Efeu - Die Kulturrundschau
Wie ein Tornado geformt
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
16.05.2025. Im Tagesspiegel erklärt die im Libanon geborene Schrifstellerin Hoda Barakat, wie sie weiblichen Stimmen Gehör verschafft, ohne Feministin zu sein. In der SZ erklärt Milo Rau, weshalb es an der Zeit ist, Elfriede Jelineks in Österreich geschmähtes Stück "Burgtheater" über die NS-Verstrickungen des Hörbiger-Clans genau jetzt aufzuführen. Die taz erkennt in Sergei Loznitsas Cannes-Beitrag "Zwei Staatsanwälte" einen Appell zum Erhalt der Demokratie. Und der Perlentaucher freut sich über seinen neuen Podcast "Bücherbrief live".
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
16.05.2025
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Literatur
Wir freuen uns in eigener Sache: Unsere Perlentaucher Benita Berthmann und Lukas Pazzini legen mit "Bücherbrief live" den ersten Perlentaucher-Podcast vor. Flankierend zu unserem Bücherbrief, der Ihnen jeden Monat die wichtigsten Bücher aus den Feuilletons destilliert, sprechen die beiden über drei ausgesuchte Bücher. Im Auftakt geht es um Tomasz Rozyckis "Die Glühbirnendiebe" und Sara Mesas "Die Familie". Außerdem sprechen die beiden mit Michael Töteberg und Alexandra Vasa über deren Rolf-Dieter-Brinkmann-Biografie "Ich gehe in ein anderes Blau". An dieser Stelle können Sie den Podcast hören, kostenfrei abonnieren und gerne weiterempfehlen.+++++
"Ich habe mich im Libanon als Exilantin empfunden", sagt die seit 1989 in Paris lebende Schriftstellerin Hoda Barakat im Tagesspiegel-Gespräch mit Gregor Dotzauer. Aber "ich sehe viele Vorteile darin, nirgendwo dazuzugehören", etwa den, "Libanon besser kritisieren zu können". Die arabische Literatur um eine feministische Perspektive erweitert zu haben, nimmt sie als Verdienst nur zögerlich an: "Wenn ich das geschafft habe, dann nicht, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich eine gute Schriftstellerin bin. Ich bin keine Feministin, die sich diese Bezeichnung als verkaufsförderndes Etikett selbst anheften würde. Außerdem sind alle meine Romane, mit Ausnahme von 'Hind', aus der Perspektive von Männern geschrieben. Man muss das auch als Aufforderung zum Gedankenspiel sehen: Wo bleiben die Frauen? Das ist meine Art, meiner weiblichen Stimme Gehör zu verschaffen. Wenn ich schreibe, verkleide ich mich nicht als Mann. Ich schreibe als Frau, die keine Grenzen anerkennt. Ich könnte mich, wenn ich es wollte, auch in einen Baum verwandeln."
Seit einem halben Jahr ist Boualem Sansal jetzt in Haft. Libération produziert ihre erste Seite 1 zu diesem Skandal. Pascal Bruckner bringt zugleich ein Buch heraus: "Pour Boualem Sansal" mit Beiträgen von sechzig Autoren. Weiteres: Erhard Schütz kürt im Freitag die Sachbücher des Monats. Besprochen werden unter anderem Oleg Jurjews "Verse vom himmlischen Drucksatz" (NZZ), Heike Geißlers "Arbeiten" (online nachgereicht von der Welt), Georgi Demidows "Zwei Staatsanwälte" (FR), Christian Grataloups "Die Geschichte der Erde. Ein Atlas" (FR) und Georg Wiesing-Brandes' "'Walter Benjamin: Das Pariser Adressbuch'. Eine Biografie des Exils im Spiegel" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Kunst

Zu Klängen mährischer Mikrodialekte zwischen Flachsfasern und sandbeschichteten Skulpturen wandernd, lässt sich Florian Heimhilcher (FAZ) im Hamburger Bahnhof von der tschechischen Künstlerin Klára Hosnedlová in die Vormoderne zurückführen: "Hauptattraktion der Installation sind die bärtigen, aus Flachs und Hanf gewebten Gebilde. Ganze sechs Stück davon hängen von der Decke bis zum Boden. Eine Tafel informiert, dass die Künstlerin dafür mit den letzten verbliebenen Flachs- und Hanfverarbeitern aus ihrer Region zusammenarbeitete. ... Ähnliche Arbeiten finden sich auch an den Seitenwänden. Man sieht hier einen verkohlten Schmetterling, der über ein brennendes Streichholz gehalten wird. Daneben findet sich die Darstellung einer Person, der mit Kohle der Rücken verziert wird. Das mutet mythisch an, hat einen ritualhaften Charakter. Die Asche des Schmetterlings anstelle nickelhaltiger Tattoofarben. Mit gestickten und geflochtenen Arbeiten gebietet Hosnedlová dem Tempo der Moderne Einhalt."

In der NZZ freut sich Franz Zelger, dass die Ausstellung "Biedermeier. Eine Epoche im Aufbruch" im Wiener Leopold-Museum den Blick auf die gesamte Donaumonarchie von Budapest und Prag bis Venedig und Mailand weitet. Die Maler hielten überwiegend die beginnende Industrialisierung fest, aber auch das Porträt erlebte mit dem Rückzug des Bürgertums in die Innerlichkeit eine neue Blütezeit: "Gutsituierte wollten ihr Ansehen und ihren gesellschaftlichen Rang dokumentiert haben, und zwar in minuziös ausgeführten, realistischen Bildnissen. Als Standeszeichen dienten kostbare Textilien, üppige Frisuren der Damen und repräsentative Einrichtungsgegenstände wie Silberobjekte oder Porzellan. Anders als in der Barockzeit soll die Distanz zum Betrachter überwunden werden. Auch die Großelterngeneration wurde zum beliebten Bildthema, wurde ungeschönt wiedergegeben mit den körperlichen und physiognomischen Kennzeichen des Alters, doch stets würdevoll."
Weitere Artikel: Bei Monopol versucht der Ökonom, Soziologe und Autor des Buches "Anstößige Bilder. Gesellschaftskampfspiele um den Documenta-Fifteen-Skandal" Michael Hutter nicht nur, die Diskrepanz zwischen den Reaktionen von Politik und Medien auf der einen Seite und der Kunstwelt auf der anderen Seite zum Antisemitismus-Skandal bei der Documenta 15 (unsere Resümees) mit der Systemtheorie zu erklären, er wirft auch beiden Seiten vor, den Skandal in Folge instrumentalisiert zu haben. In der FAZ schreibt Alfons Kaiser den Nachruf auf den im Alter von 88 Jahren gestorbenen Maler und Modeunternehmer Christoph von Weyhe. In der NZZ fragt sich Philipp Meier, weshalb Alberto Giacomettis Büste "Grande tête mince (Grande tête de Diego)", geschätzt auf mindestens 70 Millionen Dollar, bei einer Auktion bei Sotheby's kein einziges Gebot fand.
Besprochen werden die Ausstellungen "Zuzanna Czebatul: All the Charm of a Rotting Gum" in der Berliner Galerie Dittrich & Schlechtriem (taz), "Ausgehoben! Realismen von Aristide Maillol bis Gruppe Zebra" im Städtischen Museum Braunschweig (taz) und die Skulptur "Washerwoman" der in Trinidad geborenen Künstlerin Shannon Alonzo im Theseustempel im Wiener Volksgarten (Standard).
Bühne
Im Jahr 1985 veröffentlichte Elfriede Jelinek ihr Stück "Burgtheater", in dem sie die NS-Verstrickungen des Hörbiger-Clans offenlegte, fortan wurde sie in Österreich geschmäht und als "Nestbeschmutzerin" beschimpft, erinnert Verena Mayer in der SZ. Vierzig Jahre später hat Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, das Stück zunächst als Lesung, dann als Boulevard-Komödie mit Birgit Minichmayr in der Hauptrolle auf die Bühne des Burgtheaters gebracht. Warum gerade jetzt, erklärt er Mayer im Gespräch: "Weil man gerade 80 Jahre Kriegsende begehe und das Stück davon handle, 'inwieweit man in Österreich verstanden hat, was in der Vergangenheit passiert ist: Krieg, Mitläufertum und Holocaust'. Und wie es sein könne, 'dass man nach dieser Erfahrung eine extrem rechte Partei die Mehrheit erobern lässt'. Zwar werde in Österreich vieles auf einer symbolisch-rhetorischen Ebene verarbeitet, sagt Rau, 'aber eine tiefere Verständnisschicht wird dabei nicht berührt'."
Weitere Artikel: Am Sonntag feiert Wagners "Parsifal", inszeniert von der Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender und dirigiert von Thomas Guggeis, an der Frankfurter Oper Premiere, für die FR spricht Judith von Sternburg mit den beiden über ihre erste Begegnung mit Wagners letzter Oper. Die nachtkritik führt ihren Liveblog zum Berliner Theatertreffen 2025 fort. In der FAZ berichtet Wiebke Hüster vom inzwischen dritten Brief an Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, in dem nun Ensemblemitglieder des Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburg ihre Kollegen am Hamburger Ballett bei ihren Beschwerden über den neuen Ballettdirektor Demis Volpi unterstützen. Im Standard porträtiert Margarete Affenzeller das dänisch-österreichische Duo Signa und Arthur Köstler, das bei den Wiener Festwochen ihr Stück "Das letzte Jahr" zeigt.
Besprochen werden Anne Lenks Inszenierung von Ernst Tollers Kriegsheimkehrer-Drama "Hinkemann" am Deutschen Theater in Berlin (Welt), Marco Moraus Choreografie "Notte Morricone", getanzt von der italienischen Company Aterballetto bei den Wiesbadener Maifestspielen (FR) und die Produktion "Kindheiten" des Kollektivs vorschlag:hammer am Berliner Ballhaus Ost (nachtkritik).
Weitere Artikel: Am Sonntag feiert Wagners "Parsifal", inszeniert von der Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender und dirigiert von Thomas Guggeis, an der Frankfurter Oper Premiere, für die FR spricht Judith von Sternburg mit den beiden über ihre erste Begegnung mit Wagners letzter Oper. Die nachtkritik führt ihren Liveblog zum Berliner Theatertreffen 2025 fort. In der FAZ berichtet Wiebke Hüster vom inzwischen dritten Brief an Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, in dem nun Ensemblemitglieder des Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburg ihre Kollegen am Hamburger Ballett bei ihren Beschwerden über den neuen Ballettdirektor Demis Volpi unterstützen. Im Standard porträtiert Margarete Affenzeller das dänisch-österreichische Duo Signa und Arthur Köstler, das bei den Wiener Festwochen ihr Stück "Das letzte Jahr" zeigt.
Besprochen werden Anne Lenks Inszenierung von Ernst Tollers Kriegsheimkehrer-Drama "Hinkemann" am Deutschen Theater in Berlin (Welt), Marco Moraus Choreografie "Notte Morricone", getanzt von der italienischen Company Aterballetto bei den Wiesbadener Maifestspielen (FR) und die Produktion "Kindheiten" des Kollektivs vorschlag:hammer am Berliner Ballhaus Ost (nachtkritik).
Film

Mit seinem im Cannes-Wettbewerb gezeigten "Zwei Staatsanwälte" kehrt Sergei Loznitsa nach vielen Jahren im dokumentarischen Bereich zum Spielfilm zurück. Es geht um einen jungen Staatsanwalt während des stalinistischen Terrors, berichtet Tim Caspar Boehme in der taz. "Loznitsa führt die Willkür der Terrorherrschaft als absurden Bürokratieapparat vor." Zwar ist das Ende "bald absehbar, doch die unerbittliche Ausweglosigkeit des paranoiden Verfolgungssystems des Stalinismus, die Loznitsa vorführt, ist zugleich eindringliches Plädoyer für den Erhalt von Demokratie und funktionierender Justiz."
Josef Lederle geht im Filmdienst vor Mascha Schilinskis deutschem Wettbewerbsfilm "In die Sonne schauen" (unser Resümee) auf die Knie: Eine "hypnotische Faszination" geht von diesem Film aus, der "die filmische Kunst erweitert". Im Welt-Gespräch mit Hanns-Georg Rodek kann die Regisseurin ihr Glück, an der Croissette gelandet zu sein, noch gar nicht richtig fassen. Vorbilder für ihre assoziative Erzählweise hatte sie keine, sagt Schilinski. "Immer wenn wir versucht haben, einen Plot zu konstruieren, hatten wir den Eindruck, als würde sich der Stoff selbst dagegen wehren. Wir haben dann begonnen, alle Bilder, die in uns aufgestiegen sind, aufzuschreiben und - ähnlich wie bei einer Montagearbeit - miteinander zu verknüpfen. So haben sich über die drei Jahre Drehbucharbeit die Figuren herausgebildet, die Struktur hat sich gefunden, und eine kollektive Körpererinnerung ist entstanden."
Außerdem lief in Cannes das nächste Woche regulär in den Kinos startende Tom-Cruise-Vehikel "Mission Impossible: The Final Reckoning", mit dem der Schauspieler das Franchise nach fast 30 Jahren wahrscheinlich doch so langsam zu Grabe trägt: FAZ, Standard, Presse und SZ berichten.
Weitere Artikel: Michael Ranze empfiehlt im Filmdienst die Wander-Retrospektive zu 100 Jahre Columbia, die nun in Hamburg Station macht. Eva Eusterhus plaudert für die Welt mit der Schauspielerin Jella Haase. Von Kira Kramer erfahren wir in der FAZ, dass es die Filmbewertungsstelle Wiesbaden ("Prädikat besonders wertvoll") noch gibt - wenn auch nicht mehr lange: Zum Ende des Jahres stellt sie ihren Dienst ein.
Besprochen werden Jia Zhang-kes "Caught By the Tides" (Perlentaucher), Steven Soderberghs "Black Bag" (Standard), Lisa Brühlmanns vorerst nur in der Schweiz startender Film "When We Were Sisters" (NZZ) und die Sky-Doku "Das Nazi-Kartell" (FAZ).
Musik
Die in den letzten Wochen heftig diskutierte Gema-Reform ist gescheitert. Auf der Generalversammlung "stimmte sowohl die Kurie der Verleger als auch der Komponisten gegen die Reform", berichtet Axel Brüggemann auf Backstage Classical. "Die Ablehnung des Antrags durch nur eine Kurie hätte bereits gereicht, um das Vorhaben scheitern zu lassen." Helmut Mauró erklärt in der SZ: "Abstimmen durften Vertreter aller knapp 100.000 außerordentlichen Mitglieder sowie die etwa 6000 Vollmitglieder, die also mindestens fünf Jahre dabei sind und in dieser Zeit 30.000 Euro über die Gema erwirtschaftet haben. Offenbar gibt es unter den Vollmitgliedern eine Mehrheit von E-Komponisten und Musikverlegern. ... Es ist fraglich, ob sich bei diesen Stimmverhältnissen etwas ändern lässt."
Jan Brachmann atmet in der FAZ spürbar auf: Im Erfolgsfall hätte die Reform "die Vergütung musikalischer Werke direkt mit der Konsumentendemokratie, mit den Abstimmungsergebnissen an den Konzertkassen, kurzgeschlossen. Der völligen Durchökonomisierung unseres Kulturverständnisses wäre dabei nicht nur das Wort geredet worden. ... Die strukturelle Bevorzugung der E-Musik hat Deutschland zu einem Musikland ohne Vergleich gemacht. Nur weil hier der Markt nicht alles regelt, befindet sich die Hälfte aller Opernhäuser der Welt auf deutschem Boden. Nur deshalb kommen junge Menschen aus allen Ländern hierher, um an Musikhochschulen noch Komposition zu studieren."
Weitere Artikel: Hannah Schmidt porträtiert online nachgereicht in der Zeit die Dirigentin Anna Rakitina. Christian Wildhagen spricht für die NZZ mit der Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer. In der taz gratuliert Benjamin Moldenhauer dem auf musikalische Ruppigkeiten spezialisierten Indielabel Fidel Bastro zur 100. Veröffentlichung: In diesem Umfeld "kann man etwas finden, das die schönsten Aspekte von Punk bis heute weiterführt und ins musikalisch Offene schubst". Sabine Winkler porträtiert für die Welt das österreichische Duo Abor & Tynna, das Deutschland beim ESC vertreten wird. Ein Spektogramm legt frei, dass die Schweiz beim ESC mit dem außergewöhnlichsten Song antritt, berichten Simon Huwiler und Roland Shaw in der NZZ. UK-Rap macht zwar ordentlich Kasse, wird aber auch immer gleichförmiger, beobachtet Victor Efevberha in der taz. Der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht verneigt sich in der Welt vor Elvis, dessen Stimme er in seiner Jugend heimlich im Radio gelauscht hat: "Sie gab mir das Gefühl, auf angenehme Weise überwältigt zu werden, und ich empfand eine glückselige Traurigkeit, wenn der Song nach knapp drei Minuten ausklang."
Besprochen werden ein Hamburger Auftritt des Art Ensemble of Chicago (FAZ), ein Londoner Konzert von Arcade Fire (SZ) und Cameron Winters Album "Heavy Metal" ("ein Ereignis", schwärmt Jan Jakal auf Zeit Online).
Jan Brachmann atmet in der FAZ spürbar auf: Im Erfolgsfall hätte die Reform "die Vergütung musikalischer Werke direkt mit der Konsumentendemokratie, mit den Abstimmungsergebnissen an den Konzertkassen, kurzgeschlossen. Der völligen Durchökonomisierung unseres Kulturverständnisses wäre dabei nicht nur das Wort geredet worden. ... Die strukturelle Bevorzugung der E-Musik hat Deutschland zu einem Musikland ohne Vergleich gemacht. Nur weil hier der Markt nicht alles regelt, befindet sich die Hälfte aller Opernhäuser der Welt auf deutschem Boden. Nur deshalb kommen junge Menschen aus allen Ländern hierher, um an Musikhochschulen noch Komposition zu studieren."
Weitere Artikel: Hannah Schmidt porträtiert online nachgereicht in der Zeit die Dirigentin Anna Rakitina. Christian Wildhagen spricht für die NZZ mit der Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer. In der taz gratuliert Benjamin Moldenhauer dem auf musikalische Ruppigkeiten spezialisierten Indielabel Fidel Bastro zur 100. Veröffentlichung: In diesem Umfeld "kann man etwas finden, das die schönsten Aspekte von Punk bis heute weiterführt und ins musikalisch Offene schubst". Sabine Winkler porträtiert für die Welt das österreichische Duo Abor & Tynna, das Deutschland beim ESC vertreten wird. Ein Spektogramm legt frei, dass die Schweiz beim ESC mit dem außergewöhnlichsten Song antritt, berichten Simon Huwiler und Roland Shaw in der NZZ. UK-Rap macht zwar ordentlich Kasse, wird aber auch immer gleichförmiger, beobachtet Victor Efevberha in der taz. Der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht verneigt sich in der Welt vor Elvis, dessen Stimme er in seiner Jugend heimlich im Radio gelauscht hat: "Sie gab mir das Gefühl, auf angenehme Weise überwältigt zu werden, und ich empfand eine glückselige Traurigkeit, wenn der Song nach knapp drei Minuten ausklang."
Besprochen werden ein Hamburger Auftritt des Art Ensemble of Chicago (FAZ), ein Londoner Konzert von Arcade Fire (SZ) und Cameron Winters Album "Heavy Metal" ("ein Ereignis", schwärmt Jan Jakal auf Zeit Online).
Architektur

Längst überfällig erscheint es in der SZ dem Amsterdamer Dramatiker Geertjan de Vugt, dass neben Belgien und Dänemark nun auch im niederländischen Rotterdam ein Migrationsmuseum eröffnet: das "Fenix". Gezeigt werden Werke von Hans Holbein d. J. über August Sander bis hin zum Porträt des afghanischen Mädchens Sharbat Gula, das einst das Cover der National Geographic zierte. Es ist aber vor allem die Architektur des chinesischen Architekturbüro MAD Architects, die Vugt beeindruckt. Wie ein "Schwimmbad mit Wasserrutsche" erscheint ihm der Entwurf des Architekten Ma Yansong, der den aus dem Jahr 1923 stammenden sogenannten "San Francisco-Schuppen", einst eine der größten Verladehallen der Welt, umgebaut hat: "Im Zentrum des Entwurfs steht die wie ein Tornado geformte, 550 Meter lange Treppe aus rostfreiem Stahl, die das Gebäude durchschneidet und die zum eigentlichen Blickfang des Museums wird. 'Es sieht aus wie eine schwebende Struktur', sagte Ma Yansong am vergangenen Mittwoch bei der Führung für die Medien. 'Aber in Wirklichkeit sind es zwei ineinander verschlungene Treppen." Im Guardian verrät uns John Kampfner etwas mehr über die Ausstellung.
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