Efeu - Die Kulturrundschau
Im Dickicht der energiegeladenen Texturen
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29.11.2024. Boualem Sansal wird vorerst nicht Mitglied der Académie française, wie RTL.fr meldet. Pascal Bruckner NZZ erklärt, warum der Fall sich zu einer Staatsaffäre entfalten könnte. Immerhin liefern die Musiktage Weingarten noch horizonterweiternde Musik von Hilda Paredes, viele Festivals bieten laut FAZ mittlerweile wenig Inhalt. Nan Goldin äußert sich nach ihrer Rede in der FR zum ersten Mal selbst und beklagt Zensur seitens der Neuen Nationalgalerie. Die "Groteske der teigigen Körper" bestaunt die Berliner Zeitung bei Louise Bonnet.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
29.11.2024
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Literatur
Boualem Sansal wird vorerst nicht in die Académie française aufgenommen, berichtet Antoine Leiris bei RTL.fr. Der Académicien Jean-Christophe Rufin hatte eine Express-Aufnahme vorgeschlagen. Gestern tagte die Akademie in geschlossener Sitzung. Leiris weiß dennoch, dass Rufin ein flammendes Plädoyer für Sansal hielt. Der 75-jährige Schriftsteller wurde letzte Woche in Algerien festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem Komplizenschaft mit Terroristen vorgeworfen, was zu einer lebenlangen Haftstrafe führen könnte. Zahlreiche Kollegen, auch in Deutschland, haben ihre Solidarität mit Sansal erklärt. Die Debatten in der Akademie waren "lebhaft, leidenschaftlich und sogar hitzig", so Leiris, "denn die 'Unsterblichen' waren gespalten zwischen dem zusätzlichen Risiko, das sie Boualem Sansal aufbürden würden, und der Möglichkeit, die Öffentlichkeit als Werkzeug für seine Befreiung zu nutzen. Schließlich einigten sie sich auf eine große öffentliche Sitzung in Ornat, die nächste Woche stattfinden soll, um ihm die Ehre zu erweisen."
Pascal Bruckner zieht den Fokus in der NZZ etwas weiter und erklärt, warum die Verhaftung Sansals "das Zeug für eine Staatsaffäre hat". Ihr ging eine Verleumdungskampagne gegen Kamel Daoud voraus, der für seinen Roman "Houris" den Prix Goncourt bekommen hat (Bruckner gehört zur Jury des Preises). Daoud greift darin das "schwarze Jahrzehnt" wieder auf und verstößt damit gegen einen Burgfrieden zwischen dem Regime und den Islamisten - in Algerien ist es unter dem Zeichen der "Versöhnung" gesetzlich verboten, die damaligen Mordtaten der Islamisten und des Regimes zu thematisieren. In all dem spiegelt sich allerdings auch das pathologische Verhältnis zwischen Frankreich und Algerien wider, so Bruckner: "Algier scheint nicht existieren, nicht atmen, nicht denken zu können, ohne Frankreich, den ewigen und unerlässlichen Gegner, zu verteufeln." Und Macron laviert: "Am Ende verärgert er alle, ohne jemanden zu befriedigen. Denn der französische Präsident will keine Lösungen herbeiführen, er will im ewigen Pathos verharren. Wenn es richtig war, die Verbrechen des Kolonialismus zu verurteilen, hätte er auch an die der Unabhängigkeitskämpfer und insbesondere an das Massaker an den Harkis erinnern können. Eine klare Rede hätte den gordischen Knoten auch mit Algier durchschlagen... können. Boualem Sansal ist der Sündenbock für die Ambivalenzen der französischen Regierung."
Kathleen Hildebrand unterhält sich für die SZ mit dem Kinderbuchautor David A. Robertson, dessen Bücher über indigene Kulturen Kanadas Bestsellerstatus erreicht haben und der selber indigene Wurzeln hat, von denen er lange Zeit nichts wusste. "Pretendians", die sich Federschmuck umwerfen, um in den Genuss von Fördermitteln und Aufmerksamkeit zu gelangen, sind ihm ebenso ein Dorn im Auge wie obsolete Begrifflichkeiten: "Den Begriff 'Indianer' sollte man nicht mehr verwenden. In historischen Kontexten ist es in Ordnung."
Weitere Artikel: Alexander Kluy schreibt im Standard über hundert Jahre "Zauberberg" von Thomas Mann. Warum dessen essayistische Betrachtungen zur Ironie der politischen Kultur unserer Gegenwart ganz gut tun würden, erklärt Jannis Koltermann in der FAZ: Ironie "ermöglicht Gespräch, wo Radikalismus nur zu Geschrei führt".
Besprochen werden unter anderem Samantha Harveys eben mit dem Booker Prize ausgezeichneter Roman "Umlaufbahnen" (FAZ), Heinz Strunks "Zauberberg 2" (online nachgereicht von der FAZ) und neue Musikcomics (FAZ.net). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Pascal Bruckner zieht den Fokus in der NZZ etwas weiter und erklärt, warum die Verhaftung Sansals "das Zeug für eine Staatsaffäre hat". Ihr ging eine Verleumdungskampagne gegen Kamel Daoud voraus, der für seinen Roman "Houris" den Prix Goncourt bekommen hat (Bruckner gehört zur Jury des Preises). Daoud greift darin das "schwarze Jahrzehnt" wieder auf und verstößt damit gegen einen Burgfrieden zwischen dem Regime und den Islamisten - in Algerien ist es unter dem Zeichen der "Versöhnung" gesetzlich verboten, die damaligen Mordtaten der Islamisten und des Regimes zu thematisieren. In all dem spiegelt sich allerdings auch das pathologische Verhältnis zwischen Frankreich und Algerien wider, so Bruckner: "Algier scheint nicht existieren, nicht atmen, nicht denken zu können, ohne Frankreich, den ewigen und unerlässlichen Gegner, zu verteufeln." Und Macron laviert: "Am Ende verärgert er alle, ohne jemanden zu befriedigen. Denn der französische Präsident will keine Lösungen herbeiführen, er will im ewigen Pathos verharren. Wenn es richtig war, die Verbrechen des Kolonialismus zu verurteilen, hätte er auch an die der Unabhängigkeitskämpfer und insbesondere an das Massaker an den Harkis erinnern können. Eine klare Rede hätte den gordischen Knoten auch mit Algier durchschlagen... können. Boualem Sansal ist der Sündenbock für die Ambivalenzen der französischen Regierung."
Kathleen Hildebrand unterhält sich für die SZ mit dem Kinderbuchautor David A. Robertson, dessen Bücher über indigene Kulturen Kanadas Bestsellerstatus erreicht haben und der selber indigene Wurzeln hat, von denen er lange Zeit nichts wusste. "Pretendians", die sich Federschmuck umwerfen, um in den Genuss von Fördermitteln und Aufmerksamkeit zu gelangen, sind ihm ebenso ein Dorn im Auge wie obsolete Begrifflichkeiten: "Den Begriff 'Indianer' sollte man nicht mehr verwenden. In historischen Kontexten ist es in Ordnung."
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Besprochen werden unter anderem Samantha Harveys eben mit dem Booker Prize ausgezeichneter Roman "Umlaufbahnen" (FAZ), Heinz Strunks "Zauberberg 2" (online nachgereicht von der FAZ) und neue Musikcomics (FAZ.net). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Film
"In der deutschen Filmszene herrscht die nackte Angst", schreibt Rüdiger Suchsland in einem "Grundsatz-Aufruf zum deutschen Film" auf Artechock angesichts des Ampel-Aus und damit einhergehend wohl auch mit der lange vertagten Reform der deutschen Filmförderung. Die Lage: Kino- und Firmensterben, Kultur wird aus den Öffentlich-Rechtlichen mehr und mehr verbannt, eine förderpolitische Brachlage. "Wer den Populisten aller Couleur Einhalt gebieten will, muss aber schon aus diesem Grund an einer vielfältigen, aktiven und lebendigen Filmlandschaft interessiert sein. Für eine demokratische Gesellschaft ist sie existentiell." Gefordert wird daher unter anderem "von der im Frühjahr neu zu bildenden Bundesregierung ein Moratorium für den deutschen Film und die Bildung einer Task Force 'Zukunft deutscher Film', an der alle Teile der Branche gleichberechtigt, auf Augenhöhe und mit offenem Ergebnis beteiligt werden, um den Stand der Dinge und die dringend notwendigen Veränderungen für die nahe Zukunft zu diskutieren - das Gegenteil der unter ständigem massivem Zeitmangel leidenden und im Ergebnis vorformatierten und damit systemisch versagenden 'Runden Tische' der vergangenen Jahrzehnte."
Weitere Artikel: Offenbar nach einer Intervention der Behörden musste das ägyptische Filmfestival El Gouna den eigentlich geplanten Eröffnungsfilm "The Last Miracle" kurzfristig aus dem Programm nehmen, berichtet Karim Assaad in der taz - Zeichen für eine immer schärfere Zensur in Ägypten, so Assaad. Die Welt hat Hanns-Georg Rodeks Gespräch mit Jacques Audiard über dessen (im Tagesanzeiger und Standard sowie auf Artechock und bei uns besprochenes) Trans-Musical "Emilia Pérez online nachgereicht. Dunja Bialas spricht für Artechock mit der georgischen Regisseurin Dea Kulumbegashvili über deren Film "April", der in Cannes ausgezeichnet wurde und nun beim 73. Filmfestival Mannheim Heidelberg lief, das Bialas' Kollege Wolfgang Lasinger resümiert. Andreas Busche empfiehlt im Tagesspiegel das Berliner Festival "Around the World in 14 Films", das ein Best-Of der wichtigsten Festivalfilme des Jahres präsentiert. Wilfried Hippen spricht für die taz mit Alfred Tews vom Super8-Wochenende in Bremen, wo sich unter anderem lernen lässt, dass sich auch Gemüsebrühe zum Entwickeln von Analogfilmstreifen eignet. Andreas Kilb gratuliert in der FAZ dem Regisseur Joel Coen zum 70. Geburtstag. Mladen Gladić schreibt in der Welt einen Nachruf auf den Nonsense-Auteur Jim Abrahams. Und: Rüdiger Suchsland hat seine zunächst rein polemische Artechock-Kritik zum umstrittenen Westjordanland-Dokumentarfilm "No Other Land" (unser Resümee) um ein argumentierendes Close-Reading des Films ergänzt.
Besprochen werden Chiara Fleischhackers Mutterschaftsdrana "Vena" (Artechock, FAZ), Ivan Sainz-Pardos Beziehungskomödie "Der Vierer" (Artechock), Logan Georges und Celine Helds "Caddo Lake" (Artechock), Beatrice Mingers und Christoph Schaubs Dokumentarfilm "E. 1027 - Eileen Gray and the House by the Sea" (NZZ), die von Arte online gestellte Serie "Evil" (FAZ), die zweite Staffel von "Tulsa King" mit Sylvester Stallone als Mafioso (TA) und die ersten drei Fälle der Schweizer Krimiserie "Maloney" (NZZ).
Weitere Artikel: Offenbar nach einer Intervention der Behörden musste das ägyptische Filmfestival El Gouna den eigentlich geplanten Eröffnungsfilm "The Last Miracle" kurzfristig aus dem Programm nehmen, berichtet Karim Assaad in der taz - Zeichen für eine immer schärfere Zensur in Ägypten, so Assaad. Die Welt hat Hanns-Georg Rodeks Gespräch mit Jacques Audiard über dessen (im Tagesanzeiger und Standard sowie auf Artechock und bei uns besprochenes) Trans-Musical "Emilia Pérez online nachgereicht. Dunja Bialas spricht für Artechock mit der georgischen Regisseurin Dea Kulumbegashvili über deren Film "April", der in Cannes ausgezeichnet wurde und nun beim 73. Filmfestival Mannheim Heidelberg lief, das Bialas' Kollege Wolfgang Lasinger resümiert. Andreas Busche empfiehlt im Tagesspiegel das Berliner Festival "Around the World in 14 Films", das ein Best-Of der wichtigsten Festivalfilme des Jahres präsentiert. Wilfried Hippen spricht für die taz mit Alfred Tews vom Super8-Wochenende in Bremen, wo sich unter anderem lernen lässt, dass sich auch Gemüsebrühe zum Entwickeln von Analogfilmstreifen eignet. Andreas Kilb gratuliert in der FAZ dem Regisseur Joel Coen zum 70. Geburtstag. Mladen Gladić schreibt in der Welt einen Nachruf auf den Nonsense-Auteur Jim Abrahams. Und: Rüdiger Suchsland hat seine zunächst rein polemische Artechock-Kritik zum umstrittenen Westjordanland-Dokumentarfilm "No Other Land" (unser Resümee) um ein argumentierendes Close-Reading des Films ergänzt.
Besprochen werden Chiara Fleischhackers Mutterschaftsdrana "Vena" (Artechock, FAZ), Ivan Sainz-Pardos Beziehungskomödie "Der Vierer" (Artechock), Logan Georges und Celine Helds "Caddo Lake" (Artechock), Beatrice Mingers und Christoph Schaubs Dokumentarfilm "E. 1027 - Eileen Gray and the House by the Sea" (NZZ), die von Arte online gestellte Serie "Evil" (FAZ), die zweite Staffel von "Tulsa King" mit Sylvester Stallone als Mafioso (TA) und die ersten drei Fälle der Schweizer Krimiserie "Maloney" (NZZ).
Kunst

Wer schon immer mal sehen wollte, wie antike Mythen auf den feministischen Kopf gestellt werden und wie sich das Ganze mit manieristischer Malerei verbinden lässt, sollte in der Ausstellung "Reversal of Fortune" der Galerie Max Hetzler vorbeischauen, wo die Werke der Schweizerin Louise Bonnet ausgestellt werden, empfiehlt Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung. Der Manierismus ermöglicht eine künstlerische Freiheit, "die auch Bonnet für sich in Anspruch nimmt - und mit der sie unübersehbar sarkastisch auf das von Werbe-, Film-, Mode-, Kosmetik-Industrien vorgegebene Diktat makelloser weiblicher, jugendlicher Schönheit in unserem Beauty-süchtigen Zeitalter reagiert. (…) Die verformten Körper in diesem Bilduniversum sind allesamt in eine reduzierte Umgebung eingebettet, auf tiefroten Grund, unter weißen Laken, in einem pinkfarbenen Tuch. Doch sobald man sich der Anziehung dieser seltsamen Gestalten hingibt, parieren sie unseren Blick mit der Groteske der teigigen Körper. Für die Malerin aber dürfte das Stürzen und Fallen (…) eine Form passiven Widerstands sein."
"Ich gehe davon aus, dass das Museum es darauf abgesehen hatte, dass ich die Ausstellung selbst absage", meint Nan Goldin im Interview mit Hanno Hauenstein in der FR, nachdem ihre Rede bei der Eröffnung ihrer Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie heftig kritisiert worden war (unser Resümee). Das Museum hat ihr zwar eine prächtige Retro beschert, aber Godlin ist trotzdem nicht zufrieden: "Ich fühlte mich vom Museum verleugnet. Sie wussten, wen sie einladen. Ich habe sie ständig an meine politische Haltung erinnert. Sie haben hart daran gearbeitet, zu beweisen, dass sie die Künstlerin, die sie ausstellen, nicht unterstützen. Ich wurde übrigens auch vom Museum zensiert." Auf die Nachfrage des Interviewers erläutert sie, dass sie ein Dia mit einer Solidaritätserklärung für die Opfer des Gaza-Kries und im Libanon (und des 7. Oktober) aus einer ihrer Dia-Präsentationen habe herausnehmen müssen. "Offensichtlich wollte das Museum aber innerhalb der Ausstellung keinen Hinweis auf meine Politik - oder Raum für Trauer - zulassen."
Besprochen werden die Ausstellungen "Rembrandts Amsterdam" im Frankfurter Städel (Welt) und "Isa Mona Lisa" in der Hamburger Kunsthalle (FAZ).
Bühne

Meryl Tankard hat Pina Bauschs "Kontakthof" am Tanztheater Wuppertal inszeniert - und das besondere ist, dass die gleichen Tänzer wie bei der Erstaufführung 1978 auf der Bühne stehen und mit einer Filmaufnahme von damals verschnitten werden, freut sich Wiebke Hüster in der FAZ. Ein kraftvolles Stück, das nach 46 Jahren immer noch zu überzeugen weiß: "Wenn etwa die Tänzer Passagen tanzen, in denen ihre Partner von früher auf der Bühne fehlen, und man die Toten und Abwesenden gleichzeitig im Film sieht, die phantastische Silvia Kesselheim etwa."
Weitere Artikel: Die Nachtkritik resümiert eine Debatte, die sich um die Benennung der "Pinocchio"-Inszenierung von Emel Aydoğdu am Staatstheater Wiesbaden als 'Familienstück' statt als 'Weihnachtsmärchen' dreht und nimmt sie zum Anlass, mal zu schauen, wie es mit dieser speziellen Sparte der Vorweihnachtsstücke in anderen Theatern aussieht. Die russische Exil-Theatermacherin Marina Davydova wird von ihrem Posten als Schauspielchefin der Salzburger Festspiele entlassen: Neben "Verstößen gegen vertragliche Dienstpflichten" soll das Direktorium auch mit der Leistung Davydovas nicht zufrieden gewesen sein, meldet der Standard.
Besprochen wird Nurkan Erpulats Inszenierung von Nora Abdel-Maksouds "Café Populaire Royal" im Maxim Gorki-Theater (Welt).
Musik
Max Nyffeler ist in der FAZ sehr unzufrieden mit der Entwicklung der Neue-Musik-Festivals: "Je größer die organisatorischen und finanziellen Ressourcen werden, desto überraschungsloser und weniger horizonterweiternd sind aufs Ganze gesehen die Inhalte." Eine Ausnahme bilden für ihn die selbst noch sehr neuen Musiktage Weingarten, das jedes Jahr auf eine Person fokussiert, in diesem Jahr die in London lebende, mexikanische Komponistin Hilda Paredes. "In ihren Werken, die allesamt akribisch ausnotiert sind, verbindet sich frei fließende Emotionalität mit einer illusionslosen Perspektive auf die harte Wirklichkeit ihres Herkunftslandes, in dem sich heute das künstlerische Bewusstsein einen Weg zwischen verschütteten indigenen Traditionen und dem Ansturm der Moderne bahnen muss. ... Daraus ist eine kraftvolle Musiksprache hervorgegangen, die frei ist von jeglichem Folklorismus. Doch im Dickicht der energiegeladenen Texturen und der dissonant geschärften Klänge artikuliert sich unverwechselbarer Ton, der etwas von der unter der zivilisatorischen Oberfläche weiterlebenden Magie der alten mexikanischen Kulturen zu künden scheint."
Ruth Lang Fuentes spricht für die taz mit Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen über das 40-jährige Bestehen der einstigen Funpunk-Band, die über die Politik bei der Avantgarde angekommen ist und ihr Jubiläum nun mit einem Best-Of und einer Tour feiert. Um Nostalgie geht es dabei nicht, beteuert Kamerun, sondern eher um Inventur. "Die Stones müssen 'Satisfaction' spielen, wir aber nicht 'Für immer Punk'. Wir haben uns extrem verändert über die Jahre. Und versucht, uns immer mit Gegenwart auseinanderzusetzen. ... Der Nachteil ist aber, wir spielen unsere alten Sachen nicht, das können wir nicht mehr, weil diese Songs für uns überhaupt nicht mehr funktionieren."
Weitere Artikel: Jonathan Fischer porträtiert für Zeit Online den Jazzmusiker Kahil El'Zabar, der seit Jahrzehnten Alben veröffentlicht und jetzt von einer an Hiphop geschulten Generation von Musikern und Hörern wiederentdeckt wird. "Die Dominanz einer avantgardistischen Orthodoxie in der Gegenwartsmusik gehört der Vergangenheit an", nimmt Stefan Ender in der NZZ als Fazit von der Wien Modern mit. Gerrit Bartels wirft für den Tagesspiegel einen Blick auf den aktuellen Streit um den gerade als Remix wiederveröffentlichten Charity-Schmachtfetzen "Do They Know It's Christmas?", dem unter anderem vorgeworfen wird paternalistisch statt solidarisch zu sein. Wilhelm von Sternburg erinnert in der FR an den vor hundert Jahren gestorbenen Komponisten Giacomo Puccini. Besprochen wird außerdem ein Konzert von Die Nerven (FR).
In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Stephan Sura über "Für die Ewigkeit" von Moses Pelham:
Ruth Lang Fuentes spricht für die taz mit Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen über das 40-jährige Bestehen der einstigen Funpunk-Band, die über die Politik bei der Avantgarde angekommen ist und ihr Jubiläum nun mit einem Best-Of und einer Tour feiert. Um Nostalgie geht es dabei nicht, beteuert Kamerun, sondern eher um Inventur. "Die Stones müssen 'Satisfaction' spielen, wir aber nicht 'Für immer Punk'. Wir haben uns extrem verändert über die Jahre. Und versucht, uns immer mit Gegenwart auseinanderzusetzen. ... Der Nachteil ist aber, wir spielen unsere alten Sachen nicht, das können wir nicht mehr, weil diese Songs für uns überhaupt nicht mehr funktionieren."
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