Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
09.08.2022. Aktualisiert: Emine Sevgi Özdamar bekommt in diesem Jahr den Büchner-Preis! Der Tagesspiegel bestaunt in der Fondation Cartier Werke der australischen Künstlerin Sally Gabori, die erst mit 81 Jahren zu malen anfing. Die Musikkritiker sind hin und weg von Barrie Koskys Salzburger Inszenierung von Leoš Janáčeks "Katja Kabanova": So geht Minimalismus, mit fabelhafter Personenführung! In der FAZ beklagt der ostukrainische Schriftsteller Wolodymyr Rafejenko, was der Krieg seiner Sprache angetan hat: Die russische Sprache an sich wurde obszön. Wie Rap-Texte zu Beweismitteln werden können gegen kriminelle Gangs, erklärt Zeit online.
08.08.2022. Der Bayreuther "Ring" ist durch. Der Presse geht es den Umständen entsprechend widerprüchlich. Zwanzig Minuten Buhorkan stoppte die SZ nach der "Götterdämmerung". Die FAZ spricht gar von einer Hinrichtung. "Egal - in vier Jahren klatschen sie alle", verspricht die Welt, die als einzige Zeitung die "große Kraft" dieser Inszenierung lobt. Die taz bewundert die Totenköpfe der Hamburger Künstlerin Magda Krawcewicz. Das Gedicht hat den Krieg kommen sehen, ist sich der ungarische Lyriker Gábor Schein bei Zeit online sicher.
06.08.2022. Die Kritiker senden erste Eindrücke vom letzten Teil des Rings in Bayreuth: Ein ganzes "Buh-Gewitter von erschreckend unflätigem Furor", erlebt der Tagesspiegel, Mutlosigkeit kann man Valentin Schwarz immerhin nicht vorwerfen, beschwichtigt der Standard und glaubt: Die Inszenierung wird noch Kult! Auf ZeitOnline erlebt Annett Gröschner im litauischen Kaunas eine Stadt zwischen Solidarität und Angst. Die WamS lernt von "Nope"-Regisseur Jordan Peele, dass die historischen Cowboys zum beträchtlichen Teil Schwarze waren. Und die Berliner Zeitung hört verwundert zu, wenn Burda-Erbin Elisabeth Furtwängler ihre Befindlichkeiten rappt.
05.08.2022. Die FAZ liefert Hintergründe zum Prozess gegen die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga in Simbabwe. Der Tagesspiegel vermisst Psychologie in Bayreuth, die SZ hört lieber den Mythos in der Musik als echte Menschen zu sehen. Die FR freut sich auf die Douglas-Sirk-Retro in Locarno. Die NZZ ist genervt von der internationalen Sprachpolizei, die jetzt Beyoncé und Lizzo zur Änderung von Texten zwang. Zeit online findet das demokratisch: Via Social Media kommunizierten Fans und Stars jetzt fast auf Augenhöhe. Warum einige kubanische Künstler Angst haben, nach Kassel zu fahren, erklärt die Welt.
04.08.2022. Die NZZ erzählt, wie Vitra und Sanaa Architekten das Umbrella House des japanischen Architekten Kazuo Shinohara retteten. Die Presse lernt von Dóra Maurer, wie man in der ungarischen Kunst Geometrie versteht. In Bayreuth feiert die Welt Würde, Fülle, Kraft und Glanz des Wagnerschen "Siegfrieds". Die SZ recherchiert, wie das Harry Ransom Center in Texas mit aberwitzigen Geldbeträgen literarische Nachlässe aufkauft. Die FAZ erholt sich von zeitgeistigen Aufregungen beim Festival für Barockmusik im estnischen Haapsalu.
03.08.2022. Die FAZ bestaunt in einer Berliner Ausstellung das fantastisch düstere Comic-Tokio des Manga-Künstler Katsuhiro Ōtomo. Verweigerung kann heilsam sein, aber sie braucht ein Gegengift, das der Tagesspiegel in der Bayreuther "Walküre" vermisst. Musikalisch war die Sache aber tiptop, lobt die taz. Im Interview mit dem Standard warnt Yana Ross: Vorsicht vor Stiftungen mit Sitz im Schweizerischen Zug. Auf Zeit online macht Lilian Peter kurzen Prozess mit dem patriarchalen Schreiben. Die taz zieht den Bauch ein und probiert in der Münchner Pinakothek einen "Go FlyEase"-Schuh.
02.08.2022. In Bayreuth wurde Wagners "Rheingold" in der Regie von Valentin Schwarz ausgebuht und beklatscht: Die nmz fand's spannend, die FAZ verwirrend, die SZ feministisch. Bei Zeit online denkt die Kunstwissenschaftlerin Annekathrin Kohout über den Einfluss Instagrams auf die Kunst nach. Die taz sagt Nichelle - Lieutenant Nyota Uhura - Nicols leise Adieu. Teodor Currentzis hat ein internationales Orchester namens "Utopia" gegründet. Gut, wenn er damit seine russischen Finanziers los wird, meint die Welt.
01.08.2022. In Salzburg feiert die litauische Sopranistin Asmik Grigorian in gleich drei Puccini-Hauptrollen Triumphe. Die Kritiker sind hin und weg, nur manchmal fehlen ihr die timbralen Rundungen, bemerkt die FAZ. Critic.de sah italienisches Genrekino auf den schönsten Kopien beim Frankfurter Filmfestival Terza Visione. Die SZ hört Jazz aus fernen Zeitgalaxien des Duos DOMi & JD Beck. Der Standard kippt ein Gläschen Blut und verzehrt Paprikahendl mit Marillenknödeln vor Innereien beim Orgien Mysterien Spiel von Hermann Nitsch. Die FR feiert das It-Girl der Siebziger und Achtziger in Berlin, Tabea Blumenschein.
30.07.2022. Zehn AutorInnen haben für Salzburg Schnitzlers "Reigen" umgeschrieben. Das Ergebnis? Debatte statt Sex. Nachtkritik, SZ und FAZ sind mäßig beeindruckt. Die FAS besucht die Manifesta in Prishtina. Der Filmdienst begutachtet in der Berliner Ausstellung "No Master Territories" die Geschichte des feministischen Kinos der Siebziger- und Achtzigerjahre. Der Standard fängt sich ein aufgegamseltes Schleckerbussi von Beyonce ein.
29.07.2022. Es wird schon wieder über antisemitische Kunst auf der Documenta gestritten. Die FAZ kann das Ausmaß an Inkompetenz der Leitung nicht fassen. Die Welt macht das neofeudale Selbstbild der Unkündbaren des Betriebs dafür verantwortlich. Javier Bardem erklärt im Interview mit epd-Film, warum ein Nilpferd ihn für seine Rolle als Drogenbaron Escobar inspiriert hat. Die SZ feiert die Architektur Günter Behnischs. Der Standard hat die Zukunft des Pop gesehen, und sie heißt Moonchild Sanelly.