismus aufmischte. Jenseits von Venedig macht Roman Polanskis "The Palace" richtig Spaß, versichert die SZ.
17.01.2024. Die Schriftstellerin Lana Bastašić hat den S. Fischer Verlag wegen dessen Israelsolidarität verlassen: Die Feuilletons beklagen den einseitigen Gesprächsabbruch. Die Welt fragt sich, ob Yael Bartana und Ersan Mondtag mit ihren kommenden Biennale-Beiträgen die deutsche Staatsräson verteidigen werden. Elfriede Jelinek sehnt sich in ihrer Huldigung Einar Schleefs nach einer Sprache zum Anfassen. Einer FAZ-Kritikerin wird auf einem Inklusions-Theaterfestival an den Münchner Kammerspielen der Notizblock entrissen. In Yorgos Lanthimos' neuem Film "Poor Things" wird eine Steampunk-Welt in Grund und Boden gevögelt, freut sich die FAZ.
16.01.2024. Nur zu gerne gruseln sich die Filmkritiker mit der vierten Staffel von "True Detective" an der Seite von Jodie Foster in der dunklen Polarnacht Alaskas. Die FAZ erfährt in Weimar, dass Goethes Wohnhaus gar nicht so authentisch ist, wie den Besuchern bisher weisgemacht wurde. Die Feuilletons trauern um die Schauspielerin Elisabeth Trissenaar.
15.01.2024. Die Kritiker verfallen in Dortmund der starken femme fatale in Augusta Holmès lang vergessener Oper "La montagne noire". Filme wie "Saltburn" oder "Triangle of Sadness" leisten in ihrer moralischen Empörung allenfalls verkürzte Kapitalismuskritik, kritisiert Zeit Online. Das Wohnen der Zukunft wird weich und gepolstert, glaubt die SZ. Und die Feuilletons trauern um den russischen Dichter und Putingegner Lew Rubinstein, der den Folgen eines Verkehrsunfalls erlegen ist.
13.01.2024. Die FAZ erkennt in Rom im Werk von Max Peiffer Watenphul den William Turner des Bauhaus. Die taz lässt sich von Maren Wurster erklären, wie man über die eigene Familie schreibt, ohne sie bloßzustellen. Die SZ blickt am Staatstheater in Wiesbaden in ein "tiefes schwarzes Jammertal". Zum deutschen Liedermacher der Stunde kürt sie Tristan Brusch, den sie irgendwo zwischen Kunstliedkünstler und Pophansel verortet. Und der Tagesspiegel fragt sich mit Thomas Cailleys Fantasyfilm "Animalia", wie Zusammenleben nach dem Rücktritt des Menschen funktioniert.
12.01.2024. Die Welt fragt, warum die Homosexualität von Künstlern so oft verschwiegen wird. Die Zerrissenheit der Mütter zeigt sich der Berliner Zeitung eindrucksvoll im Haus am Lützowplatz. Artechock kritisiert den "Brandbrief" zur Filmförderung an Claudia Roth und fragt sich, ob eine hohe Gewinnmarge wirklich der geeignete Maßstab ist, um die Qualität eines Filmes zu beurteilen. Mehr junge Dirigentinnen wünscht sich die SZ: Dass in Bayreuth erstmals mehr Frauen als Männer dirigieren, sei ein guter Start. Die FAZ kritisiert die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, die kein Geld mehr für die Internationalen Messiaen-Tage in Görlitz bereitstellt..
11.01.2024. Die Filmkritiker lassen sich von Catherine Breillats jungem Faun in ein Reich des Begehrens führen. Ist Elsa von Freytag-Loringhoven, die mit Vogelkäfig auf dem Kopf und Warnleuchten auf der Hüfte die Bourgeoisie veralberte, die eigentliche Urheberin von Duchamps Fountain, fragt die Zeit. Die taz erinnert sich mit Theu Boermans an die ermordeten jüdischen KünstlerInnen der Wiener Volksoper. Die NZZ versteht dank Juli Zeh und Michel Houellebecq die Proteste der Bauern besser. Außerdem testet sie in Peter Haimerls Waben das Wohnen der Zukunft.
10.01.2024. Die taz feiert C. J. Obasis nigerianischen schwarz-weiß-Thriller "Mami Wata" und hört sich begeistert durch die zehn Alben von John Zorns "Masada". Die Welt besucht ein Theaterfestival in Mali, wo Staatsstreiche zu 50 Franc verhökert werden. Die griechischen Götter sind schön, aber sind sie auch tugendhaft? Das fragt man sich in Indien, lernt die FAZ in einer Ausstellung in Mumbai. Die SZ blättert durch neue Kinderbücher, die ihr zeigen, wie man gegen den Klimawandel protestiert.
09.01.2024. Zeit Online reitet durch die Frühgeschichte der Micky Maus und findet eine Kultur der Aneignung. Die FAZ tanzt mit den Figuren aus Simon Stephens neuem Stück am Kammertheater Stuttgart über die Dunkelheit hinweg. Die NZZ geht im Petit Palais in Paris auf einen Streifzug durch die Avantgarde. Der Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker versteht in der SZ die Verzweiflung der Landwirte - weil er selbst einer ist.