Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Lasst die Schwäne tanzen!

23.10.2025. Der Perlentaucher sieht in Guillermo del Toros "Frankenstein"-Film einen alchemistischen Wahnsinnsakt mit Höhen und Tiefen, die FR schwärmt von der opulenten Bildgestaltung. Die Zeit untersucht den Hergang der Tat im Louvre und stellt fest: dreister ging es wirklich nicht. Die taz porträtiert die Band "Stoptime", die in Russland Musik gegen das Regime macht. Die FAZ schmökert im neuen "Asterix"-Comic, der mal wieder die Bilanz des Buchhandels retten wird. 

Man sieht zwar nichts, aber egal

22.10.2025. Alexei Ratmanskys in Wien aufgeführtes, technisch atemberaubendes Ballett "Kallirhoe" begeistert die Feuilletons - der FAZ wird schon beim Hinsehen schwindlig. Über Agnieszka Hollands Kafka-Film "Franz K." wiederum streitet die Kritik, der Tagesspiegel zumindest wartet vergebens auf Sinnzusammenhänge. Komplettbegeisterung herrscht über den Umbau der Fondation Cartier in Paris, Chris Dercon vergleicht den Bau im Welt-Interview mit einem kubistischen Gemälde. Dietmar Dath schimpft in der FAZ über Lektoren, die alles Eigensinnige kaputt redigieren. Im Standard gibt ein Kunstmarktexperte nach dem Louvre-Einbruch angehenden Meisterdieben Tipps für den nächsten Coup.

Zwischen aufgewühlten Laken

21.10.2025. Besonders überraschend ist der Juwelenraub im Pariser Louvre nicht, konstatieren NZZ und SZ mit Blick auf die lange bekannten Sicherheitslücken. Die taz schaut in Berlin wehmütig auf Fotografien von Daniel Josefsohn, der die Kehrseite des Exzesses so lebensecht und verletzlich einzufangen vermochte. Der Tagesspiegel zieht Oliver Guez' Roman "Das Verschwinden des Josef Mengele" Kirill Serebrennikows Filmadaption vor. Die Welt ärgert sich über ordinäre Eigenheim-Plantagen in Vorstädten. Die FAZ prangert Antisemitismus und Gewalt in der deutschen Hip-Hop-Kultur an. 

Spannung aus Wucht und Wehmut

20.10.2025. Der Louvre ist überfallen worden, ein Teil von Napoleons Juwelen fehlt nun: Erste Einordnungen kommen von der Zeit und der Berliner Zeitung. Die Kritiker sind bei Christian Weises Inszenierung von Brechts "Arturo Ui" gespaltener Meinung: Für die FAZ kommt das Stück nicht über eine "grelle Revue" hinaus, die FR lobt das Spiel des Ensembles. Die Welt interviewt Luca Guadagnino zu seinem MeToo-Film "After the Hunt". Und alle trauern um Klaus Doldinger - wir bringen Videos.

Blaue Adern wie Flüsse

18.10.2025. Die Hochliteratur wird zum Nischenangebot, konstatiert die SZ besorgt nach der Frankfurter BuchmesseBurhan Qurbanis Hamburger Inszenierung seines Stücks "Die Verwandlung" über (post)-migrantische Schicksale lässt die Nachtkritik aus unruhigen Träumen erwachen. Die FAZ stellt die ukrainische Künstlerin Dariia Kuzmych vor, in deren Werk Flucht wie gebrochene Knochen, zerrissene Muskeln und Weinreben aussieht. Die FAZ berichtet außerdem, wie der puertoricanische Superstar Bad Bunny in USA für Wirbel sorgt. 

58.555 Euro pro Quadratmeter

17.10.2025. In der FR fordert Claus Leggewie die europäischen Regierungen auf, Algerien mit Blick auf die Haft von Boualem Sansal ein Ultimatum zu stellen. Die SZ bermerkt besorgt, dass Justiziare der Verlage immer häufiger in die Gestalt von Büchern eingreifen. Tagesspiegel und Welt bewundern im Berliner Gropiusbau, wie radikal und respektvoll sich Diane Arbus den Rändern der Gesellschaft näherte. Ganz bescheiden wird das Berlin Modern nun als 'Erweiterung' der Neuen Nationalgalerie bezeichnet, weniger bescheiden sind die inzwischen eingeplanten 600 Millionen Euro Baukosten, notiert der Tagesspiegel fassungslos.

Hohe Kunst der Langsamkeit

16.10.2025. Die Zeit sieht hinter der "hippiesken Farbenfroheit" der Werke der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama in Basel das "Fratzenhafte der Welt" hervorblitzen. Die FAZ bewundert in einer Ausstellung in der Tate Modern zur nigerianischen Moderne die Skulpturen Ben Enwonwus. Die Welt attestiert Luca Guadagninos Film "After the Hunt" mit Julia Roberts eine kaum erträgliche "kühle Distanz". Die Musikkritiker trauern um den Sänger D'Angelo, Revolutionär des Soul. 

In Venedig fließt alles zusammen

15.10.2025. Zeit Online fragt sich, wie es in Sachen Israelboykott nach dem Waffenstillstand in Gaza weitergeht - konkretes Beispiel: Eurovision. Die FAZ lernt in einer Nürnberger Ausstellung, wie Dürers Dudelsackspieler bereits im Mittelalter nach Ceylon gelangten. Die taz versinkt auf der diesjährigen Musikbiennale in Venedigs molto-crazy-Atmosphäre. Der Tagesspiegel freut sich über Kelly Reichardts "The Mastermind", ein auf links gedrehtes Heist-Movie.

Keine Autofiktion, nirgends

14.10.2025. Der Deutsche Buchpreis ging an Dorothee Elmiger für "Die Holländerinnen": Die Literaturkritiker sind mehrheitlich zufrieden mit der Wahl dieses "literarischen Plädoyers für das Rätselhafte", wie die Welt anmerkt. Radu Judes neuen Film "Kontinental '25" findet die SZ "aufregend sarkastisch", die taz attestiert "große Eleganz". Die FR ergründet in einer Ausstellung in Bad Homburg die Geheimnisse der Nacht. Die taz entdeckt in einer Kölner Ausstellung die Freundschafts - und Liebesbeziehungen der Künstler John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Cy Twombly

Plädoyer für die Fehlerhaftigkeit der Welt

13.10.2025. Die Feuilletons trauern um Diane Keaton: Sie erinnern an eine Frau, die ihren Rollen eine völlig neue, radikale Haltung des Frau-selbst-seins verliehen hat und auch an eine Stilikone. FAZ, taz und FR treffen sich am Schauspiel Frankfurt, wo Anja Hillings Stück zu KI in der Erziehung Unbehagen erzeugt. Die NZZ porträtiert die russische Sängerin Monetotscka, die wenig Hoffnung hat, aus dem Exil zurückkehren zu können. In der FAZ singt die philippinische Senatorin Loren Legarda ein Loblied auf die Literatur ihres Landes.